Fachinformation - Ceftazidim hameln 500 mg Pulver zur Herstellung einer Injektionslösung
1. BEZEICHNUNG DES ARZNEIMITTELS
Ceftazidim hameln 500 mg Pulver zur Herstellung einer Injektionslösung
2. QUALITATIVE UND QUANTITATIVE ZUSAMMENSETZUNG
Jede Durchstechflasche enthält Ceftazidim-Pentahydrat, entsprechend 500 mg Ceftazidim.
Sonstiger Bestandteil mit bekannter Wirkung: Jede Durchstechflasche enthält 25 mg Natrium.
Vollständige Auflistung der sonstigen Bestandteile, siehe Abschnitt 6.1.
3. DARREICHUNGSFORM
Pulver zur Herstellung einer Injektionslösung
Weißes oder hellgelbes Pulver.
4. KLINISCHE ANGABEN
4.1 Anwendungsgebiete
Ceftazidim hameln wird angewendet bei Erwachsenen und Kindern, inklusive Neugeborenen (von Geburt an), zur Behandlung der Infektionen, die untenstehend aufgelistet sind.
- Nosokomiale Pneumonie
- Bronchopulmonale Infektionen bei zystischer Fibrose
- Bakterielle Meningitis
- Chronisch eitrige Otitis media
- Maligne Otitis externa
- Komplizierte Harnwegsinfektionen
- Komplizierte Haut- und Weichteilinfektionen
- Komplizierte intraabdominale Infektionen
- Knochen- und Gelenksinfektionen
- Peritonitis assoziiert mit Dialyse bei Patienten unter kontinuierlicher ambulanter Peritonealdialyse (continuous ambulatory peritoneal dialysis, CAPD).
Behandlung von Patienten mit Bakteriämie im Zusammenhang oder bei vermutetem Zusammenhang mit einer der oben angeführten Infektionen.
Ceftazidim kann zur Behandlung von neutropenischen Patienten mit Fieber, aufgrund einer vermuteten bakteriellen Infektion, eingesetzt werden.
Ceftazidim kann als perioperative Prophylaxe von Harnwegsinfekten bei Patienten, die sich einer transurethralen Resektion der Prostata (TURP) unterziehen, verwendet werden.
Bei der Wahl von Ceftazidim muss sein antibakterielles Spektrum berücksichtigt werden, welches hauptsächlich auf aerobe, Gram-negative Bakterien limitiert ist (siehe Abschnitte 4.4 und 5.1).
Ceftazidim ist gemeinsam mit anderen antibakteriellen Wirkstoffen anzuwenden, wenn die mögliche Bandbreite der verursachenden Bakterien nicht von seinem Wirkspektrum abgedeckt wird.
Offizielle Leitlinien zum angemessenen Gebrauch von antibakteriellen Arzneimitteln müssen berücksichtigt werden.
4.2 Dosierung und Art der Anwendung
Dosierung
Tabelle 1.: Erwachsene und Kinder ≥ 40 kg
| Intermittierende Verabreichung | |
|---|---|
| Infektion | Zu verabreichende Dosis |
| Bronchopulmonale Infektionen bei zystischer Fibrose | 100 bis 150 mg/kg/Tag alle 8 h, maximal 9 g pro Tag1 |
| Febrile Neutropenie | 2 g alle 8 h |
| Nosokomiale Pneumonie | |
| Bakterielle Meningitis | |
| Bakteriämie* | |
| Knochen- und Gelenksinfektionen | 1-2 g alle 8 h |
| Komplizierte Haut- und Weichteilinfektionen | |
| Komplizierte intraabdominale Infektionen | |
Peritonitis assoziiert mit Dialyse bei CAPD-Patienten | |
| Komplizierte Harnwegsinfektionen | 1-2 g alle 8 oder 12 h |
| Perioperative Prophylaxe bei transurethraler Prostata-Resektion (TURP) | 1 g beim Start der Anästhesie und eine zweite Dosis beim Entfernen des Katheters |
| Chronisch eitrige Otitis media | 1-2 g alle 8 h |
| Maligne Otitis externa | |
| Kontinuierliche Infusion | |
| Infektion | Zu verabreichende Dosis |
| Febrile Neutropenie | Startdosis von 2 g gefolgt von einer kontinuierlichen Infusion von 4-6 g alle 24 h1 |
| Nosokomiale Pneumonie | |
| Bronchopulmonale Infektionen bei zystischer Fibrose | |
| Bakterielle Meningitis | |
| Bakteriämie* | |
| Knochen- und Gelenksinfektionen | |
| Komplizierte Haut- und Weichteilinfektionen | |
| Komplizierte intraabdominale Infektionen | |
Peritonitis assoziiert mit Dialyse bei CAPD-Patienten | |
1 Erwachsene mit normaler Nierenfunktion haben 9 g/Tag ohne Nebenwirkungen vertragen. * Im Zusammenhang mit einer im Abschnitt 4.1 angeführten Infektion oder bei Verdacht auf einen solchen Zusammenhang. | |
Tabelle 2.: Kinder < 40 kg
| Säuglinge und Kleinkinder > 2 Monate und Kinder < 40 kg | Infektion | Übliche Dosierung |
|---|---|---|
| Intermittierende Verabreichung | ||
| Komplizierte Harnwegsinfektionen | 100-150 mg/kg/Tag aufgeteilt auf 3 gleiche Dosen, maximal 6 g/Tag | |
| Chronisch eitrige Otitis media | ||
| Maligne Otitis externa | ||
| Neutropenische Kinder | 150 mg/kg/Tag aufgeteilt auf 3 gleiche Dosen, maximal 6 g/Tag | |
| Bronchopulmonale Infektionen bei zystischer Fibrose | ||
| Bakterielle Meningitis | ||
| Bakteriämie* | ||
| Knochen- und Gelenksinfektionen | 100-150 mg/kg/Tag aufgeteilt auf 3 gleiche Dosen, maximal 6 g/Tag | |
| Komplizierte Haut- und Weichteilinfektionen | ||
| Komplizierte intraabdominale Infektionen | ||
| Peritonitis assoziiert mit Dialyse bei CAPD-Patienten | ||
| Kontinuierliche Infusion | ||
| Febrile Neutropenie | Startdosis von 60-100 mg/kg, gefolgt von einer kontinuierlichen Infusion von 100-200 mg/kg/Tag, maximal 6 g/Tag | |
| Nosokomiale Pneumonie | ||
| Bronchopulmonale Infektionen bei zystischer Fibrose | ||
| Bakterielle Meningitis | ||
| Bakteriämie* | ||
| Knochen- und Gelenksinfektionen | ||
| Komplizierte Haut- und Weichteilinfektionen | ||
| Komplizierte intraabdominale Infektionen | ||
| Peritonitis assoziiert mit Dialyse bei CAPD-Patienten | ||
| Neugeborene und Säuglinge ≤ 2 Monate | Infektion | Übliche Dosierung |
| Intermittierende Verabreichung | ||
| Bei den meisten Infektionen | 25-60 mg/kg/Tag aufgeteilt auf 2 gleiche Dosen1 | |
1 Bei Neugeborenen und Säuglingen ≤ 2 Monaten kann die Serumhalbwertszeit von Ceftazidim 3- bis 4-mal so hoch sein wie bei Erwachsenen. * Im Zusammenhang mit einer im Abschnitt 4.1 angeführten Infektion oder bei Verdacht auf einen solchen Zusammenhang. | ||
Kinder und Jugendliche
Die Sicherheit und Wirksamkeit von Ceftazidim hameln als kontinuierliche Infusion bei Neugeborenen und Säuglingen im Alter von ≤ 2 Monaten ist nicht erwiesen.
Ältere Patienten
Im Hinblick auf die altersbedingte verringerte Clearance von Ceftazidim bei älteren Patienten soll die tägliche Dosis bei Patienten über 80 Jahren normalerweise 3 g nicht überschreiten.
Leberfunktionsstörung
Die vorliegenden Daten weisen nicht auf die Notwendigkeit einer Dosisanpassung bei schwach oder mäßig stark eingeschränkter Leberfunktion hin. Für Patienten mit schwerer Leberfunktionsstörung liegen keine Studiendaten vor (siehe auch Abschnitt 5.2). Eine engmaschige klinische Überwachung zur Sicherheit und Wirksamkeit ist anzuraten.
Nierenfunktionsstörung
Ceftazidim wird von den Nieren unverändert ausgeschieden. Daher muss die Dosis bei Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion reduziert werden (siehe auch Abschnitt 4.4).
Eine Initialdosis von 1 g soll verabreicht werden. Die Erhaltungsdosis muss auf Basis der Kreatinin-Clearance berechnet werden:
Tabelle 3.: Empfohlene Erhaltungsdosis von Ceftazidim hameln bei Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion – intermittierende Infusion
Erwachsene und Kinder ≥ 40 kg
| Kreatinin-Clearance [ml/min] | Ungefähres Serum-Kreatinin [μmol/l] (mg/dl) | Empfohlene Einzeldosis von Ceftazidim hameln [g] | Dosierungsfrequenz (stündlich) |
| 50-31 | 150-200 (1,7-2,3) | 1 | 12 |
| 30-16 | 200-350 (2,3-4,0) | 1 | 24 |
| 15-6 | 350-500 (4,0-5,6) | 0,5 | 24 |
| < 5 | > 500 (> 5,6) | 0,5 | 48 |
Bei Patienten mit schweren Infektionen ist die Dosis um 50 % zu erhöhen oder die Dosierungsfrequenz zu erhöhen.
Bei Kindern muss die Kreatinin-Clearance an die Körperoberfläche oder fettfreie Körpermasse angepasst werden.
Kinder < 40 kg
| Kreatinin-Clearance [ml/min]** | Ungefähres Serum-Kreatinin* [μmol/l] (mg/dl) | Empfohlene individuelle Dosis [mg/kg Körpergewicht] | Dosierungsfrequenz (stündlich) | |||||||
| 50-31 | 150-200 (1,7-2,3) | 25 | 12 | |||||||
| 30-16 | 200-350 (2,3-4,0) | 25 | 24 | |||||||
| 15-6 | 350-500 (4,0-5,6) | 12,5 | 24 | |||||||
| < 5 | > 500 (> 5,6) | 12,5 | 48 | |||||||
* Die Serum-Kreatinin-Werte sind Richtwerte, welche möglicherweise nicht genau das gleiche Ausmaß an Einschränkung für alle Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion anzeigen. ** Geschätzt aufgrund der Körperoberfläche, oder gemessen. | ||||||||||
Eine engmaschige klinische Überwachung zur Sicherheit und Wirksamkeit ist anzuraten.
Tabelle 4.: Empfohlene Erhaltungsdosis von Ceftazidim hameln bei Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion – kontinuierliche Infusion
Erwachsene und Kinder ≥ 40 kg
Kreatinin-Clearance [ml/min] | Ungefähres Serum-Kreatinin [μmol/l] (mg/dl) | Dosierungsfrequenz (stündlich) |
| 50-31 | 150-200 (1,7-2,3) | Initialdosis von 2 g gefolgt von 1-3 g/24 Stunden |
| 30-16 | 200-350 (2,3-4,0) | Initialdosis von 2 g gefolgt von 1 g/24 Stunden |
| ≤ 15 | > 350 (> 4,0) | Nicht untersucht |
Bei der Dosiswahl ist Vorsicht geboten. Eine engmaschige klinische Überwachung zur Sicherheit und Wirksamkeit ist anzuraten.
Kinder < 40 kg
Die Sicherheit und Wirksamkeit von Ceftazidim hameln als kontinuierliche Infusion bei Kindern mit eingeschränkter Nierenfunktion und einem Gewicht von < 40 kg ist nicht erwiesen. Eine engmaschige klinische Überwachung zur Sicherheit und Wirksamkeit ist anzuraten.
Bei Anwendung von kontinuierlichen Infusionen bei Kindern mit eingeschränkter Nierenfunktion muss die Kreatinin-Clearance an die Körperoberfläche oder die fettfreie Körpermasse angepasst werden.
Hämodialyse
Die Serumhalbwertszeit während der Hämodialyse variiert von 3 5 Stunden.
Nach jeder Hämodialyse ist die Erhaltungsdosis von Ceftazidim, wie in der untenstehenden Tabelle empfohlen, erneut zu geben.
Peritonealdialyse
Ceftazidim kann während der Peritonealdialyse und während der kontinuierlichen ambulanten Peritonealdialyse (CAPD) verwendet werden.
Zusätzlich zur intravenösen Verabreichung kann Ceftazidim auch in die Dialyseflüssigkeit eingebracht werden (üblicherweise 125 250 mg auf 2 Liter Dialyselösung).
Bei Patienten mit Nierenversagen mit kontinuierlicher arteriovenöser Hämodialyse oder Hochfluss-Hämofiltration auf Intensivstationen: 1 g täglich entweder als Einzeldosis oder in aufgeteilten Dosen. Bei Niedrigfluss-Hämofiltration folgen Sie der Dosierempfehlung für Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion.
Bei Patienten mit veno-venöser Hämofiltration und veno-venöser Hämodialyse folgen Sie der Dosierempfehlung in den untenstehenden Tabellen.
Tabelle 5.: Dosierungsrichtlinie für kontinuierliche veno-venöse Hämofiltration
Verbleibende Nierenfunktion (Kreatinin-Clearance ml/min) | Erhaltungsdosis [mg] bei einer Ultrafiltrationsrate [ml/min] von 1 | |||||
| 5 | 16,7 | 33,3 | 50 | |||
| 0 | 250 | 250 | 500 | 500 | ||
| 5 | 250 | 250 | 500 | 500 | ||
| 10 | 250 | 500 | 500 | 750 | ||
| 15 | 250 | 500 | 500 | 750 | ||
| 20 | 500 | 500 | 500 | 750 | ||
| 1 Erhaltungsdosis ist alle 12 Stunden zu verabreichen. | ||||||
Tabelle 6.: Dosierungsrichtlinie für kontinuierliche veno-venöse Hämodialyse
| Verbleibende Nierenfunktion (Kreatinin-Clearance ml/min) | Erhaltungsdosis (mg) bei einer Dialysat-Flussgeschwindigkeit von 1: | |||||
| 1,0 Liter/Stunde | 2,0 Liter/Stunde | |||||
| Ultrafiltrationsrate [Liter/Stunde] | Ultrafiltrationsrate [Liter/Stunde] | |||||
| 0,5 | 1,0 | 2,0 | 0,5 | 1,0 | 2,0 | |
| 0 | 500 | 500 | 500 | 500 | 500 | 750 |
| 5 | 500 | 500 | 750 | 500 | 500 | 750 |
| 10 | 500 | 500 | 750 | 500 | 750 | 1 000 |
| 15 | 500 | 750 | 750 | 750 | 750 | 1 000 |
| 20 | 750 | 750 | 1 000 | 750 | 750 | 1 000 |
| 1 Erhaltungsdosis ist alle 12 Stunden zu verabreichen. | ||||||
Art der Anwendung
Die Dosis hängt von Schwere, Empfindlichkeit, Ort und Typ der Infektion sowie vom Alter und der Nierenfunktion des Patienten ab.
Ceftazidim hameln 500 mg wird durch intravenöse Injektion oder mittels tiefer intramuskulärer Injektion verabreicht. Empfohlene intramuskuläre Injektionsstellen sind der obere äußere Quadrant des Gluteus maximus oder der laterale Teil des Oberschenkels. Die Lösungen mit Ceftazidim hameln können direkt in eine Vene gegeben werden. Üblicherweise wird die intravenöse Verabreichung mittels intermittierender Injektion empfohlen. Eine intramuskuläre Verabreichung soll nur dann in Erwägung gezogen werden, wenn die intravenöse Verabreichung nicht möglich oder für den Patienten weniger geeignet ist.
4.3 Gegenanzeigen
Überempfindlichkeit gegen Ceftazidim, andere Cephalosporine oder einen der in Abschnitt 6.1 genannten sonstigen Bestandteile.
Schwere Überempfindlichkeit (z. B. anaphylaktische Reaktion) gegen andere Beta-Lactam-Antibiotika (Penicilline, Monobactame und Carbapeneme) in der Anamnese.
4.4 Besondere Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung
Überempfindlichkeit
Wie bei allen Beta-Lactam-Antibiotika wurden schwerwiegende und gelegentlich tödliche Überempfindlichkeitsreaktionen berichtet. Im Falle einer schweren Überempfindlichkeitsreaktion muss die Behandlung mit Ceftazidim sofort abgebrochen werden und angemessene Notfallmaßnahmen müssen eingeleitet werden.
Vor Beginn der Behandlung sollte festgestellt werden, ob der Patient in seiner Vorgeschichte bereits schwere Überempfindlichkeitsreaktionen, hervorgerufen durch Ceftazidim, durch andere Cephalosporine oder durch andere Typen von Beta-Lactam-Antibiotika, hatte. Vorsicht ist geboten, wenn Ceftazidim Patienten mit nicht schweren Überempfindlichkeitsreaktionen gegen andere Beta-Lactam-Antibiotika in der Vorgeschichte verabreicht wird.
Wirkspektrum
Ceftazidim hat ein eingeschränktes antibakterielles Spektrum. Es ist zur alleinigen Behandlung mancher Infektionsarten nicht geeignet, außer der Erreger ist bereits dokumentiert und als empfindlich bekannt, oder es besteht ein sehr großer Verdacht, dass die wahrscheinlichsten Erreger für die Behandlung mit Ceftazidim geeignet sind. Dies trifft insbesondere bei Erwägungen zur Behandlung von Patienten mit Bakteriämie und zur Behandlung der bakteriellen Meningitis, Haut- und Weichteilinfektionen sowie Knochen- und Gelenksinfektionen zu. Zusätzlich ist Ceftazidim empfindlich gegen Hydrolyse durch einige der erweiterten Spektren von Beta-Lactamasen (extended spectrum beta lactamases, ESBL). Deshalb sollte die Information über die Prävalenz von ESBL produzierenden Organismen berücksichtigt werden, wenn Ceftazidim zur Behandlung ausgesucht wird.
Pseudomembranöse Colitis
Antibiotika-assoziierte Colitis und pseudomembranöse Colitis wurden bei fast allen Antibiotika berichtet, einschließlich Ceftazidim. Diese können in ihrer Ausprägung von mild bis lebensbedrohlich schwanken. Deshalb ist dies bei Patienten zu bedenken, die an einer Diarrhö während oder anschließend an die Behandlung mit Ceftazidim leiden (siehe Abschnitt 4.8). Der Abbruch der Behandlung mit Ceftazidim und eine spezifische Behandlung gegen Clostridioides difficile sollten erwogen werden. Arzneimittel, die die Peristaltik hemmen, sollten nicht angewendet werden.
Nierenfunktion
Eine gleichzeitige Behandlung mit hohen Dosen Cephalosporin und nephrotoxischen Arzneimitteln wie Aminoglykosiden oder stark wirksamen Diuretika (z. B. Furosemid) kann die Nierenfunktion ungünstig beeinflussen.
Ceftazidim wird über die Nieren eliminiert, daher sollte die Dosis entsprechend der Einschränkung der Nierenfunktion reduziert werden. Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion sollten bezüglich Sicherheit und Wirksamkeit engmaschiger kontrolliert werden. Neurologische Folgen wurden gelegentlich berichtet, wenn die Dosis bei Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion nicht reduziert wurde (siehe Abschnitte 4.2 und 4.8).
Hautreaktionen
Schwerwiegende unerwünschte Reaktionen der Haut (severe cutaneous adverse reactions, SCAR), einschließlich Stevens-Johnson-Syndrom (SJS), toxisch epidermaler Nekrolyse (TEN), Arzneimittelwirkung mit Eosinophilie und systemischen Symptomen (drug reaction with eosinophilia and systemic symptoms, DRESS) und akutes generalisiertes pustulöses Exanthem (acute generalized exanthematous pustulosis, AGEP), die lebensbedrohlich oder tödlich sein können, wurden mit unbekannter Häufigkeit im Zusammenhang mit der Anwendung von Ceftazidim berichtet. Die Patienten sind auf die Anzeichen und Symptome hinzuweisen und engmaschig auf Hautreaktionen zu überwachen. Beim Auftreten von Anzeichen und Symptomen dieser Reaktionen muss Ceftazidim sofort abgesetzt und eine alternative Therapie erwogen werden. Wenn bei einem Patienten eine schwere Nebenwirkung wie ein SJS, eine TEN, eine DRESS oder ein AGEP unter der Anwendung von Ceftazidim aufgetreten ist, darf bei diesem Patienten zu keinem Zeitpunkt eine erneute Behandlung mit Ceftazidim begonnen werden.
Übermäßiges Wachstum nichtempfindlicher Organismen
Eine längere Anwendung kann zu vermehrtem Wachstum von nichtempfindlichen Keimen (z. B. Enterokokken, Pilze) führen, was eine Unterbrechung der Behandlung oder andere angemessene Maßnahmen erfordern kann. Die wiederholte Überprüfung des Zustandes des Patienten ist wichtig.
Beeinflussung von Tests
Ceftazidim beeinflusst Enzym-basierte Tests für Glykosurie nicht, aber eine leichte Beeinflussung (falsch-positiv) der Kupfer-Reduktionsmethode (Benedict, Fehling, Clinitest) kann vorkommen.
Ceftazidim beeinflusst nicht die Kreatininbestimmung in einer alkalischen Pikrinsäurelösung.
Bei ungefähr 5 % der Patienten fällt durch die Behandlung mit Ceftazidim der Coombs-Test positiv aus, was die Kreuzprobe beeinflussen kann.
Natriumgehalt
Dieses Arzneimittel enthält 25 mg Natrium pro Durchstechflasche, entsprechend 1,25 % der von der WHO für einen Erwachsenen empfohlenen maximalen täglichen Natriumaufnahme mit der Nahrung von 2 g.
Dieses Arzneimittel wird erst nach der Rekonstitution verabreicht – siehe Abschnitt 6.6.
Der Natriumgehalt des Verdünnungsmittels ist bei der Berechnung des Gesamtnatriumgehalts der zubereiteten Verdünnung des Produkts zu berücksichtigen. Detaillierte Informationen zum
Natriumgehalt der zur Verdünnung des Produkts verwendeten Lösung finden Sie in den Produktmerkmalen des verwendeten Verdünnungsmittels.
Dies sollte insbesondere bei Patienten mit salzarmer Ernährung berücksichtigt werden.
4.5 Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln und sonstige Wechselwirkungen
Studien zur Erfassung von Wechselwirkungen wurden nur mit Probenecid und Furosemid durchgeführt.
Die gleichzeitige Anwendung hoher Dosen mit nephrotoxischen Arzneimitteln kann die Nierenfunktion ungünstig beeinflussen (siehe Abschnitt 4.4).
Chloramphenicol wirkt in vitro als Antagonist von Ceftazidim und anderen Cephalosporinen. Die klinische Bedeutung davon ist unbekannt, wird die gleichzeitige Anwendung von Ceftazidim und Chloramphenicol allerdings erwogen, muss die Möglichkeit des Antagonismus bedacht werden.
4.6 Fertilität, Schwangerschaft und Stillzeit
Schwangerschaft
Bisher liegen nur begrenzt Daten über der Anwendung von Ceftazidim bei Schwangeren vor. Tierexperimentelle Studien ergaben keine Hinweise auf direkte oder indirekte gesundheitsschädliche Wirkungen in Bezug auf Schwangerschaft, embryonale/fötale Entwicklung, Geburtsvorgang oder postnatale Entwicklung (siehe Abschnitt 5.3).
Ceftazidim hameln darf schwangeren Frauen nur verschrieben werden, wenn der Nutzen das potenzielle Risiko überwiegt.
Stillzeit
Ceftazidim wird in kleinen Mengen in die Muttermilch ausgeschieden, aber bei therapeutischen Dosen von Ceftazidim sind keine Auswirkungen auf gestillte Neugeborene/Kinder zu erwarten. Ceftazidim kann während der Stillzeit angewendet werden.
Fertilität
Es liegen keine Daten vor.
4.7 Auswirkungen auf die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen
Es wurden keine Studien zur Untersuchung der Auswirkungen auf die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen durchgeführt. Allerdings können unerwünschte Wirkungen (z. B. Schwindelgefühl) auftreten, die die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen beeinflussen können (siehe Abschnitt 4.8).
4.8 Nebenwirkungen
Die häufigsten Nebenwirkungen sind Eosinophilie, Thrombozytose, Phlebitis oder Thrombophlebitis in Verbindung mit intravenöser Anwendung, Diarrhö, vorübergehender Anstieg von Leberenzymen, makulopapulöser oder urtikarieller Ausschlag, Schmerz und/oder Entzündung nach intramuskulärer Injektion und positiver Coombs-Test.
Es wurden Daten von gesponserten und nicht gesponserten klinischen Studien verwendet, um die Häufigkeiten für häufige und gelegentliche Nebenwirkungen zu bestimmen. Die Häufigkeiten aller anderen Nebenwirkungen wurden hauptsächlich mittels Post-Marketing-Daten bestimmt; diese beziehen sich eher auf eine Berichterstattungsrate als auf eine wahre Häufigkeit. Innerhalb jeder Häufigkeitsgruppierung werden Nebenwirkungen in abnehmender Schwere aufgelistet. Die folgende Einteilung wurde zur Klassifizierung der Häufigkeiten verwendet:
Sehr häufig (≥ 1/10)
Häufig (≥ 1/100, < 1/10)
Gelegentlich (≥ 1/1 000, < 1/100)
Selten (≥ 1/10 000, < 1/1 000)
Sehr selten (< 1/10 000)
Nicht bekannt (Häufigkeit auf Grundlage der verfügbaren Daten nicht abschätzbar)
Systemorgan- klasse | Häufig | Gelegentlich | Sehr selten | Nicht bekannt |
| Infektionen und parasitäre Erkrankungen | Candidiasis (einschließlich Vaginitis und orale Candidose) | |||
| Erkrankungen des Blutes und des Lymphsystems | Eosinophilie, Thrombozytose | Neutropenie, Leukopenie, Thrombozytopenie | Agranulozytose, Hämolytische Anämie, Lymphozytose | |
| Erkrankungen des Immunsystems | Anaphylaxie (einschließlich Bronchospasmus und/oder Hypotonie) (siehe Abschnitt 4.4) | |||
| Erkrankungen des Nervensystems | Kopfschmerzen, Schwindelgefühl | Neurologische Folgeerscheinu ngen1, Parästhesie | ||
| Gefäßerkrankungen | Phlebitis oder Thrombophlebitis bei intravenöser Verabreichung | |||
| Erkrankungen des Gastrointestinaltrakts | Diarrhö | Antibiotika-assoziierte Diarrhö und Colitis2 (siehe Abschnitt 4.4), Abdominal-schmerz, Übelkeit, Erbrechen | Schlechter Geschmack | |
| Leber- und Gallenerkrankungen | Vorübergehender Anstieg eines oder mehrerer Leberenzyme3 | Ikterus | ||
| Erkankungen der Haut und des Unterhautgewebes | Makulopapu-löser oder urtikarieller Ausschlag | Pruritus | Epidermolysis acuta toxica, Stevens-Johnson-Syndrom, Erythema multiforme, Angioödem Arzneimittel-wirkung mit Eosinophilie und systemischen Symptomen (DRESS)4, Akutes generalisiertes pustulöses Exanthem (AGEP) | |
| Erkrankungen der Nieren und Harnwege | Vorübergehende Erhöhung des Blutharnstoffes, des Blut-Harnstoff-Stickstoffes und/oder des Serumkreatinins | Interstitielle Nephritis, Akutes Nierenversagen | ||
| Allgemeine Erkrankungen und Beschwerden am Verabreichungsort | Schmerzen und/oder Entzündung nach intramuskulärer Injektion | Fieber | ||
| Untersuchungen | Positiver Coombs-Test5 |
1 Es gab Berichte von neurologischen Folgeerscheinungen einschließlich Tremor, Myoklonie, Konvulsionen, Enzephalopathie und Koma bei Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion, bei denen die Dosis von Ceftazidim nicht angemessen reduziert wurde.
2 Diarrhö und Colitis können mit Clostridioides difficile im Zusammenhang stehen und sich als eine pseudomembranöse Colitis äußern.
3 ALT (SGPT), AST (SOGT), LDH, GGT, alkalische Phosphatase.
4 Über Ceftazidim-assoziierte DRESS wurde in seltenen Fällen berichtet.
5 Ein positiver Coombs-Test entwickelt sich bei ca. 5 % der Patienten und kann die Blut-Kreuzprobe beeinflussen.
Meldung des Verdachts auf Nebenwirkungen
Die Meldung des Verdachts auf Nebenwirkungen nach der Zulassung ist von großer Wichtigkeit. Sie ermöglicht eine kontinuierliche Überwachung des Nutzen-Risiko-Verhältnisses des Arzneimittels. Angehörige von Gesundheitsberufen sind aufgefordert, jeden Verdachtsfall einer Nebenwirkung über Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte, Abt. Pharmakovigilanz, Kurt-Georg-Kiesinger-Allee 3, D-53175 Bonn, Deutschland, Website: http://www.bfarm.de/ anzuzeigen.
4.9 Überdosierung
Überdosierung kann zu neurologischen Folgen führen einschließlich Enzephalopathie, Konvulsionen und Koma.
Symptome einer Überdosierung können auftreten, wenn bei Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion die Dosis nicht angemessen reduziert wird (siehe Abschnitte 4.2 und 4.4).
Der Ceftazidim-Serum-Spiegel kann mittels Hämodialyse oder Peritonealdialyse reduziert werden.
5. PHARMAKOLOGISCHE EIGENSCHAFTEN
5.1 Pharmakodynamische Eigenschaften
Pharmakotherapeutische Gruppe: Antibiotika zur systemischen Anwendung, Cephalosporine der 3. Generation, ATC-Code: J01DD02
Wirkmechanismus
Ceftazidim inhibiert die bakterielle Zellwand-Synthese durch Bindung an Penicillin-Bindeproteine (PBP). Dadurch wird die Biosynthese der Zellwand (Peptidoglycan) unterbrochen, was zur bakteriellen Zelllyse und zum Tod der Bakterien führt.
Pharmakokinetische/Pharmakodynamische (PK/PD) Beziehung
Für Cephalosporine wurde gezeigt, dass der wichtigste pharmakokinetisch-pharmakodynamische Index im Zusammenhang mit der In-vivo-Wirksamkeit der prozentuale Zeitanteil innerhalb eines Dosierungsintervalls ist, in der die Konzentration an ungebundenem Ceftazidim über der minimalen Hemmkonzentration (minimum inhibitory concentration, MIC) für einzelne Zielarten liegt (z. B. % T > MIC).
Resistenzmechanismus
Eine bakterielle Resistenz gegen Ceftazidim kann auf einem oder mehreren der folgenden Mechanismen beruhen:
- Hydrolyse durch Beta-Lactamasen. Ceftazidim kann wirksam durch ein erweitertes Spektrum an Beta-Lactamasen (ESBL) hydrolysiert werden, einschließlich der SHV-Familie von ESBL und AmpC-Enzymen, die bei einigen aeroben Gram-negativen Bakterienarten konstitutiv vorhanden (dereprimiert) sind oder induziert werden können.
- reduzierte Affinität von Penicillin-Bindeproteinen zu Ceftazidim;
- Undurchdringlichkeit der äußeren Membran, wodurch in Gram-negativen Organismen die Erreichbarkeit der Penicillin-Bindeproteine für Ceftazidim eingeschränkt wird;
- bakterielle Efflux-Pumpen.
Grenzwerte der Empfindlichkeitstestung
Die Interpretationskriterien für die Empfindlichkeitstestung anhand der Bestimmung der MHK (minimalen Hemmkonzentration) wurden vom European Committee on Antimicrobial Susceptibility Testing (EUCAST) für Ceftazidim festgelegt und sind hier aufgeführt: https://www.ema.europa.eu/documents/other/minimum-inhibitory-concentration-mic-breakpoints_en.xlsx
Mikrobiologische Empfindlichkeit
Die Prävalenz der erworbenen Resistenz einzelner Spezies kann örtlich und im Verlauf der Zeit variieren. Deshalb sind – insbesondere für die adäquate Behandlung schwerer Infektionen – lokale Informationen über die Resistenzsituation erforderlich. Falls auf Grund der lokalen Resistenzsituation die Wirksamkeit von Ceftazidim bei zumindest einigen Arten von Infektionen in Frage gestellt ist, sollte bei Bedarf der Rat eines Experten eingeholt werden.
| Üblicherweise empfindliche Spezies |
Gram-positive aerobe Erreger Streptococcus pyogenes Streptococcus agalactiae |
Gram-negative aerobe Erreger Citrobacter koseri Haemophilus influenzae Moraxella catarrhalis Neisseria meningitidis Pasteurella multocida Proteus mirabilis Proteus spp. (andere) Providencia spp. |
| Spezies, bei denen erworbene Resistenzen ein Problem bei der Anwendung darstellen können |
Gram-negative aerobe Erreger Acinetobacter baumannii+ Burkholderia cepacia Citrobacter freundii Enterobacter cloacae Escherichia coli Klebsiella aerogenes Klebsiella pneumoniae Klebsiella spp. (andere) Pseudomonas aeruginosa Serratia spp. Morganella morganii |
Gram-positive aerobe Erreger Staphylococcus aureus£ Streptococcus pneumoniae££ Streptococcus viridans |
Gram-positive anaerobe Erreger Clostridium perfringens Peptostreptococcus spp. |
Gram-negative anaerobe Erreger Fusobacterium spp. |
| Von Natur aus resistente Spezies |
Gram-positive aerobe Erreger Enterococci einschließlich Enterococcus faecalis und Enterococcus faecium Listeria spp. |
Gram-positive anaerobe Erreger Clostridioides difficile |
Gram-negative anaerobe Erreger Bacteroides spp. (viele Stämme von Bacteroides fragilis sind resistent) |
Andere Chlamydia spp. Mycoplasma spp. Legionella spp. |
£ Für Methicillin-empfindliche S. aureus wird eine natürlich vorhandene geringe Empfindlichkeit gegenüber Ceftazidim angenommen. Alle Methicillin-resistenten S. aureus sind resistent gegenüber Ceftazidim. ££ Bei intermediär empfindlichen oder Penicillin-resistenten S. pneumoniae kann erwartet werden, dass zumindest eine reduzierte Empfindlichkeit gegenüber Ceftazidim besteht. + In einem oder mehreren Gebieten (Ländern, Regionen) innerhalb der EU wurden hohe Resistenzraten beobachtet. |
5.2 Pharmakokinetische Eigenschaften
Resorption
Nach intramuskulärer Anwendung von 500 mg bzw. 1 g Ceftazidim werden rasch Spitzen-Plasmaspiegel von 18 bzw. 37 mg/l erreicht. Fünf Minuten nach intravenöser Bolusinjektion von 500 mg, 1 g oder 2 g liegen die Plasmaspiegel bei 46, 87 bzw. 170 mg/l. Die Kinetik von Ceftazidim ist innerhalb des Einzeldosisbereiches von 0,5 2,0 g nach intravenöser oder intramuskulärer Dosierung linear.
Verteilung
Weniger als 10 % von Ceftazidim ist an Plasmaproteine gebunden. In Geweben, Flüssigkeiten und Sekreten wie Knochen, Herz, Galle, Sputum, Kammerwasser, Synovia, Pleura- und Peritonealflüssigkeit können für die gängigen Erreger höhere Konzentrationen als die MIC erreicht werden.
Ceftazidim passiert schnell die Plazenta und wird in die Muttermilch ausgeschieden. Die Penetration durch die intakte Blut-Hirn-Schranke ist schwach, woraus bei Fehlen eines entzündlichen Vorgangs ein niedriger Ceftazidim-Spiegel im Liquor resultiert. Wenn die Hirnhäute entzündet sind, werden jedoch Konzentrationen von 4 20 mg/l oder mehr im Liquor erreicht.
Biotransformation
Ceftazidim wird nicht metabolisiert.
Elimination
Nach parenteraler Anwendung sinken die Plasmaspiegel mit einer Halbwertszeit von ungefähr 2 h.
Ceftazidim wird durch glomeruläre Filtration unverändert über den Urin ausgeschieden; ungefähr 80 bis 90 % der Dosis werden im Urin innerhalb von 24 Stunden wiedergefunden. Weniger als 1 % wird über die Galle ausgeschieden.
Besondere Patientengruppen
Nierenfunktionsstörung
Die Elimination von Ceftazidim ist verringert bei Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion und die Dosis sollte reduziert werden (siehe Abschnitt 4.2).
Leberfunktionsstörung
Das Vorliegen einer leichten bis mittelschweren Leberfunktionsstörung hatte keinen Effekt auf die Pharmakokinetik von Ceftazidim bei Personen, denen 2 g intravenös alle 8 Stunden über 5 Tage verabreicht wurden, vorausgesetzt es lag keine Nierenfunktionsbeeinträchtigung vor (siehe Abschnitt 4.2).
Ältere Patienten
Die verringerte Clearance, die bei älteren Patienten beobachtet wurde, war primär mit einer altersbedingten Abnahme der renalen Clearance von Ceftazidim verbunden. Die mittlere Eliminationshalbwertszeit schwankte zwischen 3,5 und 4 Stunden nach einer Einzelgabe oder nach über 7 Tage wiederholter zweimal täglicher Dosierung von 2 g i.v.-Bolus-Injektionen bei älteren Patienten von 80 Jahren oder älter.
Kinder und Jugendliche
Die Halbwertszeit von Ceftazidim ist bei Früh- und Reifgeborenen nach Dosen von 25 30 mg/kg um 4,5 7,5 Stunden verlängert. Ab einem Alter von 2 Monaten liegt die Halbwertszeit allerdings innerhalb des Bereiches von Erwachsenen.
5.3 Präklinische Daten zur Sicherheit
Basierend auf den konventionellen Studien zur Sicherheitspharmakologie, Toxizität bei wiederholter Gabe, Reproduktionstoxizität und Genotoxizität lassen die präklinischen Daten keine besonderen Gefahren für den Menschen erkennen. Studien zum kanzerogenen Potential wurden mit Ceftazidim nicht durchgeführt.
6. PHARMAZEUTISCHE ANGABEN
6.1 Liste der sonstigen Bestandteile
Natriumcarbonat
6.2 Inkompatibilitäten
Ceftazidim ist in Natriumbicarbonat-Lösungen weniger stabil als in anderen zur intravenösen Anwendung vorgesehenen Flüssigkeiten. Sie wird als Verdünnungsmittel nicht empfohlen.
Ceftazidim und Aminoglykoside nicht im gleichen Infusionsbesteck oder in der gleichen Spritze mischen.
Nach der Zugabe von Vancomycin in Ceftazidim-Lösungen wurde von Präzipitationen berichtet.
Daher müssen Infusionsbesteck und intravenöse Zugänge zwischen der Anwendung dieser beiden Wirkstoffe gespült werden.
6.3 Dauer der Haltbarkeit
Ungeöffnete Durchstechflaschen: 2 Jahre
Nach der Rekonstitution und Verdünnung:
Die chemische und physikalische Stabilität nach Anbruch wurde für 3 Stunden bei 25 °C und für 24 Stunden bei 2 bis 8 °C nachgewiesen. Die rekonstituierten und verdünnten Produkte müssen nicht vor Licht geschützt werden.
Aus mikrobiologischer Sicht ist das Produkt sofort zu verwenden, es sei denn, die Methode der Rekonstitution und Verdünnung schließt das Risiko einer Kontamination aus.
Wenn es nicht sofort verwendet wird, liegt die Verantwortung für die Dauer und Bedingungen der Lagerung nach Anbruch beim Anwender.
6.4 Besondere Vorsichtsmaßnahmen für die Aufbewahrung
Für dieses Arzneimittel sind bezüglich der Temperatur keine besonderen Lagerungsbedingungen erforderlich. Die Durchstechflasche im Umkarton aufbewahren, um den Inhalt vor Licht zu schützen.
Aufbewahrungsbedingungen nach Rekonstitution/Verdünnung/Anbruch des Arzneimittels, siehe Abschnitt 6.3.
6.5 Art und Inhalt des Behältnisses
Durchstechflasche aus Typ III Glas mit Brombutyl-Gummistopfen und Aluminiumsiegel oder Aluminiumsiegel mit blauer Flip-off-Schutzkappe aus Kunststoff. Jede Packung enthält 10 Durchstechflaschen.
6.6 Besondere Vorsichtsmaßnahmen für die Beseitigung und sonstige Hinweise zur Handhabung
Durchstechflaschen mit Ceftazidim hameln werden unter reduziertem Druck geliefert. Bei der Lösung des Arzneimittels wird Kohlendioxid freigesetzt und es entsteht ein Überdruck. Kleine Kohlendioxidbläschen in der rekonstituierten Lösung können vernachlässigt werden.
Hinweise zur Rekonstitution/Verdünnung
Siehe Tabelle für zuzufügende Volumina und entsprechende Konzentrationen der Lösung, was bei Bedarf an Teildosen hilfreich sein kann.
| Durchstechflasche ngröße | Art der Anwendung | Zuzufügende Menge an Verdünnungsmittel [ml] | Ungefähre Ceftazidimkonzentration [mg/ml] |
| 500 mg | intramuskuläre Injektion | 1,5 | 260 |
| intravenös Bolus | 5 | 90 |
Hinweis:
Das resultierende Volumen der Ceftazidim-Lösung im Rekonstitutionsmedium erhöht sich aufgrund des Verdrängungsfaktors des Arzneimittels, was zu den in der vorstehenden Tabelle aufgeführten Konzentrationen in mg/ml führt.
Abhängig von der Konzentration und den Lagerungsbedingungen variieren die Lösungen in der Farbe von farblos bis hellgelb. Bei Beachtung der angegebenen Empfehlungen haben diese Farbunterschiede keinen Einfluss auf die Wirksamkeit.
Empfohlene Verdünnungsmedien sind:
- 0,9 % Natriumchlorid;
- 5 % Glucose-Infusionslösung;
- 5 % Glucose und 0,9 % Natriumchlorid, 1:1;
- 5 % Glucose und 0,9 % Natriumchlorid, 2:1;
- Ringerlösung;
- Ringer-Lactat-Lösung;
- Wasser für Injektionszwecke.
Ceftazidim ist in Konzentrationen von 1 mg/ml bis 40 mg/ml mit den vorstehend genannten Verdünnungsmitteln kompatibel.
Ceftazidim kann zur intramuskulären Anwendung mit 1 % Lidocainhydrochlorid für Injektionszwecke zubereitet werden.
Herstellung von Lösungen für die Bolusinjektion
- 1. Stecken Sie die Spritzennadel durch den Verschluss der Durchstechflasche und injizieren Sie die empfohlene Menge des Lösungsmittels. Das Vakuum kann den Eintritt des Lösungsmittels unterstützen. Entfernen Sie die Spritzennadel.
- 2. Zum Auflösen schütteln: Kohlendioxid wird freigesetzt und man erhält nach etwa 1 bis 2 Minuten eine klare Lösung.
- 3. Drehen Sie die Durchstechflasche um. Stecken Sie die Nadel mit komplett gedrücktem Spritzenkolben durch den Verschluss der Durchstechflasche und ziehen Sie das komplette Volumen der Lösung in die Spritze auf (der Druck in der Durchstechflasche kann das Aufziehen unterstützen). Stellen Sie sicher, dass die Nadel in der Lösung verbleibt und nicht in den Kopfraum eintritt. Die entnommene Lösung kann kleine Blasen mit Kohlendioxid enthalten; diese können vernachlässigt werden.
Diese Lösungen können direkt in die Vene gegeben werden oder in den Schlauch des Infusionsbestecks, wenn der Patient parenterale Flüssigkeiten erhält. Ceftazidim ist mit den zuvor aufgelisteten intravenösen Flüssigkeiten kompatibel.
Nicht verwendetes Arzneimittel oder Abfallmaterial ist entsprechend den nationalen Anforderungen zu beseitigen.
7. INHABER DER ZULASSUNG
hameln pharma gmbh
Inselstraße 1
31787 Hameln
Deutschland
8. ZULASSUNGSNUMMERN
7017052.00.00
9. DATUM DER ERTEILUNG DER ZULASSUNG
Datum der Erteilung der Zulassung: 14.08.2026
10. STAND DER INFORMATION
08.2026
11. VERKAUFSABGRENZUNG
Verschreibungspflichtig
