Fachinformation - Heweneural 1%
1. Bezeichnung des Arzneimittels
Lidocain Hevert 1%
Injektionslösung
Wirkstoff: Lidocainhydrochlorid 1 H2O 20 mg
2. Qualitative und quantitative Zusam-mensetzung
1 Ampulle zu 2 ml enthält 20 mg Lidocainhydrochlorid 1 H2O, entsprechend 16,2 mg Lidocain
Auflistung der sonstigen Bestandteile siehe Abschnitt 6.1
3. Darreichungsform
Injektionslösung
4. Klinische Angaben
4.1 Anwendungsgebiete
Zur Anwendung im Rahmen neuralthera-peutischer Anwendungsprinzipien.
4.2. Dosierung, Art und Dauer der Anwen-dung
Soweit nicht anders verordnet gelten fol-gende Dosierungsempfehlungen:
Grundsätzlich gilt, dass nur die kleinste Dosis verabreicht werden darf, mit der die gewünschte Wirkung erreicht wird. Die Dosierung ist entsprechend den Beson-derheiten des Einzelfalles individuell vor-zunehmen.
Bei Applikation in Gewebe, aus denen eine schnelle Resorption von Substanzen erfolgt, sollte eine Einzeldosierung von 300 mg Lidocainhydrochlorid 1 H2O ohne Vasokonstriktorzusatz oder 500 mg Lido-cainhydrochlorid 1 H2O mit Vasokon-striktorzusatz nicht überschritten werden.
Als Einzeldosen für Jugendliche über 15 Jahren und Erwachsene mit einer durch-schnittlichen Körpergröße gelten folgende Empfehlungen:
Hautquaddeln pro Quaddel bis zu 20 mg Lidocainhydrochlorid 1 H2O (entspricht bis zu 2 ml Lidocain Hevert 1%).
Bei Patienten mit reduziertem Allgemein-zustand bzw. veränderter Plasmaeiweiß-bindung (z. B. Niereninsuffizienz, Lebe-rinsuffizienz, Karzinomerkrankungen, Schwangerschaft) müssen grundsätzlich kleinere Dosen angewendet werden.
Bei Patienten mit Niereninsuffizienz wird eine verkürzte Wirkzeit der Lokalanästhe-tika beobachtet. Dies wird auf einen be-schleunigten Transport des Lokalanäs-thetikums in die Blutbahn durch Azidose und gesteigertes Herz-Zeit-Volumen zu-rückgeführt.
Bei Lebererkrankungen ist die Toleranz gegen Säureamid-Lokalanästhetika her-abgesetzt. Verantwortlich hierfür wird ein verminderter hepatischer Metabolismus gemacht sowie eine verringerte Protein-synthese mit einer daraus resultierenden niedrigeren Plasmaproteinbindung von Lokalanästhetika. In diesen Fällen wird ebenfalls eine erniedrigte Dosis empfoh-len.
Bei Patienten mit zerebralem Anfallslei-den muss verstärkt auf die Manifestation zentralnervöser Symptome geachtet wer-den. Auch bei nicht hohen Lidocainhydro-chlorid 1 H2O-Dosen muss mit einer ge-steigerten Krampfbereitschaft gerechnet werden. Beim Melkersson-Rosenthal-Syndrom können allergische und toxische Reaktionen des Nervensystems auf Lo-kalanästhetika vermehrt auftreten.
Bei Patienten mit Zeichen einer Herzin-suffizienz oder klinisch relevanten Störun-gen der kardialen Erregungsbildung und -ausbreitung ist die Dosis zu reduzieren und eine stete Kontrolle der Funktionspa-rameter erforderlich - auch nach Wir-kungsende des Lokalanästhetikums. Nichtsdestoweniger kann die lokale oder regionale Nervenblockade das anästhesi-ologische Verfahren der Wahl sein.
Für Kinder und ältere Menschen sind Do-sierungen individuell unter Berücksichti-gung von Alter und Gewicht zu berech-nen.
Lidocain Hevert 1% wird bei Erwachse-nen und Kindern angewendet. Besondere Vorsicht ist bei der Behandlung von Kin-dern unter 4 Jahren geboten. Die zu inji-zierende Menge sollte anhand des Alters und des Gewichtes des Kindes und des Ausmaßes der Operation bestimmt wer-den.
Die Anästhesie-Methode sollte sorgfältig ausgewählt werden. Schmerzhafte Anäs-thesie-Techniken sollten vermieden wer-den. Das Verhalten des Kindes sollte während der Behandlung sorgfältig über-wacht werden.
Die durchschnittliche Dosis, die zu ver-wenden ist, beträgt zwischen 20 und 30 mg Lidocainhydrochlorid pro Eingriff. Al-ternativ kann die Dosis in mg von Lido-cainhydrochlorid, die Kindern verabreicht werden darf, nach der folgenden Formel berechnet werden: Gewicht des Kindes (in kg) x 1,33. Eine Verabreichung von 5 mg Lidocainhydrochlorid pro Kilogramm Körpergewicht darf nicht überschritten werden.
Art und Dauer der Anwendung
Lidocain Hevert 1% wird in die Haut (int-rakutan) eingespritzt.
Grundsätzlich gilt, dass bei kontinuierli-cher Anwendung nur niedrig kon-zentrierte Lösungen von Lidocainhydro-chlorid 1 H2O appliziert werden.
Die Injektionslösung ist nur zur einmali-gen Entnahme vorgesehen. Die Anwen-dung muss unmittelbar nach Öffnung des Behältnisses erfolgen. Nicht verbrauchte Reste sind zu verwerfen.
4.3 Gegenanzeigen
Lidocain Hevert 1% darf nicht angewen-det werden
- bei bekannter Überempfindlichkeit ge-gen Lokalanästhetika vom Säureamid-Typ,
- bei schweren Störungen des Herz-Reizleitungssystems,
- bei akut dekompensierter Herzinsuffizi-enz,
- bei kardiogenem oder hypovolämi-schen Schock.
4.4 Besondere Warnhinweise und Vor-sichtsmaßnahmen für die Anwendung
Lidocain Hevert 1% darf nur mit besonde-rer Vorsicht angewendet werden
- bei Nieren- oder Lebererkrankung,
- Myasthenia gravis,
- zur Injektion in ein infiziertes Gebiet.
Vor einer Lokalanästhesie ist grundsätz-lich auf eine ausreichende Volumensub-stitution zu achten. Bestehende Hy-povolämien müssen behoben werden.
Ist eine Allergie gegen Lidocainhydrochlo-rid 1 H2O bekannt, so muss mit einer Kreuzallergie gegen andere Säureamid-Lokalanästhetika gerechnet werden.
Bei Anwendung im Hals-Kopf-Bereich be-steht ein höherer Gefährdungsgrad, weil das Risiko für zentralnervöse Intoxikati-onssymptome erhöht ist.
Zur Vermeidung von Nebenwirkungen sollten folgende Punkte beachtet werden:
- Bei Risikopatienten und bei Verwen-dung höherer Dosierungen (mehr als 25 % der maximalen Einzeldosis bei ein-zeitiger Gabe) intravenösen Zugang für Infusion anlegen (Volumensubstitu-tion),
- Dosierung so niedrig wie möglich wäh-len,
- in der Regel keinen Vasokonstriktorzu-satz verwenden (siehe 4.2 Dosierung, Art und Dauer der Anwendung),
- korrekte Lagerung des Patienten be-achten,
- vor Injektion sorgfältig in zwei Ebenen aspirieren (Drehung der Kanüle),
- Vorsicht bei Injektionen in infizierte Be-reiche (aufgrund verstärkter Aufnahme bei herabgesetzter Wirksamkeit),
- Injektion langsam vornehmen,
- Blutdruck, Puls und Pupillenweite kon-trollieren,
- allgemeine und spezielle Kontraindika-tionen sowie Wechselwirkungen mit an-deren Mitteln beachten.
Vor der Injektion eines Lokalanästheti-kums ist darauf zu achten, dass das In-strumentarium zur Wiederbelebung (z. B. zur Freihaltung der Atemwege und zur Sauerstoffzufuhr) und die Notfallmedika-tion zur Therapie toxischer Reaktionen sofort verfügbar sind.
Es ist zu beachten, dass unter Behand-lung mit Blutgerinnungshemmern (Antiko-agulantien, wie z. B. Heparin), nichtstero-idalen Antirheumatika oder
Plasmaersatzmitteln nicht nur eine verse-hentliche Gefäßverletzung im Rahmen der Schmerzbehandlung zu ernsthaften Blutungen führen kann, sondern dass all-gemein mit einer erhöhten Blutungsnei-gung gerechnet werden muss. Gegebe-nenfalls sollten die Blutungszeit und die partielle Thromboplastinzeit (PTT), resp. aktivierte partielle Thromboplastinzeit (aPTT) bestimmt, der Quick-Test durch-geführt und die Thrombozytenzahl über-prüft werden.
Diese Untersuchungen sollten bei Risiko-patienten auch im Falle einer Low-dose-Heparinprophylaxe (vorsorgliche niedri-gere Dosis) vor der Anwendung von Lido-cain Hevert 1% durchgeführt werden. Ge-gebenenfalls ist die Antikoagulans-Thera-pie zeitig genug abzusetzen.
Eine Anästhesie bei gleichzeitiger Vorsor-getherapie zur Vermeidung von Thrombo-sen (Thromboseprophylaxe) mit nieder-molekularem Heparin sollte nur unter be-sonderer Vorsicht durchgeführt werden.
Kinder und ältere Menschen
Für Kinder und ältere Menschen sind Do-sierungen individuell unter Berücksichti-gung von Alter und Gewicht zu berech-nen.
4.5 Wechselwirkungen mit anderen Mitteln und sonstige Wechselwirkun-gen
Die gleichzeitige Gabe gefäßverengender Arzneimittel führt zu einer längeren Wirk-dauer von Lidocain Hevert 1%.
Bei gleichzeitiger Gabe von Lidocain He-vert 1% und Secale-Alkaloiden (wie z. B. Ergotamin) oder Epinephrin kann ein aus-geprägter Blutdruckabfall auftreten.
Vorsicht ist geboten bei Einsatz von Se-dativa, die ebenfalls die Funktion des ZNS beeinflussen und die toxische Wirkung von Lokalanästhetika verändern können. Es besteht ein Antagonismus zwischen Lokalanästhetika einerseits und Sedativa und Hypnotika andererseits. Die beiden letztgenannten Medikamentengruppen heben die Krampfschwelle des ZNS an.
Bei gleichzeitiger Anwendung von Aprin-din und Heweneural 1 % ist eine Summa-tion der Nebenwirkungen möglich. Aprin-din hat aufgrund der chemischen Struk-turähnlichkeit mit Lokalanästhetika ähnli-che Nebenwirkungen.
Vorsicht ist geboten bei gleichzeitiger Therapie mit Propranolol, Diltiazem und Verapamil. Durch eine Abnahme der Lidocainhydrochlorid 1 H2O-Clearance kommt es zu einer deutlichen Verlänge-rung der Eliminationshalbwertszeit mit Kumulationsgefahr.
Kombinationen verschiedener Lokalanäs-thetika rufen additive Wirkungen an kardi-ovaskulärem System und ZNS hervor.
Vorsicht ist geboten bei gleichzeitiger Gabe des H2-Antagonisten Cimetidin. Durch eine Abnahme der Leberdurchblutung und Hemmung mikro-somaler Enzyme können bereits nach In-terkostalblockade toxische Lidocain-Plas-maspiegel auftreten.
Die Wirkung nicht depolarisierender Mus-kelrelaxantien wird durch Lidocain Hevert 1% verlängert.
4.6 Schwangerschaft und Stillzeit
Eine Anwendung von Lidocain während der Schwangerschaft soll nur erfolgen, wenn es unbedingt erforderlich ist. Kon-trollierte Untersuchungen an Schwange-ren liegen nicht vor. Daten über eine be-grenzte Anzahl von exponierten Schwan-geren geben keinen Hinweis auf kongeni-tale Effekte durch Lidocain. Tierexperi-mentelle Studien haben Reproduktionsto-xizität gezeigt (siehe 5.3 Präklinische Da-ten zur Sicherheit).
Lidocain passiert die Plazenta rasch. Bei Neugeborenen mit hohen Plasmakon-zentrationen kann Lidocain eine Dämp-fung des ZNS und damit eine Senkung des Apgar-Score bewirken.
Stillzeit Lidocain geht in geringer Menge in die Muttermilch über. Eine Gefahr für den Säugling erscheint bei therapeutischen Dosen unwahrscheinlich.
4.7 Auswirkungen auf die Verkehrstüch-tigkeit und die Fähigkeit zum Bedie-nen von Maschinen
Bei operativer, zahnärztlicher oder groß-flächiger Anwendung von Lidocain Hevert 1% muss vom Arzt im Einzelfall entschie-den werden, ob der Patient aktiv am Stra-ßenverkehr teilnehmen oder Maschinen bedienen darf.
4.8 Nebenwirkungen
Bei der Bewertung von Nebenwirkungen werden folgende Häufigkeiten zu Grunde gelegt:
Sehr häufig (≥ 1/10) Häufig (≥ 1/100 bis < 1/10) Gelegentlich (≥ 1/1.000 bis < 1/100) Selten (≥ 1/10.000 bis < 1/1.000) Sehr selten (< 1/10.000, einschließlich Einzelfälle)
Die möglichen Nebenwirkungen nach An-wendung von Lidocain Hevert 1% ent-sprechen weitgehend denen anderer Lo-kalanästhetika vom Säureamid-Typ.
Unerwünschte systemische Wirkungen, die bei Überschreiten eines Blutplasma-spiegels von 5 bis 10 µg Lidocain pro ml auftreten können, sind methodisch (auf-grund der Anwendung), pharmakodyna-misch oder pharmakokinetisch bedingt und betreffen das Zentralnerven- und das Herzkreislaufsystem.
Bei Plasmakonzentrationen, wie sie bei regelrechter Anwendung im Allgemeinen erreicht werden, wird der Blutdruck in der Regel nur geringfügig durch die positiv in-otrope und positiv chronotrope Wirkung von Lidocain Hevert 1% beeinflusst.
Ein Blutdruckabfall kann ein erstes Zei-chen für eine relative Überdosierung im Sinne einer kardiotoxischen Wirkung sein.
Die Auslösung einer malignen Hyperther-mie ist, wie bei anderen Lokalanästhetika, auch für Lidocainhydrochlorid 1 H2O nicht auszuschließen. Im Allgemeinen wird je-doch der Einsatz von Lidocainhydrochlo-rid 1 H2O bei Patienten mit maligner Hy-perthermie für sicher gehalten, auch wenn über das Auftreten einer malignen Hyperthermie bei einem Patienten, der Lidocainhydrochlorid 1 H2O zur Epi-duralanästhesie erhalten hatte, berichtet wurde.
Allergische Reaktionen auf Lidocain He-vert 1% in Form von Urtikaria, Ödem, Bronchospasmus oder eines Atemnot-syndroms sowie Kreislaufreaktionen wer-den gelegentlich beschrieben.
Meldung des Verdachts auf Nebenwir-kungen
Die Meldung des Verdachts auf Neben-wirkungen nach der Zulassung ist von großer Wichtigkeit. Sie ermöglicht eine kontinuierliche Überwachung des Nutzen-Risiko-Verhältnisses des Arzneimittels.
Angehörige von Gesundheitsberufen sind aufgefordert, jeden Verdachtsfall einer Nebenwirkung dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte, Abt. Pharmakovigilanz, Kurt-Georg-Kiesinger Allee 3, 53175 Bonn, Website: www.bfarm.de anzuzeigen.
4.9 Überdosierung
- a) Symptome einer Überdosierung
Lidocain Hevert 1% wirkt in niedrigen to-xischen Dosierungen als zentrales Ner-venstimulans, in hohen toxischen Berei-chen kommt es zu Depression der zentra-len Funktionen. Die Lidocainhydrochlorid 1 H2O-Intoxikation verläuft in 2 Phasen:
- 1)
Stimulation
- ZNS: Periorale Missempfindungen, Gefühl der tauben Zunge, Unruhe, Delirium, Krämpfe (tonisch-klonisch).
- Kardiovaskulär: Herzfrequenz erhöht (beschleunigter Herzschlag), Blut-druck erhöht, Rötung der Haut.
- 2)
Depression
- ZNS: Koma, Atemstillstand.
- Kardiovaskulär: Pulse nicht tastbar, Blässe, Herzstillstand.
Patienten mit einer beginnenden Lokalan-ästhetika-Intoxikation fallen zunächst durch exzitatorische Symptome auf. Sie werden unruhig, klagen über Schwindel, akustische und visuelle Störungen sowie Kribbeln, vor allem an Zunge und Lippen-bereich. Die Sprache ist verwaschen, Schüttelfrost und Muskelzuckungen sind Vorboten eines drohenden generalisier-ten Krampfanfalls. Subkonvulsive Plas-maspiegel von Lidocainhydrochlorid 1 H2O führen oft auch zu Schläfrigkeit und Sedierung der Patienten. Die Krampfanfälle sind zuerst von klonisch-to-nischer Form. Bei fortschreitender ZNS-Intoxikation kommt es zu einer zuneh-menden Funktionsstörung des Hirnstam-mes mit den Symptomen Atemdepression und Koma bis hin zum Tod.
Ein Blutdruckabfall ist häufig das erste Zeichen eines toxischen Effekts auf das kardiovaskuläre System. Die Hypotension wird hauptsächlich durch eine Hemmung bzw. Blockade der kardialen Reizleitung verursacht. Die toxischen Wirkungen sind jedoch klinisch von relativ untergeordne-ter Bedeutung.
- b) Notfallmaßnahmen und Gegenmittel
Beim Auftreten zentraler oder kardiovas-kulärer Symptome einer Intoxikation sind folgende Gegenmaßnahmen erforderlich:
- Sofortige Unterbrechung der Zufuhr von Lidocain Hevert 1%,
- freihalten der Atemwege,
- zusätzlich Sauerstoff zuführen; falls notwendig mit reinem Sauerstoff assis-tiert oder kontrolliert beatmen (zunächst über Maske und mit Beatmungsbeutel, dann erst über einen Trachealtubus). Die Sauerstofftherapie darf nicht bereits bei Abklingen der Symptome, sondern erst dann abgesetzt werden, wenn alle Vitalfunktionen zur Norm zurückgekehrt sind.
- Sorgfältige Kontrolle von Blutdruck, Puls und Pupillenweiten.
Diese Maßnahmen gelten auch für den Fall einer akzidentellen totalen Spinalan-ästhesie, deren erste Anzeichen Unruhe, Flüsterstimme und Schläfrigkeit sind. Letztere kann in Bewusstlosigkeit und Atemstillstand übergehen.
Weitere mögliche Gegenmaßnahmen sind:
- Bei einem akuten und bedrohlichen Blutdruckabfall sollte unverzüglich eine Flachlagerung des Patienten mit einer Hochlagerung der Beine erfolgen und ein Beta-Sympathomimetikum langsam intravenös injiziert werden. Zusätzlich ist eine Volumensubstitution vorzunehmen (z. B. mit kristalloiden Lö-sungen).
- Bei erhöhtem Vagotonus (Bradykardie) wird Atropin (0,5 bis 1,0 mg i.v.) verab-reicht. Bei Verdacht auf Herzstillstand sind die erforderlichen Maßnahmen der Reanimation durchzuführen.
- Konvulsionen werden mit kleinen, wie-derholt verabreichten Dosen ultrakurz-wirkender Barbiturate (z. B. Thiopental-Natrium 25 bis 50 mg) oder mit Dia-zepam 5 bis 10 mg i.v. behandelt. Dabei werden die Dosen fraktioniert bis zum Zeitpunkt der sicheren Kontrolle verab-reicht.
Grundsätzlich ist darauf hinzuweisen, dass in vielen Fällen bei Anzeichen von Krämpfen die obligate Sauerstoffbeat-mung zur Behandlung ausreicht.
Bei anhaltenden Krämpfen werden Thio-pental-Natrium (250 mg) und ein kurzwirksames Muskelrelaxans verab-reicht, und nach Intubation wird mit 100% Sauerstoff beatmet.
Zentral wirkende Analeptika sind kontra-indiziert bei Intoxikation durch Lokalanäs-thetika!
5. Pharmakologische Eigenschaften
5.1. Pharmakodynamische Eigenschaften
Pharmakotherapeutische Gruppe: Lokalanästhetikum, Amid
ATC-Code: N01BB02
Lidocainhydrochlorid 1 H2O ist ein Lokal-anästhetikum vom Säureamid-Typ. Die Base hemmt die Funktionen erregbarer Strukturen, wie sensorische, motorische und autonome Nervenfasern sowie die Erregungsleitung des Herzens. Lidocain hebt reversibel und örtlich begrenzt das Leitungsvermögen der sensiblen Nerven-fasern auf. Nach der Schmerzempfindung wird in dieser fallenden Reihenfolge die Empfindung für Kälte bzw. Wärme, für Berührung und Druck herabgesetzt.
Lidocain wirkt außerdem antiarrhyth-misch. Es zeigt zusätzlich eine schwache antihistaminerge und parasympatholyti-sche Wirkung. Im Gegensatz zu den meisten anderen Lokalanästhetika besitzt Lidocain keine gefäßerweiternde Wir-kung.
Lidocain setzt die Membranpermeabilität für Kationen, insbesondere für Natriumio-nen, in höheren Konzentrationen auch für Kaliumionen, herab. Dies führt konzentra-tionsabhängig zu einer verminderten Er-regbarkeit der Nervenfaser, da der zur Ausbildung des Aktionspotenzials not-wendige, plötzliche Anstieg der Natrium-permeabilität verringert ist. Lidocain dringt vom Zellinneren in den geöffneten Natrium-Kanal der Zellmembran ein und blockiert durch Besetzung einer spezifi-schen Bindungsstelle dessen Leitfähig-keit. Eine direkte Wirkung des in die Zell-membran eingelagerten Lidocains ist demgegenüber von untergeordneter Be-deutung. Da Lidocain jedoch, um an sei-nen Wirkort zu gelangen, zunächst in die Zellen eindringen muss, ist die Wirkung vom pKa-Wert der Substanz und vom pH-Wert des Milieus abhängig, also vom An-teil an ungeladener Base, die besser als die Kationen in die lipophile Nerven-membran permeiren kann. Im entzünde-ten Gewebe ist die Wirkung aufgrund des dort vorliegenden sauren pH-Werts her-abgesetzt.
Nach intravenöser Gabe verteilt sich die Substanz schnell in stark durchbluteten Organen (Herz, Leber, Lunge), gefolgt von einer Umverteilung in die Skelettmus-kulatur und das Fettgewebe.
Die Wirkdauer beträgt ca. 30 Minuten.
5.2 Pharmakokinetische Eigenschaften
Die Halbwertszeit der alpha-Verteilungs-phase liegt bei 6 bis 9 Minuten.
Nach intramuskulärer Injektion von 400 mg Lidocainhydrochlorid 1 H2O (In-terkostalblock) wurde Cmax im Plasma mit 6,48 µg Lidocain/ml bestimmt. Die tmax nach intramuskulärer Applikation wurde zu 5 bis 15 min ermittelt, bei Dauerinfu-sion wird der Steady-state-Plasmaspiegel erst nach 6 h (Bereich 5 bis 7 h) erreicht. Therapeutische Wirkspiegel stellen sich aber bereits nach 15 bis 60 Minuten ein. Im Vergleich hierzu lagen die Cmax-Werte nach subkutaner Gabe bei 4,91 µg Lido-cain/ml (Vaginalapplikation) bzw. bei 1,95 µg Lidocain/ml (Abdominalapplikation). In einer Studie mit 5 gesunden Probanden wurde 30 Minuten nach maxillar-buccaler Infiltrationsanästhesie mit 36 mg Lido-cainhydrochlorid 1 H2O in 2%iger Lösung ein Cmax-Wert von durchschnittlich 0,31 µg Lidocain/ml erreicht. Bei Injektion in den Epiduralraum scheint die gemessene maximale Plasmakonzentration nicht li-near abhängig von der applizierten Dosis zu sein. 400 mg Lidocainhydrochlorid 1 H2O führten hier zu Cmax-Werten von 4,27 µg Lidocain/ml bzw. 2,65 µg Lido-cain/ml.
Zum pharmakokinetischen Verhalten nach intrathekaler Applikation liegen keine Daten vor.
Die Bioverfügbarkeit nach oraler Auf-nahme wurde aufgrund des First-pass-Ef-fektes mit 35% bestimmt.
Das Verteilungsvolumen beträgt bei Ge-sunden 1,5 l/kg (Bereich 1,3 bis 1,7 l/kg), ist bei Herzinsuffizienz erniedrigt auf 0,8 bis 1,0 l/kg und bei Leberinsuffizienz er-höht auf etwa 2,3 l/kg. Bei Neugeborenen liegt VD bei 2,7 l/kg.
Lidocain und sein Metabolit Monoethyl-glycinxylidid passieren langsam die Blut-Hirn-Schranke. Lidocain wird an alphal-saures Glycoprotein gebunden (60 bis 80%).
Lidocain wird in der Leber durch Mono-oxygenasen rasch metabolisiert. Haupt-richtung der Biotransformation sind die oxydative Entalkylierung, Ringhydroxylie-rung und Amidhydrolyse. Hydroxyderi-vate werden konjugiert. Insgesamt wer-den etwa 90% der verabreichten Dosis zu 4-Hydroxy-2,6-xylidin, 4-Hydroxy-2,6-xyli-dinglucuronid und in geringerem Maß zu den noch wirksamen Metaboliten Mo-noethylglycinxylidid und Glycinxylidid me-tabolisert, die aufgrund ihrer längeren Halbwertszeit besonders bei längerdau-ernden Infusionen und bei Niereninsuffizi-enz kumulieren können. Bei Lebererkran-kungen kann die Metabilisierungsrate auf 10 bis 50% des Normalwerts abfallen.
Lidocain und seine Metaboliten werden renal eliminiert. Der Anteil an unveränder-ter Substanz beträgt etwa 5 bis 10%.
Die Eliminationshalbwertszeit liegt bei 1,5 bis 2 h bei Erwachsenen bzw. 3 h bei Neugeborenen. Sie kann bei schwerer Herzinsuffizienz auf 4 bis 10 (bis 12) h, bei chronisch alkoholgeschädigter Leber auf 4,5 bis 6 h verlängert sein. Die Halbwertszeiten der beiden noch wirksa-men Metaboliten Monoethylglycinxylidid und Glycinxylidid liegen bei 2 bzw. 10 h. Die Halbwertszeiten von Lidocain und Monoethylglycinxylidid verlängern sich bei Patienten mit Myocardinfarkt, ebenso die Halbwertszeit von Glycinxylidid bei Herzinsuffizienz nach einem Herzinfarkt.
Bei Niereninsuffizienz wurden Plasma-halbwertszeiten für Glycinxylidid von etwa 10 h, für Lidocain von 2 bis 3 h gemessen. Bei wiederholter intravenöser Applikation von Lidocain besteht in den genannten Fällen die Gefahr einer Kumulation.
Die Eliminationsgeschwindigkeit ist pH-abhängig und wird durch Ansäuern des Harns erhöht. Die Clearance liegt bei 0,95 l/min.
Lidocain passiert die Plazenta mittels ein-facher Diffusion und erreicht wenige Mi-nuten nach Applikation den Feten. Das Verhältnis der fetalen zur maternalen Se-rumkonzentration liegt nach epiduraler Applikation bei 0,5-0,7. Nach Infiltration des Perineums und paracervikaler Blo-ckade wurden deutlich höhere Konzentra-tionen im Nabelschnurblut gemessen. Die Eliminationshalbwertszeit von Lidocain beim Neugeborenen nach Epiduralanäs-thesie der Mutter beträgt ungefähr drei Stunden, nach Infiltration des Perineus und paracervikaler Blockade war Lidocain noch über 48 Stunden im Urin der Neuge-borenen nachweisbar.
Lidocain wird mit der Muttermilch ausge-schieden.
5.3 Präklinische Daten zur Sicherheit
Es liegen zahlreiche Untersuchungen an unterschiedlichen Tierarten zur akuten Toxizität von Lidocain vor. Anzeichen ei-ner toxizität waren ZNS-Symptome. Dazu zählten auch Krampfanfälle mit tödlichem Ausgang. Die beim menschen ermittelte toxische (kardiovaskuläre oder zentral-nervöse Symptome, Krämpfe) Plasma-konzentration von Lidocain wird mit 5 µg/ml bis 10 µg/ml Blutplasma angege-ben.
Mutagenitätsuntersuchungen mit Lido-cain verliefen negativ. Dagegen gibt es Hinweise, dass ein bei der Ratte, möglich-erweise auch beim Menschen, aus Lido-cain entstehendes Stoffwechselprodukt - 2,6-Xylidin - mutagene Wirkungen haben könnte. Diese Hinweise ergeben sich aus In-vitro-Tests, in denen dieser Metabolit in sehr hohen, fast toxischen Konzentratio-nen eingesetzt wurde. Darüber hinaus zeigte 2,6-Xylidin in einer Kanzerogeni-tätsstudie an Ratten mit transplazentarer Exposition und nachgeburtlicher Behand-lung der Tiere über 2 Jahre ein tumoriges Potenzial. In diesem hochempfindlichen Testsystem wurden bei sehr hohen Do-sierungen bösartige und gutartige Tumo-ren vor allem in der Nasenhöhle (Ethmo-turbinalia) beobachtet. Da eine Relevanz dieser Befunde für den Menschen nicht hinreichend sicher auszuschließen ist, sollte Lidocain nicht über längere Zeit in hohen Dosen verabreicht werden.
Studien zur Reproduktionstoxizität erga-ben keine Hinweise auf teratogene Eigen-schaften. Allein eine Reduzierung des Fe-talgewichtes wurde beobachtet. Bei Nachkommen von Ratten, die während der Trächtigkeit eine Dosis Lidocain er-hielten, die fast der für den Menschen empfohlenen Maximaldosis entspricht, wurde von Verhaltensänderungen berich-tet.
6. Pharmazeutische Angaben
6.1 Liste der sonstigen Bestandteile
Natriumchlorid, Natriumhydroxid 25%, Wasser für Injektionszwecke.
6.2 Inkompatibilitäten
Keine bekannt.
6.3. Dauer der Haltbarkeit
5 Jahre
Dieses Arzneimittel soll nach Ablauf des Verfallsdatums nicht mehr angewendet werden.
6.4 Besondere Vorsichtsmaßnahme für die Aufbewahrung
Nicht über 25°C lagern und vor Licht ge-schützt aufbewahren!
Ampullen im Umkarton aufbewahren!
6.5 Art und Inhalt des Behältnisses
Originalpackungen zu
10 Ampullen N 1
50 Ampullen N 3
100 Ampullen
200 Ampullen
300 Ampullen
600 Ampullen
1200 Ampullen
6.6 Besondere Vorsichtsmaßnahmen für die Beseitigung
Keine besonderen Anforderungen.
7. Inhaber der Zulassung
Hevert-Arzneimittel GmbH & Co. KG In der Weiherweise 1 55569 Nussbaum Telefon: (06751) 910-0 Telefax: (06751) 910-150 www.hevert.de
8. Zulassungsnummer
Zul.-Nr. 6886765.00.00
9. Datum der Erteilung der Zulas-sung/Verlängerung der Zulassung
30.09.2005
10. Stand der Information
Oktober 2025
11. Verkaufsabgrenzung
Apothekenpflichtig
