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Rocuroniumbromid Accord 10 mg/ml Injektionslösung in einer Fertigspritze – Fachinformation (SmPC) für Ärzte und Apotheker

Die Fachinformation richtet sich an Ärzte und Apotheker. Verständliche Hinweise für Patienten enthält der Beipackzettel: Einnahme, Nebenwirkungen, Andere Arzneimittel, Schwangerschaft und Stillzeit.

Aktualisiert:
Fakten
Status:
Verschreibungspflichtig
Stärke:
10 mg/ml
Wirkstoff:

Fachinformation - Rocuroniumbromid Accord 10 mg/ml Injektionslösung in einer Fertigspritze

1. BEZEICHNUNG DES ARZNEIMITTELS

Rocuroniumbromid Accord 10 mg/ml Injektionslösung in einer Fertigspritze

2. QUALITATIVE UND QUANTITATIVE ZUSAMMENSETZUNG

Jeder ml Injektionslösung enthält 10 mg Rocuroniumbromid.

Jede 5 ml Fertigspritze enthält 50 mg Rocuroniumbromid.

Jede 10 ml Fertigspritze enthält 100 mg Rocuroniumbromid.

Sonstige Bestandteile mit bekannter Wirkung:

Dieses Arzneimittel enthält weniger als 1 mmol (23 mg) Natrium pro 1 ml (10 mg) Dosis, d. h., es ist nahezu „natriumfrei“.

Vollständige Auflistung der sonstigen Bestandteile, siehe Abschnitt 6.1.

3. DARREICHUNGSFORM

Injektionslösung in einer Fertigspritze

Klare, farblose bis blass bräunlich gelbe Lösung, frei von sichtbaren Fremdpartikeln.

Der pH-Wert der Lösung beträgt 3,8 bis 4,2.

Die Osmolalität beträgt 260 mOsmol/kg bis 320 mOsmol/kg.

4. KLINISCHE ANGABEN

4.1 Anwendungsgebiete

Rocuroniumbromid Accord ist indiziert zur Anwendung bei Erwachsenen und Kindern ab 2 Jahren als Zusatz zur Allgemeinanästhesie zur Erleichterung der endotrachealen Intubation während der Routineeinleitung und zur allgemeinen Relaxation der Skelettmuskulatur während operativer Eingriffe.

Bei Erwachsenen kann Rocuroniumbromid Accord auch zur Erleichterung der endotrachealen Intubation bei der Blitzeinleitung und als Zusatztherapie in der Intensivmedizin (z. B. zur Erleichterung der endotrachealen Intubation) für den kurzfristigen Gebrauch angewendet werden.

4.2 Dosierung und Art der Anwendung

Wie andere Muskelrelaxanzien sollte Rocuroniumbromid Accord nur von erfahrenen Ärzten, die mit der Wirkung und Anwendung dieser Arzneimittel vertraut sind, oder unter deren Aufsicht angewendet werden.

Wie bei anderen Muskelrelaxanzien sollte die Dosis von Rocuroniumbromid Accord auf jeden Patienten individuell abgestimmt werden. Bei Festlegung der Dosis sollten die Art der Anästhesie, die voraussichtliche Dauer des operativen Eingriffs, die Art der Sedierung und die erwartete Dauer der künstlichen Beatmung, die möglichen Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln und der Zustand des Patienten berücksichtigt werden.

Die Anwendung eines geeigneten neuromuskulären Monitorings zur Beurteilung der neuromuskulären Funktion wird empfohlen.

Inhalationsanästhetika verstärken die von Rocuroniumbromid Accord induzierte neuromuskuläre Blockade. Diese Wirkungsverstärkung wird im Verlauf der Anästhesie klinisch relevant, wenn die Inhalationsanästhetika im Gewebe die für diese Wechselwirkung notwendige Konzentration erreicht haben. Demzufolge sollten im Verlauf lang dauernder Eingriffe (länger als eine Stunde) unter Inhalationsanästhesie kleinere Erhaltungsdosen von Rocuroniumbromid Accord in größeren Abständen gegeben werden (siehe auch Abschnitt 4.5).

Für Erwachsene können die folgenden Dosierungsempfehlungen als allgemeine Richtlinie für eine endotracheale Intubation und eine Muskelrelaxation während kurz bis lang dauernder operativer Eingriffe dienen.

Operative Eingriffe

Endotracheale Intubation:

Erwachsene

Die Standard-Intubationsdosis bei einer routinemäßigen Anästhesie beträgt 0,6 mg/kg Rocuroniumbromid, wonach bei fast allen Patienten innerhalb von 60 Sekunden angemessene Intubationsbedingungen erreicht werden. Zur Erleichterung der endotrachealen Intubation bei der Blitzeinleitung wird eine Dosis von 1,0 mg/kg Rocuroniumbromid empfohlen, wonach bei fast allen Patienten innerhalb von 60 Sekunden angemessene Intubationsbedingungen erreicht werden. Wenn eine Dosis von 0,6 mg/kg Rocuroniumbromid zur Blitzeinleitung angewendet wird, wird empfohlen, den Patienten erst 90 Sekunden nach Anwendung von Rocuroniumbromid zu intubieren.

Kinder und Jugendliche

Für Kinder (≥ 2 Jahre) über 10 kg Körpergewicht werden als Intubationsdosis bei einer routinemäßigen Anästhesie und als Erhaltungsdosis ähnliche Dosierungen wie für Erwachsene empfohlen.

Rocuroniumbromid Accord sollte nicht an Kinder unter 2 Jahre gegeben werden, da die Skalierung der Fertigspritze eine genaue Anwendung des Arzneimittels in dieser Bevölkerungsgruppe nicht zulassen. Es sind zwei Spritzen mit unterschiedlichen Skalierungen erhältlich (siehe Abschnitt 6.5). Es stehen jedoch auch andere Rocuronium-Darreichungsformen zur Anwendung zur Verfügung.

Die Erfahrung mit der Anwendung von Rocuroniumbromid zur Blitzeinleitung bei pädiatrischen Patienten ist begrenzt. Rocuroniumbromid wird daher nicht zur Erleichterung der endotrachealen Intubation bei der Blitzeinleitung pädiatrischer Patienten empfohlen.

Geriatrische Patienten und Patienten mit Erkrankungen der Leber und/oder der Gallenwege und/oder Niereninsuffizienz

Die Standard Intubationsdosis für geriatrische Patienten und Patienten mit Leber- und/oder Gallenwegserkrankungen und/oder Niereninsuffizienz während einer routinemäßigen Anästhesie beträgt 0,6 mg/kg Rocuroniumbromid. Eine Dosis von 0,6 mg/kg Rocuroniumbromid sollte bei der Blitzeinleitung der Anästhesie für Patienten in Betracht gezogen werden, bei welchen eine verlängerte Wirkdauer erwartet wird. Wenn eine Dosis von 0,6 mg/kg Rocuroniumbromid zur Blitzeinleitung angewendet wird, wird empfohlen, den Patienten erst 90 Sekunden nach Anwendung von Rocuroniumbromid zu intubieren.

Schwangerschaft und Kaiserschnitt

Schwangerschaft: Da Magnesiumsalze die neuromuskuläre Blockade verstärken, kann die Aufhebung der neuromuskulären Blockade nach Anwendung neuromuskulärer Blocker bei Patientinnen, die wegen einer Schwangerschaftstoxämie mit Magnesiumsalzen behandelt werden, verzögert oder unzureichend sein. Die Dosierung von Rocuroniumbromid sollte daher bei diesen Patientinnen reduziert und entsprechend der erzielten Reizantwort titriert werden.

Kaiserschnitt: Dosen von 0,6 mg/kg Rocuroniumbromid haben keinen Einfluss auf den Apgar-Score, den fetalen Muskeltonus oder die kardiorespiratorische Adaptation. In Nabelschnurblutproben wurde nachgewiesen, dass nur begrenzte Mengen von Rocuroniumbromid die Plazenta passieren, die beim Neugeborenen nicht zu klinischen unerwünschten Wirkungen führen (siehe Abschnitt 4.6).

Dosierungen von 1 mg/kg wurden bei einer Blitzeinleitung der Anästhesie untersucht, jedoch nicht bei Patientinnen, die sich einem Kaiserschnitt unterziehen.

Höhere Dosierung

Wenn Gründe für die Wahl einer höheren Dosierung vorliegen: Bei Patienten wurden Initialdosen von bis zu 2 mg/kg Rocuroniumbromid angewendet, ohne dass kardiovaskuläre Nebenwirkungen aufgetreten sind. Bei Anwendung dieser hohen Dosen ist die Anschlagzeit verkürzt und die Wirkungsdauer verlängert (siehe Abschnitt 5.1).

Erhaltungsdosis

Erwachsene

Die empfohlene Erhaltungsdosis beträgt 0,15 mg/kg Rocuroniumbromid. Bei lang dauernder Inhalationsanästhesie sollten die Erhaltungsdosen auf 0,075–0,1 mg/kg Rocuroniumbromid reduziert werden. Die Erhaltungsdosen sollten vorzugsweise dann angewendet werden, wenn die Reizantwort wieder 25 % des initialen Kontrollwertes erreicht hat, oder wenn 2 bis 3 Reizantworten auf eine Vierfach (TOF)-Stimulation vorhanden sind.

Kinder und Jugendliche

Für Kinder (≥ 12 Jahre) über 35 kg Körpergewicht werden als Intubationsdosis bei einer routinemäßigen Anästhesie und als Erhaltungsdosis ähnliche Dosierungen wie für Erwachsene empfohlen.

Eine Erhaltungsdosis ist für Kinder unter 12 Jahren nicht geeignet, da die Skalierung der Fertigspritze eine genaue Anwendung des Arzneimittels in dieser Bevölkerungsgruppe nicht zulassen. Es sind zwei Spritzen mit unterschiedlichen Skalierungen erhältlich (siehe Abschnitt 6.5). Es stehen jedoch auch andere Rocuronium-Darreichungsformen zur Anwendung zur Verfügung.

Geriatrische Patienten und Patienten mit Erkrankungen der Leber und/oder der Gallenwege und/oder Niereninsuffizienz

Ungeachtet der angewendeten Anästhesietechnik beträgt die empfohlene Erhaltungsdosis für diese Patienten 0,075-0,1 mg/kg Rocuroniumbromid.

Übergewichtige und adipöse Patienten

Bei übergewichtigen oder adipösen Patienten (definiert als Patienten mit einem Körpergewicht von 30 % oder mehr über dem Idealgewicht) sollten die Dosen auf Basis des Idealgewichts reduziert werden.

Kurzzeitige Anwendung in der Intensivmedizin

Endotracheale Intubation

Bei der endotrachealen Intubation gelten die gleichen Dosierempfehlungen wie für operative Eingriffe.

Spezielle Patientengruppen

Aufgrund fehlender Daten zu Sicherheit und Wirksamkeit wird Rocuroniumbromid Accord zur Erleichterung der künstlichen Beatmung bei pädiatrischen und geriatrischen Patienten in der Intensivmedizin nicht empfohlen.

Art der Anwendung

Rocuroniumbromid Accord wird intravenös als Bolusinjektion angewendet (siehe Abschnitt 6.6)

Der Anwender sollte die unterschiedlichen Skalierungen der beiden verfügbaren Fertigspritzen kennen (Skaleneinteilungen je 0,1 ml für die 5-ml-Spritze und Skaleneinteilungen je 0,2 ml für die 10-ml-Spritze).

4.3 Gegenanzeigen

Überempfindlichkeit gegen Rocuronium oder Bromid oder einen der in Abschnitt 6.1 genannten sonstigen Bestandteile.

4.4 Besondere Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung

Da Rocuroniumbromid eine Lähmung der Atemmuskulatur hervorruft, ist bei Patienten, die dieses Arzneimittel erhalten, eine künstliche Beatmung unerlässlich, bis wieder eine ausreichende Spontanatmung eingetreten ist. Wie bei allen neuromuskulären Blockern ist es wichtig, Intubationsschwierigkeiten, insbesondere bei einer Blitzeinleitung der Anästhesie, einzukalkulieren. Bei Intubationsschwierigkeiten mit der Notwendigkeit einer sofortigen Aufhebung der durch Rocuronium induzierten neuromuskulären Blockade sollte die Anwendung von Sugammadex in Betracht gezogen werden.

Restcurarisierung (neuromuskuläre Restblockade)

Wie bei anderen neuromuskulären Blockern wurde bei Rocuroniumbromid über Restcurarisierung berichtet. Um daraus resultierende Komplikationen zu vermeiden, wird eine Extubation erst nach genügender Erholung des Patienten von der neuromuskulären Blockade empfohlen. Bei geriatrischen Patienten (≥ 65 Jahre) kann das Risiko einer neuromuskulären Restblockade erhöht sein. Es sollten auch andere Faktoren, die eine Restcurarisierung nach Extubation in der postoperativen Phase (wie Wechselwirkung mit anderen Arzneimitteln oder der Zustand des Patienten) bewirken können, berücksichtigt werden.

Falls nicht routinemäßig angewendet, sollte der Einsatz von Sugammadex oder eines anderen Antagonisten (z. B. ein Acetylcholinesterase-Hemmer) vor allem für jene Fälle erwogen werden, in denen das Auftreten einer Restcurarisierung wahrscheinlich ist (siehe Abschnitt 4.9 und 5.1).

Anaphylaxie

Nach Anwendung von neuromuskulären Blockern können anaphylaktische Reaktionen auftreten (siehe Abschnitt 4.8). Es sollten stets Vorkehrungen zur Behandlung solcher Reaktionen getroffen werden. Besonders in Fällen früher aufgetretener anaphylaktischer Reaktionen auf neuromuskuläre Blocker sollten spezielle Vorsichtsmaßnahmen getroffen werden, da über allergene Kreuzreaktionen zwischen neuromuskulären Blockern berichtet wurde. Da bekannt ist, dass neuromuskuläre Blocker die Freisetzung von Histamin sowohl lokal an der Injektionsstelle als auch systemisch bewirken können, sollte bei der Anwendung dieser Arzneimittel stets das Auftreten von Juckreiz und Erythemen an der Injektionsstelle und/oder systemischen histaminoiden (anaphylaktoiden) Reaktionen in Betracht gezogen werden. In klinischen Studien wurde nach rascher Anwendung einer Bolusdosis von 0,3 - 0,9 mg/kg Rocuroniumbromid nur ein leichter Anstieg der mittleren Histaminplasmaspiegel beobachtet.

Anwendung mit Suxamethonium

Wird zur Intubation Suxamethonium angewendet, sollte Rocuroniumbromid erst angewendet werden, wenn sich der Patient von der durch Suxamethonium hervorgerufenen neuromuskulären Blockade erholt hat.

Malignen Hyperthermie

Da Rocuroniumbromid immer zusammen mit anderen Arzneimitteln eingesetzt wird und in Anbetracht des Risikos einer malignen Hyperthermie während der Anästhesie, sollten die Ärzte auch bei fehlenden bekannten Auslösefaktoren vor Beginn der Anästhesie mit den Frühsymptomen, der Diagnosesicherung und der Behandlung einer malignen Hyperthermie vertraut sein.

Tierversuche haben gezeigt, dass Rocuroniumbromid kein Auslösefaktor für maligne Hyperthermie ist. Im Rahmen der Arzneimittelüberwachung wurden nach Markteinführung seltene Fälle einer malignen Hyperthermie unter Rocuroniumbromid beobachtet, ein kausaler Zusammenhang wurde jedoch nicht nachgewiesen.

Folgende Umstände können die Pharmakokinetik und/oder Pharmakodynamik von Rocuroniumbromid beeinflussen

Erkrankungen der Leber und/oder der Gallenwege und Niereninsuffizienz

Da Rocuroniumbromid im Urin und über die Galle ausgeschieden wird, sollte es bei Patienten mit klinisch signifikanten Leber- und/oder Gallenwegserkrankungen und/oder Niereninsuffizienz mit Vorsicht eingesetzt werden. Bei diesen Patientengruppen wurde eine verlängerte Wirkungsdauer mit Dosen von 0,6 mg/kg Rocuroniumbromid beobachtet (siehe Abschnitt 4.2).

Verlängerte Kreislaufzeit

Zustände, die mit einer verlängerten Kreislaufzeit einhergehen wie etwa kardiovaskuläre Erkrankungen, hohes Alter oder Ödemstatus mit einem vergrößerten Verteilungsvolumen, können zu einem verlangsamten Wirkungseintritt beitragen. Bedingt durch die herabgesetzte Plasmaclearance kann auch die Wirkungsdauer verlängert sein.

Neuromuskuläre Erkrankungen

Wie andere Muskelrelaxanzien sollte Rocuroniumbromid bei Patienten mit neuromuskulärer Erkrankung (Myasthenia gravis), muskulärer Erkrankungen (Myopathien) oder bei Vorliegen motorischer Folgeerscheinungen (Parese, Plegie) nach einem akuten Unfall (Rückenmarkstrauma, Poliomyelitis, längere Immobilisierung) nur mit äußerster Vorsicht angewendet werden, da diese Patienten auf neuromuskuläre Blocker verändert reagieren können.

Das Ausmaß und die Art dieser Reaktion können erheblich variieren. Bei Patienten mit Myasthenia gravis oder mit myasthenischem Syndrom (Lambert-Eaton) oder Myopathien können kleine Dosen Rocuroniumbromid eine starke Wirkung hervorrufen. Bei Patienten mit motorischen Folgeerscheinungen kommt es zu einer Abnahme der Empfindlichkeit von Rocuroniumbromid

(höhere Dosen). Daher sollte Rocuroniumbromid bei diesen Patienten entsprechend der Reizantwort dosiert werden.

Hypothermie

Bei Operationen unter Hypothermie ist die neuromuskuläre Blockade von Rocuroniumbromid verstärkt und die Wirkungsdauer verlängert.

Adipositas

Wie bei anderen Muskelrelaxanzien kann es unter Rocuroniumbromid bei adipösen Patienten zu einer Verlängerung der Wirkung und der Spontanerholung kommen, wenn die Dosis basierend auf dem tatsächlichen Körpergewicht berechnet wird.

Bei übergewichtigen oder adipösen Patienten (definiert als Patienten mit einem Körpergewicht von 30 % oder mehr über dem Idealgewicht) sollten die Dosen auf Basis des Idealgewichts reduziert werden.

Verbrennungen

Patienten mit Verbrennungen können eine Resistenz gegen nicht-depolarisierende Muskelrelaxanzien entwickeln. Es wird empfohlen, entsprechend der Reizantwort zu dosieren.

Zustände, die die Wirkungen von Rocuroniumbromid steigern können

Hypokaliämie (z. B. nach starkem Erbrechen, Diarrhoe und Therapie mit Diuretika), Hypermagnesiämie, Hypokalzämie (nach Massivtransfusionen), Hypoproteinämie, Dehydratation, Azidose, Hyperkapnie, Kachexie.

Schwere Störungen im Elektrolythaushalt, veränderter Blut-pH-Wert oder Dehydratation sollten daher, sofern möglich, vor der Anwendung von Rocuroniumbromid korrigiert werden.

Natrium

Dieses Arzneimittel enthält weniger als 1 mmol (23 mg) Natrium pro 1 ml (10 mg) Dosis, d. h., es ist nahezu „natriumfrei“.

4.5 Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln und sonstige Wechselwirkungen

Von folgenden Arzneimitteln wurde ein Einfluss auf Wirkungsstärke und/oder Wirkungsdauer nicht- depolarisierender Muskelrelaxanzien nachgewiesen.

Wirkungssteigerung

  • Halogenierte Inhalationsanästhetika verstärken die neuromuskuläre Blockade von Rocuroniumbromid. Dieser Effekt macht sich nur bei Anwendung von Erhaltungsdosen bemerkbar (siehe Abschnitt 4.2). Auch die Aufhebung der neuromuskulären Blockade durch Acetylcholinesterase- Inhibitoren könnte unterdrückt werden.
  • Nach Intubation mit Suxamethonium (siehe Abschnitt 4.4).

Andere Arzneimittel:

  • Antibiotika: Aminoglykoside und Polypeptid-Antibiotika, Lincosamide und Acylamin-Penicilline
  • Diuretika, Chinidin und sein Isomer Chinin, Magnesiumsalze, Kalziumkanalblocker, Lithiumsalze, Lokalanästhetika (Lidocain intravenös, Bupivacain epidural) und kurzfristige Anwendung von Phenytoin oder Betablockern.

Nach postoperativer Anwendung von Aminoglykosiden, Lincosamiden, Polypeptiden, Acylamino-Penicillinen Antibiotika, Chinidin, Chinin und Magnesiumsalzen wurde über Recurarisierung berichtet (siehe Abschnitt 4.4).

Wirkungsabschwächung

  • Vorherige chronische Anwendung von Corticosteroiden, Phenytoin oder Carbamazepin.
  • Proteaseinhibitoren (Gabexat, Ulinastatin).
  • Calciumchlorid, Kaliumchlorid

Unterschiedliche Wirkung

  • Die Anwendung anderer nicht-depolarisierender Muskelrelaxanzien zusammen mit Rocuroniumbromid kann zu einer Abschwächung oder Verstärkung der neuromuskulären Blockade führen, je nachdem in welcher Reihenfolge angewendet und welches Muskelrelaxanz angewendet wird.
  • Die Gabe von Suxamethonium nach der Anwendung von Rocuroniumbromid kann die neuromuskuläre Blockade durch Rocuroniumbromid verstärken oder abschwächen.

Wirkung von Rocuroniumbromid auf andere Arzneimittel

  • Eine Kombination von Rocuroniumbromid mit Lidocain kann zu einem schnelleren Wirkungseintritt von Lidocain führen.

Kinder und Jugendliche

Es wurden keine speziellen Wechselwirkungsstudien durchgeführt. Die oben genannten Wechselwirkungen bei Erwachsenen und die besonderen Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung (siehe Abschnitt 4.4) sollten auch bei pädiatrischen Patienten beachtet werden.

4.6 Fertilität, Schwangerschaft und Stillzeit

Fertilität

Es liegen keine Daten über die Auswirkungen von Rocuroniumbromid auf die Fertilität vor.

Schwangerschaft

Für Rocuroniumbromid liegen keine Daten über exponierte Schwangere vor. Tierexperimentelle Studien lassen nicht auf direkte oder indirekte schädliche Wirkung während Schwangerschaft, embryonaler/fetaler Entwicklung, Geburt oder postnataler Entwicklung schließen.

Bei der Anwendung von Rocuroniumbromid an schwangere Frauen ist Vorsicht geboten.

Kaiserschnitt

Bei Patientinnen mit Kaiserschnitt kann Rocuroniumbromid als Teil der Blitzeinleitungstechnik angewendet werden, sofern keine Intubationsschwierigkeiten zu erwarten sind und eine ausreichend hohe Anästhetikadosis angewendet wurde, oder nach einer mit Suxamethonium durchgeführten Intubation. Rocuroniumbromid in Dosen von 0,6 mg/kg hat sich bei Gebärenden, bei denen ein Kaiserschnitt durchgeführt wird, als sicher erwiesen. Rocuroniumbromid beeinflusst weder den Apgarwert, noch den Muskeltonus des Feten, noch seine kardiorespiratorische Umstellung. Die Untersuchung von Blut aus den Umbilicalgefäßen hat gezeigt, dass die plazentare Passage von Rocuroniumbromid sehr gering ist und nicht ausreicht, um beim Neugeborenen unerwünschte Wirkungen hervorzurufen.

Hinweis 1: Dosen von 1,0 mg/kg Rocuroniumbromid wurden während der Blitzeinleitung der Anästhesie untersucht, nicht aber bei Patientinnen mit Kaiserschnitt. Aus diesem Grund wird für diese Patientengruppe eine Dosis von 0,6 mg/kg empfohlen.

Hinweis 2: Die Aufhebung der durch neuromuskuläre Blocker induzierten neuromuskulären Blockade kann bei Patientinnen, die Magnesiumsalze in der Schwangerschaft erhalten, gehemmt oder unbefriedigend sein, da Magnesiumsalze die neuromuskuläre Blockade verstärken. Deshalb sollte bei diesen Patientinnen die Rocuroniumbromid Dosis verringert und entsprechend der Reizantwort eingestellt werden.

Stillzeit

Es ist nicht bekannt, ob Rocuroniumbromid in die Muttermilch übertritt. In Tierstudien fanden sich unbedeutende Mengen von Rocuroniumbromid in der Muttermilch.

Rocuroniumbromid sollte stillenden Frauen nur gegeben werden, wenn es der behandelnde Arzt nach Risikoabwägung für indiziert hält. Es wird empfohlen nach der Anwendung einer Einzeldosis für einen Zeitraum von fünf Eliminationshalbwertszeiten von Rocuronium, d. h. für etwa 6 Stunden, nicht zu stillen.

4.7 Auswirkungen auf die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen

Da Rocuroniumbromid bei der Allgemeinanästhesie angewendet wird, müssen für ambulante Patienten die nach einer Allgemeinanästhesie üblichen Vorsichtsmaßnahmen ergriffen werden.

4.8 Nebenwirkungen

Zu den häufigsten Nebenwirkungen gehören Schmerzen/Reaktionen an der Injektionsstelle, Veränderungen der Vitalzeichen und eine verlängerte neuromuskuläre Blockade. Am häufigsten nach der Markteinführung gemeldete Nebenwirkungen sind anaphylaktische und anaphylaktoide Reaktionen und damit verbundene Symptome. Siehe auch die nach der Tabelle angeführten Erklärungen.

MedDRA SystemorganklasseBevorzugte Terminia

Gelegentlich/seltenb

(˂1/100 to ≥1/10 000)

Sehr seltenb

(˂1/10 000)

nicht bekanntb

(Häufigkeit auf Grundlage der verfügbaren Daten nicht abschätzbar)

Erkrankung en des Immunsyste ms

Überempfin dlichkeit, anaphylaktis che Reaktion,

anaphylaktoide Reaktion, anaphylaktischer Schock, anaphylaktoider Schock

Erkrankung en des Nervensyste msSchlaffe Lähmung
AugenerkrankungenMydriasisc , Fixierte Pupillenc
HerzerkrankungenTachykardieKounis- Syndrom
GefäßerkrankungenHypotonie

Kreislaufkollaps und Schock,

Flush

Erkrankungen der Atemwege, des Brustraums und MediastinumsBronchospasmus
Erkrankungen der Haut und des UnterhautgewebesAngioödem, Urticaria, Ausschlag, erythematöser Ausschlag
Skelettmuskulatu r-, Bindegewebs- und Knochenerkrank ungen

Muskelschwäch ed,

Steroidbedingte Myopathied

Allgemeine Erkrankungen und Beschwerden am Verabreichungsort

Arzneimittel wirkungslos, Arzneimittelwirkung/ therapeutischer Effekt vermindert,

Arzneimittelwirkung/ therapeutischer Effekt erhöht,

Schmerzen an der Injektionsstelle,

Reaktionen an der Injektionsst elle

Gesichtsödeme
Verletzung, Vergiftung und durch Eingriffe bedingte Komplikationen

Verlängerte neuromuskuläre Blockade,

Verzögerte Erholung von der Anästhesie

Atemwegskomplikatio nen bei der Anästhesie

a Die Häufigkeiten wurden basierend auf Postmarketingberichten und Literaturangaben geschätzt.

b Postmarketingdaten können keine genauen Zahlen zur Häufigkeit liefern. Daher gibt es nur zwei anstelle von fünf Häufigkeitskategorien.

c Im Zusammenhang mit einer möglicherweise erhöhten Durchlässigkeit oder einer eingeschränkten Integrität der Blut-Hirn-Schranke (BHS).

d Nach Langzeitanwendung auf der Intensivstation.

Anaphylaxie

Sehr selten wurde über schwere anaphylaktische Reaktionen auf neuromuskuläre Blocker einschließlich Rocuronium berichtet. Anaphylaktische/anaphylaktoide Reaktionen sind Bronchospasmen, kardiovaskuläre Manifestationen (z. B. Hypotonie, Tachykardie, Kreislaufkollaps/ Schock) und Reaktionen der Haut (z. B. Angiödem, Urticaria). Diese Reaktionen waren in einigen Fällen tödlich. Da die Reaktionen sehr schwerwiegend sein können, sollte immer mit dem Auftreten gerechnet und die nötigen Vorsichtsmaßnahmen getroffen werden (siehe auch Abschnitt 4.4)

Histaminfreisetzung und histaminoide Reaktionen

Da neuromuskuläre Blocker bekanntlich sowohl lokal an der Injektionsstelle als auch systemisch eine Histaminfreisetzung induzieren können, ist bei der Anwendung dieser Arzneimittel immer zu beachten, dass Juckreiz und erythematöse Reaktionen an der Injektionsstelle und/oder allgemeine histaminoide (anaphylaktoide) Reaktionen auftreten können (siehe auch ‚Anaphylaxie‘ oben).

In klinischen Studien wurde nach rascher Bolusgabe von 0,3-0,9 mg/kg Rocuroniumbromid nur ein geringfügiger Anstieg der mittleren Plasmahistaminspiegel beobachtet.

Verlängerte neuromuskuläre Blockade

Die häufigste Nebenwirkung nicht-depolarisierender Muskelrelaxanzien ist die Verlängerung der pharmakologischen Wirkung des Arzneimittels über die benötigte Zeitspanne hinaus. Sie kann von einer Skelettmuskelschwäche bis hin zu einer starken und lang dauernden Skelettmuskellähmung mit Ateminsuffizienz oder Apnoe reichen.

Reaktionen an der Injektionsstelle

Von Injektionsschmerzen bei der Blitzeinleitung wurde berichtet, besonders wenn der Patient das Bewusstsein noch nicht verloren hat und insbesondere, wenn Propofol bei der Einleitung angewendet wurde. In klinischen Studien wurde Injektionsschmerz bei 16 % der Patienten beobachtet, die einer Blitzeinleitung unter Propofol unterzogen wurden, und bei weniger als 0,5 % der Patienten mit einer Blitzeinleitung unter Fentanyl und Thiopental.

Kinder und Jugendliche

Eine Meta-Analyse von 11 klinischen Studien an pädiatrischen Patienten (n=704) mit Rocuroniumbromid (bis zu 1 mg/kg) zeigte, dass Tachykardie mit einer Häufigkeit von 1,4 % als Nebenwirkung auftrat.

Meldung des Verdachts auf Nebenwirkungen

Die Meldung des Verdachts auf Nebenwirkungen nach der Zulassung ist von großer Wichtigkeit. Sie ermöglicht eine kontinuierliche Überwachung des Nutzen-Risiko-Verhältnisses des Arzneimittels.

Angehörige von Gesundheitsberufen sind aufgefordert, jeden Verdachtsfall einer Nebenwirkung dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte, Abt. Pharmakovigilanz, Kurt-Georg-Kiesinger-Allee 3, D-53175 Bonn, Website: www.bfarm.de anzuzeigen.

4.9 Überdosierung

Im Fall einer Überdosierung und verlängerten neuromuskulären Blockade sollte der Patient künstlich weiterbeatmet und sediert werden. Es bestehen zwei Möglichkeiten für die Aufhebung der neuromuskulären Blockade:

(1) Bei Erwachsenen kann Sugammadex zur Aufhebung der intensiven (profunden) und tiefen Blockade angewendet werden. Die anzuwendende Dosis von Sugammadex hängt von der Tiefe der neuromuskulären Blockade ab.

(2) Es kann ein Acetylcholinesterase-Inhibitor (z. B. Neostigmin, Edrophonium, Pyridostigmin) oder Sugammadex in ausreichender Dosis angewendet werden, sobald die Spontanerholung einsetzt. Falls trotz der Anwendung eines Acetylcholinesterase-Inhibitors die neuromuskulären Effekte von Rocuroniumbromid nicht aufgehoben werden, muss die Beatmung fortgesetzt werden bis die Spontanatmung wieder einsetzt. Wiederholte Gaben von Acetylcholinesterase-Inhibitoren können gefährlich sein.

In Tierstudien trat eine schwere Depression der Herz-Kreislauf-Funktion, die schließlich zum Herzversagen führte, erst dann ein, wenn kumulative Dosen von 750 x ED90 (135 mg/kg Rocuroniumbromid) gegeben wurden

5. PHARMAKOLOGISCHE EIGENSCHAFTEN

5.1 Pharmakodynamische Eigenschaften

Pharmakotherapeutische Gruppe: Muskelrelaxanzien, peripher wirkende Mittel, andere quartäre Ammonium-Verbindungen, ATC-Code: M03AC09.

Wirkmechanismus

Rocuroniumbromid Accord (Rocuroniumbromid) ist ein mittellang wirkendes, nicht-depolarisierendes Muskelrelaxanz mit raschem Wirkungseintritt, das alle typischen pharmakologischen Wirkungen dieser Arzneimittelklasse (curarewirksame Gruppe) besitzt. Es hat eine kompetitive Wirkung im Bereich der cholinergen Nikotin-Rezeptoren an der motorischen Endplatte. Dieser Effekt wird durch Acetylcholinesterase-Inhibitoren wie Neostigmin, Edrophonium und Pyridostigmin antagonisiert.

Pharmakodynamische Wirkungen

Die ED90 (die erforderliche Dosis, um eine Reizantwort des Daumens nach Stimulation des Nervus ulnaris zu 90 % zu unterdrücken) bei intravenöser Anästhesie liegt bei ungefähr 0,3 mg/kg Rocuroniumbromid. Die ED95 bei Säuglingen/Kleinkindern ist niedriger als bei Erwachsenen und Kindern (0,25 mg/kg, 0,35 mg/kg bzw. 0,40 mg/kg).

Die klinische Wirkungsdauer (Zeitraum bis zur Spontanerholung auf 25 % der initialen Reizantwort) beträgt bei 0,6 mg/kg Rocuroniumbromid 30–40 Minuten. Die Gesamtwirkungsdauer (Zeitraum bis zur Spontanerholung auf 90 % der initialen Reizantwort) beläuft sich auf 50 Minuten.

Die mittlere Dauer der Spontanerholung der Reizantwort von 25 % auf 75 % des Kontrollwerts beträgt nach einer Bolusdosis von 0,6 mg/kg Rocuroniumbromid 14 Minuten. Bei niedrigeren Dosen von 0,3–0,45 mg/kg Rocuroniumbromid (1–1,5 x ED90) ist die Zeit bis zum Wirkungseintritt verzögert und die Wirkungsdauer verkürzt. Bei hohen Dosen von 2 mg/kg beträgt die Wirkungsdauer 110 Minuten.

Intubation bei einer routinemäßigen Anästhesie

Innerhalb von 60 Sekunden nach intravenöser Gabe von 0,6 mg/kg Rocuroniumbromid (2 x ED90 unter intravenöser Anästhesie) bestehen bei fast allen Patienten geeignete Bedingungen für die Intubation, bei 80 % sind die Intubationsbedingungen ausgezeichnet. Innerhalb von 2 Minuten ist eine für alle Anwendungsgebiete ausreichende allgemeine Muskelrelaxation erreicht. Nach Anwendung von 0,45 mg/kg Rocuroniumbromid bestehen nach 90 Sekunden akzeptable Bedingungen für die Intubation.

Blitzeinleitung

Während einer Blitzeinleitung der Anästhesie mit 1,0 mg/kg Rocuroniumbromid unter Propofol oder Fentanyl/Thiopental werden bei 93 % und 96 % der Patienten innerhalb von 60 Sekunden geeignete Intubationsbedingungen erreicht, bei 70 % sind die Bedingungen ausgezeichnet. Die klinische Wirkdauer nach dieser Dosis beträgt etwa eine Stunde; innerhalb dieser Zeit kann die neuromuskuläre Blockade sicher antagonisiert werden. Nach einer Dosis von 0,6 mg/kg Rocuroniumbromid werden innerhalb von 60 Sekunden bei 81 % und 75% der Patienten während einer Blitzeinleitung unter Propofol oder Fentanyl/Thiopental geeignete Intubationsbedingungen erreicht.

Kinder und Jugendliche

Die mittlere Anschlagszeit bei Säuglingen, Kleinkindern und Kindern bei einer Intubationsdosis von 0,6 mg/kg ist geringfügig kürzer als bei Erwachsenen. Ein Vergleich innerhalb der Altersgruppen zeigte, dass die mittlere Anschlagszeit bei Neugeborenen und Jugendlichen (1,0 Minuten) geringfügig länger ist als bei Säuglingen, Kleinkindern und Kindern (0,4, 0,6 und 0,8 Minuten).

Die Dauer der Blockade und die Zeit bis zur Erholung sind bei Kindern in der Regel kürzer als bei Säuglingen und Erwachsenen. Ein Vergleich innerhalb der pädiatrischen Altersgruppen zeigte, dass die Zeit bis zum Wiederauftreten von T3 im Durchschnitt bei Neugeborenen und Säuglingen verlängert war (56,7 und 60,7 Minuten), wenn sie mit Kleinkindern, Kindern und Jugendlichen verglichen wurde (45,4, 37,6 und 42,9 Minuten).

Mittlere (SD) Anschlagzeit und klinische Wirkungsdauer nach initialer Intubationsdosis* mit 0,6 mg/kg Rocuronium während einer Sevofluran/Lachgas und Isofluran/Lachgas- (Erhaltungs-) Anästhesie (pädiatrische Patienten)

Zeit zum Erreichen des maximalen Blocks** (Min)Zeit bis zum Wiederauftreten des T3** (Min)

Neugeborene (0 - 27 Tage)

N = 10

0,98 (0,62)

56,69 (37,04)

N = 9

Säuglinge (28 Tage – 2 Monate)

N= 11

0,44 (0,19)

N = 10

60,71 (16,52)

Kleinkinder (3 – 23 Monate)

N = 28

0,59 (0,27)

45,46 (12,94)

N = 27

Kinder (2 – 11 Jahre)

N = 34

0,84 (0,29)37,58 (11,82)

Jugendliche (12 – 17 Jahre)

N = 31

0,98 (0,38)

42,90 (15,83)

N = 30

* Rocuronium-Dosis innerhalb von 5 Sekunden angewendet

** Berechnet ab Ende der Anwendung der Rocuronium-Intubationsdosis

Geriatrische Patienten und Patienten mit Leber- und/oder Gallenwegserkrankungen und/oder Nierenversagen

Die Wirkdauer bei Erhaltungsdosen von 0,15 mg/kg Rocuroniumbromid kann unter Enfluran- oder Isofluran-Anästhesie bei geriatrischen Patienten und Patienten mit Leber- und/oder Nierenerkrankungen etwas länger (etwa 20 Minuten) sein als bei Patienten ohne Beeinträchtigung von exkretorischen Organfunktionen unter intravenöser Anästhesie (etwa 13 Minuten) (siehe Abschnitt 4.2). Ein kumulativer Effekt (progressiver Anstieg der Wirkdauer) bei wiederholter Erhaltungsdosierung in der empfohlenen Höhe wurde nicht beobachtet.

Intensivmedizin

Bei der Dauerinfusion in der Intensivmedizin hängt die Erholungszeit der Vierfach (TOF)-Ratio von 0,7 vom Ausmaß der Blockade am Ende der Infusion ab. Nach einer Dauerinfusion von 20 Stunden oder länger beträgt das Zeitintervall zwischen der Rückkehr des T2 bei der Vierfach (TOF)-Stimulation und der Wiederherstellung der Vierfach (TOF)-Ratio von 0,7 im Mittel ungefähr 1,5 (1-5) Stunden bei Patienten ohne multiplem Organversagen und 4 (1-25) Stunden bei Patienten mit multiplem Organversagen.

Kardiovaskuläre Operationen

Bei für eine kardiovaskuläre Operation vorgesehenen Patienten sind die häufigsten kardiovaskulären Veränderungen bei Eintritt der maximalen Blockade nach 0,6-0,9 mg/kg Rocuroniumbromid eine leichte, klinisch unbedeutende Zunahme der Herzfrequenz um bis zu 9 % und ein Anstieg des mittleren arteriellen Blutdrucks um bis zu 16 % der Kontrollwerte.

Aufhebung der neuromuskulären Blockade

Die Wirkung von Rocuronium kann entweder durch Sugammadex oder durch Acetylcholinesterase-Inhibitoren (Neostigmin, Pyridostigmin oder Edrophonium) aufgehoben werden.

Sugammadex kann zur routinemäßigen Aufhebung (zwischen 1-2 Post-Tetanic Counts und Wiederauftreten von T2) oder zur sofortigen Aufhebung (3 Minuten nach Gabe von Rocuroniumbromid) angewendet werden. Acetylcholinesterase-Inhibitoren können erst bei Wiederauftreten von T2 oder bei den ersten Anzeichen einer klinischen Erholung angewendet werden.

5.2 Pharmakokinetische Eigenschaften

Nach intravenöser Gabe einer Bolusdosis Rocuroniumbromid zeigt die Plasmakonzentration drei exponentielle Phasen. Bei gesunden Patienten beträgt die mittlere (95 % CI) Eliminationshalbwertszeit 73 (66-80) Minuten, das (scheinbare) Verteilungsvolumen unter Steady State Bedingungen 203 (193-214) ml/kg und die Plasmaclearance 3,7 (3,5-3,9) ml/kg/min.

Rocuronium wird im Urin und über die Galle ausgeschieden. Die Ausscheidung im Urin erreicht innerhalb von 12-24 Stunden 40 %. Nach Injektion einer radioaktiv markierten Dosis von Rocuroniumbromid erfolgt die Ausscheidung der radioaktiven Markierung im Durchschnitt nach 9 Tagen zu 47 % im Urin und 43 % in den Faeces. Ungefähr 50 % wird als Ausgangsverbindung wiedergefunden.

Kinder und Jugendliche

Die Pharmakokinetik von Rocuroniumbromid bei pädiatrischen Patienten (n=146) im Alter von 0 bis 17 Jahre wurde mittels einer Populationsanalyse der gepoolten pharmakokinetischen Daten von zwei klinischen Studien unter einer Anästhesie mit Sevofluran (Einleitung) und Isofluran/Lachgas (Aufrechterhaltung) analysiert. Alle pharmakokinetischen Parameter verhielten sich linear proportional zum Körpergewicht, was sich in der über alle Altersgruppen gleichen Clearance (l/kg/h) widerspiegelt. Das Verteilungsvolumen (l/kg) und die Eliminationshalbwertszeit (h) nehmen mit dem Alter (Jahre) ab. Die pharmakokinetischen Parameter typischer pädiatrischer Patienten innerhalb der Altersgruppe werden wie folgt zusammengefasst:

Geschätzte pharmakokinetische (PK) Parameter (mittlere [SD]) von Rocuroniumbromid bei typischen pädiatrischen Patienten während Sevofluran und Lachgas (Induktons-) und Isofluran/Lachgas (Erhaltungs- Anästhesie)

PK ParameterPatienten-Altersklasse

Reife Neuge- borene

(0-27 Tage)

Säuglinge (28 Tage bis 2 Monate)Kleinkinder (3-23 Monate)Kinder (2-11 Jahre)Jugendliche (12-17 Jahre)
CL (l/kg/h)0,31 (0,07)0,30 (0,08)0,33 (0,10)0,35 (0,09)0,29 (0,14)
Verteilungs-volumen im Steady State (l/kg)0,42 (0,06)0,31 (0,03)0,23 (0,03)0,18 (0,02)0,18 (0,01)
t1/2 ß (h)1,1 (0,2)0,9 (0,3)0,8 (0,2)0,7 (0,2)0,8 (0,3)

Geriatrische Patienten und Patienten mit Leber- und/oder Gallenwegserkrankungen und/oder Nierenversagen

In kontrollierten Studien war die Plasmaclearance bei geriatrischen Patienten und Patienten mit Nierenversagen herabgesetzt, allerdings wurde in den meisten Studien kein statistisch signifikanter Wert erreicht. Bei Patienten mit Lebererkrankung ist die durchschnittliche Eliminationshalbwertszeit mit 30 Minuten verlängert und die mittlere Plasma-Clearance um 1 ml/kg/min reduziert (siehe Abschnitt 4.2).

Intensivmedizin

Wird eine Dauerinfusion zur Erleichterung der künstlichen Beatmung 20 Stunden oder länger angewendet, dann ist die mittlere Eliminationshalbwertszeit und das mittlere (scheinbare) Verteilungsvolumen unter Steady State Bedingungen erhöht. In kontrollierten Studien wurden große Schwankungen zwischen Patienten festgestellt, die von Art und Ausmaß des (multiplen) Organversagens und von individuellen Eigenschaften der Patienten abhängig waren. Bei Patienten mit multiplem Organversagen wurde eine mittlere (± SD) Eliminationshalbwertszeit von 21,5 (± 3,3) Stunden, ein (scheinbares) Verteilungsvolumen unter Steady State Bedingungen von 1,5 (± 0,8) l/kg und eine Plasmaclearance von 2,1 (± 0,8) ml/kg/min festgestellt.

5.3 Präklinische Daten zur Sicherheit

Präklinische Effekte wurden nur nach Expositionen beobachtet, die ausreichend über der humantherapeutischen Exposition lagen. Die Relevanz für den Menschen wird als gering bewertet.

Es gibt kein Tiermodell zur Simulierung der üblicherweise sehr komplexen klinischen Situation des Patienten in der Intensivmedizin. Aus diesem Grund stützen sich die Daten zur Sicherheit von Rocuroniumbromid Accord, wenn es zur Erleichterung der künstlichen Beatmung in der Intensivmedizin angewendet wird, vor allem auf Ergebnisse aus klinischen Studien.

6. PHARMAZEUTISCHE ANGABEN

6.1 Liste der sonstigen Bestandteile

Natriumchlorid

Natriumacetat-Trihydrat

Essigsäure 99 % (zur pH-Wert-Einstellung)

Wasser für Injektionszwecke

6.2 Inkompatibilitäten

Physikalische Inkompatibilitäten bestehen für Rocuroniumbromid, wenn es Lösungen mit folgenden Arzneimitteln zugesetzt wird: Amphotericin, Amoxicillin, Azathioprin, Cefazolin, Cloxacillin, Dexamethason, Diazepam, Enoximon, Erythromycin, Famotidin, Furosemid, Hydrocortison-Natriumsuccinat, Insulin, Intralipid, Methohexiton, Methylprednisolon, Prednisolon-Natriumsuccinat, Thiopental, Trimethoprim und Vancomycin.

6.3 Dauer der Haltbarkeit

Ungeöffnete Spritze

2 Jahre

Nach dem Öffnen muss das Arzneimittel sofort verwendet werden.

6.4 Besondere Vorsichtsmaßnahmen für die Aufbewahrung

Im Kühlschrank lagern (2°C-8°C).

Lagerung außerhalb des Kühlschranks: Die Rocuroniumbromid Injektionslösung kann außerhalb des Kühlschranks bei Temperaturen bis zu 30°C für maximal 12 Wochen gelagert werden. Danach sollte sie entsorgt werden. Das Produkt sollte nicht wieder in den Kühlschrank zurückgelegt werden, sobald es einmal außerhalb des Kühlschranks gelagert wurde. Die Aufbewahrungsdauer darf die angegebene Dauer der Haltbarkeit nicht überschreiten

6.5 Art und Inhalt des Behältnisses

5-ml-Klarglas-Fertigspritze mit Verschlusskappe, Kolbenstopfen (grauer Brombutylgummistopfen) und Kolbenstange (Polypropylen). Auf dem Spritzenzylinder sind Skaleneinteilungen für 0,1 ml vorhanden.

10-ml-Klarglas-Fertigspritze mit Verschlusskappe, Kolbenstopfen (grauer Brombutylgummistopfen) und Kolbenstange (Polypropylen). Auf dem Spritzenzylinder sind Skaleneinteilungen für 0,2 ml vorhanden.

Packungsgröße: eine Fertigspritze

Die Fertigspritze wird ohne Kanüle in einer äußeren Kunststoffbox (Twistbox) angeboten.

6.6 Besondere Vorsichtsmaßnahmen für die Beseitigung und sonstige Hinweise zur Handhabung

Die Fertigspritze ist nur zur Anwendung bei einem einzelnen Patienten bestimmt.

Das Produkt muss vor der Anwendung visuell auf Partikel und Verfärbungen geprüft werden. Nur klare und farblose bis blass bräunlich gelbe Lösung frei von Partikeln darf angewendet werden. Dieses Arzneimittel nicht anwenden, wenn sichtbare Anzeichen einer Veränderung bestehen.

Die Fertigspritze ist nicht für Infusionspumpen geeignet. Die Fertigspritze ist ein gebrauchsfertiges Produkt. Sie ist nicht zur Verdünnung in einem Infusionsbeutel geeignet.

Nicht verwendetes Arzneimittel oder Abfallmaterial ist entsprechend den nationalen Anforderungen zu beseitigen.

7. INHABER DER ZULASSUNG

Accord Healthcare B.V. Winthontlaan 200

3526 KV UTRECHT

Niederlande

8. ZULASSUNGSNUMMER

7005859.00.00

9. DATUM DER ERTEILUNG DER ZULASSUNG

09.02.2026

10. STAND DER INFORMATION

02/2026

11. VERKAUFSABGRENZUNG

Verschreibungspflichtig

Über dieses Dokument

Quelle: BfArM – Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (AMIce) · Zulassungsnummer: 7005859.00.00 · ENR 7005859

Stand der Information laut Text: 02/2026

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Fakten zu Rocuroniumbromid Accord 10 mg/ml Injektionslösung in einer Fertigspritze

Rezeptpflicht
Verschreibungspflichtig?
  • Sie erhalten das Arzneimittel nur mit einem ärztlichen Rezept in der Apotheke.
  • Rechtsgrundlage laut BfArM: verschreibungspflichtig gemäß § 48(1),(2)2 AMG.
Wirkstoff Rocuroniumbromid 10 mg/ml
Darreichungsform Injektion
Art der Anwendung Intravenöse Anwendung
Art des Arzneimittels Chemisches Arzneimittel
Sonstige Bestandteile Natriumchlorid, Natriumacetat-Trihydrat, Essigsäure 99%, Wasser für Injektionszwecke
Packungsgrößen 5 ml, 10 ml
Haltbarkeit 2 Jahre (ungeöffnete Packung)
Lagerung Lagerung und Transport: Im Kühlschrank lagern (+2°C bis +8°C)
Fälschungsschutz Ja – die Packung trägt einen individuellen Code und einen Erstöffnungsschutz (securPharm), die Apotheke prüft die Echtheit
ATC-Klassifikation
  1. M Muskel- und Skelettsystem
    1. M03 Muskelrelaxanzien
      1. M03A Muskelrelaxanzien, peripher wirkende Mittel
        1. M03AC Andere quartäre Ammonium-Verbindungen
          1. M03AC09 Rocuroniumbromid
Referenzarzneimittel Generikum von Esmeron 10mg/ml
Zulassung 7005859.00.00, seit 13.02.2026; dezentrales Verfahren (mehrere EU-Staaten)
Pharmazeutischer Unternehmer Accord Healthcare B.V., 3526 KV UTRECHT, Niederlande
Hersteller (Freigabe) Accord Healthcare B.V., Laboratori Fundació DAU (BS 1), Accord Healthcare Polska Sp. z.o.o. (BS 1)

Quelle: BfArM, Arzneimittel-Informationssystem AMIce (ENR 7005859), Datensatz vom 07.10.2026. Angaben ohne Gewähr – fragen Sie Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder Ihre Apotheke.