Info Patient

Ardeytropin® – Fachinformation (SmPC) für Ärzte und Apotheker

Die Fachinformation richtet sich an Ärzte und Apotheker. Verständliche Hinweise für Patienten enthält der Beipackzettel: Einnahme, Nebenwirkungen, Schwangerschaft und Stillzeit.

Aktualisiert:
Fakten
Status:
Apothekenpflichtig, rezeptfrei
Stärke:
500 mg
Wirkstoff:
ATC-Gruppe:

Fachinformation - Ardeytropin

1. Bezeichnung des Arzneimittels

Ardeytropin®

Wirkstoff: Tryptophan

500 mg

Tabletten

2. Qualitative und quantitative Zusammensetzung

Wirkstoff:

1 Tablette enthält 500 mg Tryptophan.

Vollständige Auflistung der sonstigen Bestandteile: siehe Abschnitt 6.1

3. Darreichungsform

Tabletten

4. Klinische Angaben

4.1 Anwendungsgebiete

Fördert die Schlafbereitschaft, erleichtert das Einschlafen bei Schlafstörungen.

4.2 Dosierung, Art und Dauer der Anwendung

Dosierung:

Täglich 2 Tabletten Ardeytropin® (entsprechend 1 g Tryptophan). Die Dosis kann auf ärztliche Empfehlung hin bis zu 4 Tabletten Ardeytropin® (entspre-chend 2 g Tryptophan) gesteigert werden.

Art der Anwendung:

Zum Einnehmen.

Die Tabletten sollen 20 – 30 Minuten vor dem Schlafengehen mit etwas Flüs-sigkeit eingenommen werden.

Dauer der Anwendung:

Über die Anwendung von Tryptophan in der Langzeittherapie liegen keine Er-fahrungen vor. Nach 3-4 Wochen sollte die Notwendigkeit der Fortführung der Therapie überprüft werden.

4.3 Gegenanzeigen

Schwere Leberinsuffizienz, hepatische Enzephalopathie, schwere Nierener-krankungen und Niereninsuffizienz, Karzinoide.

Tryptophan darf nicht zusammen mit Antidepressiva aus der Gruppe der Mono-aminoxidase-Hemmer und Serotonin-Wiederaufnahmehemmer eingenommen werden (siehe Abschnitt Wechselwirkungen).

Ardeytropin® darf nicht angewendet werden bei bekannter Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff Tryptophan oder einen der sonstigen Bestandteile des Präparates.

4.4 Besondere Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung

Vorsicht ist geboten bei gleichzeitiger Einnahme zusammen mit Phenothiazinen oder Benzodiazepinen (siehe Abschnitt Wechselwirkungen), sowie mit anderen Hemmstoffen der Monoaminoxidase wie Selegilin, Procarbazin oder Furazo-lidon.

Vorsicht ist geboten bei gleichzeitiger Einnahme mit Dextrometorphan (in frei-verkäuflichen Hustenmitteln enthalten); machen Sie Ihre Patienten darauf auf-merksam!

In der Gebrauchsinformation wird der Patient auf Folgendes aufmerksam ge-macht: Für Tryptophan wurden sowohl blutdrucksenkende als auch blutdruck-steigernde Wirkungen beobachtet. Wenn Sie unter Bluthochdruck leiden, zie-hen Sie daher vor Anwendung des Arzneimittels Ihren Arzt zu Rate.

Kinder und Jugendliche

Da zur Anwendung bei Kindern und Jugendlichen noch keine ausreichenden Erfahrungen vorliegen, ist diese Altersgruppe bislang nicht für eine Therapie mit Tryptophan vorgesehen.

4.5 Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln und sonstige Wechselwir-

kungen

Die Wirkungen von Arzneimitteln mit höherer Bindung an Plasmaproteine (z. B. Digitoxin) können verstärkt werden.

Antiepileptika

Die Wirkung von Tryptophan kann durch Carbamazepin verstärkt und durch Phenytoin abgeschwächt werden.

Levodopa (L-DOPA)

Die Wirkung von Levodopa kann durch Tryptophan abgeschwächt werden (Kompetition bei Resorption und Transport ins Gehirn).

Psychopharmaka

Bei gleichzeitiger Anwendung von Monoaminoxidase-Hemmern und Serotonin-wiederaufnahme-Hemmern, z. B. Fluoxetin, Fluvoxamin, Parexetin auch Dex-fenfluramin, kann ein Serotonin-Syndrom mit Symptomen wie Verwirrtheit, Hy-pomanie, Hyperthermie, Myoklonie, Hyperreflexie, Tremor, Diarrhoe und Blut-druckanstieg, in schweren Fällen mit Blutdruckabfall, Koma und Schock auftre-ten.

Diese Wechselwirkungen können auch für andere Hemmstoffe der Monoamin-oxidase wie Selegilin, Procarbazin oder Furazolidon nicht ausgeschlossen wer-den.

Die Wirkungen von trizyklischen Antidepressiva und Lithiumsalzen können ver-stärkt werden.

Bei gleichzeitiger oder vorausgegangener Behandlung mit Phenothiazinen oder Benzodiazepinen traten gelegentlich gesteigertes sexuelles Verlangen, rever-sible Dyskinesien und Parkinson-ähnliche Symptome auf.

Schmerzmittel

Tryptophan vermindert die Toleranzentwicklung bei Opiaten.

4.6 Schwangerschaft und Stillzeit

Schwangerschaft

Es liegen keine hinreichenden Daten für die Anwendung von Ardeytropin® bei Schwangeren vor, daher darf Ardeytropin® in der Schwangerschaft nur nach strenger ärztlicher Indikationsstellung verwendet werden. Bei chronischem Ge-brauch von Tryptophan während der Schwangerschaft wurde beim Feten eine Zunahme der Atembewegungen registriert. In tierexperimentellen Studien zeig-te Tryptophan keine teratogenen Wirkungen, es wurde jedoch eine erhöhte Embryoletalität beobachtet (siehe Abschnitt 5.3).

Stillzeit

Es liegen keine Daten zur Anwendung von Tryptophan während der Stillzeit vor. Ardeytropin® darf in der Stillzeit nur nach strenger ärztlicher Indikationsstellung verwendet werden.

4.7 Auswirkungen auf die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedie-

nen von Maschinen

Hinweis für Verkehrsteilnehmer

Dieses Arzneimittel kann auch bei bestimmungsgemäßem Gebrauch das Reak-tionsvermögen so weit verändern, dass die Fähigkeit zur aktiven Teilnahme am Straßenverkehr oder zum Bedienen von Maschinen beeinträchtigt wird. Dies gilt in verstärktem Maße im Zusammenwirken mit Alkohol.

4.8 Nebenwirkungen

Bei der Bewertung von Nebenwirkungen werden folgende Häufigkeiten zugrun-de gelegt:

Sehr häufig(≥ 1/10)
Häufig(≥ 1/100 – < 1/10)
Gelegentlich(≥ 1/1000 – < 1/100)
Selten(≥ 1/10.000 – < 1/1000)
Sehr selten(< 1/10.000)
Nicht bekannt(Häufigkeit auf Grundlage der verfügbaren Daten nicht abschätzbar)

Schwindel, Kopfschmerzen, Lichtempfindlichkeit und Sedation können auftre-ten.

Bei Hypertonikern sind blutdrucksenkende Wirkungen beobachtet worden.

Meldung des Verdachts auf Nebenwirkungen

Die Meldung des Verdachts auf Nebenwirkungen nach der Zulassung ist von großer Wichtigkeit. Sie ermöglicht eine kontinuierliche Überwachung des Nut-zen-Risiko-Verhältnisses des Arzneimittels. Angehörige von Gesundheitsberu-fen sind aufgefordert, jeden Verdachtsfall einer Nebenwirkung dem Bundesinsti-tut für Arzneimittel und Medizinprodukte, Abt. Pharmakovigilanz, Kurt-Georg-Kiesinger Allee 3, D-53175 Bonn, Webseite: www.bfarm.de, anzuzeigen.

4.9 Überdosierung

Tryptophan ist eine essentielle Aminosäure mit äußerst geringer akuter Toxizität von 1200 mg / kg Körpergewicht (siehe auch Abschnitt 5.3 „Akute Toxizität“).

Deutliche Überdosierung mit Tryptophan und Fälle akuter Vergiftungen sind bisher nicht bekannt. Tryptophan führt als physiologische Substanz nicht zur Abhängigkeit oder Sucht.

Symptome einer Überdosierung

Als mögliche Symptome einer Überdosierung könnten Symptome des Seroto-nin-Syndroms (Verwirrtheit, Hypomanie, Hyperthermie, Myoklonie, Hyperrefle-xie, Tremor, Diarrhoe und Blutdruckanstieg, in schweren Fällen Blutdruckabfall, Koma und Schock) und des Magendarm-Traktes (Erbrechen) auftreten.

5. Pharmakologische Eigenschaften

5.1 Pharmakodynamische Eigenschaften

Pharmakotherapeutische Gruppe: Essentielle Aminosäure, Serotonin-Präkursor

Bei chronischen Schlafstörungen ist hypothetisch ein Mangel an Serotonin in den Raphe-Kernen als Ursache angesehen worden. Der zerebrale Serotonin-

mangel kann jedoch nicht durch eine direkte Substitution behoben werden, da Serotonin selbst die Blut-Hirn-Schranke nicht passieren kann. In den serotoner-gen Neuronen kann jedoch die Synthese über ein erhöhtes Angebot der physio-logischen Vorstufe Tryptophan gesteigert werden, um diesen Mangelzustand zu beheben.

5.2 Pharmakokinetische Eigenschaften

Tryptophan wird im Allgemeinen über ein aktives Transportsystem quantitativ resorbiert. Die Aminosäure liegt nur zu 15 % frei im Plasma vor, sie wird zu 85% an Serumproteine (Serumalbumin) gebunden. Da nur das freie Tryptophan für eine Verstoffwechselung zur Verfügung steht, ergibt sich eine physiologi-sche Retardierung.

Der größte Teil des Tryptophans (ca. 90 %) wird vorwiegend in der Leber durch unvollständige Oxidation über den Tryptophan-Nicotinsäureweg abgebaut. Die-ser Abbauweg von Tryptophan wird tagesperiodisch vom Glukokortikoidspiegel im Blut (Cortisol) über die Aktivierung des 1. Enzyms der Stoffwechselkette (Tryptophan-2,3-dioxygenase) gesteuert.

Ein kleiner Teil des zugeführten Tryptophans (1 - 2 %) wird in den enterochromaffinen Zellen des Dünndarms, in den Thrombozyten und den Mastzellen sowie im ZNS über 5-Hydroxy-Trytophan zu Serotonin umgewan-delt. Der Serotoninspiegel folgt einer circadianen Periodik, er ist nachts hoch und am Tag niedrig. Serotonin wird durch ubiquitär vorhandene Enzyme (u.a. Monoaminoxidasen) zu 5-Hydroxy-indolylessigsäure oder zu 5-Hydroxytryptophol abgebaut.

Es ist nicht belegt, dass außer Serotonin andere Metaboliten in klinisch relevan-ten Mengen entstehen, die den Wach-/Schlaf-Rhythmus beeinflussen.

Die Ausscheidung der Abbauprodukte des Tryptophans erfolgt vorwiegend über die Niere. Die Eliminationshalbwertszeit der Aminosäure beträgt 2 ½ Stunden.

5.3 Präklinische Daten zur Sicherheit

Untersuchungen zur chronischen Toxizität und zum mutagenen sowie kanzero-genen Potential von Tryptophan erbrachten keine relevanten Hinweise auf schädigende Effekte.

In reproduktionstoxikologischen Studien an verschiedenen Tierspezies (Ratte, Hamster, Kaninchen) war Tryptophan nicht teratogen. Beim Hamster und beim Kaninchen traten jedoch embryoletale Effekte auf. Fertilitätsstudien oder Peri-/ Postnatalstudien wurden nicht durchgeführt.

6. Pharmazeutische Angaben

6.1 Liste der sonstigen Bestandteile

Cellulosepulver (Ph.Eur.), Stearinsäure (Ph.Eur.), Magnesiumstearat (Ph.Eur.), Carboxymethylstärke-Natrium (Typ A) (Ph.Eur.), Hochdisperses Siliciumdioxid (Ph.Eur.), Talkum (Ph.Eur.), Titandioxid (Ph.Eur.), Tricalciumphosphat (Ph.Eur.)

6.2 Inkompatibilitäten

Keine bekannt.

6.3 Dauer der Haltbarkeit

3 Jahre

6.4 Besondere Vorsichtsmaßnahmen für die Aufbewahrung

Nicht über 25 °C lagern.

6.5 Art und Inhalt des Behältnisses

Art des Behältnisses:

Aluminiumblister

Packungsgrößen:

Originalpackung mit

20 Tabletten

50 Tabletten

100 Tabletten

300 Tabletten

6.6 Sonstige Hinweise zur Handhabung

Nach Ablauf des Verfalldatums soll Ardeytropin® nicht mehr angewendet wer-den.

7. Inhaber der Zulassung

Ardeypharm GmbH

Loerfeldstraße 20

58313 Herdecke

Telefon: 0 23 30 / 977 677

Telefax: 0 23 30 / 977 697

E-Mail: office@ardeypharm.de

8. Zulassungsnummer

6782534.00.00

9. Datum der Erteilung der Zulassung / Verlängerung der Zulassung

  1. 3. Juni 2005

10. Stand der Information

Juli 2015

11. Verkaufsabgrenzung

Apothekenpflichtig

Über dieses Dokument

Quelle: BfArM – Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (AMIce) · Zulassungsnummer: 6782534.00.00 · ENR 0782534

Stand der Information laut Text: 07/2015

Einen Fehler gefunden? Schreiben Sie uns über die Kontaktseite.

Die Informationen auf dieser Website ersetzen nicht den Rat eines Arztes oder Apothekers.

Fakten zu Ardeytropin

Rezeptpflicht
Apothekenpflichtig, rezeptfrei?
  • Sie erhalten das Arzneimittel ohne Rezept, aber nur in der Apotheke. Lassen Sie sich dort beraten.
  • Rechtsgrundlage laut BfArM: apothekenpflichtig gemäß §43 oder §46 AMG.
Wirkstoff Tryptophan 500 mg
Darreichungsform Tablette
Art der Anwendung Zum Einnehmen
Sonstige Bestandteile
Cellulosepulver, Stearinsäure (Ph.Eur.), Magnesiumstearat (Ph.Eur.), Carboxymethylstärke-Natrium (Typ A) (Ph.Eur.) und 4 weitere+

Cellulosepulver, Stearinsäure (Ph.Eur.), Magnesiumstearat (Ph.Eur.), Carboxymethylstärke-Natrium (Typ A) (Ph.Eur.), Hochdisperses Siliciumdioxid, Talkum, Titandioxid, Tricalciumphosphat (Ph.Eur.)

Packungsgrößen 20 Stück, 50 Stück, 100 Stück, 300 Stück
Haltbarkeit 3 Jahre (ungeöffnete Packung)
ATC-Klassifikation
  1. N Nervensystem
    1. N06 Psychoanaleptika
      1. N06A Antidepressiva
        1. N06AX Andere Antidepressiva
          1. N06AX02 Tryptophan
Zulassung 6782534.00.00, seit 14.06.2005; nationales Verfahren (Deutschland)
Pharmazeutischer Unternehmer Ardeypharm GmbH Pharmazeutische Fabrik, 58313 Herdecke-Ruhr
Hersteller (Freigabe) Ardeypharm GmbH Pharmazeutische Fabrik
Risikoverfahren
1 Verfahren zur Arzneimittelsicherheit+
  • L-Tryptophan-haltige HAM (oral): Eosinophilie-Myalgie-Syndrom (abgeschlossen 29.07.1998)
Frühere Namen ARDEYDORM (ab 19.08.1981)
PZN 07422721, 07422738, 07422744

Quelle: BfArM, Arzneimittel-Informationssystem AMIce (ENR 0782534), Datensatz vom 02.06.2023. Angaben ohne Gewähr – fragen Sie Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder Ihre Apotheke.