Fachinformation - Ciprofloxacin Bundeswehr 2 mg/ml Infusionslösung
1. Bezeichnung des Arzneimittels
Ciprofloxacin Bundeswehr 2 mg/ml Infusionslösung
2. Qualitative und quantitative Zusammensetzung
1 ml enthält 2 mg Ciprofloxacin.
Ein Flasche mit 100 ml Infusionslösung enthält 200 mg Ciprofloxacin.
Sonstige Bestandteile:
Die vollständige Auflistung der sonstigen Bestandteile siehe Abschnitt 6.1.
3. Darreichungsform
Infusionslösung
4. Klinische Angaben
4.1 Anwendungsgebiete
Ciprofloxacin Bundeswehr 2 mg/ml Infusionslösung ist zur Behandlung der folgenden Infektionen ange-zeigt (siehe Abschnitte 4.4 und 5.1). Vor Behandlungsbeginn sollten besonders die verfügbaren Informa-tionen zu Resistenzen beachtet werden.
Offizielle Empfehlungen zum angemessenen Gebrauch von Antibiotika sollten berücksichtigt werden.
Erwachsene
Untere Atemwegsinfektionen verursacht durch Gram-negative Bakterien
- Exazerbationen der chronisch-obstruktiven Lungenerkrankung (COPD)
- bronchopulmonale Infektionen bei zystischer Fibrose oder bei Bronchiektasen
- Pneumonie
- Chronische eitrige Otitis media
Akute Verschlechterung der chronischen Sinusitis, insbesondere wenn sie durch Gram-negative
Bakterien verursacht ist
- Harnwegsinfektionen
Infektionen des Genitaltraktes
Epididymoorchitis einschließlich Infektionen durch empfindliche Neisseria gonorrhoeae verursachte
Fälle
- Entzündliche Erkrankungen des Beckens (PID) einschließlich durch empfindliche Neisseria gonorrhoeae verursachte Fälle
- Infektionen des Gastrointestinaltrakts (z.B. Reisediarrhö)
- Intraabdominale Infektionen
- Durch Gram-negative Bakterien verursachte Infektionen der Haut und des Weichteilgewebes
- Maligne externe Otitis
- Infektionen der Knochen und Gelenke
- Inhalation von Milzbranderregern (postexpositionelle Prophylaxe und Heilbehandlung)
Ciprofloxacin kann zur Behandlung von neutropenischen Patienten mit Fieber angewendet werden, wenn der Verdacht besteht, dass das Fieber durch eine bakterielle Infektion verursacht ist.
Kinder und Jugendliche
- Durch Pseudomonas aeruginosa verursachte bronchopulmonale Infektionen bei zystischer Fibrose
- Komplizierte Harnwegsinfektionen und Pyelonephritis
- Inhalation von Milzbranderregern (postexpositionelle Prophylaxe und Heilbehandlung)
Ciprofloxacin kann auch zur Behandlung von schweren Infektionen bei Kindern und Jugendlichen eingesetzt werden, wenn dies als notwendig angesehen wird.
Die Behandlung sollte nur von einem in der Behandlung von zystischer Fibrose und/oder schweren Infektionen bei Kindern und Jugendlichen erfahrenen Arzt initiiert werden (siehe Abschnitte 4.4 und 5.1).
4.2 Dosierung, Art und Dauer der Anwendung
Die Dosierung wird durch die Indikation, die Schwere und den Ort der Infektion, die Ciprofloxacin-Empfindlichkeit der(s) verursachenden Erreger(s), der Nierenfunktion des Patienten und dem Körperge-wicht bei Kindern und Jugendlichen bestimmt. Die Behandlungsdauer richtet sich nach der Schwere der Erkrankung sowie nach dem klinischen und bakteriologischen Verlauf.
Eine Therapie, die intravenös begonnen wurde, kann bei klinischer Indikation und nach Maßgabe des behandelnden Arztes auf eine Therapie mit Tabletten oder Suspension umgesetzt werden. Ein solcher Wechsel von der intravenösen auf die orale Verabreichungsform sollte so früh wie möglich erfolgen. In schweren Fällen oder wenn der Patient nicht in der Lage ist, Tabletten einzunehmen (z.B. bei Patien-ten mit enteraler Ernährung), empfiehlt es sich, die Therapie mit intravenös angewendetem Ciprofloxacin zu beginnen, bis der Wechsel zu einer oralen Einnahme möglich ist.
Die Behandlung von Infekten durch bestimmte Erreger (z.B. Pseudomonas aeruginosa, Acinetobacter oder Staphylokokken) erfordern gegebenenfalls höhere Ciprofloxacindosen und die begleitende Verab-reichung weiterer geeigneter antibakterieller Substanzen.
Die Behandlung bestimmter Infektionen (z.B. entzündlicher Erkrankung des Beckens, intraabdominale In-fektionen, Infektionen neutropenischer Patienten und Infektionen der Knochen und Gelenke) erfordern unter Umständen, je nach Erreger, die zusätzliche Verabreichung weiterer antimikrobieller Substanzen.
Erwachsene
| Anwendungsgebiete | Tagesdosis Ciprofloxacin in mg | Gesamtbehandlungsdauer (einschließlich schnellstmöglichen Wechsels auf orale Behandlung) | |
| Infektionen der unteren Atemwege | 400 mg 2-mal täglich bis 400 mg 3-mal täglich | 7 bis 14 Tage | |
| Infektionen der oberen Atemwege | Akute Exazerbation einer chronischen Sinusitis | 400 mg 2-mal täglich bis 400 mg 3-mal täglich | 7 bis 14 Tage |
| Chronische eitrige Otitis media | 400 mg 2-mal täglich bis 400 mg 3-mal täglich | 7 bis 14 Tage | |
| Maligne externe Otitis | 400 mg 3-mal täglich | 28 Tage bis zu 3 Monate | |
| Harnwegsinfektionen (siehe Abschnitt 4.4) | Komplizierte und unkom-plizierte Pyelonephritis | 400 mg 2-mal täglich bis 400 mg 3-mal täglich | 7 bis 21 Tage, es kann unter einigen be-stimmten Umständen über 21 Tage hin-aus verlängert werden (wie Abszesse) |
| Infektionen des Genitaltraktes | Epididymoorchitis und entzündliche Erkrankun-gen des Beckens | 400 mg 2-mal täglich bis 400 mg 3-mal täglich | mindestens 14 Tage |
| Infektionen des Gastrointestinaltrakts und intraabdominale Infektionen | Durch bakterielle Erreger einschließlich Shigella spp. außer Shigella dys-enteriae Typ 1 verursach-te Diarrhö und empirische Therapie der schweren Reisediarrhö | 400 mg 2-mal täglich | 1 Tag |
| Durch Shigella dysente-riae Typ 1 verursachte Diarrhö | 400 mg 2-mal täglich | 5 Tage | |
| Durch Vibrio cholerae verursachte Diarrhö | 400 mg 2-mal täglich | 3 Tage | |
| Typhus | 400 mg 2-mal täglich | 7 Tage | |
| Durch Gram-negative Bakterien verursachte int-raabdominale Infektionen | 400 mg 2-mal täglich bis 400 mg 3-mal täglich | 5 bis 14 Tage | |
| Infektionen der Haut und des Weichteilgewebes | 400 mg 2-mal täglich bis 400 mg 3-mal täglich | 7 bis 14 Tage | |
| Infektionen der Knochen und Gelenke | 400 mg 2-mal täglich bis 400 mg 3-mal täglich | höchstens 3 Monate | |
Neurtopenische Patienten mit Fieber, wenn der Verdacht besteht, dass das Fieber durch eine bakterielle Infektion verursacht ist. Ciprofloxacin sollte gemäß offiziellen Empfeh-lungen mit geeigneten antibakteriellen Substan-zen kombiniert werden. | 400 mg 2-mal täglich bis 400 mg 3-mal täglich | Die Therapie sollte über den gesamten Zeitraum der Neutropenie fortgesetzt werden |
| Inhalation von Milzbranderregern - postexpositi-onelle Prophylaxe und Heilbehandlung für Per-sonen, die parenteral behandelt werden müssen. Die Behandlung sollte schnellstmöglich nach vermuteter oder bestätigter Exposition begonnen werden. | 400 mg 2-mal täglich | 60 Tage ab Bestätigung der Bacillus anthracis-Exposition |
Kinder und Jugendliche
| Anwendungsgebiete | Tagesdosis Ciprofloxacin in mg | Gesamtbehandlungsdauer (einschließlich schnellstmöglichen Wechsels auf orale Behandlung) |
| Zystische Fibrose | 10 mg/kg Körpergewicht 3-mal täglich mit einer maximalen Einzeldosis von 400 mg | 10 bis 14 Tage |
| Komplizierte Harnwegsinfektionen und Pyelonephritis | 6 mg/kg Körpergewicht 3-mal täglich bis 10 mg/kg Körpergewicht 3-mal täglich mit einer maximalen Einzeldosis von 400 mg | 10 bis 21 Tage |
Inhalation von Milzbranderregern -postexpositionelle Heilbehandlung für Personen, die parenteral be-handelt werden müssen. Die Behandlung sollte schnellst-möglich nach vermuteter oder bestätigter Exposition begonnen werden. | 10 mg/kg Körpergewicht 2-mal täglich bis 15 mg/kg Körpergewicht 2-mal täglich mit einer maximalen Einzeldosis von 400 mg | 60 Tage ab Bestätigung der Bacillus anthracis-Exposition |
| Andere schwere Infektionen | 10 mg/kg Körpergewicht 3-mal täglich mit einer maximalen Einzeldosis von 400 mg | Entsprechend der Art der Infektion |
Ältere Patienten
Patienten im höheren Lebensalter sollten eine Dosis erhalten, die entsprechend der Schwere der Infekti-on und der Kreatinin-Clearance des Patienten ausgewählt wurde.
Eingeschränkte Nieren- bzw. Leberfunktion
Empfohlene Anfangs- und Erhaltungsdosen für Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion:
| Kreatinin-Clearance [ml/min/1,73 m²] | Serum-Kreatinin [µmol/l] | Orale Dosis [mg] |
| > 60 | < 124 | Siehe übliche Dosierung. |
| 30-60 | 124 bis 168 | 250-500 mg alle 12 Std. |
| < 30 | > 169 | 250-500 mg alle 24 Std. |
| Patienten unter Hämodialyse | > 169 | 250-500 mg alle 24 Std. (nach Dialyse) |
| Patienten unter Peritonealdialyse | > 169 | 250 -500 mg alle 24 Std. |
Für Patienten mit eingeschränkter Leberfunktion ist eine Dosisanpassung nicht erforderlich.
Die Dosierung für Kinder mit eingeschränkter Nieren- und/oder Leberfunktion wurde nicht untersucht.
Art der Anwendung
Ciprofloxacin Bundeswehr 2 mg/ml Infusionslösung muss vor der Anwendung visuell geprüft werden. Eine trübe Infusionslösung darf nicht verwendet werden.
Ciprofloxacin Bundeswehr 2 mg/ml Infusionslösung sollte als intravenöse Infusion verabreicht werden. Bei Kindern beträgt die Infusionsdauer 60 Minuten.
Bei Erwachsenen beträgt die Infusionsdauer 60 Minuten bei 400 mg Ciprofloxacin und 30 Minuten bei 200 mg Ciprofloxacin. Die langsame Infusion in eine große Vene reduziert mögliche Beschwerden des Patienten und vermindert das Risiko venöser Irritationen. Die Infusionslösung kann entweder direkt oder nach vorherigem Mischen mit anderen kompatiblen Infusionslösungen infundiert werden (siehe Abschnitt 6.6).
4.3 Gegenanzeigen
Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff, andere Chinolone oder einen der sonstigen Bestandteile
(siehe Abschnitt 6.1).
- Gleichzeitige Gabe von Ciprofloxacin und Tizanidin (siehe Abschnitt 4.5).
4.4 Besondere Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung
Schwere Infektionen und gemischte Infektionen mit Gram-positiven und anaeroben Erregern Ciprofloxacin-Monotherapie ist für die Behandlung von schweren Infektionen und solchen Infektionen, die durch Gram-positive oder anaerobe Erreger verursacht sein könnten, nicht geeignet. In derartigen Fällen muss Ciprofloxacin mit anderen geeigneten antibakteriellen Substanzen kombiniert werden.
Streptokokken-Infektionen (einschließlich Streptococcus pneumoniae)
Wegen seiner unzureichenden Wirksamkeit wird Ciprofloxacin nicht für die Behandlung von Streptokok-ken-Infektionen empfohlen.
Infektionen des Genitaltraktes
Epididymoorchitis und entzündliche Erkrankungen des Beckens (PID) können durch Fluorchinolon-resistente Stämme von Neisseria gonorrhoeae verursacht werden. Deshalb sollte bei Epididymoorchitis und entzündlichen Erkrankungen des Beckens (PID) Ciprofloxacin empirisch nur in Kombination mit ei-nem anderen geeigneten Antibiotikum (z.B. einem Cephalosporin) in Betracht gezogen werden, es sei denn, Ciprofloxacin-resistente Neisseria gonorrhoeae können ausgeschlossen werden. Wenn nach 3 Behandlungstagen keine klinische Besserung erzielt wurde, sollte die Therapie neu überdacht werden.
Harnwegsinfektionen
Die Fluorchinolon-Resistenz von Escherichia coli – dem am häufigsten bei Harnwegsinfektionen beteilig-ten Erreger - variiert innerhalb der Europäischen Union. Den Verschreibenden wird empfohlen, die lokale Prävalenz der Fluorchinolon-Resistenz von Escherichia coli zu berücksichtigen.
Intraabdominale Infektionen
Zur Behandlung von postoperativen intraabdominalen Infektionen liegen begrenzte Daten zur Wirksam-keit vor.
Reisediarrhö
Bei der Wahl von Ciprofloxacin sollte die Information zur Resistenz gegenüber Ciprofloxacin für besuchte Länder mit relevanten Erregern berücksichtigt werden.
Infektionen der Knochen und Gelenke
In Abhängigkeit von den Ergebnissen der mikrobiellen Untersuchung sollte Ciprofloxacin in Kombination mit anderen antimikrobiellen Substanzen gegeben werden.
Inhalation von Milzbranderregern
Die empfohlene Anwendung beim Menschen basiert hauptsächlich auf in vitro Empfindlichkeitstestungen und auf tierexperimentellen Daten zusammen mit limitierten humanen Daten. Die Behandlung sollte unter Berücksichtigung entsprechender nationaler und/oder internationaler Leitlinien erfolgen.
Kinder und Jugendliche
Bei der Gabe von Ciprofloxacin bei Kindern und Jugendlichen sind die offiziellen Empfehlungen zu be-rücksichtigen. Eine Ciprofloxacin-Behandlung sollte nur von Ärzten initiiert werden, die in der Behandlung von zystischer Fibrose und/oder schweren Infektionen bei Kindern und Jugendlichen erfahren sind.
Im Tierversuch konnte gezeigt werden, dass Ciprofloxacin an den gewichttragenden Gelenken von Jung-tieren Arthropathien verursacht. Sicherheitsdaten einer randomisierten doppelblinden klinischen Studie über die Gabe von Ciprofloxacin an Kindern (Ciprofloxacin: n = 335, Durchschnittsalter = 6,3 Jahre; Kontrollgruppe: n = 349, Durchschnittsalter = 6,2 Jahre; Altersspanne = 1 bis 17 Jahre) traten bei 7,2 % und 4,6 % am Tag +42 Verdachtsfälle medikamenteninduzierter Arthropathie (gemäß klinischer Gelenk-befunde) auf. Die Nachuntersuchung ergab nach einem Jahr eine Inzidenz medikamenteninduzierter Arthropathie von 9,0 % und. 5,7 %. Der Häufigkeitsanstieg der Arthropathie-Verdachtsfälle über die Zeit war zwischen den beiden Gruppen nicht statistisch signifikant. Aufgrund möglicher unerwünschter Wir-kungen auf Gelenke und/oder gelenknaher Gewebe ist Ciprofloxacin nur nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung anzuwenden.
Bronchopulmonale Infektionen bei zystischer Fibrose
An den klinischen Studien nahmen Kinder und Jugendliche im Alter von 5-17 Jahren teil. Über die Be-handlung von Kindern zwischen 1 und 5 Jahren liegen nur begrenzte Erfahrungen vor.
Komplizierte Harnwegs- und Nierenbeckeninfektionen
Eine Behandlung von Harnwegsinfektionen mit Ciprofloxacin sollte in Betracht gezogen werden, wenn andere Behandlungen nicht in Frage kommen, und auf den Ergebnissen mikrobiologischer Tests beru-hen. An den klinischen Studien nahmen Kinder und Jugendliche im Alter von 1-17 Jahren teil.
Andere spezifische schwere Infektionen
Andere schwere Infektionen gemäß offizieller Empfehlungen, oder nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung bei Nichtdurchführbarkeit anderer Therapien oder Scheitern einer konventionellen Therapie sowie begründete Anwendung von Ciprofloxacin basierend auf den Ergebnissen mikrobiologischer Un-tersuchungen. Der Einsatz von Ciprofloxacin bei spezifischen schweren Infektionen außer den oben er-wähnten wurde in klinischen Studien nicht untersucht, und die klinischen Erfahrungen sind begrenzt. Da-her wird bei der Behandlung der Patienten, die an diesen Infektionen erkrankt sind, zur Vorsicht geraten.
Überempfindlichkeit
Überempfindlichkeits- und allergische Reaktionen, einschließlich anaphylaktische und anaphylaktoide Reaktionen, können bereits nach einer Einzeldosis auftreten (siehe Abschnitt 4.8) und können lebensbe-drohlich sein. In diesen Fällen ist Ciprofloxacin abzusetzen und eine adäquate ärztliche Behandlung er-forderlich.
Skelettmuskulatur
Ciprofloxacin sollte generell nicht angewendet werden bei Patienten mit einer positiven Anamnese für Sehnenerkrankungen/-beschwerden, die mit einer Chinolonbehandlung assoziiert auftreten. Dennoch kann nach mikrobiologischer Abklärung des Erregers und sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung in sehr seltenen Fällen Ciprofloxacin an diese Patienten für die Behandlung bestimmter schwerer Infektionen verordnet werden, insbesondere nach Scheitern der Standardtherapie oder Vorliegen einer bakteriellen Resistenz, bei der die mikrobiologischen Daten die Anwendung von Ciprofloxacin rechtfertigen. Unter Behandlung mit Ciprofloxacin kann es bereits innerhalb der ersten 48 Stunden nach Behandlungs-beginn zu einer manchmal beidseitigen Tendinitis und Sehnenruptur (insbesondere der Achillessehne) kommen. Entzündungen und Rupturen der Sehnen können noch bis zu mehreren Monaten nach Been-digung der Ciprofloxacin-Therapie auftreten. Das Risiko einer Tendinopathie kann bei älteren Patienten oder bei Patienten, die gleichzeitig mit Kortikosteroiden behandelt werden, erhöht sein (siehe Ab-schnitt 4.8). Bei jeglichem Anzeichen einer Tendinitis (z.B. schmerzhafte Schwellung, Entzündung) sollte die Behandlung mit Ciprofloxacin sofort beendet werden. Es sollte darauf geachtet werden, dass die be-troffene Extremität ruhig gestellt wird. Bei Patienten mit Myasthenia gravis sollte Ciprofloxacin mit Vor-sicht angewendet werden (siehe Abschnitt 4.8).
Photosensibilisierung
Es wurde nachgewiesen, dass Ciprofloxacin zu einer Photosensibilisierung führt. Daher sollte mit Cipro-floxacin behandelten Patienten geraten werden, während der Behandlung ausgiebiges Sonnenlicht oder Bestrahlungen mit UV-Licht zu vermeiden (siehe Abschnitt 4.8).
Zentrales Nervensystem
Von Ciprofloxacin, wie von anderen Chinolonen ist bekannt, dass sie Krampfanfälle auslösen oder die Krampfschwelle senken können. Fälle von Status epilepticus wurden berichtet. Daher sollte Ciprofloxacin bei Patienten mit Erkrankungen des zentralen Nervensystems, die für Krampfanfälle prädisponieren, mit Vorsicht angewendet werden. Beim Auftreten von Krampfanfällen ist Ciprofloxacin sofort abzusetzen (siehe Abschnitt 4.8). Psychiatrische Reaktionen können schon nach Erstanwendung von Ciprofloxacin auftreten. In seltenen Fällen können Depressionen oder Psychosen mit Suizidgedanken/-überlegungen einhergehen, die zu Suizidversuchen oder vollendetem Suizid führen können. Bei Auftreten solcher Fälle ist Ciprofloxacin sofort abzusetzen. Es wurden Fälle von Polyneuropathie (beruhend auf beobachteten neurologischen Symptomen wie Schmerz, Brennen, sensorische Störungen oder Muskelschwäche, allein oder in Kombination), bei Patienten, die mit Ciprofloxacin behandelt wurden, berichtet. Die Behandlung mit Ciprofloxacin sollte bei Patienten, die Neuropathiesymptome entwickeln, einschließlich Schmerz, Brennen, Kribbeln, Benommenheit und/oder Schwäche, abgebrochen werden, um der Entwicklung einer irreversiblen Schädigung vorzubeugen (siehe Abschnitt 4.8).
Herzerkrankungen
Fluorchinolone, einschließlich Ciprofloxacin, sollten nur unter Vorsicht bei Patienten angewendet werden, die bekannte Risikofaktoren für eine Verlängerung des QT-Intervalls aufweisen, wie zum Beispiel:
- angeborenes Long-QT-Syndrom
gleichzeitige Anwendung von anderen Arzneimitteln, die bekanntermaßen das QT-Intervall verlängern
(z.B. Antiarrhythmika der Klassen IA und III, trizyklische Antidepressiva, Makrolide, Antipsychotika)
- unkorrigierte Störungen des Elektrolythaushaltes (z.B. Hypokaliämie, Hypomagnesämie)
- Herzerkrankung (Herzinsuffizienz, Myokardinfarkt, Bradykardie)
Ältere Patienten und Frauen reagieren möglicherweise empfindlicher auf QTc-verlängernde Medikation. Daher ist Vorsicht geboten, wenn Fluorchinolone, einschließlich Ciprofloxacin, in dieser Patientengruppe angewendet werden (siehe auch Abschnitte 4.2 „Ältere Patienten“, 4.5, 4.8 und 4.9).
Gastrointestinaltrakt
Das Auftreten von schwerem und anhaltendem Durchfall während oder nach der Behandlung (ein-schließlich einiger Wochen nach der Behandlung) kann eine Antibiotika-assoziierte Kolitis (möglicher-weise lebensbedrohlich mit tödlichem Ausgang) anzeigen, die sofort behandelt werden muss (siehe Ab-schnitt 4.8). In solchen Fällen ist Ciprofloxacin sofort abzusetzen und eine geeignete Therapie einzulei-ten. Peristaltik-hemmende Präparate sind in dieser Situation kontraindiziert.
Nieren und ableitende Harnwege
Im Zusammenhang mit der Anwendung von Ciprofloxacin wurde über Kristallurie berichtet (siehe Ab-schnitt 4.8). Patienten, die mit Ciprofloxacin behandelt werden, sollten ausreichend Flüssigkeit erhalten, und eine ausgeprägte Alkalisierung des Urins sollte vermieden werden.
Eingeschränkte Nierenfunktion
Da Ciprofloxacin vorwiegend unverändert über die Nieren ausgeschieden wird, sollte die Dosis bei Pati-enten mit eingeschränkter Nierenfunktion, wie im Abschnitt 4.2 beschrieben, angepasst werden, um ein vermehrtes Auftreten von Nebenwirkungen durch Kumulation von Ciprofloxacin zu vermeiden.
Leber und Gallenwege
Unter der Anwendung von Ciprofloxacin wurde über Fälle von Lebernekrose und lebensbedrohlichem Leberversagen berichtet (siehe Abschnitt 4.8). Beim Auftreten von Anzeichen und Symptomen einer Le-bererkrankung (wie Appetitlosigkeit, Ikterus, dunkler Urin, Pruritus oder schmerzempfindliches Abdomen) sollte die Behandlung abgesetzt werden.
Glucose-6-Phosphatdehydrogenasemangel
Hämolytische Reaktionen unter der Behandlung mit Ciprofloxacin wurden bei Patienten mit Glucose-6-Phosphatdehydrogenasemangel berichtet. Ciprofloxacin sollte bei diesen Patienten vermieden werden, sofern der potentielle Vorteil gegenüber dem möglichen Risiko nicht überwiegt. In solchen Fällen ist das potentielle Auftreten einer Hämolyse zu überwachen.
Resistenz
Während oder nach der Behandlung mit Ciprofloxacin können Erreger, die gegen Ciprofloxacin resistent sind, isoliert werden und zwar sowohl bei klinisch offensichtlicher Superinfektion als auch ohne Superin-fektion. Ein besonderes Risiko der Selektion Ciprofloxacin-resistenter Erreger besteht während einer län-geren Behandlungsdauer und/oder bei nosokomialen Infektionen und/oder Infektionen durch Staphy-lococcus- und Pseudomonas-Erreger.
Cytochrom P450
Ciprofloxacin inhibiert CYP 1A2 und kann daher zu erhöhten Serumkonzentrationen von gleichzeitig an-gewendeten Substanzen führen, die ebenfalls über dieses System metabolisiert werden (z.B. Theophyl-lin, Clozapin, Olanzapin, Ropinirol, Tizanidin, Duloxetin). Die gemeinsame Anwendung von Ciprofloxacin und Tizanidin ist kontraindiziert. Daher sollten Patienten, die diese Substanzen gleichzeitig mit Ciproflo-xacin einnehmen, engmaschig auf Zeichen der Überdosierung hin überwacht werden, und Bestimmun-gen der Serumkonzentrationen (z.B. Theophyllin) können erforderlich sein (siehe Abschnitt 4.5).
Methotrexat
Die gleichzeitige Gabe von Ciprofloxacin und Methotrexat wird nicht empfohlen (siehe Abschnitt 4.5).
Interaktionen mit Laboruntersuchungen
Die in vitro Aktivität von Ciprofloxacin gegen Mycobacterium tuberculosis kann zu falsch-negativen bakte-riologischen Ergebnissen bei Proben von Patienten führen, die derzeitig Ciprofloxacin einnehmen. Reaktionen an der Einstichstelle
Bei der intravenösen Anwendung von Ciprofloxacin wurde über venöse Irritationen berichtet. Diese Re-aktionen treten häufiger auf, wenn die Infusionsdauer 30 Minuten oder weniger beträgt. Sie können sich als lokale Hautreaktionen äußern, die sich nach Beendigung der Infusion rasch zurückbilden. Eine erneu-te intravenöse Anwendung ist nur dann kontraindiziert, wenn die Reaktionen wieder auftreten oder sich verschlechtern.
4.5 Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln und sonstige Wechselwirkungen
Wirkungen anderer Produkte auf Ciprofloxacin:
Arzneimittel, die bekanntermaßen das QT-Intervall verlängern
Wie andere Fluorchinolone auch, sollte Ciprofloxacin nur unter Vorsicht bei Patienten angewendet wer-den, die gleichzeitig andere Arzneimittel einnehmen, die bekanntermaßen das QT-Intervall verlängern (z.B. Antiarrhythmika der Klassen IA und III, trizyklische Antidepressiva, Makrolide, Antipsychotika) (sie-he Abschnitt 4.4).
Probenecid
Probenecid beeinflusst die renale Sekretion von Ciprofloxacin. Die gleichzeitige Anwendung von Proben-ecid und Ciprofloxacin steigert die Serumkonzentrationen von Ciprofloxacin.
Wirkungen von Ciprofloxacin auf andere Arzneimittel:
Tizanidin
Tizanidin darf nicht zusammen mit Ciprofloxacin verabreicht werden (siehe Abschnitt 4.3). In einer klini-schen Studie mit gesunden Probanden gab es einen Anstieg der Tizanidin-Serumkonzentration (Cmax-Anstieg: 7fach, Spanne: 4-21fach; AUC-Anstieg: 10fach, Spanne: 6-24fach), wenn Ciprofloxacin gleichzeitig gegeben wurde. Mit einer erhöhten Tizanidin-Serumkonzentration ist ein potenzierter hypo-tensiver und sedativer Effekt verbunden.
Methotrexat
Der renale tubuläre Methotrexattransport kann durch die gleichzeitige Gabe von Ciprofloxacin inhibiert werden und so zu erhöhten Methotrexatplasmaspiegeln führen und dies kann das Risiko Methotrexat-bedingter toxischer Reaktionen steigern. Die gleichzeitige Gabe wird nicht empfohlen (siehe Ab-schnitt 4.4).
Theophyllin
Die zeitgleiche Gabe von Ciprofloxacin und Theophyllin kann zu einem unerwünschten Anstieg der The-ophyllin-Serumkonzentration führen. Das kann zu Theophyllin-verursachten Nebenwirkungen führen, die selten lebensbedrohlich oder tödlich sein können. Während der gleichzeitigen Anwendung sollten die Se-rumkonzentrationen von Theophyllin kontrolliert und die Theophyllindosis nach Bedarf reduziert werden (siehe Abschnitt 4.4).
Andere Xanthin-Derivate
Nach zeitgleicher Gabe von Ciprofloxacin und Koffein oder Pentoxifyllin (Oxpentifyllin) wurden erhöhte Serumkonzentrationen dieser Xanthin-Derivate gemessen.
Phenytoin
Die gleichzeitige Gabe von Ciprofloxacin und Phenytoin kann zu erhöhten oder verminderten Phenytoin-Serumkonzentrationen führen, weswegen eine Überwachung der Arzneimittelspiegel empfohlen wird.
Ciclosporin
Bei gleichzeitiger Anwendung von Ciprofloxacin und Ciclosporin wurde ein vorübergehender Anstieg des Serumkreatinin-Konzentration beobachtet. Deshalb sollte bei diesen Patienten regelmäßig (2-mal pro Woche) die Serumkreatinin-Konzentrationen kontrolliert werden.
Vitamin-K-Antagonisten
Die gleichzeitige Gabe von Ciprofloxacin und einem Vitamin-K-Antagonist kann die antikoagulierende Wirkung verstärken. Das Risiko variiert je nach vorliegender Infektion sowie Alter und Allgemeinzustand des Patienten, so dass das Ausmaß des durch Ciprofloxacin verursachten Anstiegs des INR-Wertes (in-ternational normalised ratio) schwierig abzuschätzen ist.
Eine häufigere INR-Überwachung ist bei Patienten, die mit einem Vitamin-K-Antagonisten (z.B. Warfarin, Acenocumarol, Phenprocoumon oder Fluindion) behandelt werden, während und kurz nach Beendigung der Behandlung mit Ciprofloxacin anzuraten.
Glibenclamid
In Einzelfällen kann die gleichzeitige Gabe von Ciprofloxacin und Glibenclamid-haltigen Arzneimitteln die Wirkung von Glibenclamid verstärken (Hypoglykämie).
Duloxetin
In klinischen Studien wurde gezeigt, dass die gleichzeitige Anwendung von Duloxetin mit starken Inhibi-toren des CYP450 1A2-Isoenzyms, wie z.B. Fluvoxamin, einen Anstieg der AUC und der Cmax von Dulo-xetin zur Folge haben kann. Obwohl keine klinischen Daten zu einer möglichen Wechselwirkung mit Ciprofloxacin vorliegen, können ähnliche Effekte bei gleichzeitiger Gabe erwartet werden (siehe Ab-schnitt 4.4).
Ropinirol
In einer klinischen Studie wurde gezeigt, dass bei gleichzeitiger Anwendung von Ropinirol und Ciproflo-xacin, einem mittelstarken Inhibitor des CYP450 1A2-Isoenzyms, die Cmax von Ropinirol um 60 % und die AUC um 84 % anstiegen. Es wird zu einer Überwachung und entsprechender Anpassung der Ropinirol-Dosierung während und kurz nach Beendigung der Behandlung mit Ciprofloxacin geraten (siehe Ab-schnitt 4.4).
Lidocain
Es wurde an gesunden Probanden gezeigt, dass die gleichzeitige Anwendung von Lidocain-haltigen Arz-neimitteln mit Ciprofloxacin, einem moderaten Inhibitor des CYP450 1A2-Isoenzyms, die Clearance von intravenösem Lidocain um 22 % verringert. Obwohl die Lidocain-Behandlung gut vertragen wurde, kann bei gleichzeitiger Gabe eine mögliche Wechselwirkung mit Ciprofloxacin verbunden mit Nebenwirkungen auftreten.
Clozapin
Die gleichzeitige Anwendung von 250 mg Ciprofloxacin und Clozapin über 7 Tage führte zu einem An-stieg der Serumkonzentrationen von Clozapin um 29 % und von N-Desmethylclozapin um 31 %. Es wird zu einer klinischen Überwachung und entsprechender Anpassung der Clozapin-Dosierung während und kurz nach der Behandlung mit Ciprofloxacin geraten (siehe Abschnitt 4.4).
Sildenafil
Die Cmax und die AUC von Sildenafil wurden bei gesunden Probanden nach einer oralen Dosis von 50 mg, die gleichzeitig mit 500 mg Ciprofloxacin gegeben wurde, etwa um das Zweifache erhöht. Des-halb ist Vorsicht geboten, wenn Ciprofloxacin gleichzeitig mit Sildenafil verschrieben wird, und Risiken und Nutzen sollten sorgfältig abgewogen werden.
4.6 Fertilität, Schwangerschaft und Stillzeit
Schwangerschaft
Die verfügbaren Daten zur Anwendung von Ciprofloxacin bei schwangeren Frauen zeigen keine Hinwei-se auf Fehlbildungen oder fetale/neonatale Toxizität durch Ciprofloxacin. Tierstudien zeigten keine direk-te oder indirekte schädigende Wirkung in Hinsicht auf Reproduktionstoxizität. Bei Jungtieren und ungebo-renen Tieren, wurden unter Chinolonexposition Auswirkungen auf den unreifen Knorpel beobachtet. Da-her kann nicht ausgeschlossen werden, dass das Arzneimittel Schaden am Gelenkknorpel des kindlichen oder jugendlichen Organismus/Fötus verursacht (siehe Abschnitt 5.3). Als Vorsichtsmaßnahme sollte die Anwendung von Ciprofloxacin während der Schwangerschaft vermieden werden.
Stillzeit
Ciprofloxacin geht in die Muttermilch über. Wegen des möglichen Risikos von Gelenkschäden sollte Ciprofloxacin während der Stillzeit nicht angewendet werden.
4.7 Auswirkungen auf die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen
Aufgrund seiner neurologischen Wirkungen kann Ciprofloxacin das Reaktionsvermögen beeinflussen. Daher kann die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen beeinträchtigt sein.
4.8 Nebenwirkungen
Die am häufigsten berichteten unerwünschten Arzneimittelwirkungen (UAW) sind Übelkeit und Diarrhö, Erbrechen, vorübergehender Transaminasenanstieg, Hautausschlag und Reaktionen an Injektions- so-wie Infusionsstellen
Die unerwünschten Arzneimittelwirkungen aus klinischen Studien und der Postmarketing-Überwachung von Ciprofloxacin (oral, intravenös und sequentielle Therapie) sind entsprechend der Häufigkeitsgruppen nachfolgend aufgeführt. Die Häufigkeitsanalyse berücksichtigt Daten die bei oraler und intravenöser An-wendung von Ciprofloxacin gewonnen wurden.
| Systemorgan-klasse | Häufig ≥ 1/100 bis < 1/10 | Gelegentlich ≥ 1/1000 bis < 1/100 | Selten ≥ 1/10000 bis < 1/1.000 | Sehr selten < 1/10000 | Häufigkeit nicht bekannt (kann aus verfügba-ren Daten nicht ab-geschätzt werden) |
| Infektionen und parasitäre Er-krankungen | Mykotische Superinfektionen | Antibiotikaassoziier-te Kolitis (sehr selten mit möglichem tödli-chen Ausgang) (sie-he Abschnitt 4.4) | |||
| Erkrankungen des Blutes und des Lymphsystems | Eosinophilie | Leukozytopenie Anämie Neutropenie Leukozytose Thrombozytopenie Thrombozythämie | Hämolytische Anä-mie Agranulozytose Panzytopenie (lebensbedrohlich) Knochenmarkde-pression (lebensbe-drohlich) | ||
| Erkrankungen des Immunsystems | Allergische Reaktion Allergisches Ödem/ Angioödem | Anaphylaktische Reaktion Anaphylaktischer Schock (lebenbe-drohlich) (siehe Ab-schnitt 4.4) serumkrankheitsähn-liche Reaktion | |||
| Stoffwechsel- und Ernährungsstö-rungen | Appetitlosigkeit | Hyperglykämie | |||
| Psychiatrische Erkrankungen | Psychomotorische Hyperaktivität / Agi-tiertheit | Verwirrtheit und Desorientiertheit Angstzustände Albträume Depressionen (die möglicherweise in Suizidgedanken oder Suizidversu-chen und Suizid füh-ren können) (siehe Abschnitt 4.4), Halluzinationen | Psychotische Reak-tionen (die möglich-erweise in Suizidge-danken oder Suizid-versuchen und Sui-zid führen können) (siehe Abschnitt 4.4) | ||
| Erkrankungen des Nervensystems | Kopfschmerzen Benommenheit Schlafstörungen Geschmacksstörun-gen | Par- und Dysästhe-sie Hypoästhesie Zittern Krampfanfälle (ein-schließlich Status epilepticus) (siehe Abschnitt 4.4) Schwindel | Migräne Koordinations- störung Gangstörung Störungen des Ge-ruchsnervs Intrakranieller Hoch-druck | Periphere Neuropathie (siehe Abschnitt 4.4) | |
| Augenerkrankun-gen | Sehstörungen (z.B. Diplopie) | Störungen beim Farbensehen | |||
| Erkrankungen des Ohrs und des Labyrinths | Tinnitus Hörverlust / beein-trächtigtes Hörver-mögen |
| Systemorgan-klasse | Häufig ≥ 1/100 bis < 1/10 | Gelegentlich ≥ 1/1000 bis < 1/100 | Selten ≥ 1/10000 bis < 1/1.000 | Sehr selten < 1/10000 | Häufigkeit nicht be-kannt (kann aus verfügba-ren Daten nicht ab-geschätzt werden) |
| Herzerkrankun-gen | Tachykardie | ventrikuläre Arrhyth-mien und Torsades de pointes (vorwie-gend berichtet bei Patienten mit Risiko-faktoren für eine QT-Verlängerung), EKG QT-Verlänge-rung (siehe Ab-schnitte 4.4 und 4.9) | |||
| Gefäßerkrankun-gen | Vasodilatation Hypotonie Synkope | Vaskulitis | |||
| Erkrankungen der Atemwege, des Brustraums und Mediastinums | Dyspnoe (ein- schließlich asthmati-sche Zustände) | ||||
| Erkrankungen des Gastrointestinal-trakts | Übelkeit Diarrhö | Erbrechen Gastrointestinale und abdominale Schmerzen Dyspepsie Blähungen | Pankreatitis | ||
Leber- und Gallenerkrankun-gen | Anstieg der Transa-minasen Bilirubin-anstieg | Leberfunktions-störung Gallestauung Hepa-titis | Lebernekrose (sehr selten voranschrei-tend bis zum lebens-bedrohlichen Leber-versagen) (siehe Abschnitt 4.4) | ||
Erkrankungen der Haut und des Un-terhautzell- gewebes | Hautausschlag Juckreiz Urtikaria | Photosensibilisie-rung (siehe Ab-schnitt 4.4) | Petechien Erythema multiforme Erythema nodosum Stevens-Johnson Syndrom (potenziell lebensbedrohlich) Toxisch epidermale Nekrolyse (potenziell lebens-bedrohlich) | Akute generalisierte exanthematische Pustulose (AGEP) | |
Skelettmuskula-tur-, Bindege-webs- und Knochenerkran-kungen | Schmerzen der Ske-lettmuskulatur (z.B. Schmerzen der Extremitäten, Rückenschmerzen, Brustschmerzen) Gelenkschmerzen | Myalgie Arthritis gesteigerte Muskel-spannung und Muskelkrämpfe | Myasthenie Tendinitis Sehnenruptur (vorwiegend Achil-lessehne) (siehe Abschnitt 4.4) Verschlimmerung der Symptome einer Myasthenia gravis (siehe Abschnitt 4.4) | ||
| Erkrankungen der Nieren und Harn-wege | Nierenfunktionsstö-rung | Nierenversagen Hämaturie Kristallurie (siehe Abschnitt 4.4) Tubulointerstitielle Nephritis | |||
| Allgemeine Er-krankungen und Beschwerden am Verabreichungs-ort | Reaktionen an Injektions- sowie In-fusionsstellen (nur bei intravenöser Ap-plikation) | Asthenie Fieber | Ödem Schwitzen (übermäßige Schweißbildung) | ||
| Untersuchungen | Anstieg der alkali-schen Phosphatase im Blut | abnormale Pro-thrombinwerte Amylaseanstieg |
Die folgenden unerwünschten Wirkungen fallen in der Untergruppe der Patienten, die eine intravenöse oder sequentielle (intravenös, dann oral) Therapie erhalten, in eine höhere Häufigkeitsgruppe:
| Häufig | Erbrechen, vorübergehender Anstieg der Transaminasen, Hautausschlag |
| Gelegentlich | Thrombozytopenie, Thrombozythämie, Verwirrtheit und Desorientiertheit, Halluzinationen, Par- und Dysästhesie, Krampfanfälle, Schwindel, Sehstörungen, Hörverlust, Tachykardie, Vasodilatation, Hypotonie, vorübergehende Leberfunktionsstörung, Gallestauung, Nierenversagen, Ödem |
| Selten | Panzytopenie, Knochenmarksdepression, anaphylaktischer Schock, psychotische Reaktionen, Migräne, Störungen des Geruchsnervs, beeinträchtigtes Hörvermögen, Vaskulitis, Pankreatitis, Lebernekrose, Petechien, Sehnenruptur |
Pädiatrische Patienten
Die oben erwähnte Inzidenz von Arthropathien bezieht sich auf Daten, die in Studien an Erwachsenen erhoben wurden. Es wurde berichtet, dass Arthropathien bei Kindern häufig auftreten (siehe Ab-schnitt 4.4).
4.9 Überdosierung
Von einer Überdosierung von 12 g wurden leichte Toxizitätssymptome berichtet. Eine akute Überdosie-rung von 16 g verursachte akutes Nierenversagen.
Symptome einer Überdosierung sind: Benommenheit, Zittern, Kopfschmerzen, Müdigkeit, Krampfanfälle, Halluzinationen, Verwirrtheit, abdominale Beschwerden, beeinträchtigte Nieren- und Leberfunktion sowie Kristallurie und Hämaturie. Reversible Nierentoxizität wurde berichtet.
Es wird empfohlen, neben den Routine-Notfallmaßnahmen, z.B. Magenentleerung und anschließende Gabe von Aktivkohle, die Nierenfunktion zu kontrollieren, einschließlich Bestimmung des Urin-pH-Werts und gegebenenfalls Azidifizierung, um eine Kristallurie zu vermeiden. Es muss eine ausreichende Flüs-sigkeitszufuhr gewährleistet sein.
Calcium- oder Magnesium-haltige Antazida können theoretisch die Resorption von Ciprofloxacin bei ei-ner Überdosis vermindern.
Lediglich eine geringe Menge an Ciprofloxacin (<10 %) wird mittels Hämodialyse oder Peritonealdialyse entfernt.
Im Fall einer Überdosis sollte eine symptomatische Behandlung eingeleitet werden. Eine EKG-Überwachung sollte aufgrund der Möglichkeit einer QT-Intervallverlängerung durchgeführt werden
5. Pharmakologische Eigenschaften
5.1 Pharmakodynamische Eigenschaften
Pharmakotherapeutische Gruppe:
Fluorochinolone
ATC-Code:
J01MA02
Wirkungsmechanismus:
Als ein Fluorchinolon-Antibiotikum besitzt Ciprofloxacin eine bakterizide Wirkung, die auf der Hemmung der Topoisomerase II (DNS-Gyrase) und Topoisomerase IV, beruht. Beide Enzyme werden für die bakte-rielle Replikation, Transkription, Rekombination und Reparatur der DNS benötigt.
PK/PD-Beziehungen:
Die Wirksamkeit ist vorwiegend vom Verhältnis zwischen der Maximalkonzentration im Serum (Cmax) und der minimalen Hemmkonzentration (MHK) von Ciprofloxacin auf bakterielle Erreger und dem Verhältnis zwischen der Fläche unter der Kurve (AUC) und der minimalen Hemmkonzentration abhängig. Resistenzmechanismus:
In vitro Resistenzen gegen Ciprofloxacin können durch einen schrittweisen Mutationsprozess der DNS-Gyrase und Topoisomerase IV entstehen. Der Grad der hierdurch entstehenden Kreuzresistenz zwi-schen Ciprofloxacin und anderen Fluorchinolonen ist variabel. Einzelmutationen führen gewöhnlich nicht zu klinischen Resistenzen, während Mehrfachmutationen generell zu klinischen Resistenzen gegenüber vielen oder allen Wirkstoffen der Stoffklasse führen. Undurchlässigkeit der bakteriellen Zellwand und/oder Resistenzen, die auf der Aktivität von Effluxpumpen beruhen, können unterschiedliche Auswir-kung auf den Grad der Empfindlichkeit gegenüber Chinolonen haben. Dies ist abhängig von physiko-chemischen Eigenschaften der jeweiligen aktiven Substanz innerhalb ihrer Klasse sowie der Affinität zum Transportsystem. Alle in vitro Resistenzmechanismen werden häufig in klinischen Isolaten beobachtet. Resistenzmechanismen, die andere Antibiotika inaktivieren, wie Permeationsbarrieren (häufig bei Pseu-domonas aeruginosa) und Effluxmechanismen, können die Empfindlichkeit gegen Ciprofloxacin beein-flussen.
Von Plasmid-vermittelten, durch qnr-Gene codierten Resistenzen wurde berichtet.
Antibakterielles Wirkungsspektrum:
Grenzwerte trennen empfindliche Stämme von Stämmen mit intermediärer Empfindlichkeit und letztere von resistenten Stämmen:
EUCAST-Empfehlungen
| Erreger | Empfindlich | Resistent |
| Enterobacteriae | S ≤ 0,5 mg/l | R > 1 mg/l |
| Pseudomonas ssp. | S ≤ 0,5 mg/l | R > 1 mg/l |
| Acinetobacter ssp. | S ≤ 1 mg/l | R > 1 mg/l |
| Staphylococcus spp.1) | S ≤ 1 mg/l1) | R > 1 mg/l1) |
| Streptococcus pneumoniae | S ≤ 0,12 mg/l | R > 2 mg/l |
| Haemophilus influenzae und Moraxella catarrhalis | S ≤ 0,5 mg/l | R > 0,5 mg/l |
| Neisseria gonorrhoeae | S ≤ 0,03 mg/l | R > 0,06 mg/l |
| Neisseria meningitidis | S ≤ 0,03 mg/l | R > 0,06 mg/l |
| Keiner Spezies zuzuordnende Grenzwerte* | S ≤ 0,5 mg/l | R > 1 mg/l |
- 1) Staphylococcus spp.-Grenzwerte für Ciprofloxacin beziehen sich auf die Hochdosistherapie. * Keiner Spezies zuzuordnende Grenzwerte wurden hauptsächlich auf Basis von PK/PD-Daten ermittelt und sind unabhängig von den MHK-Verteilungen bestimmter Spezies. Ihre Anwendung soll sich auf Spezies be-schränken, denen kein speziesspezifischer Grenzwert zugeordnet wurde. Sie gelten nicht für Spezies, bei denen ein Empfindlichkeitstest nicht empfohlen wird.
Prävalenz der erworbenen Resistenzen in Deutschland:
Die Prävalenz der erworbenen Resistenz einzelner Spezies kann geografisch und mit der Zeit variieren und Informationen über lokale Resistenzlagen sind insbesondere bei der Behandlung schwerer Infektio-nen wünschenswert. Sollte auf Grund der lokalen Resistenzlage die Anwendung der Substanz zumindest bei einigen Infektionsformen fraglich erscheinen, sollte eine Beratung durch Experten angestrebt werden.
Gruppierung relevanter Erreger entsprechend der Ciprofloxacin-Empfindlichkeit (zu Streptokokkenerregern siehe Abschnitt 4.4) (Stand: Dezember 2012) | ||
| Üblicherweise empfindliche Spezies | ||
Aerobe Gram-positive Mikroorganismen Bacillus anthracis (1)° Staphylococcus saprophyticus° | ||
Aerobe Gram-negative Mikroorganismen Enterobacter aerogenes Enterobacter cloacae Haemophilus influenza* Moraxella catarrhalis* Morganella morganii* Neisseria meningitides Proteus vulgaris° Salmonella enterica (inkl. S. typhi / paratyphi)* Serratia marcescens Shigella spp.* | ||
| Andere Mikroorganismen Chlamydia trachomatis° $ Chlamydophila pneumoniae° $ Legionella pneumophila° Mycoplasma hominis° $ Mycoplasma pneumonia° $ | ||
| Spezies, bei denen erworbene Resistenzen ein Problem darstellen können | ||
Aerobe Gram-positive Mikroorganismen Enterococcus faecalis$ Staphylococcus aureus (Methicillin-sensibel) (2) Staphylococcus aureus (Methicillin-resistent) (2) + Staphylococcus epidermidis (2) + Staphylococcus haemolyticus (2) + Staphylococcus hominis (2) + | ||
Aerobe Gram-negative Mikroorganismen Acinetobacter baumannii Burkholderia cepacia$* Campylobacter jejuni$* Citrobacter freundii* Escherichia coli&* Klebsiella oxytoca Klebsiella pneumonia* Neisseria gonorrhoeae+ Proteus mirabilis* Pseudomonas aeruginosa* | ||
| Von Natur aus resistente Mikroorganismen | ||
Aerobe Gram-positive Mikroorganismen Enterococcus faecium | ||
Aerobe Gram-negative Mikroorganismen Stenotrophomonas maltophilia | ||
Anaerobe Mikroorganismen Bacteroides spp. Clostridium difficile | ||
Andere Mikroorganismen
Treponema pallidum
Ureaplasma urealyticum
(1) In tierexperimentellen Studien mit Inhalation von Bacillus anthracis Sporen konnte gezeigt werden, dass ein früher Beginn der Antibiotikatherapie nach Exposition das Ausbrechen der Erkrankung verhindern kann, wenn die Behandlung so aufgebaut ist, dass die Infektionsdosis der Sporen wieder unterschritten wird. Die empfohlene Anwendung beim Menschen basiert hauptsächlich auf in vitro Empfindlichkeitstestungen und auf tierexperimentellen Daten zusammen mit limitierten humanen Daten. Bei Erwachsenen wird eine Behandlung mit 500 mg Ciprofloxacin oral zweimal täglich über die Dauer von zwei Monaten als effektiv zur Prävention einer Milzbrandinfektion beim Menschen erachtet. Die Behandlung von Milzbranderregern kann der behandelnde Arzt den nationalen und/oder internationalen Leitlinien entnehmen. (2) Methicillin-resistente S. aureus sind im Allgemeinen auch gegen Fluorchinolone resistent. Die Methicillin-
Resistenzrate beträgt circa 20 bis 50 % unter allen Staphylokokkenerregern und ist normalerweise in noso-komialen Isolaten höher.
° Bei Veröffentlichung der Tabellen lagen keine aktuellen Daten vor. In der Primärliteratur, Standardwerken und Therapieempfehlungen wird von einer Empfindlichkeit ausgegangen.
* Die klinische Wirksamkeit wurde für empfindliche Isolate in den zugelassenen Indikationen nachgewiesen. $ Die natürliche Empfindlichkeit der meisten Isolate liegt im intermediären Bereich.
+ In mindestens einer Region liegt die Resistenzrate über 50%.
& Bei Isolaten von Patientinnen mit unkomplizierter Cystitis beträgt die Resistenzrate <10%, sonst ≥ 10%.
5.2 Pharmakokinetische Eigenschaften
Resorption
Bei einer intravenösen Infusion von Ciprofloxacin wurden die mittleren Maximalkonzentrationen im Serum am Ende der Infusion erreicht. Im Dosierungsbereich bis 400 mg ist die Pharmakokinetik von Ciprofloxa-cin bei intravenöser Anwendung linear.
Der Vergleich der pharmakokinetischen Parameter bei zweimal und dreimal täglicher intravenöser Verab-reichung ergab keinen Hinweis auf eine Akkumulation von Ciprofloxacin und seiner Metaboliten.
Die 60-minütige intravenöse Infusion von 200 mg Ciprofloxacin und orale Gabe von 250 mg Ciprofloxa-cin, jeweils alle 12 Stunden, ergaben eine äquivalente Fläche unter der Serumkonzentrations-Zeit-Kurve (AUC).
Die 60-minütige intravenöse Infusion von 400 mg Ciprofloxacin alle 12 Stunden war hinsichtlich der AUC mit einer oralen Dosis von 500 mg alle 12 Stunden bioäquivalent.
Die 60-minütige intravenöse Infusion von 400 mg alle 12 Stunden ergab eine Cmax, die mit derjenigen ei-ner oralen Dosis von 750 mg vergleichbar war.
Die 60-minütige Infusion von 400 mg Ciprofloxacin alle 8 Stunden ist hinsichtlich der AUC mit einer ora-len Gabe von 750 mg alle 12 Stunden äquivalent.
Verteilung
Die Proteinbindung von Ciprofloxacin ist gering (20-30 %). Ciprofloxacin liegt im Blutplasma überwiegend in nicht ionsierter Form vor und hat ein großes Verteilungsvolumen im Steady-State von 2-3 l/kg Körper-gewicht. Ciprofloxacin erreicht hohe Konzentrationen in verschiedenen Geweben wie Lungengewebe (Epithelflüssigkeit, Alveolarmakrophagen, Biopsiegewebe), Nasennebenhöhlen, entzündeten Läsionen (Kantharidinblasenflüssigkeit) und Urogenitaltrakt (Urin, Prostata, Endometrium), wo Gesamtkonzentrati-onen erreicht werden, die oberhalb der Plasmakonzentrationen liegen.
Metabolisierung
Es sind geringe Konzentrationen von vier Metaboliten gefunden worden, die identifiziert wurden als: De-sethylenciprofloxacin (M1), Sulfociprofloxacin (M2), Oxociprofloxacin (M3) und Formylciprofloxacin (M4). Die Metaboliten weisen in vitro eine antimikrobielle Aktivität auf, die allerdings deutlich niedriger als die der Muttersubstanz ist.
Ciprofloxacin ist als moderater Inhibitor des CYP450 1A2 Isoenzyms bekannt.
Elimination
Ciprofloxacin wird im Wesentlichen unverändert sowohl renal als auch in geringerem Umfang fäkal aus-geschieden.
| Ausscheidung von Ciprofloxacin (in % der Dosis) | ||
| Intravenöse Anwendung | ||
| Urin | Faeces | |
| Ciprofloxacin | 61,5 | 15,2 |
| Metaboliten (M1-M4) | 9,5 | 2,6 |
Die renale Clearance liegt zwischen 180-300 ml/kg/h, und die Gesamtkörper-Clearance beträgt 480-600 ml/kg/h. Ciprofloxacin wird sowohl glomerulär filtriert als auch tubulär sezerniert. Eine erheblich eingeschränkte Nierenfunktion führt zu erhöhten Halbwertzeiten von bis zu 12 Stunden.
Die nicht-renale Clearance von Ciprofloxacin erfolgt hauptsächlich durch aktive transintestinale Sekretion und Metabolismus. Über die Galle wird 1 % der Dosis ausgeschieden. Ciprofloxacin ist in der Galle in hohen Konzentrationen vorhanden.
Pädiatrische Patienten
Es sind nur begrenzte Daten zur Pharmakokinetik bei pädiatrischen Patienten verfügbar.
In einer Studie mit Kindern (älter als ein Jahr) wurde keine Altersabhängigkeit von Cmax und AUC festge-stellt. Bei Mehrfach-Dosierung (dreimal täglich 10 mg/kg) trat kein relevanter Anstieg von Cmax und AUC auf.
Nach einer einstündigen intravenösen Infusion von 10 mg/kg bei 10 Kindern unter 1 Jahr mit schwerer Sepsis betrug Cmax 6,1 mg/l (Bereich 4,6-8,3 mg/l) während im Vergleich dazu bei Kindern von 1-5 Jahren Cmax bei 7,2 mg/l (Bereich 4,7-11,8 mg/l) lag. Die AUC-Werte in den genannten Altersgruppen betrugen 17,4 mg*h/l (Bereich 11,8-32,0 mg*h/l) und 16,5 mg*h/l (Bereich 11,0-23,8 mg*h/l).
Diese Werte liegen in dem Bereich, der bei Erwachsenen bei entsprechenden therapeutischen Dosen ermittelt wurde. Basierend auf populationspharmakokinetischen Analysen bei pädiatrischen Patienten mit verschiedenen Infektionen wurde eine Halbwertzeit von ca. 4-5 Stunden berechnet, und die Bioverfüg-barkeit der oral verabreichten Suspension beträgt ca. 50 bis 80 %.
5.3 Präklinische Daten zur Sicherheit
Basierend auf konventionellen Studien zur Toxizität nach Einmalgabe, Toxizität bei wiederholter Gabe, zum kanzerogenen Potential und zur Reproduktionstoxizität lassen die präklinischen Daten keine beson-deren Gefahren für den Menschen erkennen.
Ciprofloxacin ist wie viele andere Chinolone bei Tieren in klinisch relevanten Expositionen phototoxisch. Daten zur Photomutagenität/Photokanzerogenität zeigen eine schwach photomutagene oder photokan-zerogene Wirkung von Ciprofloxacin in vitro und in Tierversuchen. Diese Wirkung war mit der anderer Gyrasehemmer vergleichbar.
Gelenkverträglichkeit:
Wie andere Gyrasehemmer verursacht Ciprofloxacin bei Jungtieren Schäden an den großen gewichttra-genden Gelenken. Das Ausmaß der Knorpelschäden variiert abhängig vom Alter, von der Versuchstier-Spezies und der Dosis; eine Gewichtsentlastung der Gelenke reduziert die Knorpelschäden. Studien mit ausgewachsenen Tieren (Ratte, Hund) zeigten keine Knorpelschädigungen. In einer Studie mit jungen Beagle-Hunden rief Ciprofloxacin nach zweiwöchiger Behandlung mit therapeutischen Dosen schwere Gelenkschäden hervor, die auch nach 5 Monaten noch gesehen wurden.
6. Pharmazeutische Angaben
6.1 Liste der sonstigen Bestandteile
Glucose-Monohydrat (Ph. Eur.)
(S)-Milchsäure
Salzsäure 36% (zur pH-Einstellung)
Wasser für Injektionszwecke
6.2 Inkompatibilitäten
Inkompatibilität besteht zu allen Infusionslösungen/Arzneimitteln, die beim pH-Wert der Lösungen physi-kalisch oder chemisch instabil sind (z. B. Penicilline, Heparin-Lösungen), insbesondere in Kombination mit alkalisch eingestellten Lösungen. Der pH-Wert von Ciprofloxacin Bundeswehr 2 mg/ml Infusionslösung liegt bei pH 3,5 bis 4,6.
Ciprofloxacin Bundeswehr 2 mg/ml Infusionslösung darf nicht mit anderen Infusionslösungen gemischt werden.
6.3 Dauer der Haltbarkeit
30 Monate
6.4 Besondere Vorsichtsmaßnahmen für die Aufbewahrung
Glasflaschen in der Originalverpackung aufbewahren, um den Inhalt vor Licht zu schützen.
Nicht einfrieren.
6.5 Art und Inhalt des Behältnisses
Ciprofloxacin Bundeswehr 2 mg/ml Infusionslösung ist in Glasflaschen zu 100 ml erhältlich.
6.6 Besondere Vorsichtsmaßnahmen für die Beseitigung und sonstige Hinweise zur Handhabung
Dieses Arzneimittel ist ausschließlich für die intravenöse Anwendung unter Verwendung eines sterilen Infusionssystems bestimmt.
Jedes Behältnis enthält eine Einzeldosis. Das Arzneimittel ist unmittelbar nach Anbruch anzuwenden und darf nicht über den Anbruch hinaus gelagert werden. Restbestände sind zu verwerfen.
Nicht verwendetes Arzneimittel oder Abfallmaterial ist entsprechend den nationalen Anforderungen zu entsorgen.
Ciprofloxacin Bundeswehr 2 mg/ml Infusionslösung ist eine klare, farblose bis leicht grün-gelbliche Lösung, praktisch frei von sichtbaren Partikeln. Das Arzneimittel ist vor Gebrauch auf sichtbare Partikel und Verfärbungen zu überprüfen. Die Lösung darf nicht verwenden werden, wenn sie trübe ist, Ausfällungen aufweist oder verfärbt ist.
Nur unversehrte Glasflaschen verwenden.
Kompatibilität der intravenösen Infusion
Ciprofloxacin Bundeswehr 2 mg/ml Infusionslösung darf aufgrund von fehlenden Kompatibilitätsstudien nicht mit anderen Infusionslösungen gemischt werden.
7. Inhaber der Zulassung
Deutsche Bundeswehr
Kommando Sanitätsdienst der Bundeswehr
Andernacher Straße 100
56070 Koblenz
8. Zulassungsnummer
83446.00.00
9. Datum der Erteilung der Zulassung / Verlängerung der Zulassung
11.07.2011
10. Stand der Information
02/2014
11. Verkaufsabgrenzung
Verschreibungspflichtig
