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Dapson Zentiva 100 mg Tabletten – Fachinformation (SmPC) für Ärzte und Apotheker

Die Fachinformation richtet sich an Ärzte und Apotheker. Verständliche Hinweise für Patienten enthält der Beipackzettel: Einnahme, Nebenwirkungen, Andere Arzneimittel, Schwangerschaft und Stillzeit.

Aktualisiert:
Fakten
Status:
Verschreibungspflichtig
Stärke:
100 mg
Wirkstoff:
ATC-Gruppe:

Fachinformation - Dapson Zentiva 100 mg Tabletten

1. BEZEICHNUNG DES ARZNEIMITTELS

Dapson Zentiva 100 mg Tabletten

2. QUALITATIVE UND QUANTITATIVE ZUSAMMENSETZUNG

Jede Tablette enthält 100 mg Dapson.

Vollständige Auflistung der sonstigen Bestandteile, siehe Abschnitt 6.1.

3. DARREICHUNGSFORM

Tablette

Weiße bis gebrochen weiße, runde Tabletten mit der Prägung „HP“ auf der einen Seite und Bruchkerbe auf der anderen Seite mit der Prägung „99“ als „9 │ 9“.

Die Tablette kann in gleiche Dosen geteilt werden.

4. KLINISCHE ANGABEN

4.1 Anwendungsgebiete

Dapson Zentiva wird angewendet zur Behandlung der folgenden Infektionen (siehe Abschnitt 5.1):

  1. 1) Im Rahmen einer Kombinationstherapie zur Behandlung aller Formen von Lepra.
  2. 2) Behandlung von blasenbildenden Dermatosen wie Dermatitis herpetiformis.
  3. 3) Prophylaxe der durch Pneumocystis jirovecii verursachten Pneumonie bei immundefizienten Personen, insbesondere AIDS-Patienten.

Die offiziellen Richtlinien für den angemessenen Gebrauch von Antibiotika sind zu beachten.

4.2 Dosierung und Art der Anwendung

Dosierung

Die Durchschnittsdosis beträgt 50 - 100 mg Dapson (= ½ - 1 Tablette) täglich.

Die Dosierung ist dem jeweiligen Anwendungsgebiet entsprechend in folgender Weise anzupassen:

Dermatitis herpetiformis sowie andere unter „4.1 Anwendungsgebiete“ erwähnte Hauterkrankungen:

Man beginnt mit 1 Tablette pro Tag (= 100 mg Dapson) eine Woche lang. Dann kann auf 2 Tabletten pro Tag (= 200 mg Dapson) gesteigert werden bis zum Eintreten des Therapieerfolges. Es ist aber im Einzelfall die niedrigst mögliche Dosis zu ermitteln. Dies kann auch durch Kombination mit Kortikosteroiden erreicht werden. In Extremfällen können kurzfristig 300 mg Dapson täglich (= 3 Tabletten) erforderlich sein.

Wenn das Krankheitsbild von Symptomen im Darmbereich begleitet ist, kann eine glutenfreie Diät zum Therapieerfolg beitragen und eine Dosisreduzierung ermöglichen.

Basistherapie des chronischen Gelenkrheumatismus:

Man beginnt mit ½ Tablette (= 50 mg Dapson) pro Tag eine Woche lang und führt die Therapie mit 1 Tablette (= 100 mg Dapson) pro Tag fort.

Lepra:

Hier wird durchschnittlich mit 50 - 100 mg Dapson (= ½ - 1 Tablette) täglich dosiert.

Dabei erhalten Jugendliche ab 15 Jahren und Erwachsene 100 mg Dapson (1 Tablette) täglich. Kinder und Jugendliche von 10 - 14 Jahren erhalten täglich 50 mg Dapson (½ Tablette). Für Kinder unter 10 Jahren muss die Dosis dem Körpergewicht angepasst werden.

Art und Dauer der Anwendung

Die Tabletten werden unzerkaut zusammen mit ausreichend Flüssigkeit (am besten nach einer Mahlzeit) eingenommen.

Bei der Dermatitis herpetiformis und anderen oben erwähnten Hauterkrankungen ist in den meisten Fällen eine Dauerbehandlung über Jahre hinweg erforderlich. Beim Auftreten von

Unverträglichkeitserscheinungen kann die Therapie unterbrochen und später, z. B. bei Rückfällen oder Verschlechterung des klinischen Bildes, wieder aufgenommen werden. Eine Überbrückung mit Kortikosteroiden in dieser Zeit kann hilfreich sein. Diese Möglichkeiten müssen individuell ermittelt werden.

In der Rheumabehandlung werden Therapieperioden von mehreren (bis zu sechs) Monaten durchgeführt. Die Notwendigkeit der Wiederholung solcher Behandlungskuren ergibt sich aus dem Verlauf des Einzelfalls.

Die antileprotische Monotherapie mit Dapson allein musste jahre- bzw. lebenslang durchgeführt werden. Durch die Kombination mit anderen Antileprotika kann die Behandlungszeit wesentlich verkürzt werden. In Abhängigkeit von der Schwere des Falles und dem bakteriologisch festgestellten Therapieerfolg kann heute die Dapson-Anwendung in den meisten Fällen nach 6 - 12 Monaten beendet werden.

4.3 Gegenanzeigen

Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff Dapson oder einen der in Abschnitt 6.1. genannten sonstigen Bestandteile des Arzneimittels.

Überempfindlichkeit gegen Sulfonamide, da Patienten mit Überempfindlichkeit gegen

Sulfonamide in der Regel auch gegen Sulfone und damit auch gegen Dapson überempfindlich

sind.

Schwere Lebererkrankungen.

4.4 Besondere Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung

Bei Patienten mit erblichem Mangel an Glucose-6-Phosphat-Dehydrogenase (G6PD) ist das Risiko unerwünschter Nebenwirkungen deutlich erhöht, weshalb in diesen Fällen die Anwendung von Dapson zu vermeiden ist. Bei dringlicher Indikation muss versucht werden, mit der Hälfte der empfohlenen Dosis auszukommen (siehe Abschnitt 4.8).

Bei anämischen Patienten (Hämoglobingehalt unter 10 g/dL) sollte Dapson nicht zur

Anwendung kommen. Doch kann bei äußerster Dringlichkeit (z. B. der Dermatitis herpetiformis) ein Behandlungsversuch unter strenger Kontrolle, vor allem des roten Blutbildes, unumgänglich sein. Wenn andere Therapiemöglichkeiten gegeben sind (z. B. bei chronischem Gelenkrheumatismus), sollte Dapson nicht zur Anwendung kommen, falls die Hämoglobinwerte bei Behandlungsbeginn niedriger als 11 g/dL liegen.

Sollten die Hämoglobin-Werte bei einer Dapson-Therapie unter 10 g/dL absinken, so sind häufige (gegebenenfalls tägliche) Kontrollen durchzuführen. Bei Hämoglobin-Werten unter 9 g/dL ist ein Abbruch der Dapson-Applikation zu erwägen, wobei die ärztliche Entscheidung vom Dringlichkeitsgrad der Dapson-Indikation abhängig ist. Auch sind die Hämoglobin-Ausgangswerte für die Entscheidung zum Therapieabbruch heranzuziehen: Ein rasanter Hämoglobin-Abfall von hohen Ausgangswerten wiegt schwerer als ein prozentual geringer Abfall von bereits anfangs niedrigen Hämoglobin-Werten. Wegen der methodisch bedingten Schwankungen der Messergebnisse ist in Zweifelsfällen eine kurzfristige Wiederholungsuntersuchung anzuraten (siehe Abschnitt 4.8).

Bei schwerwiegender und hartnäckiger Methämoglobinämie kann ein Therapieabbruch erforderlich werden. Bei der Dapson-Langzeitbehandlung muss gegebenenfalls ein mäßig erhöhter Methämoglobingehalt des Blutes in Kauf genommen werden.

Da die Cyanose im noch ungefährlichen Bereich von 10 % Methämoglobin in Erscheinung tritt, ist ein frühzeitiges Bemerken der Anomalie möglich. Der Patient muss darauf aufmerksam gemacht werden, eine bläuliche Verfärbung an Lippen und Fingernägeln bzw. eine erschwerte Atemtätigkeit sofort dem Arzt zu melden (siehe Abschnitt 4.8).

Bei Diabetikern kann die Einnahme von Dapson in Laboruntersuchungen zu falsch-niedrigen HbA1c- Werten (Langzeitblutzuckerwerten) führen und damit eine gute Kontrolle der diabetischen Stoffwechsellage vortäuschen.

Bei Langzeitanwendung von Dapson bei AIDS-Patienten, die mit Zidovudin therapiert werden, sollten die hämatologischen Parameter besonders sorgfältig überwacht werden (siehe Abschnitt 4.5).

Der Patient ist darauf aufmerksam zu machen, dass beim Auftreten von Hautausschlägen unter Dapson-Therapie sofort der Arzt zu informieren ist. Das Mittel muss dann sofort abgesetzt werden (siehe Abschnitt 4.8).

Ist eine Behandlung während der Stillzeit erforderlich, muss abgestillt werden (siehe Abschnitt 4.6).

4.5 Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln und sonstige Wechselwirkungen

Omeprazol reduziert die Clearance von Dapson. Dies wurde bei Kaukasiern, jedoch nicht bei Asiaten beobachtet.

Bei der gleichzeitigen Anwendung von Dapson und Probenecid kann die Ausscheidung von Dapson, gehemmt werden.

Trimethoprim erhöht die Plasmakonzentration und die unerwünschten Arzneimittelwirkungen von Dapson.

Die orale Clearance von Dapson nahm durch gleichzeitige Gabe von Rifabutin signifikant zu.

Rifampicin kann die biologische Halbwertszeit von Dapson reduzieren. Es gibt bisher keine Hinweise, dass dies therapeutische Folgen hätte.

Bei gleichzeitiger Anwendung mit Ursodeoxycholsäure wird Dapson schneller metabolisiert, so dass seine Wirkung verringert wird.

Pyrimethamin kann einige pharmakokinetische Parameter von Dapson (Distributionsvolumen, Plasmaspiegel, Speichelkonzentrationen) verändern. Die Bedeutung ist nicht bekannt.

Potentielle Methämoglobinbildner (Nitrate, Nitrite, Sulfonamide, Nitroglycerin, Nitroprussid-Na, Stickstoffmonoxid und Lokalanästhetika wie Prilocain) hemmen das Enzym Methämoglobin-Reduktase, das Methämoglobin wieder zu Hämoglobin abbaut. Vor operativen Eingriffen unter Verwendung von Lokalanästhetika sollte der Arzt durch den Patienten über die Einnahme von Dapson in Kenntnis gesetzt werden. Eine Bestimmung des Methämoglobingehaltes des Blutes sollte vor dem Eingriff erfolgen. Bei länger geplanten Eingriffen empfiehlt es sich, Dapson 2 bis 3 Tage davor abzusetzen.

In einer Studie konnte gezeigt werden, dass Fluconazol die Bildung des toxischen Metaboliten Hydroxylamin-Dapson bei HIV-infizierten Patienten senkt.

Bei Langzeitanwendung von Dapson bei AIDS-Patienten, die mit Zidovudin therapiert werden, sollten die hämatologischen Parameter besonders sorgfältig überwacht werden. Eine erhöhte Ausprägung der durch Zidovudin verursachten makrozytären Anämie sowie eine Milderung der durch Dapson verursachten Methämoglobinämie wurden im Mausmodell beobachtet.

4.6 Fertilität, Schwangerschaft und Stillzeit

Schwangerschaft

Es liegen keine oder nur begrenzte Daten zur Anwendung von Dapson bei

Schwangeren Frauen vor.

Tierexperimentelle Studien in Bezug auf eine Reproduktionstoxizität wurden nicht durchgeführt (s. Abschnitt 5.3).

Dapson wird während der Schwangerschaft und bei Frauen im gebärfähigen Alter, die keine Verhütungsmittel anwenden, nicht empfohlen.

Stillzeit

Dapson geht in die Muttermilch über. Ein Risiko für das Neugeborene/Kind kann nicht ausgeschlossen werden.

Es muss eine Entscheidung darüber getroffen werden, ob das Stillen zu unterbrechen ist oder ob auf die Behandlung mit Dapson verzichtet werden soll. Dabei soll sowohl der Nutzen des Stillens für das Kind als auch der Nutzen der Therapie für die Frau berücksichtigt werden.

Fertilität

Es liegen keine Daten zu den Auswirkungen von Dapson auf die Fruchtbarkeit beim Menschen vor.

4.7 Auswirkungen auf die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen

Dapson kann auch bei bestimmungsgemäßem Gebrauch das Reaktionsvermögen soweit verändern, dass die Fähigkeit zur aktiven Teilnahme am Straßenverkehr oder zum Bedienen von Maschinen beeinträchtigt ist.

4.8 Nebenwirkungen

Bei den Häufigkeitsangaben zu Nebenwirkungen werden folgende Kategorien zugrunde gelegt:

Sehr häufig (≥1/10)

Häufig (≥1/100 bis

<1/10)

Gelegentlich (≥1/1.000 bis

<1/100)

Selten

(≥ 1/10.000 bis

<1/1.000)

Sehr selten (<1/10.000)

Nicht bekannt (Häufigkeit auf Grundlage der verfügbaren

Daten nicht ab- schätzbar)

Erkrankungen des Blutes und des Lymphsystems
Hämolyse (s. zusätzliche In- formationen a,c)

Methämoglobin- Bildung (s. zu- sätzliche Infor-

mationen b,c)

Agranulozy- toseThrombozytose
Allgemeine Erkrankungen und Überempfindlichkeitsreaktionen

Überempfind- lichkeit als sog.

„Dapson-Syn- drom“ (Fieber, Unwohlsein, Hautausschläge, Gelbsucht, Lymphdrüsen- schwellung, Mo- nonukleose, Eo- sinophilie, Anä- mie, verstärkte Methämoglobin- bildung. Chol- angitis, renale Vaskulitis und Hepatitis in ein- zelnen Fällen) (s. zusätzliche Infor-

mationen d)

Erkrankungen des Nervensystems

Kopfschmer-zen (s. zusätzliche

Informationen e)

periphere mo- torische Neuro-

pathie

Erkrankungen des Gastrointestinaltrakts

Magenbe-

schwerden,

akute

Pankreatitis

Übelkeit (s. zu-

sätzliche Infor- mationen f)

Erkrankungen der Haut und des Unterhautzellgewebes

Hautausschläge

(s. zusätzliche Informationen g)

Photosensibilität
Erkrankungen der Atemwege, des Brustraumes und des Mediastinums

eosinophile

Pneumonitis

Leber- und Gallenerkrankungen

hochgradige

Hypalbumin- ämie

Erhöhung der Leberenzyme
Untersuchungen
kann zu falsch- niedrigen HbA1c-Werten führen

Zusätzliche Informationen

Nach erblich festgelegter Funktion wird Dapson von verschiedenen Individuen schnell oder langsam abgebaut (acetyliert). Ein Einfluss auf Wirkungen oder Nebenwirkungen von Dapson konnte dafür bis jetzt nicht festgestellt werden.

a Während der Behandlung mit Dapson kommt es zu einer dosisabhängigen Hämolyse, die bei einer Tagesdosis bis zu 100 mg (1 Tablette) nur gering ausgeprägt ist (siehe aber den Hinweis auf G6PD-Mangel im Abschnitt 4.4). Der dadurch bedingte Abfall der Blutfarbstoffwerte prägt sich besonders in den ersten 4 Behandlungswochen aus, um sich in den darauf folgenden Wochen wieder dem Ausgangspunkt zu nähern. Eine regelmäßige Kontrolle des roten und des weißen Blutbildes (zu Beginn der Therapie wöchentlich, nach einigen Monaten einmal monatlich) ist erforderlich.

b Methämoglobin äußert sich als bläuliche Verfärbung der Haut. Das menschliche Blut enthält normalerweise einen kleinen Anteil von Methämoglobin (1 % des Gesamtblutfarbstoffes bzw. 0,15 g/dL). Blutspiegel von 10 % und mehr machen sich durch Cyanose äußerlich sichtbar. 30 % Methämoglobin und mehr verursachen Atemnot, wenn es zur akut entstandenen Methämoglobinämie kommt. Letale Blutspiegel liegen bei über 75 % des Gesamtblutfarbstoffes.

c Die das rote Blutbild betreffenden Nebenwirkungen sind bei Kindern und älteren Patienten oft stärker ausgeprägt.

d Eine Überempfindlichkeit kann sich - besonders bei schlecht ernährten Patienten - als sogenanntes „Dapson-Syndrom“ äußern. Es ist nicht dosisabhängig. Die klinische Symptomatologie lässt an eine Infektionskrankheit, insbesondere an infektiöse Mononukleose, denken.

e Kopfschmerzen treten zu Beginn der Behandlung auf und verschwinden im Allgemeinen im Verlauf der weiteren Dapson-Anwendung.

f Gastrointestinale Störungen treten zu Beginn der Behandlung auf und verschwinden im Allgemeinen im Verlauf der weiteren Dapson-Anwendung.

g Überempfindlichkeitsreaktionen gegen Dapson können auch in Form von Hautausschlägen auftreten, wobei in Einzelfällen schwere Verlaufsformen (Erythema multiforme oder exfoliative Dermatitis) beobachtet wurden.

Der Patient ist darauf aufmerksam zu machen, dass beim Auftreten von Hautausschlägen unter Dapson-Therapie sofort der Arzt zu informieren ist. Das Mittel muss dann sofort abgesetzt werden.

Meldung des Verdachts auf Nebenwirkungen

Die Meldung des Verdachts auf Nebenwirkungen nach der Zulassung ist von großer Wichtigkeit. Sie ermöglicht eine kontinuierliche Überwachung des Nutzen-Risiko-Verhältnisses des Arzneimittels.

Angehörige von Gesundheitsberufen sind aufgefordert, jeden Verdachtsfall einer Nebenwirkung dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte, Abt. Pharmakovigilanz, Kurt-Georg-Kiesinger-Allee 3, D-53175 Bonn, Website: www.bfarm.de anzuzeigen.

4.9 Überdosierung

Symptome der Intoxikation

Die Symptomatik einer Dapson-induzierten Intoxikation ist gut bekannt. Dyspnoe, Übelkeit mit Erbrechen, Kopfschmerzen, Cyanose, Tachykardie, Methämoglobinämie, Sulfhämoglobinämie, Hämolyse, Hämaturie, Nierenversagen, neurologische und psychiatrische Störungen, Erblindung und Koma sind beobachtet worden. Genaue Angaben über letale Dosen sind nicht vorhanden. In einem Fall führten 1,4 g Dapson zum Tode, in einem anderen Fall überlebte der Patient die Einnahme von 15 g Dapson.

In einem Einzelfall wurde irreversible Retinopathie mit optischer Atrophie nach Einnahme von etwa 10 g Dapson beobachtet.

Therapie von Intoxikationen

Über die Notwendigkeit einer Magenspülung zur Unterbrechung der Sulfonresorption muss im Einzelfall und nach gründlicher Abwägung des Nutzen-Risiko-Verhältnisses entschieden werden.

Gabe von Aktivkohle („activated charcoal gut dialysis“) und über mehrere Tage eventuell ein

Abführmittel (40 mL 20 - 40 %ige Sorbitlösung).

Beschleunigung der Sulfon-Elimination und Prophylaxe eines Nierenversagens mittels

Infusionsbehandlung (Zufuhr ausreichender Flüssigkeitsmengen mit Diuretika und

Natriumhydrogencarbonat zur Alkalisierung des Urins).

Behandlung der Methämoglobinämie durch intravenöse Gabe von 0,2 mL/kg KG einer 1 %-igen Methylenblau-Lösung und/oder Vitamin C (2 g/d).

Frühzeitige Hämodialyse oder Hämoperfusion bei extremen Überdosierungen.

Transfusion von Erythrozytenkonzentraten oder Austauschtransfusion.

Sauerstoff- bzw. Beatmungstherapie unter Kontrolle des pO2.

Symptomatische Behandlung (z. B. Sedativa).

Grundsätzlich neurologische und ophthalmologische Mitbetreuung.

5. PHARMAKOLOGISCHE EIGENSCHAFTEN

5.1 Pharmakodynamische Eigenschaften

Pharmakotherapeutische Gruppe: Mittel zur Behandlung der Lepra

ATC-Code: J04BA02

Pharmakotherapeutische Gruppe: Dermatikum

ATC-Code: D10AX05

Dapson ist ein Anilin-Derivat, bei dem die beiden Anilin-Gruppen über eine charakteristische Sulfon-Gruppe miteinander verbunden sind.

Dapson besitzt antibakterielle und, davon unabhängig, antientzündliche Eigenschaften.

Es wirkt gegen Bakterien und Protozoen in derselben Weise wie die Sulfonamide, indem es die Synthese von Dihydrofolsäure hemmt, durch kompetitive Verdrängung der Para-Aminobenzoesäure aus der Bindungsstelle der Dihydropteroat-Synthetase.

Gegen Mycobacterium leprae ist Dapson hoch wirksam, die minimale Hemmkonzentration wird im Nanogramm-Bereich vermutet.

Dapson ist auch wirksam gegen Tuberkulosebakterien und Streptokokken.

Für die Humanmedizin ist bedeutsam, dass Dapson die Wirkung von Isoniazid und Protionamid deutlich verstärkt, was u. a. eine Dosisherabsetzung vor allem von Protionamid ermöglicht.

Dapson ist auch wirksam gegen Pneumocystis carinii und gegen die Malaria-Erreger. Es wird angenommen, dass es bei den genannten Parasiten mindestens zwei Angriffsziele von Dapson gibt: Einmal kommt es zur Bildung eines Analogons der Dihydropterinsäure (Dapson wird statt p-Aminobenzoesäure eingebaut) und zum anderen wird das Enzym Dihydropteroat-Synthetase gehemmt.

Durch diese Vorgänge kann es auch zur Störung anderer Systeme kommen, wie z. B. der Dihydrofolat-Reduktase, deren Aufgabe es ist, die Umwandlung der für die Mikroorganismen unbrauchbaren Dihydrofolsäure zur Tetrahydrofolsäure zu katalysieren.

Der darauf folgende Wegfall der Tetrahydrofolsäure führt schließlich zur Hemmung der RNA- und DNA-Synthese.

Charakteristisch für die Dermatitis herpetiformis und für manche Krankheiten des sogenannten rheumatischen Formenkreises ist die lokale Anhäufung polymorphonukleärer Leukozyten. Die Rolle dieser Zellen bei der Entstehung der Entzündung, besonders durch die Freilassung („respiratory burst“) hochtoxischer Sauerstoffverbindungen ist bekannt. Diese Wirkstoffe des Organismus - z. B. Gegen Bakterien - können beträchtliche Schäden in verschiedenen Geweben anrichten, so z. B. bei der Dermatitis herpetiformis an der Haut, bei rheumatoider Arthritis an Gelenken usw.

Dapson hemmt die zytotoxisch äußerst aktive Kette Myeloperoxidase-Wasserstoffsuperoxid-

Halogenverbindung und den „respiratory burst“. Weiter sind eine Hemmung der Arthus-Reaktion, die Herabsetzung der Reaktion von Lymphozyten auf das Phytohämagglutinin, Hemmung der Komplementbindung durch den alternativen Weg seiner Aktivierung, Hemmung mehrerer lysosomaler Enzymsysteme und Hemmung der Bindung von Leukotrien B4 mit seinen spezifischen Rezeptoren durch Dapson beschrieben worden. Dapson kann außerdem reaktive Sauerstoff-Intermediärprodukte abfangen.

Einzelfälle von Therapieerfolgen bei Akne, Morbus Crohn, Morbus Behcet und Kaposi-Sarkom sind belegt und deuten auf die Herstellung eines immunologischen Gleichgewichts als wichtige Eigenschaft des Dapsons hin.

An Entzündungsmodellen bei Versuchstieren zeigte Dapson auch analgetische und antipyretische Eigenschaften.

Resistenzmechanismus

Der Resistenzmechanismus von Mycobacterium leprae gegenüber Dapson ist nicht vollständig geklärt.

Man nimmt an, dass Mutationen im folP1-Gen, welches für die Dihydropteroat-Synthetase kodiert, für die Dapson-Resistenz verantwortlich sind.

Resistenzsituation

Es liegen keine umfassenden neuen Daten zur aktuellen weltweiten Resistenzsituation von

Mycobacterium leprae vor. Grundsätzlich ist M. leprae heute sensitiv gegen Dapson. Es werden jedoch in Regionen mit hoher Prävalenz Resistenzen gegen Dapson beobachtet. Resistenzraten von bis zu 80 % bei Rezidiven (sekundäre Resistenz) und bis zu 40 % bei unbehandelten Stämmen (primäre Resistenz) wurden berichtet.

Dapson-Resistenzen aufgrund einer Dapson-Monotherapie sind verbreitet, weswegen Dapson immer mit anderen, gegen den Lepra-Erreger wirkenden Arzneimitteln kombiniert werden sollte. Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt die Kombination von Dapson mit Clofazimin und Rifampicin. Trotzdem werden Dapson-Resistenzen beobachtet, deren Prävalenz jedoch nicht bekannt ist, da es nur wenige Studien hierzu gibt.

Darüber hinaus sollte für die Therapie der Lepra immer eine Beratung durch Experten angestrebt werden.

5.2 Pharmakokinetische Eigenschaften

Resorption

Nach Studien bei Lepra und Dermatitis herpetiformis wird Dapson fast vollständig (70 - 80 %) nach oraler Gabe resorbiert. Plasma-Spitzenwerte werden nach 2 - 6 Stunden erreicht. Sie betragen nach 100 mg (1 Tablette) Dapson oral im Mittel 1,7 mg pro Liter nach Einzelgabe, 3,3 mg pro Liter im „steady state“ und fallen nach 24 Stunden auf 0,7 bis 1,8 mg pro Liter ab.

Beim Affen wurde für Dapson ein enterohepatischer Kreislauf nachgewiesen. Dies erklärt, warum auch bei Menschen die orale Gabe von Aktivkohle bei Dapson-Intoxikation wirksam sein kann.

Die Bioverfügbarkeit von Dapson wurde an menschlichen Probanden untersucht. Dabei wurden Werte gefunden, die den in der Literatur angegebenen Werten entsprechen. Die weiblichen Probanden zeigten durchschnittlich etwas höhere Dapson-Serumspiegel.

Verteilung

Dapson wird zu 70 - 90 % an Plasmaproteine gebunden. Seine Diffusion in verschiedene Organe und Gewebe ist gut und die erreichten Werte entsprechen in etwa der Serumkonzentration. Dapson kann auch ins Zellinnere der Phagozyten eindringen.

Biotransformation

Dapson wird in der Leber acetyliert, wobei es - wie bei Isoniazid und den Sulfonamiden – genetisch fixierte Langsam- und Schnellacetylierer gibt. Der Hauptmetabolit ist Monoacetyl-Dapson. Die klinische Bedeutung der Acetylierungsrate bzw. -geschwindigkeit ist vermutlich gering. Der andere wichtige Stoffwechselweg von Dapson ist seine Hydroxylierung. Er ist insofern von Bedeutung, da angenommen wird, dass Dapson-Monohydroxylamin für die hämatologischen Nebenwirkungen von Dapson verantwortlich ist.

Elimination

Die biologische Halbwertszeit von Dapson ist verhältnismäßig lang, im Mittel um 20 Stunden mit einer Streuung von 14 bis 83 Stunden. Allgemein werden etwa 90 % einer oralen Dosis von 100 mg (1 Tablette) vollkommen nach ca. 9 Tagen ausgeschieden, nach Langzeitbehandlung mit Dapson kann der Wirkstoff jedoch bis zu 35 Tage nach der letzten Gabe nachgewiesen werden. Als Erklärungen für diese lange Halbwerts- und Ausscheidungszeit werden die hohe Plasmaproteinbindung und der enterohepatische Kreislauf (siehe oben) angesehen. Zu relevanter Kumulation kommt es aber nicht.

Dapson wird etwa zu 90 % über die Niere mit beträchtlichen Anteilen in Form von Metaboliten und zu etwa 10 % mit dem Stuhl ausgeschieden.

Dapson ist in der Muttermilch nachgewiesen worden.

Linearität/Nicht-Linearität

Die maximalen Blutspiegel scheinen im Bereich von 50 - 300 mg (½ Tablette – 3 Tabletten) proportional zur Dapson-Dosis zu sein.

Pharmakokinetik bei speziellen Patientengruppen

Eingeschränkte Nieren- und/oder Leberfunktion

Es gibt keine Untersuchungen über die Pharmakokinetik von Dapson in Patienten mit eingeschränkter Nieren- und/oder Leberfunktion.

Kinder

Die Pharmakokinetik von Dapson wurde bei Kindern mit erkranktem Immunsystem bis zum Alter von 12 Jahren untersucht. Orale Dosen von 1 mg/kg Dapson führen bei Kindern nach 1 bis 4 Stunden zu maximalen Serumkonzentrationen wie sie bei Erwachsenen nach einer Dosis von 50 mg (½ Tablette) erreicht werden. Die Elimination folgt einer Kinetik 1. Ordnung und die Eliminationshalbwertszeit entspricht in etwa den bei Erwachsenen gemessenen Werten. Die orale Clearance von Dapson ist bei Kindern unter 2 Jahren im Vergleich zu älteren Kindern erhöht.

5.3 Präklinische Daten zur Sicherheit

Aus den Untersuchungen zur chronischen Toxizität liegen keine Erkenntnisse vor, die zu dem Verdacht führen, dass beim Menschen bisher unbekannte Nebenwirkungen auftreten könnten.

In einem bakteriellen Testsystem (Ames-Test) erwies sich Dapson nicht als genotoxisch. In in-vitro-Studien an humanen Lymphozyten wurden in hohen Konzentrationen vermehrt Chromosomenaberrationen beobachtet. Bei sehr hoher Dosierung, die deutlich über der humantherapeutischen Dosis lag, war Dapson im Mikronukleus-Test in der Maus klastogen.

In Untersuchungen an Mäusen wurde kein karzinogener Effekt gefunden. Bei Ratten führte Dapson in hohen Dosen zu einer vermehrten Tumorbildung (Milz, Peritoneum, Schilddrüse). Da die positiven Befunde zur Genotoxizität und zum karzinogenen Potential nur bei sehr hohen Konzentrationen bzw. Dosierungen gesehen wurden, ist eine Relevanz für die therapeutische Anwendung nicht sehr wahrscheinlich, kann aber auch nicht gänzlich ausgeschlossen werden.

Experimentelle Untersuchungen zum Einfluss von Dapson auf die embryo-fötale sowie postnatale Entwicklung wurden nicht durchgeführt.

6. PHARMAZEUTISCHE ANGABEN

6.1 Liste der sonstigen Bestandteile

Maisstärke

Hochdisperses Siliciumdioxid

Magnesiumstearat (Ph.Eur.) [pflanzlich]

Mikrokristalline Cellulose

6.2 Inkompatibilitäten

Nicht zutreffend.

6.3 Dauer der Haltbarkeit

3 Jahre

6.4 Besondere Vorsichtsmaßnahmen für die Aufbewahrung

Für dieses Arzneimittel sind keine besonderen Lagerungsbedingungen erforderlich.

6.5 Art und Inhalt des Behältnisses

Blisterpackungen zur Abgabe von Einzeldosen mit Aluminiumhaltiger Deckfolie aus normalem Papier/PET/Alu und Basisfolie aus PVC/PVDC.

Dapson Zentiva 100 mg Tabletten sind erhältlich in Packungen mit 28 Tabletten.

Es werden möglicherweise nicht alle Packungsgrößen in den Verkehr gebracht.

6.6 Besondere Vorsichtsmaßnahmen für die Beseitigung

Keine besonderen Anforderungen.

Nicht verwendetes Arzneimittel oder Abfallmaterial ist entsprechend den nationalen Anforderungen zu beseitigen.

7. INHABER DER ZULASSUNG

Zentiva Pharma GmbH

Brüningstraße 50

65926 Frankfurt am Main

Postanschrift:

Zentiva Pharma GmbH

65927 Frankfurt am Main

Telefon: 0800 / 53 53 010

Telefax: 0800 / 53 53 011

8. ZULASSUNGSNUMMER

99887.00.00

9. DATUM DER ERTEILUNG DER ZULASSUNG/VERLÄNGERUNG DER ZULASSUNG

13.09.2018

10. STAND DER INFORMATION

Januar 2025

Über dieses Dokument

Quelle: BfArM – Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (AMIce) · Zulassungsnummer: 99887.00.00 · ENR 2199887

Stand der Information laut Text: 01/2025

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Fakten zu Dapson Zentiva 100 mg Tabletten

Rezeptpflicht
Verschreibungspflichtig?
  • Sie erhalten das Arzneimittel nur mit einem ärztlichen Rezept in der Apotheke.
  • Rechtsgrundlage laut BfArM: verschreibungspflichtig gemäß § 48(1),(2)2 AMG.
Wirkstoff Dapson 100 mg
Darreichungsform Tablette
Art der Anwendung Zum Einnehmen
Sonstige Bestandteile Maisstärke, Hochdisperses Siliciumdioxid, Mikrokristalline Cellulose, Magnesiumstearat (Ph.Eur.) [pflanzlich]
Packungsgrößen 28 Stück
Haltbarkeit 3 Jahre (ungeöffnete Packung)
Lagerung Für dieses Arzneimittel sind keine besonderen Lagerungsbedingungen erforderlich
Fälschungsschutz Ja – die Packung trägt einen individuellen Code und einen Erstöffnungsschutz (securPharm), die Apotheke prüft die Echtheit
ATC-Klassifikation
  1. D Dermatika
    1. D10 Aknemittel
      1. D10A Aknemittel zur topischen Anwendung
        1. D10AX Andere Aknemittel zur topischen Anwendung
          1. D10AX05 Dapson
Zulassung 99887.00.00, seit 19.09.2018, verlängert 18.10.2022; dezentrales Verfahren (mehrere EU-Staaten)
Pharmazeutischer Unternehmer Zentiva Pharma GmbH, 65926 Frankfurt am Main
Hersteller (Freigabe) Tillomed Malta Ltd., Tillomed Malta Ltd. (BS 1)
Frühere Namen Dapson Tillomed 100 mg Tabletten (ab 13.09.2018)

Quelle: BfArM, Arzneimittel-Informationssystem AMIce (ENR 2199887), Datensatz vom 30.09.2026. Angaben ohne Gewähr – fragen Sie Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder Ihre Apotheke.