Fachinformation - Utrogest Luteal 300 mg Weichkapseln zur vaginalen Anwendung
1. BEZEICHNUNG DES ARZNEIMITTELS
Utrogest Luteal 300 mg Weichkapseln zur vaginalen Anwendung
2. QUALITATIVE UND QUANTITATIVE ZUSAMMENSETZUNG
Jede Weichkapsel zur vaginalen Anwendung enthält 300 mg Progesteron (mikronisiert).
Sonstiger Bestandteil mit bekannter Wirkung
Jede Weichkapsel zur vaginalen Anwendung enthält 3 mg Phospholipide aus Sojabohnen.
Vollständige Auflistung der sonstigen Bestandteile siehe Abschnitt 6.1.
3. DARREICHUNGSFORM
Weichkapsel zur vaginalen Anwendung
Gelbliche, längliche (ca. 25 mm x 8 mm) Weichkapsel zur vaginalen Anwendung, die eine weißliche, ölige Suspension enthält.
4. KLINISCHE ANGABEN
4.1 Anwendungsgebiete
Unterstützung der Lutealphase im Rahmen einer assistierten Reproduktionstherapie (ART).
4.2 Dosierung und Art der Anwendung
Dosierung
Die empfohlene Dosierung ist 400 mg – 600 mg/Tag, aufgeteilt in zwei Dosen, eine morgens und eine am Abend vor dem Schlafengehen. Die Behandlung wird am Tag der hCG-Injektion begonnen und mindestens bis zur 7. Schwangerschaftswoche, aber nicht länger als bis zur 12. Schwangerschaftswoche oder bis zum Einsetzen der Menstruation fortgesetzt.
Für eine optimale Dosierung stehen 200 mg Weichkapseln und 300 mg Weichkapseln zur Verfügung.
Kinder und Jugendliche
Es gibt keinen relevanten Nutzen von Utrogest Luteal bei Kindern und Jugendlichen.
Ältere Patientinnen
Es gibt keinen relevanten Nutzen von Utrogest Luteal bei älteren Patientinnen.
Art der Anwendung
Vaginale Anwendung.
Jede Kapsel muss tief in die Vagina eingeführt werden.
Eine Kapsel sollte morgens tief in die Vagina eingeführt werden, die andere am Abend vor dem Schlafengehen.
4.3 Gegenanzeigen
- Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff, Soja, Erdnuss (siehe Abschnitt 4.4) oder einen der in Abschnitt 6.1 genannten sonstigen Bestandteile;
- nicht abgeklärte Vaginalblutungen;
- verhaltener Abort oder ektope Schwangerschaft;
- unbehandelte Endometriumhyperplasie;
- akute Lebererkrankung oder zurückliegende Lebererkrankungen, solange sich die Leberfunktionswerte nicht normalisiert haben;
- bestehender oder früherer Brustkrebs bzw. ein entsprechender Verdacht;
- bestehender hormonempfindlicher maligner Tumor bzw. ein entsprechender Verdacht (z. B. Endometriumkarzinom);
- Thrombophlebitis, frühere oder bestehende venöse thromboembolische Erkrankungen (tiefe Venenthrombose, Lungenembolie);
- bestehende oder erst kurze Zeit zurückliegende arterielle thromboembolische Erkrankungen (z. B. Angina pectoris, Myokardinfarkt, Schlaganfall);
- bekannte thrombophile Erkrankungen (Protein-C-, Protein-S- oder Antithrombin-Mangel);
- Porphyrie.
4.4 Besondere Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung
Warnhinweise
Vor Beginn der Behandlung und regelmäßig während der Behandlung muss eine vollständige ärztliche Untersuchung durchgeführt werden.
Utrogest Luteal darf nur während der ersten 3 Monate der Schwangerschaft und ausschließlich vaginal angewendet werden. Die Verordnung von Progesteron nach dem ersten Trimester kann eine Schwangerschaftscholestase hervorrufen.
Die Behandlung muss bei Diagnose eines verhaltenen Aborts abgebrochen werden.
Utrogest Luteal ist nicht zur Behandlung einer unmittelbar bevorstehenden Frühgeburt bestimmt.
Bei Verdacht auf eine der folgenden Erkrankungen sollte die Behandlung ebenso abgebrochen werden: Myokardinfarkt, zerebrovaskuläre Störungen, arterielle oder venöse thromboembolische Erkrankungen (venöse Thromboembolie oder Lungenembolie), Thrombophlebitis oder retinale Thrombose.
Obwohl das Risiko von Thromboembolien mit der Anwendung von Estrogenen in Verbindung gebracht wird, bleibt ein Bezug zu Gestagenen fraglich. Deshalb kann die Behandlung mit Utrogest Luteal bei Frauen mit allgemein bekannten Risikofaktoren für thromboembolische Ereignisse, wie Thromboembolien in der persönlichen oder familiären Vorgeschichte, eine weitere Erhöhung des Risikos darstellen. Bei diesen Frauen muss der Nutzen der Behandlung mit Utrogest Luteal gegen die Risiken abgewogen werden. Es sollte dabei aber beachtet werden, dass eine Schwangerschaft an sich das Risiko für thromboembolische Ereignisse erhöht.
Patientinnen mit Depressionen in der Vorgeschichte müssen sorgfältig überwacht werden. Ziehen Sie ein Absetzen in Betracht, wenn die Symptome sich verschlimmern.
Da Progesteron ein gewisses Maß an Flüssigkeitsretention verursachen kann, erfordern Erkrankungen, die durch diesen Faktor beeinflusst werden können (z. B. Epilepsie, Migräne, Asthma, Herz- oder Nierenfunktionsstörungen), eine sorgfältige Überwachung.
Bei einer kleinen Anzahl von Patientinnen wurde unter Behandlung mit Estrogen-Gestagen-Kombinationsarzneimitteln eine Verminderung der Glukosetoleranz beobachtet. Die Ursache für diese Verminderung ist nicht bekannt. Daher sollten Diabetikerinnen während der Progesteron-Therapie sorgfältig überwacht werden (siehe Abschnitt 4.5).
Progesteron wird in der Leber metabolisiert und sollte bei Patientinnen mit Leberfunktionsstörungen mit Vorsicht angewendet werden.
Utrogest Luteal ist nicht als Kontrazeptivum geeignet und darf nur gemäß den Indikationen in Abschnitt 4.1 angewendet werden.
Hilfsstoffe
Utrogest Luteal enthält Phospholipide aus Sojabohnen und kann bei überempfindlichen Patientinnen Überempfindlichkeitsreaktionen (Urtikaria und anaphylaktischen Schock) hervorrufen. Da ein möglicher Zusammenhang zwischen einer Allergie gegen Soja und einer Allergie gegen Erdnüsse besteht, dürfen Patientinnen mit einer Erdnussallergie Utrogest Luteal nicht anwenden (siehe Abschnitt 4.3).
Utrogest Luteal enthält hochraffiniertes Sonnenblumenöl, bei dem sehr selten Überempfindlichkeitsreaktionen bei Erwachsenen auftreten können.
4.5 Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln und sonstige Wechselwirkungen
Arzneimittel, von denen bekannt ist, dass sie das Leberenzym CYP450-3A4 induzieren, wie z. B. Barbiturate, Antiepileptika (Phenytoin, Carbamazepin), Rifampicin sowie auch pflanzliche Präparate, die Johanniskraut (Hypericum perforatum) enthalten, können die Elimination von Progesteron erhöhen.
Ketoconazol und andere CYP450-3A4-Inhibitoren können die Plasmaexposition von Progesteron erhöhen.
4.6 Fertilität, Schwangerschaft und Stillzeit
Schwangerschaft
Utrogest Luteal ist nur im ersten Trimester der Schwangerschaft im Rahmen einer assistierten Reproduktionstherapie (ART) indiziert (siehe Abschnitt 4.1).
Es liegen nur begrenzte und nicht aussagekräftige Daten über das Risiko kongenitaler Anomalien einschließlich genitaler Anomalien bei Kindern beiderlei Geschlechts infolge intrauteriner Exposition während der Schwangerschaft vor.
Die Raten kongenitaler Anomalien, spontaner Aborte und ektoper Schwangerschaften, die in klinischen Prüfungen beobachtet wurden, sind vergleichbar mit der Rate dieser Ereignisse in der Durchschnittsbevölkerung. Die Gesamtexposition ist jedoch zu gering, um daraus Rückschlüsse zu ziehen.
Stillzeit
Utrogest Luteal ist in der Stillzeit nicht indiziert.
Es treten nachweisbare Mengen an Progesteron in die Muttermilch über.
Fertilität
Dieses Arzneimittel ist zur Unterstützung der Lutealphase im Rahmen einer assistierten Reproduktionstherapie (ART) indiziert (siehe Abschnitt 4.1).
4.7 Auswirkungen auf die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen
Dieses Arzneimittel hat keinen oder einen zu vernachlässigenden Einfluss auf die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen. Bei manchen Personen können jedoch Schwindel oder Fatigue auftreten. In diesem Fall sollten Patientinnen kein Fahrzeug führen oder Maschinen bedienen.
4.8 Nebenwirkungen
In klinischen Studien wurden azyklische Blutungen, Schmierblutungen und weißer bis gelber Vaginalausfluss beobachtet.
Meldung des Verdachts auf Nebenwirkungen nach der Zulassung:
Die folgenden Informationen basieren auf umfangreichen Erfahrungen nach der Markteinführung mit der vaginalen Anwendung von Progesteron.
Die Nebenwirkungen wurden nach der folgenden Konvention nach ihrer Häufigkeit geordnet:
Sehr häufig: (≥ 1/10)
Häufig: (≥ 1/100, < 1/10)
Gelegentlich: (≥ 1/1 000, < 1/100)
Selten: (≥ 1/10 000, < 1/1 000)
Sehr selten: (< 1/10 000)
Nicht bekannt: Häufigkeit auf Grundlage der verfügbaren Daten nicht abschätzbar
| Systemorganklasse | Nicht bekannt (Häufigkeit auf Grundlage der verfügbaren Daten nicht abschätzbar) |
|---|---|
| Erkrankungen des Nervensystems | Schwindel |
| Erkankungen der Haut und des Unterhautgewebes | Pruritus |
| Erkrankungen der Geschlechtsorgane und der Brustdrüse | vaginaler Ausfluss, vaginale Blutungen |
| Allgemeine Erkrankungen und Beschwerden am Verabreichungsort | Brennen, Fatigue |
Phospholipide aus Sojabohnen können allergische Reaktionen hervorrufen.
Meldung des Verdachts auf Nebenwirkungen
Die Meldung des Verdachts auf Nebenwirkungen nach der Zulassung ist von großer Wichtigkeit. Sie ermöglicht eine kontinuierliche Überwachung des Nutzen-Risiko-Verhältnisses des Arzneimittels. Angehörige von Gesundheitsberufen sind aufgefordert, jeden Verdachtsfall einer Nebenwirkung dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte, Abt. Pharmakovigilanz, Kurt-Georg-Kiesinger-Allee 3, D-53175 Bonn, Website: www.bfarm.de anzuzeigen.
4.9 Überdosierung
Die Toxizität von Gestagenen ist gering. Die Symptome einer Überdosierung sind Übelkeit, Erbrechen, Schwindel und Abbruchblutung.
5. PHARMAKOLOGISCHE EIGENSCHAFTEN
5.1 Pharmakodynamische Eigenschaften
Pharmakotherapeutische Gruppe: Sexualhormone und Modulatoren des Genitalsystems, Gestagene, ATC-Code: G03DA04
Progesteron ist ein natürlich vorkommendes Steroid, das durch das Corpus luteum und die Plazenta sezerniert wird. In Anwesenheit einer ausreichenden Menge Estrogen wandelt Progesteron ein proliferiertes Endometrium in ein sekretorisches Endometrium um. Progesteron ist notwendig, um die Empfänglichkeit des Endometriums für die Implantation eines Embryos zu erhöhen. Nach der Implantation eines Embryos hält Progesteron die Schwangerschaft aufrecht.
5.2 Pharmakokinetische Eigenschaften
Resorption
Mikronisiertes Progesteron wird nach vaginaler Verabreichung schnell resorbiert. Im Gegensatz zu oral angewendetem Progesteron unterliegt vaginal verabreichtes Progesteron keinem First-Pass-Metabolismus im Gastrointestinaltrakt und in der Leber. Infolge des „uterinen First-Pass-Effekts“ treten relativ hohe Konzentrationen im Uterus und den umliegenden Geweben auf, während die systemische Exposition gegenüber Progesteron und seinen Metaboliten gering ist.
Die Plasmaexposition nach Gabe verschiedener vaginaler Dosierungen (z. B. 200 mg bis 600 mg) ist nichtlinear und nimmt weniger als proportional zur Dosis zu. In einer berichteten klinischen Studie führte die Gabe einer täglichen vaginalen Dosis von 600 mg Progesteron zu stabilen Plasmakonzentrationen während der gesamten Verabreichungszeit, wobei die höchste durchschnittliche Plasmakonzentration bei etwa 11,6 ng/ml lag.
Verteilung
Vaginal verabreichtes mikronisiertes Progesteron durchläuft den ersten Stoffwechselzyklus in der Gebärmutter, was zu höheren Hormonspiegeln in der Gebärmutter und den umliegenden Geweben führt.
Der geringe Anteil von Progesteron, der resorbiert wird, wird über die Lymph- und Blutgefäße transportiert und ist zu etwa 96 – 99 % an Serumproteine gebunden, hauptsächlich an Serumalbumin (50 – 54 %) und Transcortin (43 – 48 %).
Biotransformation
Nach vaginaler Anwendung konnten mangels First-Pass-Metabolisierung nur niedrige Pregnanolon- und 5α-Dihydroprogesteron-Plasmaspiegel nachgewiesen werden.
Elimination
95 % des systemisch resorbierten Progesterons werden als glucurokonjugierte Metaboliten über den Urin ausgeschieden.
Pharmakokinetische/pharmakodynamische Zusammenhänge
Utrogest Luteal wirkt lokal auf die Vagina und die Gebärmutter. Die Wirksamkeit von vaginal verabreichtem Progesteron hängt von der Gesamtmenge an Progesteron ab, die im Endometrium akkumuliert, und nicht von der Menge, die systemisch resorbiert wird.
5.3 Präklinische Daten zur Sicherheit
Basierend auf den konventionellen Studien zur Sicherheitspharmakologie und Toxizität lassen die präklinischen Daten keine besonderen Gefahren für den Menschen erkennen.
6. PHARMAZEUTISCHE ANGABEN
6.1 Liste der sonstigen Bestandteile
Kapselinhalt
Raffiniertes Sonnenblumenöl
Phospholipide aus Sojabohnen (E 322)
Kapselhülle
Gelatine (E 441)
Glycerol (E 422)
Titandioxid (E 171)
Gereinigtes Wasser
6.2 Inkompatibilitäten
Nicht zutreffend.
6.3 Dauer der Haltbarkeit
3 Jahre
Nach Anbruch: 15 Tage
6.4 Besondere Vorsichtsmaßnahmen für die Aufbewahrung
Für dieses Arzneimittel sind keine besonderen Lagerungsbedingungen erforderlich.
6.5 Art und Inhalt des Behältnisses
Utrogest Luteal 300 mg Weichkapseln zur vaginalen Anwendung sind in eine weiße HDPE-Flasche mit einem weißen, kindersicheren Schraubverschluss aus Polypropylen (PP) und einer abreißbaren, silberfarbenen Siegelfolie verpackt, die 15 Weichkapseln zur vaginalen Anwendung enthält.
Packungen mit 15, 30 (2 x 15) und 45 (3 x 15) Kapseln.
Es werden möglicherweise nicht alle Packungsgrößen in den Verkehr gebracht.
6.6 Besondere Vorsichtsmaßnahmen für die Beseitigung
Nicht verwendetes Arzneimittel oder Abfallmaterial ist entsprechend den lokalen Anforderungen zu beseitigen.
7. INHABER DER ZULASSUNG
Besins Healthcare Germany GmbH
Mariendorfer Damm 3
12099 Berlin
Telefon: +49 30 408199-0
Telefax: +49 30 408199-100
E-Mail: medizin@besins-healthcare.com
www.besins-healthcare.de
8. ZULASSUNGSNUMMER
7011816.00.00
9. DATUM DER ERTEILUNG DER ZULASSUNG
Datum der Erteilung der Zulassung: 20. Mai 2025
10. STAND DER INFORMATION
Februar 2026
11. VERKAUFSABGRENZUNG
Verschreibungspflichtig
