Fachinformation - Aldactone 10 ml Canrenoat
1. Bezeichnung des Arzneimittels
Aldactone® 10 ml Canrenoat
200 mg/10 ml Injektionslösung
Wirkstoff: Kaliumcanrenoat
2. Qualitative und quantitative Zu-sammensetzung
Wirkstoff: 1 Ampulle zu 10 ml enthält 200 mg Kaliumcanrenoat
Sonstige Bestandteile mit bekannter Wirkung: Enthält Natriumverbindun-gen und Kaliumverbindungen. Vollständige Auflistung der sonstigen Bestandteile siehe Abschnitt 6.1.
3. Darreichungsform
Injektionslösung
4. Klinische Angaben
4.1 Anwendungsgebiete
Primärer Hyperaldosteronismus,
sofern nicht eine Operation ange-zeigt ist
Ödeme und/oder Aszites bei Er-
krankungen, die mit einem sekun-dären Hyperaldosteronismus ein-hergehen.
4.2 Dosierung und Artder Anwen-dung
Dosierung
Ein starres Therapieschema lässt sich nicht angeben, da der Behandlungs-plan dem individuellen Krankheitszu-stand angeglichen werden muss und oft vom Ausmaß des bestehenden Hyperaldosteronismus abhängt.
Erwachsene:
Je nach Ausprägung des Hyperal-dosteronismus 1 bis 2 Ampullen (200 bis 400 mg Kaliumcanrenoat) täglich, in Ausnahmefällen sind auch höhere Dosierungen bis maximal 4 Ampullen (800 mg Kaliumcanrenoat) täglich möglich.
Die Einzeldosis beträgt im Allgemei-nen 1 Ampulle.
Kinder und Jugendliche:
Kinder bis zu einem Körpergewicht von 50 kg erhalten initial täglich ma-ximal 4 bis 5 mg/kg KG, für die an-schließende Behandlung maximal 2 bis 3 mg/kg KG.
Säuglinge erhalten initial täglich ma-ximal 2 bis 3 mg/kg KG, für die an-
schließende Behandlung maximal 1,5 bis 2 mg/kg KG täglich.
Art der Anwendung
Die Injektionslösung dient ausschließ-lich zur langsamen intravenösen Injek-tion oder Kurzinfusion.
1 Ampulle (= 10 ml) soll nicht schnel-ler als in etwa 2 bis 3 Minuten verab-reicht werden, da gelegentlich Nausea und/oder lokale Venenschmerzen auftreten können. Dünne Venen sind für die Injektion nicht gut geeignet.
Bei höherer Dosierung oder wenn zur besseren Verträglichkeit erforderlich, kann die Tagesdosis auch über den Tag verteilt oder in Form einer Kurzin-fusion appliziert werden.
Bei der intravenösen Kurzinfusion wird der Inhalt einer Ampulle zu 250 ml einer isotonischen Natriumchloridlö-sung (keine andere Lösung verwen-den!) hinzu gegeben und in ca. 30 Minuten infundiert.
Neugeborene, Säuglinge und Kinder erhalten die Tagesdosis am besten in einer dem Alter und dem Zustand entsprechenden Lösungsmenge ver-teilt auf drei Gaben im Abstand von je einer Stunde langsam i.v. als Kurzin-fusion.
Bei einer eingeschränkten Nierenfunk-tion mit Serumkreatininwerten über 1,5 mg/dl und einer Kreatinin-Clearance unter 60 ml/min sollte die Behandlung mit Aldactone® 10 ml Canrenoat nur unter häufiger Kontrolle des Serum-Kalium-Spiegels erfolgen.
Restmengen, die in der Ampulle ver-bleiben, dürfen nicht mehr verwendet werden. Es dürfen nur frisch herge-stellte, klare Lösungen ohne sichtbare Partikel verwendet werden.
Eine geringe Opaleszenz der Injekti-onslösung beeinträchtigt Wirkung und Verträglichkeit nicht. Zeigt die Lösung eine deutliche Trübung oder Ausflo-ckung - dies kann in Ausnahmefällen durch eine vorangegangene un-zweckmäßige Lagerung eintreten -, darf sie nicht verwendet werden.
Wichtig ist, dass die Ampulle erst unmittelbar vor der Anwendung geöff-net wird. Längeres Stehenlassen könnte eine Trübung der Lösung ver-ursachen.
Da die versehentliche intraarterielle Anwendung von Präparaten, die nicht ausdrücklich zur intraarteriellen The-
rapie empfohlen werden, zu Schäden führen kann, weisen wir vorsorglich darauf hin, dass die intravenöse Ap-plikation von Aldactone® 10 ml Can-renoat gewährleistet sein muss.
Hinweis:
Da sich in Tierversuchen das Risiko einer krebsauslösenden Wirkung bei langdauernder und hoch dosierter Anwendung gezeigt hat, ist die An-wendung von Aldactone® 10 ml Can-renoat auf einen möglichst kurzen Zeitraum zu begrenzen und die Not-wendigkeit der Anwendung fortlaufend zu überprüfen.
4.3 Gegenanzeigen
Aldactone® 10 ml Canrenoat darf nicht angewendet werden bei:
- Anurie,
- akutem Nierenversagen,
- schwerer Niereninsuffizienz (Krea-tinin-Clearance unter 30 ml/min pro 1,73 m2 Körperoberfläche bzw. bei einem Serumkreatinin über 1,8 mg/dl),
- Hyperkaliämie,
- Hyponatriämie,
Überempfindlichkeit gegen den
Wirkstoff oder einen der in Ab-schnitt 6.1 genannten sonstigen Bestandteile,
- Schwangerschaft und Stillzeit.
Schwangerschaft
Es liegen keine Erfahrungen beim Menschen zur Sicherheit einer An-wendung von Aldactone® 10 ml Can-renoat während der Schwangerschaft vor. Tierexperimentelle Studien mit Kaliumcanrenoat zeigten eine Repro-duktionstoxizität (siehe unter Abschnitt 5.3).
Aufgrund der möglichen feminisieren-den Eigenschaften des Wirkstoffs ist Aldactone® 10 ml Canrenoat während der Schwangerschaft kontraindiziert.
Stillzeit
Da Kaliumcanrenoat in die Mutter-milch übergeht, ist eine Anwendung während der Stillzeit kontraindiziert. Falls die Anwendung von Kaliumcan-renoat in der Stillzeit zwingend erfor-derlich ist, muss vor der Behandlung abgestillt werden.
4.4 Besondere Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen für die An-wendung
Eine besonders sorgfältige ärztliche Überwachung ist erforderlich bei:
Nierenfunktionseinschränkung
leichteren Grades (Serumkreatinin zwischen 1,2 mg/dl und 1,8 mg/dl bzw. Kreatinin-Clearance zwischen 60 ml/min und 30 ml/min),
Patienten, die als Folge ihrer
Grunderkrankung zu Azidose und/oder Hyperkaliämie neigen (z.B. Diabetes mellitus),
- Hypotonie,
- Hypovolämie.
Bei gleichzeitiger Anwendung von Kaliumcanrenoat und kaliumsparen-den Diuretika, Kaliumsubstituenten oder ACE-Hemmern kann es zu le-bensgefährlichen Hyperkaliämien kommen. Die Kombination der vorge-nannten Arzneimittel mit Kaliumcan-renoat wird daher im Allgemeinen nicht empfohlen (siehe unter Abschnitt 4.5).
Dieses Arzneimittel enthält 37,1 mg Natrium pro Ampulle, entsprechend 1,9 % der von der WHO für einen Erwachsenen empfohlenen maxima-len täglichen Natriumaufnahme mit der Nahrung von 2 g.
Dieses Arzneimittel enthält Kalium, jedoch weniger als 1 mmol (39 mg) Kalium pro Ampulle, d.h. es ist nahezu „kaliumfrei“.
Bei intravenöser Applikation können Schmerzen an der Injektionsstelle auf-treten.
Die Anwendung von Aldactone® 10 ml Canrenoat kann bei Dopingkontrollen zu positiven Ergebnissen führen.
Die Anwendung von Aldactone® 10 ml Canrenoat als Dopingmittel kann zu einer Gefährdung der Gesundheit führen.
Laborkontrollen
Die Behandlung mit Aldactone® 10 ml Canrenoat erfordert eine regelmäßige Kontrolle von Serum-Natrium, Serum-Kalium, Serumkreatinin und des Säu-re-Basen-Status.
Eine engmaschige Überwachung des Serum-Kalium-Spiegels ist erforderlich bei eingeschränkter Nierenfunktion mit Serumkreatininwerten zwischen 1,2 und 1,8 mg/dl bzw. einer Kreatinin-Clearance unter 60 ml/min pro 1,73 m2 Körperoberfläche sowie bei An-wendung von Aldactone® 10 ml Can-renoat in Kombination mit anderen Arzneimitteln, die zu einem Anstieg des Kalium-Spiegels führen können (siehe unter Abschnitt 4.5).
Beeinflussung von Labortests
Kaliumcanrenoat kann die Störung diagnostischer Tests (z.B. Digoxin-RIA) verursachen.
Bei der Cortisol-Bestimmung nach Mattingly kann Aldactone® 10 ml Can-renoat zu falsch erhöhten Werten führen.
Intoxikation
Siehe Notfallmaßnahmen, Symptome und Gegenmittel im Abschnitt 4.9.
4.5 Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln und sonstige Wech-selwirkungen
Bei Anwendung von Kaliumcanrenoat in Kombination mit Kaliumsalzen (z.B. Kaliumchlorid) mit Substanzen, die die Kaliumausscheidung vermindern (kaliumsparende Diuretika wie Triam-teren oder Amilorid), oder mit ACE-Hemmern kann es zu einem Anstieg des Serum-Kalium-Spiegels bis hin zu schweren unter Umständen lebensge-fährlichen Hyperkaliämien (zu hohe Kaliumspiegel im Blut) kommen (siehe unter Abschnitt 4.3).
Bei gleichzeitiger Anwendung von ACE-Hemmern, Furosemid und Kali-umcanrenoat kann ein akutes Nieren-versagen auftreten.
Kaliumcanrenoat und Carbenoxolon können sich gegenseitig in ihrer Wir-kung beeinträchtigen. Größere Men-gen von Lakritze wirken in dieser Hinsicht wie Carbenoxolon.
Die gleichzeitige Gabe von nichtstero-idalen Antiphlogistika (z.B. Acetylsa-licylsäure, Indometacin) kann die diuretische Wirkung von Kaliumcan-renoat abschwächen.
Die gleichzeitige Anwendung von Digoxin und Kaliumcanrenoat kann zu erhöhten Digoxin-Blutspiegeln führen.
Die Wirkung von Norepinephrin oder Epinephrin auf die Blutgefäße kann vermindert werden.
4.6 Fertilität, Schwangerschaft und Stillzeit
Aldactone® 10 ml Canrenoat ist während der Schwangerschaft und Stillzeit kontraindiziert (siehe Abschnitt 4.3)
Es liegen keine klinischen Daten zur Wirkung von Kaliumcanrenoat auf die Fertilität beim Menschen vor.
4.7 Auswirkungen auf die Verkehrs-tüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen
Aldactone® 10 ml Canrenoat kann auch bei bestimmungsgemäßem Gebrauch das Reaktionsvermögen soweit verändern, dass die Fähigkeit zur aktiven Teilnahme am Straßen-verkehr, zum Bedienen von Maschi-nen oder zum Arbeiten ohne sicheren Halt beeinträchtigt wird. Dies gilt in verstärktem Maße bei Behandlungs-beginn, Dosiserhöhung und Präpara-tewechsel sowie im Zusammenwirken mit Alkohol.
4.8 Nebenwirkungen
Bei der Bewertung von Nebenwirkun-gen werden folgende Häufigkeiten zugrunde gelegt:
Sehr häufig (> 1/10)
Häufig (≥ 1/100, < 1/10)
Gelegentlich (≥ 1/1.000, < 1/100) Selten (≥ 1/10.000, < 1/1.000) Sehr selten (< 1/10.000) nicht bekannt (Häufigkeit aufgrund der verfügbaren Daten nicht abschätzbar)
Stoffwechsel
Häufig wird eine Erhöhung des Harn-säure-Spiegels beobachtet.
Gelegentlich kann (insbesondere bei eingeschränkter Nierenfunktion) eine Hyperkaliämie auftreten.
Eine Hyponatriämie ist vor allem nach ausgiebiger Flüssigkeitszufuhr mög-lich.
Diese Elektrolytveränderungen kön-nen sich als kardiale Arrhythmien, Müdigkeit, allgemeine Muskelschwä-che, Muskelverspannungen, z.B. Wa-denkrämpfe, oder Schwindel bemerk-bar machen.
Eine hyperchlorämische metabolische Azidose kann induziert oder verstärkt werden.
Niere und Harntrakt
Wie bei jeder diuretischen Therapie kann es bei klinisch gesunder und bei geschädigter Niere zu einem reversib-len Anstieg stickstoffhaltiger harn-pflichtiger Stoffe kommen.
Herz-Kreislauf-System
Bei stark erniedrigtem Blutdruck kann es zu einem weiteren Absinken des Blutdrucks kommen.
Endokrines System
Weibliche Patienten
Mastodynie und Hirsutismus können auftreten.
Häufig werden Zwischenblutungen und Postmenopausenblutungen beo-bachtet.
Gelegentlich kommt es zu Amenor-rhoe (von der Dosis und der Behand-lungsdauer abhängig).
Selten sind Stimmveränderungen, z.B. in Form von Heiserkeit oder auch Vertiefung der Stimmlage, möglich.
Männliche Patienten
Bei Männern kann es zu gesteigerter Berührungsempfindlichkeit der Mamil-len und/oder zu Gynäkomastie kom-men. Die Gynäkomastie kann sich unter Umständen auch nach Absetzen des Präparates nicht zurückbilden. Häufig kann es bei Männern zu Po-tenzstörungen kommen.
Selten sind Stimmveränderungen, z.B. in Form von Heiserkeit, möglich.
Die beschriebenen Stimmveränderun-gen bei weiblichen und männlichen Patienten gehen in manchen Fällen auch nach Absetzen des Arzneimittels nicht zurück. Deshalb ist die therapeu-tische Notwendigkeit gegenüber dem Risiko abzuwägen, insbesondere bei Berufen, bei denen die Stimme eine besondere Bedeutung hat (z.B. Thea-ter-, Lehrberufe).
Gastrointestinaltrakt
Übelkeit, Erbrechen, Krämpfe und Diarrhoe sind möglich.
Haut
Selten treten allergische Hautreaktio-nen (Rötung, Urticaria, Erythema anulare, Lupus-erythematodes- und Lichen-ruber-planus-ähnliche Haut-veränderungen) oder Alopezie auf.
Skelettmuskulatur
Selten kommt es zu Osteomalazie.
Blutbestandteile
Gelegentlich treten Thrombozytopenie oder eine Eosinophilie bei Patienten mit Leberzirrhose auf.
Selten wird eine Agranulozytose beo-bachtet.
Leber
Selten ist Hepatotoxizität mit Hepatitis beschrieben.
Zentralnervensystem
Häufig können zentralnervöse Ne-benwirkungen, wie Kopfschmerzen, Schläfrigkeit (Lethargie) oder Ataxie, auftreten.
Selten wurde bei Überschreiten der empfohlenen Tageshöchstdosis ein passageres Verwirrtheitssyndrom
beobachtet, das nach Verringerung der Dosis oder vorübergehender Un-terbrechung der Therapie abklang.
Sonstige
Häufig kann es während der Injektion zu Übelkeit und/oder Schmerzen an der Injektionsstelle kommen.
Meldung des Verdachts auf Neben-wirkungen
Die Meldung des Verdachts auf Ne-benwirkungen nach der Zulassung ist von großer Wichtigkeit. Sie ermöglicht eine kontinuierliche Überwachung des Nutzen-Risiko-Verhältnisses des Arz-neimittels. Angehörige von Gesund-heitsberufen sind aufgefordert, jeden Verdachtsfall einer Nebenwirkung dem
Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte
Abt. Pharmakovigilanz
Kurt-Georg-Kiesinger Allee 3 D-53175 Bonn
Website: www.bfarm.de
anzuzeigen.
4.9 Überdosierung
Notfallmaßnahmen, Symptome und Gegenmittel
- a) Symptome der Intoxikation
Somnolenz und Verwirrtheitszustände treten vor allem als Folge von Elektro-lytstörungen (Hyperkaliämie) auf. Reizbildungs- und Reizleitungsstörun-gen am Herzen (z.B. AV-Block, Vor-hofflimmern, Kammerflimmern, Herz-stillstand) sowie EKG-Veränderungen (hohe zeltförmige T-Zacken und zu-nehmende Verbreiterung des QRS-Komplexes) können auftreten.
- b) Therapie von Intoxikationen
Therapie der Hyperkaliämie:
Bedrohliche Hyperkaliämien müssen unverzüglich einer Intensivbehandlung zugeführt werden.
Normalisierung des Verhältnisses zwischen intra- und extrazellulärer Kaliumkonzentration:
Natriumhydrogencarbonat erhöht über einen direkten Mechanismus die Kaliumaufnahme der Zelle: Infu-sion von 50 bis 100 ml einer 1 mola-ren (8,4 %igen) Natriumhydrogen-carbonatlösung i.v. (Wirkungseintritt: nach wenigen Minuten; Wirkungs-dauer: mehrere Stunden).
Der Kaliumeinstrom in die Zelle wird besonders durch Glukose gefördert: z.B. 200 ml einer 25 %igen (1,4
mol/l) Glukoselösung und 25 I.E. Al-tinsulin (1 I.E. Altinsulin pro 2 g Glu-kose) i.v. innerhalb von 30 bis 60 Minuten infundieren (Wirkungsdau-er: mehrere Stunden).
Elimination eines gegebenenfalls vorhandenen Kaliumüberschusses:
Nach den oben erwähnten Notfall-maßnahmen sollte überschüssiges Kalium durch längerfristig wirkende Maßnahmen aus dem Körper elimi-niert werden. Lässt sich die renale Ausscheidung nicht steigern (z.B. durch Injektion von Furosemid), sind extrarenale Eliminationswege zu wählen. Hier ist die orale Gabe von Kationenaustauscherharzen (z.B. Resonium A oder Calcium-Resonium) zu empfehlen: 1 g der Harze bindet ca. 1 mmol Kalium im Darmlumen. Das gebundene Kalium wird mit den Fäzes ausgeschieden.
Lässt sich mit den oben genannten Maßnahmen keine Normalisierung der extrazellulären Kaliumkonzentra-tion erreichen, ist eine Peritoneal- oder Hämodialyse unumgänglich.
Ein spezifisches Antidot ist nicht be-kannt.
5. Pharmakologische Eigenschaften
5.1 Pharmakodynamische Eigen-schaften
Pharmakotherapeutische Gruppe: Kaliumsparende Diuretika; Aldoste-ron-Antagonist
ATC-Code: C03DA02
Kaliumcanrenoat blockiert kompetitiv die Bindung von Aldosteron an des-sen zytoplasmatischen Rezeptor. Aldosteron kann dadurch nicht über seinen Rezeptor in den Zellkern ein-dringen, wodurch die Synthese der Aldosteron-induzierten Proteine un-terbleibt. Damit wird der wesentlichen Aldosteronwirkung, der Natriumre-absorption und Kaliumsekretion, ent-gegengewirkt. Aldosteronrezeptoren werden renal sowie extrarenal, z.B. in den Speicheldrüsen und im Darm, gefunden. Kaliumcanrenoat entwickelt nur in Gegenwart von endogenem oder exogenem Aldosteron eigene Aktivität. Die Wirkung kann durch ansteigende Aldosteron-Spiegel auf-gehoben werden.
Weder die Produktion noch die Aus-scheidung von Aldosteron wird in therapeutischen Dosen verringert. Nur in extrem hoher Dosierung hemmt Kaliumcanrenoat die Biosynthese des Aldosterons.
Kaliumcanrenoat steigert die Natrium- und Chloridausscheidung sowie in geringem Maße die Calciumausschei-dung; reduziert werden die Kalium- und Ammoniumausscheidung sowie die Azidität des Harns. Kaliumcan-renoat vermindert die renale Magnesi-umausscheidung.
Bei alleiniger Anwendung hat Kali-umcanrenoat nur eine geringe diureti-sche Wirksamkeit. Durch zusätzliche Gabe von Thiaziden oder Schleifendi-uretika kann die Natriurese weiter gesteigert werden.
Kaliumcanrenoat kann über eine Sen-kung der glomerulären Filtrationsrate die Serum-Harnstoff-Konzentrationen erhöhen.
Ein blutdrucksenkender Effekt bei Hypermineralokortikoidsyndromen bzw. bei verschiedenen Erkrankungen mit primärem oder sekundärem Hy-peraldosteronismus ist erwiesen. Die diuretische Wirkung tritt - abhän-gig vom Schweregrad des vorbeste-henden Hyperaldosteronismus - in-nerhalb der ersten 3 bis 6 Stunden nach parenteraler Gabe ein und kann bis zu 72 Stunden anhalten.
Der klinische Wirkungseintritt erfolgt bei kontinuierlicher Verabreichung schrittweise mit einem Wirkungsma-ximum nach 2 bis 3 Tagen oder spä-ter; gegebenenfalls kann der maxima-le diuretische Effekt auch erst nach 2 Wochen auftreten.
5.2 Pharmakokinetische Eigen-schaften
Kaliumcanrenoat, das Kaliumsalz der Canrenoinsäure, wird wegen der gu-ten Löslichkeit in wässrigen Medien als injizierbarer Aldosteron-Antagonist eingesetzt.
Nach parenteraler Applikation erfolgt eine schnelle Umwandlung in Can-renon. Der Maximalspiegel von Can-renon wird innerhalb der ersten Stun-de erreicht, der Plasmaspiegel klingt biphasisch mit einer Halbwertszeit von ca. 5 Stunden bzw. 14 Stunden ab.
Die Plasmaproteinbindung von Can-renon, dem Hauptmetaboliten von Kaliumcanrenoat, beträgt 98 %.
Die Eliminationshalbwertszeit des aktiven Metaboliten Canrenon wird mit 18 bis 23 Stunden angegeben.
Canrenon und Canrenoinsäure wer-den über Nieren und Leber ausge-
schieden, im Urin (sehr geringe Men-gen) hauptsächlich als Glucuronsäu-reester. Innerhalb von 5 Tagen wur-den nach parenteraler Applikation von radioaktiv markiertem Kaliumcan-renoat ca. 48 % der Radioaktivität im Urin und ca. 14 % der Radioaktivität in den Fäzes nachgewiesen.
Bei Niereninsuffizienz kann die Aus-scheidung von Canrenon und Can-renon-Metaboliten vermindert sein.
5.3 Präklinische Daten zur Sicher-heit
- a)
Chronische Toxizität / subchroni-
sche Toxizität
Untersuchungen zur subchronischen und chronischen Toxizität wurden an verschiedenen Tierspezies (Ratte, Hund, Affe) durchgeführt. In der Un-tersuchung an der Ratte zeigte sich in der hohen Dosis ein vermehrtes Vor-kommen von Schilddrüsen- und Ho-denadenomen.
Die längerfristige orale Verabreichung hoher Dosen von Kaliumcanrenoat an Hunde und Affen führte zur Ausprä-gung antiandrogener Effekte.
- b)
Mutagenes und tumorerzeugendes
Potenzial
Kaliumcanrenoat wurde ausführlich geprüft.
Ausführliche Untersuchungen zur Genotoxizität von Kaliumcanrenoat und den Metaboliten Canrenon und Canrenon-6,7-Epoxid erbrachten keine Hinweise auf eine klinisch rele-vante mutagene Wirkung. Der Wirk-mechanismus der kanzerogenen Wirkung ist daher ungeklärt.
In einer Langzeituntersuchung an Ratten traten bei einem Rattenstamm vermehrt Tumoren und Leukämien auf.
- c) Reproduktionstoxizität
Kaliumcanrenoat ist plazentagängig. Bei Verabreichung von Kaliumcan-renoat an trächtigen Hunden traten Anomalien der Genitalien (Kryp-torchismus, Feminisierung) bei den Feten auf.
Feminisierende Wirkungen auf die äußeren Genitalien wurden bei den männlichen Nachkommen während der Trächtigkeit exponierter Ratten bei Tagesdosen von ca. 160 mg/kg KG beobachtet. Endokrine Störungen bei beiden Geschlechtern (Veränderun-gen von Hormonkonzentrationen im Plasma) wurden schon bei ca. 80 mg/kg, Verminderung der Prostata-
Gewichte bei männlichen Jungtieren bei 40 mg/kg gefunden. Untersuchun-gen an Ratten und Mäusen haben keine Hinweise auf teratogene Wir-kungen ergeben.
Tierexperimentelle Untersuchungen zur Fertilität und zur peri-/postnatalen Entwicklung sind nicht durchgeführt worden.
Für den Menschen liegen über die Sicherheit einer Anwendung während der Schwangerschaft keine ausrei-chenden Erfahrungen vor (siehe unter Abschnitt 4.3).
6. Pharmazeutische Angaben
6.1 Liste der sonstigen Bestandteile
Natriumcarbonat, Natriumchlorid, Wasser für Injektionszwecke und Kaliumhydroxid zur pH-Einstellung.
6.2 Inkompatibilitäten
Bisher nicht bekannt.
6.3 Dauer der Haltbarkeit
Die Dauer der Haltbarkeit beträgt 3 Jahre.
Dieses Arzneimittel soll nach Ablauf des Verfallsdatums nicht mehr ange-wendet werden.
6.4 Besondere Vorsichtsmaßnah-men für die Aufbewahrung
Nicht über + 25 °C aufbewahren. Die Ampullen im Umkarton aufbewahren, um den Inhalt vor Licht zu schützen.
6.5 Art und Inhalt des Behältnisses
10 Ampullen mit je 10 ml Canrenoat Injektionslösung
6.6 Besondere Vorsichtsmaßnah-men für die Beseitigung
Keine besonderen Anforderungen.
7. Inhaber der Zulassung
Esteve Pharmaceuticals GmbH Hohenzollerndamm 150-151
14199 Berlin
Deutschland
Phone + 49 30 338427-0
E-Mail: info.germany@esteve.com
8. Zulassungsnummer
6618119.00.00
9. Datum der Erteilung der Zulas-sung / Verlängerung der Zulassung
12.03.1976 / 07.12.2004
10. Stand der Information
11/2021
11. Verkaufsabgrenzung
Verschreibungspflichtig
