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Antidotum Thallii-Heyl® 500 mg Hartkapseln – Fachinformation (SmPC) für Ärzte und Apotheker

Die Fachinformation richtet sich an Ärzte und Apotheker. Verständliche Hinweise für Patienten enthält der Beipackzettel: Einnahme, Nebenwirkungen, Andere Arzneimittel, Schwangerschaft und Stillzeit.

Aktualisiert:
Engpass
Status:
Verschreibungspflichtig Lieferengpass gemeldet seit 24.02.2021
Stärke:
500 mg

Fachinformation - Antidotum Thallii-Heyl

1. BEZEICHNUNG DES ARZNEIMITTELS

Antidotum Thallii-Heyl® 500 mg Hartkapseln

Wirkstoff: Eisen(III)-hexacyanoferrat(II)

2. QUALITATIVE UND QUANTITATIVE ZUSAMMENSETZUNG

1 Hartkapsel enthält 500 mg Eisen(III)-hexacyanoferrat(II) (68 % Fe4[Fe(CN)6]3) (unlösliches-Berliner Blau)

Vollständige Auflistung der sonstigen Bestandteile, siehe Abschnitt 6.1.

3. DARREICHUNGSFORM

Hartkapsel

4. KLINISCHE ANGABEN

4.1 Anwendungsgebiete

Thalliumvergiftungen

4.2 Dosierung und Art der Anwendung

Die Dosierung erfolgt in Abhängigkeit von der Schwere der Thalliumvergiftung.

Dosierung für Erwachsene, Kinder ab 2 Jahre und Jugendliche

  • bei schon eingetretener Resorption von Thallium und bei chronischer Thalliumvergiftung 6 bis 40 Hartkapseln Antidotum Thallii-Heyl [3 bis 20 g Eisen(III)-hexacyanoferrat(II)] oral täg-lich. Die Tagesdosis sollte gleichmäßig über den 24-Stunden-Zeitraum (z.B. 3 x täglich 6 Hartkapseln) verteilt werden, um den enterohepatischen Kreislauf des Thalliums optimal zu unterbrechen.
  • bei Vorliegen einer akuten Vergiftung, bei der sich noch Thallium im Magen oder in den obe-ren Darmabschnitten befindet, sollte eine Initialdosis von mindestens 6 Hartkapseln [3 g Ei-sen(III)-hexacyanoferrat(II)] auf einmal gegeben werden.

Art der Anwendung

Die Hartkapseln werden mit Flüssigkeit eingenommen.

Kann der Patient die Hartkapsel nicht schlucken, kann diese geöffnet werden und der Inhalt mit Nahrung eingenommen oder in Flüssigkeit (z.B. warmem Wasser) aufgeschwemmt getrunken werden. Dabei können sich Mund und Zähne blau färben.

Die Aufschwemmung kann auch über den Magenschlauch im Anschluss an eine Magenspülung gegeben werden.

Ist eine orale Einnahme nicht möglich, kann der Hartkapselinhalt in Wasser oder Mannitollösung aufgeschwemmt und per Magen- oder Duodenalsonde verabreicht werden.

Die Einnahme der Hartkapseln sollte zur Mahlzeit erfolgen, da Nahrung die Sekretion der Galle und den enterohepatischen Kreislauf anregt (Stimulation der Thalliumausscheidung möglich).

Die Behandlung mit Antidotum Thallii-Heyl sollte so schnell wie möglich beginnen. Ist Antidotum Thallii-Heyl nicht sofort verfügbar, ist auch eine spätere Einnahme sinnvoll und effektiv.

Die Dauer der Therapie richtet sich nach der Thalliumausscheidung im Stuhl.

4.3 Gegenanzeigen

Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der in Abschnitt 6.1 genannten sonstigen Bestandteile.

4.4 Besondere Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung

Keine bekannt

4.5 Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln und sonstige Wechselwirkungen

Antidotum Thallii-Heyl kann andere oral eingenommene Medikamente und essenzielle Nährstoffe binden. Daher sollten die Medikamentenspiegel und das Ansprechen auf die Therapie überwacht werden.

Antidotum Thallii-Heyl kann die Resorption von Tetracyclinen hemmen.

Antidotum Thallii-Heyl kann Elektrolyte im Darm (z.B. Kalium) binden, was zu erniedrigten Se-rumkaliumspiegeln (asymptomatische Hypokaliämie) führen kann. Daher sollten während der Therapie die Serumelektrolyte regelmäßig kontrolliert werden. Vorsicht geboten ist insbesondere bei Patienten mit bereits bestehenden Herzarrhythmien und Elektrolytschwankungen.

Bei Vergiftungen mit radioaktivem Thallium beeinflusst die zusätzliche Gabe von anderen Medi-kamenten gegen eine Kontamination mit radioaktiven Substanzen nicht die Wirksamkeit von An-tidotum Thallii-Heyl gegenüber Thallium.

4.6 Fertilität, Schwangerschaft und Stillzeit

Gegen die Anwendung während der Schwangerschaft und der Stillzeit bestehen keine Bedenken.

Da Antidotum Thallii-Heyl praktisch nicht resorbiert wird, durchdringt es nicht die Plazentasch-ranke und gelangt nicht in die Muttermilch. Dagegen wird Thallium sowohl auf das ungeborene Kind übertragen als auch in die Muttermilch abgegeben. Deshalb ist das Risiko durch das Thal-lium viel höher als das Risiko einer Behandlung mit Antidotum Thallii-Heyl.

Mit Thallium kontaminierte Mütter sollten generell nicht stillen.

4.7 Auswirkungen auf die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen

Keine bekannt.

4.8 Nebenwirkungen

Erkrankungen des Gastrointestinaltrakts

Bei der Einnahme von Antidotum Thallii-Heyl kann Obstipation auftreten. Die Behandlung erfolgt mit einer ballaststoffreichen Diät oder ballaststoffbasierten Laxantien.

Bei einer Hochdosistherapie (20 g Eisen(III)-hexacyanoferrat(II) am Tag) können unspezifische Magen-Darm-Beschwerden auftreten.

Anmerkung: Eine Dunkelfärbung des Stuhls ist harmlos. Sie beruht auf der Farbe des Wirkstoffes Berliner Blau.

Meldung des Verdachts auf Nebenwirkungen

Die Meldung des Verdachts auf Nebenwirkungen nach der Zulassung ist von großer Wichtigkeit. Sie ermöglicht eine kontinuierliche Überwachung des Nutzen-Risiko-Verhältnisses des Arzneimittels.

Angehörige von Gesundheitsberufen sind aufgefordert, jeden Verdachtsfall einer Nebenwirkung dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte, Abt. Pharmakovigilanz, Kurt-Georg-Kiesinger Allee 3, D-53175 Bonn, Website: www.bfarm.de anzuzeigen.

4.9 Überdosierung

Überdosierungen von Antidotum Thallii-Heyl sind bisher nicht beschrieben.

Symptome einer Überdosierung können Obstipation, Darmverschluss oder schwere Verminde-rungen von Elektrolyten sein.

5. PHARMAKOLOGISCHE EIGENSCHAFTEN

5.1 Pharmakodynamische Eigenschaften

Pharmakotherapeutische Gruppe: Antidot

ATC-Code: V03AB31 Eisen(III)hexacyanoferrat(II)

Thallium unterliegt einem enterohepatischen Kreislauf. Hierbei gelangt resorbiertes Thallium über Leber und Galle zurück in den Darm. Dort kommt es zur teilweisen Rückresorption durch die Darmschleimhaut und dadurch zu einer erneuten Vergiftung.

Eisen(III)-hexacyanoferrat(II) (unlösliches Berliner Blau) wird nach oraler Zufuhr von der intakten Darmwand nicht resorbiert. Es bindet einwertige Kationen, wobei die Stärke der Bindung mit stei-gendem Ionenradius zunimmt: Na+ < K+ < NH4+ < Rb+ < Tl+ < Cs+.

Berliner Blau bindet das im Darm befindliche Thallium und verhindert dessen Resorption bzw. Rückresorption. Dadurch wird der enterohepatische Kreislauf unterbrochen. Das Thallium wird zusammen mit dem Antidot mit dem Stuhl ausgeschieden. Durch die Steigerung der fäkalen Aus-scheidung wird die Verweildauer des Thalliums im Organismus vermindert und die Toxizität her-abgesetzt.

Wegen der verminderten Thalliumausscheidung über die Galle kann Antidotum Thallii-Heyl bei Personen mit beeinträchtigter Leberfunktion weniger effektiv sein (ist aber bei dieser Gruppe nicht kontraindiziert).

Durch Berliner Blau wird die biologische Halbwertszeit von Thallium von 8 Tagen auf ungefähr 3 Tage gesenkt.

5.2 Pharmakokinetische Eigenschaften

Berliner Blau hat ein extrem niedriges Löslichkeitsprodukt und wird nach oraler Zufuhr praktisch nicht resorbiert. Es unterliegt daher keiner Pharmakokinetik im engeren Sinn.

5.3 Präklinische Daten zur Sicherheit

  1. a) akute Toxizität

Überdosierungen und Intoxikationen durch Eisen(III)-hexacyanoferrat(II) sind bisher nicht be-schrieben. (Siehe "

4.9 Überdosierung"). Die LD50 beträgt bei der Ratte bei oraler Gabe > 10 g/kg KG, bei chronischer Applikation > 1 g/kg KG.

  1. b) chronische Toxizität/subchronische Toxizität

Eisen(III)-hexacyanoferrat(II) wird im Darm nicht metabolisiert. Die chronische Zufuhr von 1 % Berliner Blau im Futter führt zu keinen pathologischen Veränderungen bei der Ratte.

  1. c) mutagenes und tumorerzeugendes Potenzial

In einer In-vitro-Mikrokernstudie war Berliner Blau negativ. Weitere Studien zur Beurteilung der Mutagenität und Kanzerogenität von Berliner Blau wurden nicht durchgeführt. Da der Wirkstoff nicht resorbiert wird, sind auch in vivo keine Effekte zu erwarten.

  1. d) Reproduktionstoxizität

Studien mit Berliner Blau zur Beurteilung der Reproduktionstoxizität wurden nicht durchgeführt. Da der Wirkstoff nicht resorbiert wird, sind keine Effekte zu erwarten

6. PHARMAZEUTISCHE ANGABEN

6.1 Liste der sonstigen Bestandteile

mikrokristalline Cellulose, Gelatine, Indigocarmin (E132), Natriumdodecylsulfat, Wasser für Injek-tionszwecke

6.2 Inkompatibilitäten

Keine bekannt.

6.3 Dauer der Haltbarkeit

Die Dauer der Haltbarkeit beträgt 5 Jahre.

Das Verfalldatum dieses Arzneimittels ist auf dem Behältnis und der äußeren Umhüllung aufge-druckt.

6.4 Besondere Vorsichtsmaßnahmen für die Aufbewahrung

Arzneimittel für Kinder unzugänglich aufbewahren.

Nicht über 25 °C lagern.

6.5 Art und Inhalt des Behältnisses

Antidotum Thallii-Heyl ist in einem Weithalsgefäß mit 30 blauen Hartkapseln erhältlich.

6.6 Besondere Vorsichtsmaßnahmen für die Beseitigung und sonstige Hinweise

Besondere Vorsichtsmaßnahmen für die Beseitigung von nicht verwendeten Hartkapseln sind nicht erforderlich.

Bei einer akuten Thalliumvergiftung können zusätzlich Maßnahmen wie forciertes Erbrechen, Ma-genspülung oder Hämodialyse erforderlich sein.

Bei Vergiftungen mit radioaktivem Thallium wird dieses mit dem Stuhl und dem Urin ausgeschie-den. Die Kontamination von anderen Personen sollte durch besondere Sicherheitsmaßnahmen vermieden werden.

Zu beachten ist, dass der Hartkapselinhalt stark färbt.

7. INHABER DER ZULASSUNG

HEYL Chem.-pharm. Fabrik Telefon: +49 30 81696-0

GmbH & Co. KG Telefax: +49 30 8174049

Kurfürstendamm 178-179 Email: info@heyl-berlin.de

10707 Berlin Deutschland

8. ZULASSUNGSNUMMER

6813022.00.00

9. DATUM DER ERTEILUNG DER ZULASSUNG / VERLÄNGERUNG DER ZULASSUNG

Datum der Erteilung der Zulassung: 24.09.1997

Datum der letzten Verlängerung der Zulassung: 08.07.2009

10. STAND DER INFORMATION

Februar 2025

11. VERKAUFSABGRENZUNG

Verschreibungspflichtig

Über dieses Dokument

Quelle: BfArM – Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (AMIce) · Zulassungsnummer: 6813022.00.00 · ENR 0813022

Stand der Information laut Text: 02/2025

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Die Informationen auf dieser Website ersetzen nicht den Rat eines Arztes oder Apothekers.

Fakten zu Antidotum Thallii-Heyl

Rezeptpflicht
Verschreibungspflichtig?
  • Sie erhalten das Arzneimittel nur mit einem ärztlichen Rezept in der Apotheke.
  • Rechtsgrundlage laut BfArM: verschreibungspflichtig gemäß § 48(1),(2)2 AMG.
Wirkstoff Eisen(III)-hexacyanoferrat(II) 500 mg
Darreichungsform Kapsel
Art der Anwendung Zum Einnehmen
Sonstige Bestandteile Gelatine, Wasser für Injektionszwecke, Natriumdodecylsulfat, Indigocarmin, Mikrokristalline Cellulose
Packungsgrößen 30 Stück
Haltbarkeit 5 Jahre (ungeöffnete Packung)
Fälschungsschutz Ja – die Packung trägt einen individuellen Code und einen Erstöffnungsschutz (securPharm), die Apotheke prüft die Echtheit
ATC-Klassifikation
  1. V Varia
    1. V03 Alle übrigen therapeutischen Mittel
      1. V03A Alle übrigen therapeutischen Mittel
        1. V03AB Antidote
          1. V03AB31 Eisen(III)hexacyanoferrat(II)
Zulassung 6813022.00.00, seit 01.10.1997, verlängert 07.07.2009; nationales Verfahren (Deutschland)
Pharmazeutischer Unternehmer H e y l Chemisch-pharmazeutische Fabrik GmbH & Co. KG, 10707 Berlin
Hersteller (Freigabe) Haupt Pharma Berlin GmbH
Frühere Namen Antidotum Thallii Heyl (ab 01.01.1978)
PZN 01442993

Quelle: BfArM, Arzneimittel-Informationssystem AMIce (ENR 0813022), Datensatz vom 27.02.2025. Angaben ohne Gewähr – fragen Sie Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder Ihre Apotheke.

Lieferengpässe – Antidotum Thallii-Heyl

Lieferengpass gemeldet seit 24.02.2021

  • voraussichtlich bis 31.12.2026
  • Grund: Sonstige (Durch die Betriebsschließung des bisherigen Lohnherstellers Haupt Pharma Berlin GmbH müssen die Produkte zu einem neuen Lohnhersteller transferiert werden. Dabei wurde Antidotum Thallii vom Produkttransfer aus wirtschaftlichen Gründen von bisher allen, verfügbaren Herstellern ausgeschlossenn.)
  • vom BfArM als versorgungskritisch eingestuft
  • letzte Meldung des Zulassungsinhabers: 05.01.2026

Alternative laut Meldung: Radiogardase - Cs

Ob ein anderes Arzneimittel für Sie geeignet ist, besprechen Sie bitte mit Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder in der Apotheke.

Quelle: Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM), Lieferengpassmeldungen. Alle gemeldeten Lieferengpässe: Lieferengpässe bei Arzneimitteln.