Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels - Fampridin Viatris 10 mg Retardtabletten
1. bezeichnung des arzneimittels
Fampridin Viatris 10 mg Retardtabletten
2. qualitative und quantitative zusammensetzung
Jede Retardtablette enthält 10 mg Fampridin.
Vollständige Auflistung der sonstigen Bestandteile, siehe Abschnitt 6.1.
3. darreichungsform
Retardtablette.
Weiße bis gebrochen weiße, ovale, bikonvexe Filmtabletten, mit der Prägung ‚C51‘ auf der einen und glatt auf der anderen Seite, mit einer ungefähren Länge von 13,00 mm und Breite von 8,00 mm.
4. klinische angaben
4.1 anwendungsgebiete
Fampridin Viatris wird angewendet zur Verbesserung der Gehfähigkeit von erwachsenen Patienten mit Multipler Sklerose (MS) mit Gehbehinderung (EDSS 4–7).
4.2 dosierung und art der anwendung
Fampridin Viatris ist verschreibungspflichtig und die Behandlung muss durch einen in der Behandlung von MS erfahrenen Arzt überwacht werden.
Dosierung
Die empfohlene Dosis beträgt je eine 10 mg Tablette zweimal täglich, im Abstand von 12 Stunden (eine Tablette morgens und eine Tablette abends). Fampridin darf nicht häufiger oder in höheren Dosen als empfohlen eingenommen werden (siehe Abschnitt 4.4). Die Tabletten sind auf nüchternen Magen einzunehmen (siehe Abschnitt 5.2).
Beginn und Beurteilung der Behandlung mit Fampridin Viatris
Die Erstverordnung sollte auf zwei bis vier Wochen Therapie begrenzt sein, da ein klinischer Behandlungserfolg im Allgemeinen innerhalb von zwei bis vier Wochen nach Behandlungsbeginn mit Fampridin Viatris erkennbar sein sollte. Zur Beurteilung der Verbesserung nach zwei bis vier Wochen wird die Bewertung der Gehfähigkeit, z. B. durch die Durchführung des Timed 25 Foot Walk-Test (T25FW), oder die Anwendung der Bewertungsskala MSWS-12 (Twelve Item Multiple Sclerosis Walking Scale) empfohlen. Wenn keine Verbesserung beobachtet wird, sollte Fampridin Viatris abgesetzt werden. Fampridin Viatris sollte abgesetzt werden, wenn Patienten keine positive Wirkung berichten.Wiederholte Beurteilung der Behandlung mit Fampridin Viatris
Wenn der Arzt beobachtet, dass sich die Gehfähigkeit wieder verschlechtert, sollte er eine Unterbrechung der Behandlung in Betracht ziehen und die Wirkung von Fampridin Viatris erneut bewerten (siehe oben). Die Neubewertung sollte ein Absetzen von Fampridin Viatris und eine Beurteilung der Gehfähigkeit umfassen. Fampridin Viatris sollte abgesetzt werden, wenn Patienten keine weiteren positiven Wirkungen auf das Gehen erfahren.
Versäumte Dosis
Das empfohlene Dosierschema sollte immer eingehalten werden. Wenn eine Dosis versäumt wird, darf keine doppelte Dosis eingenommen werden.
Besondere Patientengruppen
Ältere Patienten
Bei älteren Patienten sollte vor Beginn der Behandlung mit Fampridin Viatris die Nierenfunktion überprüft werden. Zur Erkennung einer etwaigen Nierenfunktionsstörung wird bei älteren Patienten eine laufende Kontrolle der Nierenfunktion empfohlen (siehe Abschnitt 4.4).
Nierenfunktionsstörung
Fampridin ist bei Patienten mit mittelschwerer und schwerer Nierenfunktionsstörung (Kreatinin-Clearance <50 ml/min) kontraindiziert (siehe Abschnitte 4.3 und 4.4).
Leberfunktionsstörung
Bei Patienten mit Leberfunktionsstörung ist keine Dosisanpassung notwendig.
Kinder und Jugendliche
Die Sicherheit und Wirksamkeit von Fampridin bei Kindern im Alter von 0 bis 18 Jahren ist nicht erwiesen. Es liegen keine Daten vor.
Art der Anwendung
Fampridin Viatris ist zum Einnehmen.
Die Tablette muss im Ganzen geschluckt werden. Sie darf nicht geteilt, zerdrückt, aufgelöst, gelutscht oder zerkaut werden.
4.3 gegenanzeigen
Überempfindlichkeit gegen Fampridin oder einen der in Abschnitt 6.1 genannten sonstigen Bestandteile. Gleichzeitige Behandlung mit anderen Arzneimitteln, die Fampridin (4-Aminopyridin) enthalten. Patienten mit Krampfanfällen in der Vorgeschichte oder Patienten, die gegenwärtig an Krampfanfällen leiden. Patienten mit mäßiger oder schwerer Nierenfunktionsstörung (Kreatinin-Clearance <50 ml/min). Gleichzeitige Behandlung mit Fampridin und Inhibitoren des organischen Kationentransporters 2 (OCT2), wie z. B. Cimetidin.
4.4 besondere warnhinweise und vorsichtsmaßnahmen für die anwendung
Die Behandlung mit Fampridin erhöht das Risiko für Krampfanfälle (siehe Abschnitt 4.8).
Fampridin muss bei Vorliegen von Faktoren, die die Krampfanfallsschwelle herabsetzen können, mit Vorsicht angewandt werden.
Fampridin muss bei Patienten, die während der Behandlung einen Krampfanfall erleiden, abgesetzt werden.
Nierenfunktionsstörung
Fampridin wird hauptsächlich unverändert über die Nieren ausgeschieden. Patienten mit Nierenfunktionsstörung haben höhere Plasmakonzentrationen, die zu vermehrten unerwünschten Reaktionen, insbesondere zu neurologischen Wirkungen, führen. Die Bestimmung der Nierenfunktion vor der Behandlung und ihre regelmäßige Kontrolle während der Behandlung wird für alle Patienten empfohlen (insbesondere für ältere Patienten, deren Nierenfunktion eingeschränkt sein kann). Die Kreatinin-Clearance kann mit der Cockroft-Gault-Formel berechnet werden.
Vorsicht ist geboten, wenn Fampridin Patienten mit leichter Nierenfunktionsstörung verordnet wird oder Patienten, die Arzneimittel anwenden, die OCT2-Substrate sind, wie z.B.
Carvedilol, Propranolol und Metformin.
Überempfindlichkeitsreaktionen
Nach Markteinführung gab es Berichte über schwerwiegende Überempfindlichkeitsreaktionen (einschließlich anaphylaktischer Reaktion), wobei der Großteil dieser Fälle in der ersten Behandlungswoche auftrat. Besondere Vorsicht ist geboten bei Patienten mit allergischen Reaktionen in der Vorgeschichte. Bei Auftreten einer anaphylaktischen oder sonstigen schweren allergischen Reaktion sollte Fampridin abgesetzt und die Behandlung nicht wieder aufgenommen werden.
Weitere Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen
Fampridin ist bei Patienten mit kardiovaskulären Rhythmusstörungen und sinuatrialen oder atrioventrikulären Erregungsleitungsstörungen mit Vorsicht anzuwenden (diese Wirkungen sind bei einer Überdosierung zu beobachten). Für diese Patientengruppe liegen nur begrenzte Informationen zur Sicherheit vor.
Das vermehrte Auftreten von Schwindel und Gleichgewichtsstörungen unter Fampridin kann zu einem erhöhten Sturzrisiko führen. Patienten sollten bei Bedarf Gehhilfen benutzen.
In klinischen Studien wurden bei 2,1 % der Patienten unter Fampridin niedrige Leukozytenzahlen festgestellt, verglichen mit 1,9 % der Patienten unter Placebo. Ferner wurden in den klinischen Studien Infektionen beobachtet (siehe Abschnitt 4.8). Eine erhöhte Infektionsrate sowie eine Beeinträchtigung der Immunantwort können nicht ausgeschlossen werden.
4.5 wechselwirkungen mit anderen arzneimitteln und sonstige wechselwirkungen
Studien zur Erfassung von Wechselwirkungen wurden nur bei Erwachsenen durchgeführt.
Die gleichzeitige Behandlung mit anderen Arzneimitteln, die Fampridin (4-Aminopyridin) enthalten, ist kontraindiziert (siehe Abschnitt 4.3).
Fampridin wird überwiegend über die Nieren ausgeschieden, wobei die aktive Nierenausscheidung ca. 60 % ausmacht (siehe Abschnitt 5.2). OCT2 ist der für die aktive Ausscheidung von Fampridin verantwortliche Transporter. Daher ist die gleichzeitige Behandlung mit Fampridin und OCT2-Inhibitoren, wie z.B. Cimetidin, kontraindiziert (siehe Abschnitt 4.3) und es wird vor gleichzeitiger Anwendung von Fampridin und Arzneimitteln, die Substrate von OCT2 sind, wie beispielsweise Carvedilol, Propranolol und Metformin, gewarnt (siehe Abschnitt 4.4).
Interferon : Fampridin wurde gleichzeitig mit Interferon-beta angewendet, ohne dass pharmakokinetische Arzneimittelwechselwirkungen beobachtet wurden.
Baclofen : Fampridin wurde gleichzeitig mit Baclofen angewendet, ohne dass pharmakokinetische Arzneimittelwechselwirkungen beobachtet wurden.
4.6 fertilität, schwangerschaft und stillzeit
Bisher liegen nur sehr begrenzte Erfahrungen mit der Anwendung von Fampridin bei Schwangeren vor.
Tierexperimentelle Studien haben eine Reproduktionstoxizität gezeigt (siehe Abschnitt 5.3). Aus Vorsichtsgründen soll eine Anwendung von Fampridin während der Schwangerschaft vermieden werden.
Stillzeit
Es ist nicht bekannt, ob Fampridin beim Menschen oder bei Tieren in die Muttermilch übergeht. Die Anwendung von Fampridin während der Stillzeit wird nicht empfohlen.
Fertilität
In tierexperimentellen Studien wurden keine Auswirkungen auf die Fertilität beobachtet.
4.7 auswirkungen auf die verkehrstüchtigkeit und die fähigkeit zum bedienen von maschinen
4.8 nebenwirkungen
4.8 nebenwirkungenZusammenfassung des Sicherheitsprofils
Unerwünschte Reaktionen sind meistens neurologischer Art und umfassen Krampfanfälle, Schlaflosigkeit, Angst, Gleichgewichtsstörungen, Schwindelgefühl, Parästhesien, Tremor, Kopfschmerzen und Asthenie. Dies entspricht der pharmakologischen Wirkung von Fampridin. Unter den Nebenwirkungen, die in placebokontrollierten Studien an Patienten mit Multipler Sklerose, die Fampridin in der empfohlenen Dosis erhielten, berichtet wurden, hatte Harnwegsinfektion die höchste Inzidenz (bei ca. 12 % der Patienten).
Tabelle 1: Tabellarische Auflistung der Nebenwirkungen
| MedDRA Systemorganklasse SOC | Häufigkeitskategorie | Nebenwirkung |
| Sehr häufig | Harnwegsinfektion1 |
| Infektionen und parasitäre Erkrankungen | Häufig | Influenza1 Nasopharyngitis1 Virusinfektion1 |
| Erkrankungen des Immunsystems | Gelegentlich | Anaphylaxie Angioödem Überempfindlichkeit |
| Psychiatrische Erkrankungen | Häufig | Schlaflosigkeit, Angst |
| Erkrankungen des Nervensystems | Häufig | Schwindelgefühl Kopfschmerz Gleichgewichtsstörung Vertigo Parästhesie Tremor |
| Gelegentlich | Krampfanfall2, Trigeminusneuralgie3 | |
| Herzerkrankungen | Häufig | Palpitationen |
| Gelegentlich | Tachykardie | |
| Gefäßerkrankungen | Gelegentlich | Hypotonie4 |
| Erkrankungen der Atemwege, des Brustraums und Mediastinums | Häufig | Dyspnoe Pharyngolaryngealschmerzen |
| Erkrankungen des Gastrointestinaltrakts | Häufig | Übelkeit Erbrechen Obstipation Dyspepsie |
| Erkrankungen der Haut und des Unterhautzellgewebes | Gelegentlich | Ausschlag Urtikaria |
| Sklelettmuskulatur-, Bindegewebs- und Knochenerkrankungen | Häufig | Rückenschmerzen |
| Allgemeine Erkrankungen und Beschwerden am Verabreichungsort | Häufig | Asthenie |
| Gelegentlich | Brustkorbbeschwerden4 |
1 Siehe Abschnitt 4.4
2 Siehe Abschnitte 4.3 und 4.4
3 Umfasst sowohl De-novo-Symptome als auch Exazerbation einer bestehenden Trigeminusneuralgie
4 Diese Symptome wurden im Rahmen einer Überempfindlichkeit beobachtet.
Die Meldung des Verdachts auf Nebenwirkungen nach der Zulassung ist von großer Wichtigkeit. Sie ermöglicht eine kontinuierliche Überwachung des Nutzen-RisikoVerhältnisses des Arzneimittels.
Angehörige von Gesundheitsberufen sind aufgefordert, jeden Verdachtsfall einer Nebenwirkung dem
Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte
Abt. Pharmakovigilanz
Kurt-Georg-Kiesinger-Allee 3
D-53175 Bonn
Website:
anzuzeigen.
4.9 überdosierung
Das Zentralnervensystem betreffende Nebenwirkungen, die bei hohen Dosen von 4-Aminopyridin auftraten, waren Schwindelgefühl, Verwirrtheit, Krampfanfälle, Status epilepticus, unwillkürliche und choreoathetoide Bewegungen. Andere Nebenwirkungen bei hohen Dosen waren Herzrhythmusstörungen (beispielsweise supraventrikuläre Tachykardie und Bradykardie) und ventrikuläre Tachykardie als Folge einer möglichen QT-Verlängerung. Es liegen auch Berichte über Hypertonie vor.
5. pharmakologische eigenschaften
5.1 pharmakodynamische eigenschaften
Tabelle 2: Studien MS-F203 und MS-F204
| STUDIE* | MS-F203 | MS-F204 | ||
| Placebo | Fampridin 10 mg 2 x täglich | Placebo | Fampridin 10 mg 2 x täglich | |
| Anzahl Patienten | 72 | 224 | 118 | 119 |
| Stetige Verbesserung | 8,3% | 34,8% | 9,3% | 42,9% |
| Unterschied | 26,5% | 33,5% | ||
| Cl95% p-Wert | 17,6%, 35,4% < 0,001 | 23,2%, 43,9% < 0,001 | ||
| ≥ 20 % Verbesserung | 11,1% | 31,7% | 15,3% | 34,5% |
| Unterschied | 20,6% | 19,2% | ||
| Cl95% p-Wert | 11,1%, 30,1% <0,001 | 8,5%, 29,9% <0,001 | ||
| Gehgeschwindigkeit Fuß/Sek | Fuß pro Sek. | Fuß pro Sek. | Fuß pro Sek. | Fuß pro Sek. |
| Ausgangswert | 2,04 | 2,02 | 2,21 | 2,12 |
| Endpunkt | 2,15 | 2,32 | 2,39 | 2,43 |
| Veränderung | 0,11 | 0,30 | 0,18 | 0,31 |
| Unterschied | 0,19 | 0,12 | ||
| p-Wert | 0,010 | 0,038 | ||
| Durchschnittliche% Veränderung | 5,24 | 13,88 | 7,74 | 14,36 |
| Unterschied | 8,65 | 6,62 | ||
| p-Wert | < 0,001 | 0,007 | ||
| MSWS-12-Wert (Mittelwert, SEM) | ||||
| Ausgangswert | 69,27 (2,22) | 71,06 (1,34) | 67,03 (1,90) | 73,81 (1,87) |
| Durchschnittliche Veränderung | –0,01 (1,46) | –2,84 (0,878) | 0,87 (1,22) | –2,77 (1,20) |
| Unterschied | 2,83 | 3,65 | ||
| p-Wert | 0,084 | 0,021 | ||
| LEMMT (Mittelwert, SEM) (Manueller Muskeltest der unteren Extremitäten) | ||||
| Ausgangswert | 3,92 (0,070) | 4,01 (0,042) | 4,01 (0,054) | 3,95 (0,053) |
| Durchschnittliche Veränderung | 0,05 (0,024) | 0,13 (0014) | 0,05 (0,024) | 0,10 (0,024) |
| Unterschied | 0,08 | 0,05 | ||
| p-Wert | 0,003 | 0,106 | ||
| Ashworth-Score (Test auf Muskel-Spastizität) | ||||
| Ausgangswert | 0,98 (0,078) | 0,95 (0,047) | 0,79 (0,058) | 0,87 (0,057) |
| Durchschnittliche Veränderung | –0,09 (0,037) | –0,18 (0,022) | –0,07 (0,033) | –0,17 (0,032) |
| Unterschied | 0,10 | 0,10 | ||
| p-Wert | 0,021 | 0,015 | ||
5.2 Pharmakokinetische Eigenschaften
5.2 Pharmakokinetische EigenschaftenOral angewendetes Fampridin wird schnell und vollständig aus dem Magen-Darm-Trakt resorbiert. Fampridin hat eine geringe therapeutische Breite. Die absolute Bioverfügbarkeit von Fampridin Retardtabletten wurde nicht untersucht, aber die relative Bioverfügbarkeit (im Vergleich zu einer wässrigen oralen Lösung) beträgt 95 %. Die Fampridin-Retardtablette bewirkt eine Verzögerung der Resorption von Fampridin, was sich durch einen langsameren Anstieg zu einer niedrigeren Spitzenkonzentration ohne Auswirkung auf die Resorptionsrate bemerkbar macht.
Bei Einnahme von Fampridin-Tabletten zusammen mit Nahrungsmitteln beträgt die Verringerung der Fläche unter der Plasmakonzentrations-Zeit-Kurve (AUCq-^) von Fampridin ca. 2–7 % (10 mg Dosis). Es ist nicht davon auszugehen, dass die geringe Abnahme der AUC die therapeutische Wirksamkeit herabsetzt. Cmax steigt aber um 15–23 %. Da es einen klaren Zusammenhang zwischen Cmax und dosisbedingten Nebenwirkungen gibt, wird empfohlen, Fampridin auf nüchternen Magen einzunehmen (siehe Abschnitt 4.2).
Verteilung
Fampridin ist ein lipidlöslicher Wirkstoff, dass leicht die Blut-Hirn-Schranke passiert. Fampridin ist größtenteils nicht an Plasmaproteine gebunden (der gebundene Anteil im
Humanplasma schwankte zwischen 3–7 %). Fampridin weist ein mittleres Verteilungsvolumen von ca. 2,6 l/kg auf.
Fampridin ist kein Substrat für P-Glykoprotein.
Biotransformation
Fampridin wird beim Menschen durch Oxidation zu 3-Hydroxy-4-Aminopyridin metabolisiert und weiter zu 3-Hydroxy-4-Aminopyridin-Sulfat konjugiert. In vitro fand sich keine pharmakologische Wirkung der Fampridin-Metaboliten auf ausgewählte Kaliumkanäle.
Die 3-Hydroxylierung von Fampridin zu 3-Hydroxy-4-Aminopyridin durch menschliche Lebermikrosome schien durch Cytochrom P450 2E1 (CYP2E1) katalysiert zu werden.
Es gab Hinweise auf eine direkte Hemmung von CYP2E1 durch eine Fampridin-Konzentration von 30 μM (ca. 12 % Hemmung), was ungefähr dem 100fachen der durchschnittlichen Plasmakonzentration von Fampridin, die für die 10 mg Tablette gemessen wird, entspricht.
Die Behandlung von gezüchteten menschlichen Hepatozyten mit Fampridin hatte geringe oder keine Wirkung auf die CYP1A2, CYP2B6, CYP2C9, CYP2C19, CYP2E1 oder CYP3A4/5 Enzymaktivitäten.
Elimination
Der Haupteliminationsweg von Fampridin ist die Ausscheidung über die Nieren, wobei ca. 90 % der Dosis innerhalb von 24 Stunden als unveränderter Wirkstoff im Urin gefunden werden. Die renale Clearance (CLR 370 ml/min) ist aufgrund der kombinierten glomerulären Filtration und aktiven Ausscheidung durch den renalen OCT2-Transporter erheblich größer als die glomeruläre Filtrationsrate. Mit den Fäzes werden weniger als 1 % der verabreichten Dosis ausgeschieden.
Fampridin ist durch eine lineare (dosisproportionale) Pharmakokinetik mit einer terminalen Eliminationshalbwertszeit von ca. 6 Stunden gekennzeichnet. Die maximale Plasmakonzentration (Cmax) und zu einem geringeren Umfang die Fläche unter der Plasmakonzentrations-Zeit-Kurve (AUC) nimmt proportional zur Dosis zu. Bei Patienten mit normaler Nierenfunktion gibt es bei Einnahme in der empfohlenen Dosis keine Hinweise auf eine klinisch relevante Akkumulation von Fampridin. Bei Patienten mit Nierenfunktionsstörung erfolgt die Akkumulation relativ zum Grad der Funktionsstörung.
Besondere Patientengruppen
Ältere Patienten:
Fampridin wird überwiegend unverändert über die Nieren ausgeschieden, und da sich die Kreatinin Clearance bekanntermaßen mit zunehmendem Alter verringert, wird eine Kontrolle der Nierenfunktion bei älteren Patienten empfohlen (siehe Abschnitt 4.2).
Patienten mit Niereninsuffizienz:
Fampridin wird primär als unveränderter Wirkstoff über die Nieren ausgeschieden. Bei Patienten, deren Nierenfunktion beeinträchtigt sein könnte, sollte deshalb die Nierenfunktion kontrolliert werden. Es kann davon ausgegangen werden, dass die Konzentrationen von Fampridin bei Patienten mit leichter Nierenfunktionsstörung ca. 1,7– bis 1,9-mal höher sind als bei Patienten mit normaler Nierenfunktion.
Fampridin ist bei Patienten mit mittelschwerer und schwerer Niereninsuffizienz (siehe Abschnitte 4.3 und 4.4) kontraindiziert.
Kinder und Jugendliche: Es liegen keine Daten vor.
5.3 präklinische daten zur sicherheit
Fampridin wurde in Toxizitätsstudien mit wiederholter Verabreichung oraler Dosen an mehreren Tierspezies untersucht.
Nebenwirkungen nach oral verabreichtem Fampridin traten schnell ein, am häufigsten innerhalb der ersten 2 Stunden nach Verabreichung. Die klinischen Symptome nach hohen Einzeldosen oder wiederholten niedrigeren Dosen waren bei allen untersuchten Spezies ähnlich und umfassten Tremor, Krämpfe, Ataxie, Dyspnoe, erweiterte Pupillen, Entkräftung, abnormale Vokalisierung, beschleunigte Atmung und übermäßige Speichelbildung. Gangauffälligkeiten und Übererregbarkeit wurden ebenfalls beobachtet. Diese klinischen Symptome waren nicht unerwartet und sind auf die übersteigerte pharmakologische Wirkung von Fampridin zurückzuführen. Darüber hinaus wurden bei Ratten einzelne Fälle von tödlich verlaufenden Harnwegsobstruktionen beobachtet. Die klinische Relevanz dieser Befunde muss noch geklärt werden, aber ein ursächlicher Zusammenhang mit der Behandlung mit Fampridin kann nicht ausgeschlossen werden.
In Studien zur Reproduktionstoxizität bei Ratten und Kaninchen wurden bei Dosen, die für die Mütter toxisch waren, Gewichtsreduktion und verminderte Lebensfähigkeit der Föten und Nachkommen beobachtet. Es wurde jedoch kein erhöhtes Risiko für Fehlbildungen oder unerwünschte Wirkungen auf die Fertilität beobachtet.
In einer Reihe von Studien, in vitro und in vivo , zeigte Fampridin kein mutagenes, klastogenes oder karzinogenes Potential.
6. pharmazeutische angaben
6.1
6.1Tablettenkern
Hypromellose
Mikrokristalline Cellulose
Hochdisperses Siliciumdioxid
Magnesiumstearat (Ph. Eur.) [pflanzlich]
Filmüberzug
Hypromellose
Titandioxid (E171)
Macrogol 6000
6.2
6.2Nicht zutreffend.
6.3 dauer der haltbarkeit
3 Jahre.
Flasche: Nach Anbruch innerhalb von 7 Tagen verwenden.
6.4 besondere vorsichtsmaßnahmen für die aufbewahrung
Nicht über 25 °C lagern.
Die Tabletten in der Originalverpackung aufbewahren, um den Inhalt vor Licht und Feuchtigkeit zu schützen.
6.5 art und inhalt des behältnisses
OPA/Alu/PVC/Alu-Blisterpackungen und HDPE-Flaschen mit einem kindersicheren Verschluss aus Polypropylen und ein Silicagel-Trockenmittel (HDPE).
Packungsgrößen:
Blisterpackungen: 10, 14, 20, 28, 30, 42, 50, 56, 60, 70, 84, 98, 100, 120 und 196 Retardtabletten.
Flaschen: 14 Tabletten, 28 Tabletten (2 Flaschen à 14) und 56 Tabletten (4 Flaschen à 14).
Es werden möglicherweise nicht alle Packungsgrößen in den Verkehr gebracht.
6.6 besondere vorsichtsmaßnahmen für die beseitigung
Nicht verwendetes Arzneimittel oder Abfallmaterial ist entsprechend den nationalen Anforderungen zu beseitigen.
7. inhaber der zulassung
Mylan Germany GmbH
Lütticher Straße 5 53842 Troisdorf Deutschland
8. zulassungsnummer
7000059.00.00
9. datum der erteilung der zulassung
29.03.2022