Fachinformation - Lumobry 0,25 mg/ml Augentropfen, Lösung
1. BEZEICHNUNG DES ARZNEIMITTELS
Lumobry 0,25 mg/ml Augentropfen, Lösung
2. QUALITATIVE UND QUANTITATIVE ZUSAMMENSETZUNG
Jeder ml Lumobry enthält 0,25 mg (0,025 % w/w) Brimonidin[(R,R)-tartrat] (dies entspricht 0,0085 mg Brimonidin[(R,R)-tartrat] pro Tropfen oder 0,17 mg/ml Brimonidin).
Sonstiger Bestandteil mit bekannter Wirkung: Benzalkoniumchlorid (0,1 mg/ml)
Vollständige Auflistung der sonstigen Bestandteile, siehe Abschnitt 6.1.
3. DARREICHUNGSFORM
Augentropfen, Lösung
Klare, farblose bis leicht gelbliche Augentropfen, Lösung (pH-Wert 6,3‑6,7, Osmolalität 275‑320 mOsmol/kg)
4. KLINISCHE ANGABEN
4.1 Anwendungsgebiete
Lumobry Augentropfen werden zur kurzzeitigen symptomatischen Behandlung der isolierten konjunktivalen Hyperämie aufgrund leichter, nicht-infektiöser Augenreizungen bei Erwachsenen angewendet.
4.2 Dosierung und Art der Anwendung
Dosierung
Ein Tropfen in das bzw. die betroffene(n) Auge(n) alle 6‑8 Stunden, höchstens viermal täglich.
Eine Besserung der Augenrötung ist innerhalb von 5‑15 Minuten zu erwarten. Wenn sich der Zustand verschlechtert oder länger als 72 Stunden anhält, ist die Anwendung des Arzneimittels zu beenden und der Patient erneut zu untersuchen (siehe Abschnitt 4.4).
Kinder und Jugendliche
Lumobry ist bei Kindern unter 2 Jahren kontraindiziert. Die derzeit verfügbaren Daten zur Sicherheit von Lumobry bei der Anwendung bei Kindern und Jugendlichen im Alter von 5-17 Jahren sind in Abschnitt 4.8 beschrieben, aber es liegen keine Daten zur Wirksamkeit bei Kindern und Jugendlichen vor. Lumobry ist nicht bei Patienten unter 18 Jahren anzuwenden.
Art der Anwendung
Zur Anwendung am Auge.
Lumobry ist im bzw. in den betroffene(n) Auge(n) anzuwenden, indem der Tränenkanal abgedrückt und die Augenlider 2 Minuten geschlossen gehalten werden. Diese Vorgehensweise ermöglicht eine Reduktion der systemischen Resorption des Wirkstoffs, wodurch das Auftreten systemischer Nebenwirkungen begrenzt und die örtliche (okuläre) Aktivität verbessert wird.
Wird Lumobry zusammen mit anderen topischen ophthalmischen Arzneimitteln angewendet, ist ein Abstand von 15 Minuten zwischen den Anwendungen einzuhalten.
Vor und nach der Anwendung des Arzneimittels sind die Hände gründlich zu waschen.
Die Spitze des Behältnisses darf nicht in Kontakt mit dem Auge oder dessen Umgebung kommen, um einer Kontamination vorzubeugen.
Eingeschränkte Nieren-/Leberfunktion
Lumobry wurde nicht bei Patienten mit eingeschränkter Nieren- oder Leberfunktion untersucht (siehe Abschnitt 4.4).
4.3 Gegenanzeigen
Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der in Abschnitt 6.1 genannten sonstigen Bestandteile.
Kinder und Jugendliche
Lumobry ist bei Kindern unter 2 Jahren kontraindiziert.
4.4 Besondere Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung
Lumobry ist nur zur zeitweisen oder gelegentlichen Anwendung vorgesehen.
Falls möglich, soll in erster Linie die zugrunde liegende Ursache der Augenhyperämie (z. B. allergische Reaktion, Trockenes Auge) behandelt werden.
Eine Besserung der Augenrötung ist innerhalb von 5‑15 Minuten zu erwarten. Wenn sich der Zustand jedoch verschlechtert oder länger als 72 Stunden anhält, ist die Anwendung des Arzneimittels zu beenden und der Patient erneut zu untersuchen.
Augenreizungen, Augeninfektionen – schleimiger Ausfluss aus dem Augengewebe, Augenschmerzen, Veränderungen/Störungen des Sehvermögens oder Rötung, die durch eine schwerwiegende Augenerkrankung wie z. B. eine Infektion, einen Fremdkörper oder eine Hornhautschädigung, ein akutes Glaukom oder eine Iritis verursacht werden, erfordern eine sofortige medizinische Behandlung.
Kardiovaskuläre Erkrankungen
Bei systemischer Resorption von Brimonidin (bei unsachgemäßer oder längerer Anwendung) können kardiovaskuläre Störungen auftreten. Daher ist bei Patienten mit einem der folgenden Zustände besondere Vorsicht geboten:
- schwere oder instabile und unkontrollierte kardiovaskuläre Erkrankung
- zerebrovaskuläre oder Koronarinsuffizienz
- Raynaud-Syndrom
- orthostatische Hypotonie
- Thrombangiitis obliterans.
Dämpfung des ZNS
Bei systemischer Resorption von Brimonidin (bei unsachgemäßer oder längerer Anwendung), welches leicht die Blut-Hirn-Schranke passiert, kann eine Abschwächung der Funktionen des zentralen Nervensystems beobachtet werden (Schwindel, Somnolenz, Sedierung usw.). Eine derartige Wirkung kann zu einer Zunahme der Krankheitssymptome führen, weshalb bei entsprechenden Patienten, die mit dem Arzneimittel behandelt werden, besondere Vorsicht geboten ist.
Gleichzeitige Anwendung anderer topischer ophthalmischer Arzneimittel
Wird Lumobry zusammen mit anderen topischen ophthalmischen Arzneimitteln angewendet, ist ein Abstand von 15 Minuten zwischen den Anwendungen einzuhalten.
Eingeschränkte Leber-/Nierenfunktion
Brimonidin wurde bei Patienten mit eingeschränkter Leber- oder Nierenfunktion nicht untersucht, weshalb bei der Behandlung solcher Patienten besondere Vorsicht geboten ist.
Sonstige Bestandteile
Dieses Arzneimittel enthält 0,0034 mg Benzalkoniumchlorid pro Tropfen entsprechend 0,1 mg/ml. Es kann Reizungen am Auge hervorrufen.
Benzalkoniumchlorid kann zur Verfärbung von weichen Kontaktlinsen führen. Der Kontakt des Arzneimittels mit Kontaktlinsen ist zu vermeiden. Kontaktlinsen sind vor der Anwendung zu entfernen und frühestens 15 Minuten nach der Anwendung wieder einzusetzen.
4.5 Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln und sonstige Wechselwirkungen
Es wurden keine Studien zur Erfassung von Wechselwirkungen durchgeführt.
Andere Augenarzneimittel:
Derzeit liegen keine Informationen zur Anwendung von Lumobry und der Resorption gleichzeitig angewendeter Augenarzneimittel vor. Es ist jedoch ein kurzer Abstand von 15 Minuten zwischen der Anwendung von Lumobry und anderen Augenarzneimitteln einzuhalten.
Systemische Arzneimittel:
Es liegen keine Informationen zur Anwendung von Lumobry zusammen mit anderen systemisch angewendeten Arzneimitteln vor. Die systemische Resorption von Brimonidin nach topischer Anwendung von Lumobry am Auge ist begrenzt, und es ist unwahrscheinlich, dass diese Wirkstoffmenge ein systemisches Risiko für die Anwendung anderer systemisch angewendeter Arzneimittel darstellt (siehe Abschnitt 5.2). Bei höheren Brimonidinkonzentrationen als mit Lumobry (d. h. 0,2 %) sind Wechselwirkungen mit den folgenden Arzneimitteln zu berücksichtigen.
Monoaminoxidasehemmer (MAO-Hemmer)
Monoaminoxidasehemmer (MAO-Hemmer) können theoretisch den Stoffwechsel von Brimonidin beeinflussen und möglicherweise zu verstärkten systemischen Nebenwirkungen wie z. B. Hypotonie führen. Vorsicht ist geboten bei Patienten, die MAO-Hemmer einnehmen, da diese die Aufnahme und den Metabolismus zirkulierender Amine beeinflussen können.
Trizyklische oder tetrazyklische Antidepressiva
Vorsicht ist geboten bei Patienten, die Antidepressiva einnehmen, da diese die noradrenerge Neurotransmission beeinflussen können.
ZNS-dämpfende Arzneimittel
Obwohl mit Brimonidintartrat-Augenlösungen keine speziellen Untersuchungen zu Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln durchgeführt wurden, ist die Möglichkeit eines additiven oder verstärkenden Effekts in Verbindung mit ZNS-dämpfenden Substanzen (Alkohol, Barbiturate, Opiate, Sedativa oder Anästhetika) in Betracht zu ziehen.
Betablocker, Antihypertonika, Herzglykoside
Die Klasse der Alpha-Agonisten kann den Puls und Blutdruck senken. Vorsicht ist geboten bei der gleichzeitigen Anwendung von Arzneimitteln wie Betablockern (okuläre und systemische Anwendung), Antihypertonika und/oder Herzglykosiden.
Adrenozeptor-Agonisten/-Antagonisten
Vorsicht ist geboten bei der erstmaligen gleichzeitigen Anwendung (oder Dosierungsänderung) eines systemisch angewandten Arzneimittels (ungeachtet der Darreichungsform), das Wechselwirkungen mit α-adrenergen Agonisten verursachen oder diese in ihrer Wirkung beeinflussen kann, wie z. B. Adrenozeptor-Agonisten oder -Antagonisten (z. B. Isoprenalin, Prazosin).
Clonidin, Chlorpromazin, Methylphenidat, Reserpin
Auch wenn keine Daten über den Anteil zirkulierender Katecholamine nach der Anwendung von Brimonidintartrat-Augenlösung vorliegen, ist Vorsicht geboten bei der Anwendung von Augentropfen bei Patienten, die Arzneimittel wie z. B. Chlorpromazin, Methylphenidat und Reserpin einnehmen, da diese die Aufnahme und den Metabolismus zirkulierender Amine beeinflussen können.
Augeninnendruck senkende Mittel
Es wurden keine Studien zur gleichzeitigen Anwendung von Lumobry und Augeninnendrucksenkenden Mitteln durchgeführt. Kurzzeitstudien mit Brimonidin 2 mg/ml Augentropfen zur Behandlung eines erhöhten Augeninnendrucks lassen auf eine klinisch relevante additive Wirkung in Kombination mit Prostaglandinanaloga wie Travoprost und Latanoprost schließen.
Eine mögliche additive Wirkung bei gleichzeitiger Anwendung von Lumobry mit Augeninnendrucksenkenden Mitteln kann nicht ausgeschlossen werden.
4.6 Fertilität, Schwangerschaft und Stillzeit
Schwangerschaft
Bisher liegen keine oder nur sehr begrenzte Erfahrungen mit der Anwendung von Brimonidin bei Schwangeren vor. Es wurde gezeigt, dass Brimonidin bei höheren Plasmaspiegeln als bei der Humantherapie bei Kaninchen Präimplantationsverluste und postnatale Wachstumsverzögerungen verursacht (siehe Abschnitt 5.3). Aus Vorsichtsgründen ist eine Anwendung von Lumobry während der Schwangerschaft zu vermeiden.
Stillzeit
Es ist nicht bekannt, in welchem Umfang Brimonidintartrat nach okulärer Anwendung in die Muttermilch stillender Frauen übergeht. Tierexperimentelle Studien haben gezeigt, dass Brimonidin und seine Metaboliten in die Milch übergehen (Einzelheiten siehe Abschnitt 5.3). Ein Risiko für das Neugeborene/Kind kann nicht ausgeschlossen werden. Daher ist die Anwendung von Lumobry während der Stillzeit zu vermeiden.
Fertilität
Es liegen keine Daten vom Menschen vor, nach denen topisch angewendetes Brimonidintartrat die Fertilität beeinflusst.
4.7 Auswirkungen auf die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen
Lumobry hat einen geringen Einfluss auf die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen. Wie bei allen am Auge angewendeten Arzneimitteln kann es vorübergehend zu verschwommenem Sehen kommen, was insbesondere bei Nacht oder schlechten Sichtverhältnissen die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen beeinträchtigen kann. Der Patient soll warten, bis diese Symptome abgeklungen sind, bevor er ein Fahrzeug fährt oder Maschinen bedient.
4.8 Nebenwirkungen
Bei den Häufigkeitsangaben zu Nebenwirkungen werden folgende Kategorien zugrunde gelegt:
Sehr häufig: (≥ 1/10)
Häufig: (≥ 1/100, < 1/10)
Gelegentlich: (≥ 1/1.000, < 1/100)
Selten: (≥ 1/10.000, < 1/1.000)
Sehr selten: (< 1/10.000)
Nicht bekannt (Häufigkeit auf Grundlage der verfügbaren Daten nicht abschätzbar).
In klinischen Studien wurde gezeigt, dass das Sicherheitsprofil von Lumobry ähnlich wie das Sicherheitsprofil der Trägersubstanz ist.
Die folgenden Nebenwirkungen wurden in klinischen Studien mit Lumobry bei Erwachsenen zur Behandlung der konjunktivalen Hyperämie und/oder während der Anwendung von Lumobry nach der Markteinführung berichtet.
| Systemorganklasse | Häufigkeit des Auftretens | Nebenwirkungen | ||
|---|---|---|---|---|
| Erkrankungen des Blutes und des Lymphsystems | Gelegentlich | Lymphozytose, Monozytose | ||
| Erkrankungen des Nervensystems | Gelegentlich | Kopfschmerzen | ||
| Augenerkrankungen | Häufig | Okuläre Hyperämie | ||
| Gelegentlich | Trockenes Auge, Photophobie, Augenfluss, Augenreizung, Augenschmerzen, Fremdkörpergefühl im Auge | |||
| Herzerkrankungen | Gelegentlich | Palpitationen | ||
| Gefäßerkrankungen | Gelegentlich | Hypotonie | ||
| Erkrankungen der Atemwege, des Brustraums und Mediastinums | Gelegentlich | Nasenbeschwerden | ||
| Skelettmuskulatur-, Bindegewebs- und Knochenerkrankungen | Gelegentlich | Muskelzucken | ||
| Allgemeine Erkrankungen und Beschwerden am Verabreichungsort | Häufig | Schmerzen an der Instillationsstelle | ||
| Gelegentlich | Brennen an der Instillationsstelle, Irritation an der Instillationsstelle, Pruritus an der Instillationsstelle | |||
Aufgrund der geringeren Konzentration von Lumobry ist zu erwarten, dass das potentielle Risiko für das Auftreten bekannter pharmakologischer Klasseneffekte geringer ist als bei Brimonidin 0,2 % Augentropfen, insbesondere im Hinblick auf die systemischen Wirkungen, da die systemische Exposition gegenüber Lumobry vernachlässigbar ist.
Kinder und Jugendliche
In klinischen Studien mit Kindern, die Brimonidin-Augentropfen im Rahmen der Behandlung eines kongenitalen Glaukoms in höherer Konzentration (0,2 %) erhielten, wurde von Symptomen einer Brimonidin-Überdosierung wie Bewusstseinsverlust, Lethargie, Somnolenz, Hypotonie, erniedrigter Muskeltonus, Bradykardie, Hypothermie, Zyanose, Blässe, Atemdepression und Apnoe berichtet (siehe Abschnitt 4.9). Da die Konzentration von Brimonidin in Lumobry mit 0,025 % 8‑mal niedriger ist als bei der Behandlung des Glaukoms (0,2 %), kann davon ausgegangen werden, dass das Risiko für schwerwiegende Nebenwirkungen im ZNS und in peripheren Geweben mit Lumobry dementsprechend signifikant geringer ist. Während der klinischen Entwicklung wurde die Sicherheit und Verträglichkeit von Lumobry bei Kindern und Jugendlichen im Alter von 5-17 Jahren untersucht. Insgesamt erhielten 33 Kinder und Jugendliche Brimonidintartrat 0,025 % und 17 Kinder und Jugendliche die Trägersubstanz. In dieser Population aus Kindern und Jugendlichen wurden keine Sicherheitsbedenken, einschließlich schwerwiegender Nebenwirkungen im Zusammenhang mit dem ZNS und peripheren Geweben, festgestellt, und bei keinem Patienten in dieser Population wurden Anzeichen von Somnolenz oder veränderter Aufmerksamkeit gemeldet.
Meldung des Verdachts auf Nebenwirkungen
Die Meldung des Verdachts auf Nebenwirkungen nach der Zulassung ist von großer Wichtigkeit. Sie ermöglicht eine kontinuierliche Überwachung des Nutzen-Risiko-Verhältnisses des Arzneimittels. Angehörige von Gesundheitsberufen sind aufgefordert, jeden Verdachtsfall einer Nebenwirkung dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte, Abt. Pharmakovigilanz, Kurt-Georg-Kiesinger-Allee 3, 53175 Bonn, Website: www.bfarm.de anzuzeigen.
4.9 Überdosierung
Ophthalmologische Überdosierung
Es liegen keine Daten zur Überdosierung bei Erwachsenen nach ophthalmologischer Anwendung unabhängig von der Dosis vor.
Systemische Überdosierung bei versehentlicher Einnahme
Es liegen nur sehr begrenzte Informationen bezüglich einer versehentlichen Einnahme von Brimonidin bei Erwachsenen vor. Als einzige Nebenwirkung wurde bislang Hypotonie berichtet, die nach der Einnahme einer 0,2%igen Lösung von Brimonidin auftrat. Es wurde berichtet, dass der hypotonen Episode eine Rebound-Hypertonie folgte.
Die Behandlung einer oralen Überdosierung umfasst unterstützende und symptomatische Therapiemaßnahmen; die Atemfunktion des Patienten ist aufrecht zu erhalten.
Im Zusammenhang mit oralen Überdosierungen von anderen Alpha‑2‑Agonisten wurden Symptome wie z. B. Hypotonie, Asthenie, Erbrechen, Lethargie, Sedierung, Bradykardie, Arrhythmie, Miosis, Apnoe, erniedrigter Muskeltonus, Hypothermie, Atemdepression und Krampfanfall berichtet.
Kinder und Jugendliche
Berichte über schwerwiegende Nebenwirkungen nach versehentlicher Einnahme einer 0,2%igen Lösung von Brimonidin (8‑mal mehr als bei Lumobry) durch pädiatrische Patienten wurden publiziert oder gemeldet. Die Patienten zeigten Symptome einer zentralnervösen Dämpfung, typischerweise temporäres Koma oder vermindertes Bewusstsein, Lethargie, Somnolenz, erniedrigten Muskeltonus, Bradykardie, Hypothermie, Blässe, Atemdepression und Apnoe, und bedurften intensivmedizinischer Versorgung, ggf. mit Intubation. Von allen Patienten wurde eine vollständige Erholung berichtet, meist innerhalb von 6‑24 Stunden.
5. PHARMAKOLOGISCHE EIGENSCHAFTEN
5.1 Pharmakodynamische Eigenschaften
Pharmakotherapeutische Gruppe: Ophthalmika, Sympathomimetika als Dekongestiva,
ATC-Code: S01GA07
Wirkmechanismus
Brimonidin ist ein Alpha‑2-Adrenozeptor-Agonist, der auf die sympathischen Nerven wirkt und eine Vasokonstriktion verursacht. Der Wirkstoff besitzt eine 1.000‑fach höhere Selektivität für
Alpha‑2-Adrenozeptoren als für Alpha‑1-Adrenozeptoren. Alpha‑2-Adrenozeptoren kommen in vaskulären Geweben sowohl prä- als auch postsynaptisch vor. Präsynaptische α2-Adrenozeptoren wirken als negativer Rückkopplungsmechanismus; die Aktivierung dieser Rezeptoren hemmt die Freisetzung von Noradrenalin. Die Aktivierung postsynaptischer α2-Adrenozeptoren senkt die intrazellulären cAMP-Konzentrationen, was zu gewebespezifischen Wirkungen einschließlich vasoaktiven Effekten führt. Es wurde gezeigt, dass Brimonidin sowohl auf die prä- als auch postsynaptischen α2-Adrenozeptoren im Ziliarkörper wirkt und so den intraokulären Druck steuert.
Die durch den α2-Adrenozeptor vermittelte Vasokonstriktion scheint hauptsächlich auf der venösen Seite aufzutreten.
Der α2-Adrenozeptor-Agonismus im Auge reguliert den intraokulären Druck mittels Modulation der Freisetzung von Neurotransmittern und der Vasokonstriktion im Ziliarkörper und erhöht den uveoskleralen Abfluss.
Alpha‑2-Adrenozeptoren wurden in Biopsieproben der menschlichen Bindehaut nachgewiesen, was die in der Bindehaut beobachteten vasokonstriktiven (weiß machenden) Wirkungen unterstützt.
Pharmakodynamische Wirkungen
Lumobry zeigt einen raschen Wirkeintritt und lindert die Bindehauthyperämie innerhalb von 1 Minute. Die Wirkung hält bis zu 8 Stunden an.
Klinische Wirksamkeit und Sicherheit
Klinische Studien mit Lumobry haben bei 4‑mal täglicher Anwendung eine Überlegenheit gegenüber Placebo bei der Besserung der okulären Hyperämie ohne signifikante Tachyphylaxie gezeigt. In zwei randomisierten kontrollierten Studien wurden Patienten mit isolierter Hyperämie ohne Grunderkrankung eingeschlossen. Die Patienten wurden im Verhältnis 2:1 einer Behandlung mit Brimonidin 0,25 mg/ml (n = 78) oder der Trägersubstanz (n = 39) zugewiesen. Die Studiendauer betrug 5 Wochen. Die mittlere Veränderung des Punktwerts der Augenrötung betrug -1,36 Punkte für Patienten unter Brimonidin und -0,24 für Patienten unter der Trägersubstanz, gemessen 5 bis 240 Minuten nach der Instillation.
Die Sicherheit von Brimonidin wurde bei 475 Patienten untersucht. Die Häufigkeit von Nebenwirkungen war vergleichbar mit dem Placebo. Bei den Studienteilnehmern wurden keine klinisch signifikanten Veränderungen des intraokulären Drucks beobachtet.
5.2 Pharmakokinetische Eigenschaften
Resorption
Nach Anwendung am Auge erfolgt eine rasche intraokuläre Resorption. Nach einmaliger topischer Anwendung von 0,5 % Brimonidin bei Kaninchen wurden bereits 10 Minuten nach der Anwendung in sämtlichen untersuchten Augengeweben (Bindehaut, Hornhaut, Kammerwasser, Regenbogenhaut, Ziliarkörper und Linse) nachweisbare Brimonidinspiegel beobachtet.
Nach oraler Anwendung beim Menschen wird Brimonidin gut resorbiert.
Nach topischer Anwendung von Lumobry am Auge bei 14 gesunden Probanden lag die systemische Exposition bei allen Probanden unterhalb der Nachweisgrenze (d. h. < 0,0250 ng/ml), außer bei einem, bei dem eine Cmax von 0,0253 ng/ml festgestellt wurde.
Verteilung
Nach okulärer Gabe an Kaninchen wurde Brimonidin in alle okulären Gewebe verteilt. Beim Menschen betrug die mittlere Konzentration von Brimonidin im Kammerwasser in Proben, die ca. 1 Stunde nach einmaliger Gabe eines 30‑µl-Tropfens einer 0,1- oder 0,15%igen Brimonidinlösung entnommen wurden, 59,4 ng/ml bzw. 95,5 ng/ml. Brimonidin bindet an Pigmente, was zu einer höheren Konzentration in pigmentierten Geweben (wie z. B. Iris) führt. Klinische Langzeitstudien am Menschen deuten jedoch darauf hin, dass die Bindung an pigmentierte Gewebe nicht mit Nebenwirkungen verbunden ist.
Nach der zweimal täglichen okulären Anwendung einer 0,2%igen Lösung über 10 Tage waren die Plasmakonzentrationen niedrig (mittlere Cmax 0,06 ng/ml). Nach mehrfachem Eintropfen (zweimal täglich über 10 Tage) zeigte sich eine leichte Akkumulation im Blut. Die AUC0‑12h lag im Steady State bei 0,31 ng*h/ml, im Vergleich zu 0,23 ng*h/ml nach der ersten Dosis. Die mittlere scheinbare Halbwertszeit im systemischen Kreislauf betrug nach topischer Applikation beim Menschen ungefähr 3 Stunden. Die Plasmaproteinbindung von Brimonidin nach topischer Applikation beträgt beim Menschen ca. 29 %.
Biotransformation
In-vitro-Studien, die an tierischem und menschlichem Lebergewebe durchgeführt wurden, lassen darauf schließen, dass der Metabolismus überwiegend durch die Aldehydoxidase und über das Cytochrom P450 erfolgt. Dies lässt darauf schließen, dass die systemische Elimination vor allem über den Leberstoffwechsel erfolgt.
Elimination
Nach oraler Anwendung wird Brimonidin beim Menschen rasch eliminiert. Der überwiegende Teil der Dosis (ca. 75 %) wurde in Form von Metaboliten innerhalb von 5 Tagen über die Nieren ausgeschieden; im Urin konnte die Ausgangssubstanz nicht nachgewiesen werden.
Linearität/Nicht-Linearität
Es liegen begrenzte Daten zur Pharmakokinetik von okulär angewendetem Brimonidintartrat vor, und es sind keine Angaben zur Linearität oder Nicht-Linearität verfügbar.
5.3 Präklinische Daten zur Sicherheit
Basierend auf den konventionellen Studien zur Sicherheitspharmakologie, Toxizität bei wiederholter Anwendung, Reproduktions- und Entwicklungstoxizität, Genotoxizität und zum kanzerogenen Potential lassen die veröffentlichten präklinischen Daten keine besonderen Gefahren für den Menschen erkennen.
Es liegen keine Daten zu den Auswirkungen von okulär angewendetem Brimonidin auf die Trächtigkeit vor. Es ist ebenfalls nicht bekannt, ob Brimonidin beim Tier nach okulärer Anwendung in die Muttermilch übergeht.
Bei Kaninchen wurde nach oraler Gabe von Brimonidintartrat gezeigt, dass es bei höheren Plasmaspiegeln als bei der Humantherapie vermehrt zu Präimplantationsverlusten und postnataler Wachstumsverzögerung kam. Der Wirkstoff geht bei laktierenden Ratten in die Milch über.
6. PHARMAZEUTISCHE ANGABEN
6.1 Liste der sonstigen Bestandteile
Glycerol (E 422)
Natriumtetraborat (Ph. Eur., E 285)
Borsäure (E 284)
Kaliumchlorid (E 508)
Calciumchlorid-Dihydrat
Natriumchlorid
Benzalkoniumchlorid
Natriumhydroxid (zur pH-Wert-Einstellung) (E 524)
Salzsäure (zur pH-Wert-Einstellung) (E 507)
Wasser für Injektionszwecke
6.2 Inkompatibilitäten
Nicht zutreffend.
6.3 Dauer der Haltbarkeit
2 Jahre (ungeöffnet)
4 Monate nach Anbruch entsorgen.
6.4 Besondere Vorsichtsmaßnahmen für die Aufbewahrung
Nicht über 25 °C lagern.
6.5 Art und Inhalt des Behältnisses
10‑ml-LDPE-Flaschen mit einem Füllvolumen von 7,5 ml mit LLDPE-Verschluss mit Tropfer (Spitze) und zweiteiligem kindergesichertem Schraubdeckel aus PP/HDPE.
6.6 Besondere Vorsichtsmaßnahmen für die Beseitigung
Nicht verwendetes Arzneimittel oder Abfallmaterial ist entsprechend den nationalen Anforderungen zu beseitigen.
7. INHABER DER ZULASSUNG
Dr. Gerhard Mann chem.-pharm. Fabrik GmbH
Brunsbütteler Damm 165/173
13581 Berlin
Deutschland
E-Mail: kontakt@bausch.com
8. ZULASSUNGSNUMMER
7014888.00.00
9. DATUM DER ERTEILUNG DER ZULASSUNG
Datum der Erteilung der Zulassung: 18. September 2024
10. STAND DER INFORMATION
06.2025
11. VERKAUFSABGRENZUNG
Verschreibungspflichtig
