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Ospolot 20 mg/ml Suspension zum Einnehmen - Zusammengefasste Informationen

ATC-Gruppe:

Dostupné balení:

Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels - Ospolot 20 mg/ml Suspension zum Einnehmen

FACHINFORMATION

1.    bezeichnung des arzneimittels

Ospolot20 mg/ml Suspension zum Einnehmen

2.    qualitative und quantitative zusammensetzung

1 ml Suspension zum Einnehmen enthält 20 mg Sultiam.

Sonstige Bestandteile mit bekannter Wirkung:

Jeder ml enthält 2,3 mg Natriummethyl-4-hydroxybenzoat (Ph.Eur.) (E219) und 0,6 mg Natriumpropyl-4-hydroxybenzoat (Ph.Eur.) (E217), 0,0026 mg Fructose, 0,0024 mg Glucose, 0,0005 mg Saccharose and 0,000004 mg Schwefeldioxid (E220).

Vollständige Auflistung der sonstigen Bestandteile siehe Abschnitt 6.1.

3.    darreichungsform

Suspension zum Einnehmen

Weiße Suspension

4.    klinische angaben

4.1    anwendungsgebiete

Zur Behandlung der Rolando-Epilepsie (benign childhood epilepsy with centrotemporal spikes -gutartige Epilepsie im Kindesalter mit zentrotemporalen Spikes).

Hinweis:

Die Behandlung mit Ospolot sollte nur von in der Epilepsiebehandlung erfahrenen Neuropädiatern durchgeführt werden.

Die Evidenz aus kontrollierten klinischen Studien für die Wirksamkeit und Sicherheit von Ospolot ist begrenzt.

Vor Beginn einer Behandlung mit Sultiam ist ein sorgfältiges differentialdi­agnostisches Vorgehen hinsichtlich anderer Epilepsieformen im Kindesalter angezeigt. Die Rolando-Epilepsie weist einen hohen Prozentsatz an Spontanremissionen auf – auch ohne medikamentöse Behandlung – und hat in der Regel einen günstigen Krankheitsverlauf und eine gute Prognose.

4.2    dosierung und art der anwendung

Dosierung

Die Dosierung ist individuell durch den Arzt festzulegen und zu kontrollieren. Die Erhaltungsdosis beträgt ca. 5 bis 10 mg/kg Körpergewicht/Tag. Sie sollte stufenweise (einschleichend) über eine Woche erreicht werden.

Die Tagesdosis sollte aufgrund der kurzen Halbwertszeit von Sultiam möglichst auf drei Einzelgaben verteilt werden (siehe Tabellen 1 und 2 mit Dosierungsbeis­pielen). Bei entsprechender zeitlicher Verteilung der Tagesdosis sind konstante Plasmaspiegel nach fünf bis sechs Tagen zu erwarten. Therapeutische Plasmakonzentra­tionen für Sultiam wurden bislang nicht bestimmt.

Ospolot Suspension zum Einnehmen und Ospolot Filmtabletten können in gleicher Dosierung gegeneinander ausgetauscht werden. Bei der Umstellung von Tabletten auf Suspension zum Einnehmen sollte eine Kontrolle der Plasmaspiegel in Betracht gezogen werden.

Ein Wechsel von einem anderen Arzneimittel oder von einer Kombinationsbe­handlung sollte schrittweise erfolgen.

Kinder und Jugendliche

Die Suspension zum Einnehmen ist die bevorzugte Darreichungsform für Kleinkinder, Kinder und Jugendliche, die 12 kg oder mehr wiegen. Dosierungsbeispiele sind in den Tabellen 1 und 2 angegeben, die Aufdosierung muss jedoch für jeden Patienten individuell vorgenommen werden.

Tabelle 1

Körpergewicht

Anfangsdosis: 2,5 mg* Sultiam pro kg und Tag

Einzeldosis (wird 3 x täglich gegeben)

Gesamt-Tagesdosis

12 – 18 kg

0,5 – 0,75 ml

(entsprechend 10 – 15 mg Sultiam)

1,5 – 2,25 ml

(entsprechend 30 – 45 mg Sultiam)

18 –24 kg

0,75 –1,0 ml

(entsprechend 15 – 20 mg Sultiam)

2,25 –3,0 ml

(entsprechend 45 – 60 mg Sultiam)

24 – 30 kg

1,0 –1,25 ml

(entsprechend 20 – 25 mg Sultiam)

3,0 – 3,75 ml

(entsprechend 60 – 75 mg Sultiam)

30 – 36 kg

1,25 –1,5 ml

(entsprechend 25 – 30 mg Sultiam)

3,75 –4,5 ml

(entsprechend 75 – 90 mg Sultiam)

36 kg und darüber

1,5 ml und darüber

(entsprechend 30 mg Sultiam und darüber)

4,5 ml und darüber

(entsprechend 90 mg Sultiam und darüber)

1 ml Ospolot Suspension zum Einnehmen enthält 20 mg Sultiam ⇒ 0,25 ml = 5 mg Sultiam

Tabelle 2

Körpergewicht

Erhaltungsdosis: 5 mg Sultiam pro kg und Tag

Einzeldosis (wird 3 x täglich gegeben)

Gesamt-Tagesdosis

12 – 18 kg

1,0 –1,5 ml

(entsprechend 20 – 30 mg Sultiam)

3,0 – 4,5 ml

(entsprechend 60 – 90 mg Sultiam)

18 –24 kg

1,5 –2,0 ml

(entsprechend 30 – 40 mg Sultiam)

4,5 – 6,0 ml

(entsprechend 90 – 120 mg Sultiam)

24 – 30 kg

2,0 –2,5 ml

(entsprechend 40 – 50 mg Sultiam)

6,0 –7,5 ml

(entsprechend 120 – 150 mg Sultiam)

30 – 36 kg

2,5 –3,0 ml

(entsprechend 50 – 60 mg Sultiam)

7,5 –9,0 ml

(entsprechend 150 – 180 mg Sultiam)

36 kg – und darüber

3,0 ml und darüber

(entsprechend 60 mg Sultiam und darüber)

9,0 ml und darüber

(entsprechend 180 mg Sultiam und darüber)

*1 ml Ospolot Suspension zum Einnehmen enthält 20 mg Sultiam ⇒ 0,25 ml = 5 mg Sultiam

Hinweis : Ab Einzeldosen von 10 ml oder darüber sollten Tabletten verwendet werden.

Dauer der Behandlung

Ospolot sollte nicht abrupt abgesetzt werden. Ein in der Behandlung von Epilepsie erfahrener Neuropädiater sollte individuell über die Dauer der Behandlung und das Absetzen entscheiden. Bei nicht erfolgreicher Therapie sollte die Behandlung mit Sultiam nach etwa ein bis zwei Monaten beendet werden.

Art der Anwendung

Ospolot ist zum Einnehmen bestimmt.

Vor der Einnahme von Ospolot sollte die Flasche sehr gut geschüttelt werden (mindestens einmal für 30 Sekunden) und die Dosis unmittelbar danach zubereitet werden (um eine Sedimentation zu vermeiden). Die Suspension zum Einnehmen kann direkt aus der Applikationsspritze geschluckt oder unmittelbar nach dem Mischen vorzugsweise mit etwas Wasser – alternativ mit Orangensaft, Milch, Joghurt oder Weizenbrei – eingenommen werden.

Bei Einnahme der Suspension zum Einnehmen direkt aus der Applikationsspritze sollte der Patient wegen des bitteren Geschmacks von Sultiam unmittelbar danach etwas Wasser, Saft oder Milch trinken.

Kohlensäurehaltige Getränke oder warme Speisen sollten nicht zusammen mit der Suspension eingenommen werden, um Aufstoßen oder verlangsamtes Schlucken zu vermeiden.

Ospolot kann mit oder ohne Nahrung eingenommen werden, vorzugsweise sollte der Patient die Art der Einnahme von Ospolot während der Therapie nicht ändern.

Die Suspension zum Einnehmen kann auch über eine Ernährungssonde gegeben werden, die unmittelbar nach der Verabreichung mit mindestens 15 ml Wasser gespült werden sollte. Bei dieser Art der Anwendung sollte die Dosis unmittelbar vor der Anwendung wie oben beschrieben zubereitet werden.

4.3    gegenanzeigen

– Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff, andere Sulfonamide, Natriummethyl-4-hydroxybenzoat (Ph.Eur.) (E219), Natriumpropyl-4-hydroxybenzoat(Ph­.Eur.) (E217) oder einen der in Abschnitt 6.1 genannten sonstigen Bestandteile

– Hyperthyreose oder arterielle Hypertonie

– bekannte akute Porphyrie

4.4    besondere warnhinweise und vorsichtsmaßnahmen für die anwendung

Sultiam sollte nicht oder nur mit besonderer Vorsicht angewendet werden

– bei Patienten mit gestörter Nierenfunktion

– bei Patienten mit psychiatrischen Erkrankungen in der Vorgeschichte

Überwachung von Blutwerten

Es wird empfohlen, Blutbild, Leberenzyme und Nierenfunktion­sparameter vor der Behandlung mit Ospolot, dann im ersten Monat der Behandlung in wöchentlichen Abständen, und danach in monatlichen Abständen, zu kontrollieren. Nach sechsmonatiger Behandlung reichen zwei- bis viermalige Kontrollen im Jahr aus.

Hinweis

Die Behandlung sollte unterbrochen werden, wenn es zu einem andauernden Anstieg des Kreatinins kommt.

Überempfindlichke­itsreaktionen

Der Patient bzw. die Eltern sind anzuweisen, beim Auftreten von Fieber, Halsschmerzen, allergischen Hautreaktionen mit Lymphknotenschwe­llungen und/oder grippeähnlichen Beschwerden unter der Behandlung mit Ospolot unverzüglich den behandelnden Arzt aufzusuchen. Bei schweren allergischen Reaktionen ist Ospolotsofort abzusetzen.

Progressive Thrombozytopenie oder Leukopenie, die von klinischen Symptomen begleitet sind, erfordern das Absetzen der Behandlung.

Suizidgedanken und suizidales Verhalten

Über suizidale Gedanken und suizidales Verhalten wurde bei Patienten, die mit Antiepileptika in verschiedenen Indikationen behandelt wurden, berichtet. Eine Metaanalyse randomisierter, placebo-kontrollierter Studien mit Antiepileptika zeigte auch ein leicht erhöhtes Risiko für das Auftreten von Suizidgedanken und suizidalem Verhalten. Der Mechanismus für die Auslösung dieser Nebenwirkung ist nicht bekannt und die verfügbaren Daten schließen die Möglichkeit eines erhöhten Risikos bei der Einnahme von Sultiam nicht aus.

Deshalb sollten Patienten hinsichtlich Anzeichen von Suizidgedanken und suizidalen Verhaltensweisen überwacht und eine geeignete Behandlung in Erwägung gezogen werden. Patienten (und deren Betreuern) sollte geraten werden medizinische Hilfe einzuholen, wenn Anzeichen für Suizidgedanken oder suizidales Verhalten auftreten.

Sonstige Bestandteile

Natriummethyl-4-hydroxybenzoat (Ph.Eur.) (E219) und Natriumpropyl-4-hydroxybenzoat (Ph.Eur.) (E217) können Überempfindlichke­itsreaktionen, auch Spätreaktionen, hervorrufen.

Schwefeldioxid (E 220) kann selten schwere Überempfindlichke­itsreaktionen und Bronchospasmen hervorrufen.

Dieses Arzneimittel enthält Glucose, Saccharose und 0,0026 mg Fructose pro ml. Patienten mit der seltenen hereditären Fructose-Intoleranz, Glucose-GalactoseMalab­sorption oder Saccharase-Isomaltase-Insuffizienz sollten dieses Arzneimittel nicht einnehmen.

Glucose, Fructose und Saccharose können schädlich für die Zähne sein (Karies).

Dieses Arzneimittel enthält weniger als 1 mmol (23 mg) Natrium pro ml, d.h. es ist nahezu “natriumfrei”.

4.5    wechselwirkungen mit anderen arzneimitteln und sonstige wechselwirkungen

Einfluss anderer Arzneimittel auf Sultiam

Primidon

Bei einer Kombination von Sultiam mit Primidon kann die Intensität der Sultiam-Nebenwirkungen zunehmen; insbesondere bei Kindern können Schwindel, Gangunsicherheit und Schläfrigkeit auftreten.

Carbamazepin

Es gibt Hinweise darauf, dass die Serumkonzentration von Sultiam bei gleichzeitiger Einnahme von Carbamazepin vermindert wird.

Einfluss von Sultiam auf andere Arzneimittel

Phenytoin

Bei Kombination von Sultiam mit Phenytoin kann der Plasmaspiegel von Phenytoin bedeutend erhöht sein. Diese Kombination erfordert besonders strenge Überwachung und häufige Kontrollen des Phenytoinplas­maspiegels, insbesondere bei eingeschränkter Nierenfunktion.

Lamotrigin

In Einzelfällen wurde auch bei Kombination mit Lamotrigin eine Erhöhung des Lamotriginspiegels im Blut beobachtet. Die Lamotriginspiegel sollten daher zu Beginn einer solchen Behandlung häufiger kontrolliert werden.

Carboanhydrase-Inhibitoren

Die gleichzeitige Einnahme von Sultiam und anderen Carboanhydrase-Inhibitoren (z.B. Topiramat, Acetazolamid) kann das Risiko von Nebenwirkungen durch Carboanhydrase-Hemmung verstärken (siehe auch Abschnitt 4.8)

Alkohol

Während einer Behandlung mit Sultiam sollte auf den Genuss von Alkohol verzichtet werden. Sultiam kann als Sulfonamid-Derivat theoretisch eine ähnliche Wirkung haben wie Disulfiram. Diese Symptomatik umfasst eine sehr unangenehme, im Allgemeinen jedoch selbstlimitierende, systemische Reaktion, die durch eine Vasodilatation verursacht wird, mit Pulsationskop­fschmerz, Atemdepression, Übelkeit, Erbrechen, Tachykardie, Hypotonus, Amblyopie, Verwirrtheit, Schockreaktionen, Arrhythmien, Bewusstlosigkeit sowie Anfällen. Die Symptome können in sehr unterschiedlicher Ausprägung und Dauer auftreten.

4.6    fertilität, schwangerschaft und stillzeit

Schwangerschaft

Bisher liegen keine, oder nur sehr begrenzte Erfahrungen mit der Anwendung von Sultiam bei Schwangeren vor. Es liegen keine ausreichenden tierexperimentellen Studien in Bezug auf eine Reproduktionsto­xizität vor, aber embryotoxische Effekte wurden gezeigt (siehe Abschnitt 5.3). Die Anwendung von Antiepileptika in der Schwangerschaft war generell mit einem erhöhten Risiko für Fehlbildungen verbunden, das bei Kombination mehrerer Antiepileptika erhöht sein kann. Daher wird die Anwendung von Ospolot während der Schwangerschaft und bei Frauen im gebärfähigen Alter, die nicht verhüten, nicht empfohlen.

Bei Eintritt einer Schwangerschaft sollte Ospolot in der niedrigsten anfallskontro­llierenden Dosis und, wenn möglich, als Monotherapie angewendet werden. Pränataldiagnos­tische Maßnahmen zur Früherkennung von Fehlbildungen (hochauflösender Ultraschall und alphaFetoprote­inbestimmung) werden empfohlen. In keinem Fall sollte eine Behandlung mit Antiepileptika ohne ärztlichen Rat abgebrochen werden, da unkontrollierte Anfälle sowohl für die Mutter als auch für das ungeborene Kind schwerwiegende Konsequenzen haben können.

Stillzeit

Es ist nicht bekannt, ob Sultiam/Metabolite in die Muttermilch übergehen Ein Risiko für das Neugeborene/Kind kann nicht ausgeschlossen werden. Ospolot soll während der Stillzeit nicht angewendet werden.

Fertilität

Es liegen keine Daten zur Auswirkung von Sultiam auf die Fertilität vor.

4.7    auswirkungen auf die verkehrstüchtigkeit und die fähigkeit zum bedienen von maschinen

Dieses Arzneimittel kann auch bei bestimmungsgemäßem Gebrauch – insbesondere zu Beginn der Behandlung – das Reaktionsvermögen soweit verändern, dass die Fähigkeit zur aktiven Teilnahme am Straßenverkehr oder zum Bedienen von Maschinen beeinträchtigt wird. Dies gilt in verstärktem Maße im Zusammenwirken mit Alkohol.

4.8    nebenwirkungen

Bei den Häufigkeitsangaben zu Nebenwirkungen werden folgende Kategorien zugrunde gelegt:

Sehr häufig Häufig Gelegentlich Selten

Sehr selten

(> 1/10)

(> 1/100 bis < 1/10)

(> 1/1 000 bis < 1/100

(> 1/10 000 bis < 1/1 000)

(< 1/10 000)

Nicht bekannt (Häufigkeit auf Grundlage der verfügbaren Daten nicht abschätzbar)

Stoffwechsel und Ernährungsstörun­gen

Häufig : Gewichtsverlust, Appetitlosigkeit

Psychiatrische Erkrankungen

Gelegentlich : Halluzinationen, Angst, Antriebsarmut

Nicht bekannt : depressive Verstimmung/De­pression, Wesensänderun­gen und

Verhaltensauffällig­keiten (z.B. Aggressivität, Reizbarkeit, Stimmungsschwan­kungen), kognitive Beeinträchtigung

Erkrankungen des Nervensystems

Häufig : Parästhesien in den Extremitäten und im Gesicht*, Schwindel, Kopfschmerzen

Gelegentlich : myasthenische Erscheinungen, Grand-mal-Status, Anfallshäufung

Nicht bekannt : Polyneuritis

Augenerkrankungen

Häufig : Doppelbilder

Herzerkrankungen

Häufig : Stenokardie, Tachykardie

Erkrankungen der Atemwege, des Brustraums und Mediastinums

Häufig : Tachypnoe*, Hyperpnoe*, Dyspnoe, Singultus

Erkrankungen des Gastrointesti­naltrakts

Sehr häufig : Magenbeschwerden wie z. B. Übelkeit, Erbrechen (bei ca. 10 % der Patienten)

Nicht bekannt : Diarrhoe

Leber- und Gallenerkrankungen

Nicht bekannt : hepatotoxische Reaktionen, Erhöhung der Leberenzyme

Erkrankungen der Haut und des Unterhautzellge­webes

Nicht bekannt : Stevens-Johnson-Syndrom, Lyell-Syndrom

Skelettmuskulatur-, Bindegewebs- und Knochenerkran­kungen

Gelegentlich : Gelenkschmerzen

Erkrankungen der Nieren und Harnwege

Nicht bekannt : akutes Nierenversagen

*Dosisabhängig, ggf. muss die Dosis angepasst werden.

Bei einem Patienten mit lange bestehender behandlungsre­sistenter Epilepsie führte die Anwendung von Ospolotzu progredienter Schwäche der Glieder, Hypersalivation, verwaschener Sprache, zunehmender Schläfrigkeit bis zum Eintreten eines Komas. Die Symptome bildeten sich innerhalb von Stunden nach Absetzen von Sultiam zurück.

Sultiam ist ein Carboanhydrase-Inhibitor. Daher sind Nebenwirkungen der Carboanhydrase­Hemmung, wie Nierensteinbildung, metabolische Azidose, Ermüdung/Erschöpfun­g, Hämodilution und Veränderung der Serumelektrolyt­werte (z. B. Hypokalzämie) unter Einnahme von Sultiam möglich (siehe auch Abschnitt 4.5).

Meldung des Verdachts auf Nebenwirkungen

Die Meldung des Verdachts auf Nebenwirkungen nach der Zulassung ist von großer Wichtigkeit. Sie ermöglicht eine kontinuierliche Überwachung des Nutzen-Risiko-Verhältnisses des Arzneimittels.

Angehörige von Gesundheitsberufen sind aufgefordert, jeden Verdachtsfall einer Nebenwirkung dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte, Abt. Pharmakovigilanz, Kurt-Georg-Kiesinger-Allee 3, D-53175 Bonn, Website: anzuzeigen.

4.9    überdosierung

Symptome einer Intoxikation

Kopfschmerzen, Schwindel, Ataxie, Bewusstseinsstörun­g, metabolische Azidose, Kristalle im Urin. Sultiam besitzt eine geringe Toxizität. Überdosierungen von 4 bis 5 g Sultiam wurden überlebt. Die Einnahme von ca. 20 g Sultiam in suizidaler Absicht bei Erwachsenen war in einem Fall tödlich. In einem anderen Fall kam es zu einer vollständigen Wiederherstellung ohne bleibende Schäden.

Therapie von Intoxikationen

Ein spezifisches Antidot ist nicht bekannt. Die üblichen Maßnahmen (Magenspülung und Aktivkohle) zur Minimierung der Resorption und zur Erhaltung der Vitalfunktionen sollten durchgeführt werden. Zur Behandlung der Azidose kann Natriumhydrogen­carbonat infundiert werden. Zur Verhinderung von Nierenschäden und Kristallurie wird eine alkalisierende Diuresetherapie empfohlen.

5.    pharmakologische eigenschaften

5.1    pharmakodynamische eigenschaften

Pharmakothera­peutische Gruppe: Andere Antiepileptika,

ATC-Code: N03AX03

Sultiam gehört zur Gruppe der Carboanhydrase-Hemmer und zeigt eine antikonvulsive Wirkung im Elektrokrampftest (Ratte und Maus) und im Krampftest mit Pentamethylen­tetrazol (Maus).

5.2    Pharmakokinetische Eigenschaften

Die Pharmakokinetik von Sultiam wurde nicht systematisch in verschiedenen Altersgruppen bei Kindern und Jugendlichen untersucht.

Resorption

Nach oraler Anwendung wird Sultiam rasch und vollständig, bevorzugt aus dem oberen Dünndarmabschnitt, resorbiert. Maximale Plasmakonzentra­tionen werden nach 1 – 5 Stunden gemessen.

In einer pharmakokinetischen Studie zur Einmalgabe mit 16 Probanden wurde der Nahrungsmitte­leinfluss auf die Resorption nach Einnahme von Ospolot 200 mg Tabletten untersucht. Die Ergebnisse zeigen, dass die Einnahme von Ospolot mit Nahrung zu einer moderat verringerten Bioverfügbarkeit von Sultiam führt.

Verteilung

Etwa 29 % des Wirkstoffs sind an Plasmaproteine gebunden.

Elimination

Die Ausscheidung erfolgt zu 80 bis 90 % mit dem Urin, zu 10 bis 20 % nach biliärer Sekretion mit den Faeces. Innerhalb von 24 Stunden werden 32 % der eingenommenen Dosis unverändert über die Nieren ausgeschieden. In einer pharmakokinetischen Studie zur Einmalgabe mit 16 gesunden erwachsenen Probanden wurde eine Halbwertszeit von ca. 12 h ermittelt. Aufgrund publizierter pharmakokinetischer Studien ist bei Kindern von einer kürzeren Halbwertszeit auszugehen.

5.3    präklinische daten zur sicherheit

Basierend auf den konventionellen Studien zur Toxizität bei wiederholter Gabe lassen die präklinischen Daten keine besonderen Gefahren für den Menschen erkennen.

Mutagenes und kanzerogenes Potential

Sultiam zeigte in-vitro und in-vivo kein mutagenes Potential. Langzeitunter­suchungen zur Kanzerogenität wurden nicht durchgeführt.

Reproduktionsto­xizität

Die Reproduktionsto­xizität von Sultiam wurde unzureichend geprüft. In einer

Embryotoxizitätsstu­die an Ratten wurden bei der niedrigsten untersuchten Dosis (30 mg/kg/Tag) embryotoxische Effekte festgestellt. Untersuchungen bzgl. der Auswirkungen auf die Fertilität und die peri- und postnatale Entwicklung der Nachkommen fehlen.

6.    pharmazeutische angaben

6.1    liste der sonstigen bestandteile

Natriummethyl-4-hydroxybenzoat (Ph.Eur.) (E219)

Natriumpropyl-4-hydroxybenzoat (Ph.Eur.) (E217)

Sucralose

Docusat-Natrium

Xanthangummi

Natriumdihydro­genphosphat-Dihydrat

Kaliummonohydro­genphosphat (Ph.Eur.)

Erdbeer-Aroma, natürlich, Pulver

Süßeverfeinerungs-Aroma, Pulver, natürlich (enthält Fructose, Glucose, Saccharose, Schwefeldioxid (E220))

Aroma zur Maskierung, natürlich, Pulver

Phosphorsäure 85 %

Gereinigtes Wasser

6.2    inkompatibilitäten

Nicht zutreffend.

6.3    dauer der haltbarkeit

3 Jahre

Nach Anbruch: 3 Monate.

6.4    besondere vorsichtsmaßnahmen für die aufbewahrung

Für dieses Arzneimittel sind keine besonderen Lagerungsbedin­gungen erforderlich.

6.5    art und inhalt des behältnisses

200 ml oder 250 ml Suspension zum Einnehmen einer Braunglas-Flasche (Typ III) mit einem kindergesicherten Verschluss (Polypropylen) in einem Umkarton, der außerdem eine 10 ml Applikationsspritze für Zubereitungen zum Einnehmen (Polyethylen, Polypropylen) mit Skalierungsschrit­ten von jeweils 0,25 ml und einen Adapter für die Applikationsspritze enthält.

Es werden möglicherweise nicht alle Packungsgrößen in den Verkehr gebracht.

6.6    besondere vorsichtsmaßnahmen für die beseitigung

Nicht verwendetes Arzneimittel oder Abfallmaterial ist entsprechend den nationalen Anforderungen zu beseitigen.

7.    inhaber der zulassung

Desitin Arzneimittel GmbH

Weg beim Jäger 214

22335 Hamburg

Telefon: (040)5 91 01–525

Telefax: (040) 5 91 01–377

8.    zulassungsnummer

7003954.00.00

9.    DATUM DER ERTEILUNG DER ZULASSUNG

05.04.2022

10.    STAND DER INFORMATION

Das Medikament ist im ATC-Baum enthalten: