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Sirdalud® 4 mg Tabletten – Fachinformation (SmPC) für Ärzte und Apotheker

Die Fachinformation richtet sich an Ärzte und Apotheker. Verständliche Hinweise für Patienten enthält der Beipackzettel: Einnahme, Nebenwirkungen, Andere Arzneimittel, Schwangerschaft und Stillzeit.

Aktualisiert:
Fakten
Status:
Verschreibungspflichtig
Stärke:
4.576 mg
Dieselbe Fachinformation gilt auch für:
Wirkstoff:
ATC-Gruppe:

Fachinformation - Sirdalud 4mg

1. BEZEICHNUNG DER ARZNEIMITTEL

Sirdalud® 2 mg Tabletten

Sirdalud® 4 mg Tabletten

Sirdalud® 6 mg Tabletten

2. QUALITATIVE UND QUANTITATIVE ZUSAMMENSETZUNG

Sirdalud 2 mg Tabletten 1 Tablette enthält: 2,288 mg Tizanidinhydrochlorid (entsprechend 2 mg Tizanidin)

Sonstiger Bestandteil mit bekannter Wirkung

Jede Tablette enthält 80 mg Lactose, wasserfrei.

Sirdalud 4 mg Tabletten 1 Tablette enthält: 4,576 mg Tizanidinhydrochlorid (entsprechend 4 mg Tizanidin)

Sonstiger Bestandteil mit bekannter Wirkung

Jede Tablette enthält 110 mg Lactose, wasserfrei.

Sirdalud 6 mg Tabletten 1 Tablette enthält: 6,864 mg Tizanidinhydrochlorid (entsprechend 6 mg Tizanidin)

Sonstiger Bestandteil mit bekannter Wirkung

Jede Tablette enthält 80 mg Lactose, wasserfrei.

Vollständige Auflistung der sonstigen Bestandteile siehe, Abschnitt 6.1.

3. DARREICHUNGSFORM

Cremefarbene, runde Tabletten mit folgenden Prägungen:

Sirdalud 2 mg Tabletten Einseitige Bruchrille mit der Prägung „O“ bzw. „Z“ auf jeder Tablettenhälfte.

Sirdalud 4 mg Tabletten Einseitige Kreuz-Bruchrille und rückseitige Prägung „RL“.

Sirdalud 6 mg Tabletten Einseitige Bruchrille mit der Prägung „X“ bzw. „F“ auf jeder Tablettenhälfte.

Sirdalud 4 mg Tabletten können in zwei gleiche Hälften geteilt werden.

4. KLINISCHE ANGABEN

4.1 Anwendungsgebiete

Sirdalud wird angewendet bei Erwachsenen.

Neurogene Muskelspasmen und Spastizität als Folge von:

  • Multipler Sklerose,
  • Schädigungen des Rückenmarks durch degenerative, entzündliche oder traumatische Prozesse,
  • Schädigungen des Gehirns durch Gefäßprozesse, Hirntraumen oder im frühen Kindesalter (infantile Zerebralparese).

Sirdalud 2 mg Tabletten, Sirdalud 4 mg Tabletten

Peripher bedingte schmerzhafte Muskelverspannungen:

  • bei statischen und funktionellen Wirbelsäulenbeschwerden (Zervikal-, Thorakal- und Lumbalsyndrome),
  • nach Operationen, z. B. wegen Bandscheibenvorfall (Diskushernie) oder degenerativer Hüftgelenkerkrankungen (Coxarthrose).

4.2 Dosierung und Art der Anwendung

Sirdalud hat eine geringe therapeutische Breite und eine von Patient zu Patient hohe Variabilität bzgl. der Tizanidin-Plasmakonzentrationen. Dies führt dazu, dass die Einstellung der Dosis wesentlich ist, um den Bedürfnissen der Patienten Rechnung zu tragen.

Eine niedrige Dosis von 3-mal täglich 2 mg kann das Risiko von Nebenwirkungen minimieren. Die Dosis sollte gemäß den Bedürfnissen des einzelnen Patienten vorsichtig gesteigert werden. Sirdalud kann mit oder ohne Nahrung eingenommen werden.

Behandlung peripher bedingter schmerzhafter Muskelverspannungen

3-mal täglich 1 bis 2 Tabletten Sirdalud 2 mg Tabletten

oder

3-mal täglich ½ bis 1 Tablette Sirdalud 4 mg Tabletten.

Das entspricht Tagesdosen von 6 bis 12 mg Tizanidin.

In schweren Fällen kann eine zusätzliche Dosis von 1 bis 2 Tabletten Sirdalud 2 mg bzw. ½ bis 1 Tablette Sirdalud 4 mg eingenommen werden, vorzugsweise abends, um die Sedierung zu minimieren.

Behandlung neurogener spastischer Zustände

Im Allgemeinen sollte die Tagesdosis anfangs 3-mal 2 mg Tizanidin (3-mal 1 Tablette Sirdalud 2 mg oder 3-mal ½ Tablette Sirdalud 4 mg) nicht überschreiten; eine Erhöhung der Tagesdosis um 2 bis 4 mg Tizanidin (1 bis 2 Tabletten Sirdalud 2 mg oder ½ bis 1 Tablette Sirdalud 4 mg) kann in halb- oder einwöchigen Abständen erfolgen.

Die optimale Tagesdosis liegt im Allgemeinen zwischen 12 und 24 mg Tizanidin, verteilt auf 3 oder 4 Einzelgaben in gleichem Abstand, z. B.:

3-mal täglich 1 Tablette Sirdalud 4 mg (12 mg Tizanidin) oder

4-mal täglich 1 Tablette Sirdalud 4 mg (16 mg Tizanidin) oder

3-mal täglich 1 Tablette Sirdalud 6 mg (18 mg Tizanidin) oder

4-mal täglich 1 Tablette Sirdalud 6 mg (24 mg Tizanidin).

In der Langzeitanwendung beträgt die optimale Tagesdosis für die Mehrzahl der Patienten 3-mal täglich 1 Tablette Sirdalud 4 mg (d. h. 12 mg Tizanidin/Tag).

Eine Gesamtdosis von 36 mg Tizanidin pro Tag sollte nicht überschritten werden.

Besondere Patientengruppen

Eingeschränkte Nierenfunktion

Für Patienten mit Kreatinin-Clearance <25 ml/min wird empfohlen, die Behandlung mit 1 Tablette Sirdalud 2 mg einmal täglich einzuleiten. Eine Dosissteigerung sollte in kleinen Schritten je nach Verträglichkeit und therapeutischer Wirkung erfolgen. Wenn die Wirksamkeit verbessert werden muss, empfiehlt es sich, zuerst die einmal tägliche Dosierung zu steigern, bevor die Anzahl der täglichen Verabreichungen erhöht wird (siehe Abschnitt 4.4).

Eingeschränkte Leberfunktion

Die Anwendung von Sirdalud bei Patienten mit schwerer Leberinsuffizienz ist kontraindiziert (siehe Abschnitt 4.3).

Obwohl Sirdalud in hohem Ausmaß in der Leber metabolisiert wird, sind nur begrenzt Daten für diese Population verfügbar (siehe Abschnitt 5.2). Die Anwendung von Sirdalud wurde mit reversiblen Auffälligkeiten in Leberfunktionstests assoziiert (siehe Abschnitte 4.4 und 4.8). Sirdalud sollte bei Patienten mit moderater Leberinsuffizienz mit Vorsicht angewendet werden und jede Behandlung sollte mit der niedrigsten Dosis begonnen werden. Im Anschluss sollten Dosissteigerungen mit Vorsicht und in Abhängigkeit von der Verträglichkeit beim Patienten erfolgen.

Kinder und Jugendliche

Sirdalud wird nicht empfohlen für die Anwendung bei Patienten unter 18 Jahren aufgrund begrenzter Datenlage.

Ältere Patienten (ab 65 Jahre)

Die Erfahrung mit Sirdalud bei älteren Patienten ist begrenzt. Die pharmakokinetischen Daten lassen vermuten, dass die renale Clearance bei älteren Patienten in einigen Fällen erheblich herabgesetzt sein kann. In diesen Fällen ist Sirdalud vorsichtig zu dosieren. Es wird daher empfohlen, die Behandlung mit der niedrigsten Dosis zu beginnen; Dosissteigerungen sollten in kleinen Schritten je nach Verträglichkeit und Wirksamkeit erfolgen.

Absetzen der Behandlung

Wenn die Anwendung von Sirdalud beendet werden muss, sollte die Dosis langsam ausgeschlichen werden, v. a. bei Patienten, die hohe Dosen über einen längeren Zeitraum eingenommen haben, um das Risiko einer Rebound-Hypertonie und Tachykardie zu vermeiden (siehe Abschnitt 4.4).

Art der Anwendung

Sirdalud wird immer zur gleichen Tageszeit mit einem Glas Wasser eingenommen.

4.3 Gegenanzeigen

Sirdalud darf nicht angewendet werden bei:

  • Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der in Abschnitt 6.1 genannten sonstigen Bestandteile,
  • stark eingeschränkter Leberfunktion (siehe Abschnitt 5.2),
  • gleichzeitiger Gabe von starken Inhibitoren von Cytochrom P450 1A2 wie Fluvoxamin oder Ciprofloxacin (siehe Abschnitt 4.5).

4.4 Besondere Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung

CYP-Inhibitoren

Die gleichzeitige Anwendung von Sirdalud und Inhibitoren des Cytochrom P450 1A2 wird nicht empfohlen (siehe Abschnitte 4.3 und 4.5).

Die Anwendung von Sirdalud mit Arzneimitteln, die bekanntermaßen das QT-Intervall verlängern, sollte mit Vorsicht erfolgen (siehe Abschnitt 4.5).

Hypotonie

Hypotonie kann unter Behandlung mit Tizanidin auftreten (siehe Abschnitt 4.8), aber auch das Ergebnis einer Wechselwirkung mit Inhibitoren des Cytochrom P450 1A2 und/oder mit Antihypertonika sein (siehe Abschnitt 4.5). Schwere Erscheinungsformen der Hypotonie, wie Bewusstlosigkeit und Kreislaufkollaps, wurden ebenfalls beobachtet.

Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Bei Patienten mit Herz-Kreislauf-Insuffizienz und Koronarinsuffizienz ist Vorsicht geboten.

Wird bei diesen Patienten die Behandlung mit Sirdalud eingeleitet, sind in regelmäßigen Abständen EKG-Untersuchungen durchzuführen.

Absetzerscheinungen

Als Rebound-Phänomen wurden Hypertonie und Tachykardie nach dem plötzlichen Absetzen von Tizanidin beobachtet, wenn dieses chronisch und/oder täglich hoch dosiert und/oder zusammen mit Antihypertensiva angewendet wurde. In Extremfällen kann diese Rebound-Hypertonie zu zerebrovaskulären Zwischenfällen führen. Sirdalud sollte deshalb nicht abrupt, sondern ausschleichend abgesetzt werden (siehe Abschnitt 4.5 und Abschnitt 4.8).

Leberfunktionsstörung

Im Zusammenhang mit der Anwendung von Tizanidin wurde über Leberfunktionsstörungen berichtet, allerdings überwiegend bei Tagesdosen über 12 mg. Es wird daher empfohlen, bei Patienten, die Tagesdosen von 12 mg oder mehr erhalten, und bei Patienten, bei denen klinische Symptome, wie zum Beispiel ungeklärte Übelkeit, Appetitlosigkeit oder Müdigkeit, auf eine mögliche Leberfunktionsstörung hinweisen, die Leberfunktion während der ersten 4 Monate monatlich zu überprüfen.

Die Behandlung mit Sirdalud sollte abgebrochen werden, wenn die Serumspiegel von Serum-Glutamat-Pyruvat-Transaminase (SGPT) oder Serum-Glutamat-Oxalacetat-Transaminase (SGOT) konstant (auch bei nachfolgenden Kontrolluntersuchungen) über dem 3-Fachen des oberen Normwertes liegen.

Patienten mit Nierenfunktionsstörung

Bei Patienten mit Kreatinin-Clearance < 25 ml/min kann die systemische Exposition von Tizanidin um das 6-Fache im Vergleich zu einem Patienten mit normaler Nierenfunktion erhöht sein. Es wird daher empfohlen, die Behandlung mit einmal täglich 2 mg Sirdalud zu beginnen (siehe Abschnitte 4.2 und 5.2). Eine Dosissteigerung sollte in kleinen Schritten je nach Verträglichkeit und therapeutischer Wirkung erfolgen. Wenn die Wirksamkeit verbessert werden muss, empfiehlt es sich, zuerst die einmal tägliche Dosierung zu steigern, bevor die Anzahl der täglichen Verabreichungen erhöht wird.

Überempfindlichkeitsreaktionen

Überempfindlichkeitsreaktionen einschließlich anaphylaktischer Reaktionen, Angioödem, Dermatitis, Hautausschlag, Urtikaria, Juckreiz und Hautrötung wurden in Verbindung mit Tizanidin berichtet. Eine sorgfältige Beobachtung des Patienten über 1 bis 2 Tage nach der ersten Gabe wird empfohlen. Falls es zu anaphylaktischen Reaktionen oder Angioödem mit anaphylaktischem Schock oder Atembeschwerden kommt, sollte die Behandlung mit Sirdalud sofort beendet und geeignete Therapiemaßnahmen eingeleitet werden.

Myasthenia gravis

Bei Patienten mit Myasthenia gravis (gesteigerter Ermüdbarkeit der Sprach-, Kau- und Schluckmuskulatur sowie des Lidhebers) soll Sirdalud nur nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung des Arztes angewendet werden.

Epilepsie

Patienten mit Epilepsie darf Sirdalud verordnet werden, wenn sie optimal auf eine anti-konvulsive Therapie eingestellt sind.

Hinweise zu sonstigen Bestandteilen

Sirdalud Tabletten enthalten Lactose. Patienten mit der seltenen hereditären Galactose-Intoleranz, völligem Lactase-Mangel oder Glucose-Galactose-Malabsorption sollten Sirdalud nicht einnehmen.

4.5 Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln und sonstige Wechselwirkungen

Inhibitoren des Cytochrom P450

Die gleichzeitige Gabe von Tizanidin mit Inhibitoren des Cytochrom P450 1A2 kann zu einer Erhöhung der Blutspiegel von Tizanidin führen (siehe Abschnitt 5.2).

Die gleichzeitige Gabe von Tizanidin mit Fluvoxamin oder Ciprofloxacin, zwei Inhibitoren des menschlichen CYP450 1A2, ist kontraindiziert (siehe Abschnitt 4.3 und Abschnitt 4.4). Bei gleichzeitiger Gabe wurde über eine Erhöhung der Area under the curve (AUC) von Tizanidin auf das 33-Fache unter Fluvoxamin und auf das 10-Fache unter Ciprofloxacin berichtet. Daraus kann sich eine klinisch bedeutsame, langanhaltende Blutdrucksenkung mit Schläfrigkeit, Schwindel und verminderter psychomotorischer Leistungsfähigkeit ergeben (siehe Abschnitt 4.4).

Es wird nicht empfohlen, Tizanidin zusammen mit anderen Inhibitoren von CYP450 1A2, wie z. B. einigen Antiarrhythmika (Amiodaron, Mexiletin, Propafenon), Cimetidin, einigen Fluorochinolonen (Enoxacin, Perfloxacin, Norfloxacin), Rofecoxib, oralen Kontrazeptiva oder Ticlopidin, zu geben (siehe Abschnitt 4.4).

Die erhöhten Blutspiegel von Tizanidin können zu Symptomen einer Überdosierung führen, wie z. B. einer Verlängerung des QTc-Intervalls (siehe Abschnitt 4.9). Die gleichzeitige Gabe von Tizanidin (in hoher Dosis) mit anderen Arzneimitteln, die eine Verlängerung des QTc-Intervalls verursachen, wird nicht empfohlen.

Induktoren des Cytochrom P450

Die gleichzeitige Gabe von Tizanidin mit Induktoren des Cytochrom P450 1A2 kann zu einer Senkung der Blutspiegel von Tizanidin führen (siehe Abschnitt 5.2). Die erniedrigten Blutspiegel von Tizanidin können den therapeutischen Effekt von Sirdalud reduzieren.

Antihypertensiva/Diuretika

Bei gleichzeitiger Anwendung von Sirdalud und Antihypertensiva einschließlich Diuretika kann es mitunter zu stärkerem Blutdruckabfall (siehe Abschnitt 4.4) und Bradykardie kommen. Bei einigen Patienten wurden nach dem plötzlichen Absetzen von Tizanidin Rebound-Hypertonie und Rebound-Tachykardie beobachtet, wenn dieses zusammen mit Antihypertensiva angewendet wurde. In Extremfällen kann diese Rebound-Hypertonie zu zerebrovaskulären Zwischenfällen führen (siehe Abschnitte 4.4 und 4.8).

Zentral wirksame Medikamente/Alkohol

Bei gleichzeitiger Anwendung anderer zentral wirksamer Medikamente (z. B. Psychopharmaka, Sedativa, Hypnotika (wie Benzodiazepine oder Baclofen), teils auch Schmerzmittel, Narkosemittel oder auch Antihistaminika), kann es zur gegenseitigen Verstärkung der sedativen Wirkungen kommen. Dies gilt insbesondere auch für gleichzeitigen Alkoholgenuss, durch den die Wirkungen in nicht voraussehbarer Weise verändert und verstärkt werden können. Aus diesem Grund sollte während der Sirdalud-Therapie die Einnahme von Alkohol minimiert oder darauf verzichtet werden.

Andere Muskelrelaxanzien

In Kombination mit anderen Muskelrelaxanzien kann es zu einer gegenseitigen Verstärkung der Wirkung kommen.

Rifampicin

Die gleichzeitige Anwendung von Sirdalud und Rifampicin führt zu einer 50%igen Abnahme der Tizanidin-Konzentrationen. Daher kann der therapeutische Effekt von Sirdalud während einer Behandlung mit Rifampicin reduziert sein. Dies kann bei einigen Patienten klinisch signifikant sein. Eine gleichzeitige Anwendung über einen längeren Zeitraum sollte vermieden werden. Sofern eine gleichzeitige Anwendung in Betracht gezogen wird, kann eine sorgfältige Dosisanpassung (Erhöhung) erforderlich sein.

Zigarettenrauch

Die Verabreichung von Sirdalud an männliche Raucher (> 10 Zigaretten/Tag) führt zu einer ungefähr 30%igen Abnahme der systemischen Exposition von Tizanidin. Eine Langzeit-Therapie mit Sirdalud bei männlichen starken Rauchern kann höhere Dosierungen als die durchschnittlichen bedingen.

Mögliche weitere Wechselwirkung

Die Anwendung von Sirdalud sollte bei gleichzeitiger Gabe von anderen alpha-2-adrenergen Agonisten (wie Clonidin) aufgrund ihres möglichen additiven hypotensiven Effektes vermieden werden.

4.6 Fertilität, Schwangerschaft und Stillzeit

Gebärfähige Frauen/Empfängnisverhütung bei Männern und Frauen

Sexuell aktiven Frauen im gebärfähigen Alter wird empfohlen, vor der Behandlung mit Sirdalud einen Schwangerschaftstest durchzuführen. Frauen im gebärfähigen Alter müssen während und bis zu einem Tag nach der Behandlung mit Sirdalud eine zuverlässige Verhütungsmethode anwenden (siehe Abschnitt 4.5).

Schwangerschaft

Bisher liegen nur sehr begrenzte Erfahrungen mit der Anwendung von Tizanidin bei Schwangeren vor. Tierexperimentelle Studien haben eine Reproduktionstoxizität gezeigt (siehe Abschnitt 5.3).

Sirdalud darf während der Schwangerschaft nicht angewendet werden, es sei denn, dass eine Behandlung mit Tizanidin aufgrund des klinischen Zustands der Frau erforderlich ist.

Frauen im gebärfähigen Alter müssen während und bis zu einem Tag nach der Behandlung mit Sirdalud eine zuverlässige Verhütungsmethode anwenden.

Stillzeit

Es ist nicht bekannt, ob Tizanidin in die Muttermilch übergeht. Physiko-chemische Daten deuten jedoch auf eine Ausscheidung in die Muttermilch hin. Bei Ratten geht Tizanidin in die Milch über. Ein Risiko für das Neugeborene/Kind kann nicht ausgeschlossen werden. Sirdalud soll während der Stillzeit nicht eingenommen werden.

Fertilität

Fertilitätsuntersuchungen bei Ratten zeigten eine Verminderung der Fruchtbarkeit bei männlichen und weiblichen Tieren (siehe Abschnitt 5.3). Klinische Daten liegen nicht vor. Die Relevanz für den Menschen ist unbekannt.

4.7 Auswirkungen auf die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen

Diese Arzneimittel können auch bei bestimmungsgemäßem Gebrauch zu Schläfrigkeit, Schwindel oder anderen Zeichen oder Symptomen der Hypotonie führen, so dass die Fähigkeit zur aktiven Teilnahme am Straßenverkehr oder zum Bedienen von Maschinen beeinträchtigt wird. Dies gilt in verstärktem Maße im Zusammenwirken mit Alkohol.

4.8 Nebenwirkungen

Bei der Bewertung von Nebenwirkungen werden folgende Häufigkeitsangaben zugrunde gelegt: sehr häufig (≥ 1/10), häufig (≥ 1/100 bis < 1/10), gelegentlich (≥ 1/1.000 bis < 1/100), selten (≥ 1/10.000 bis < 1/1.000), sehr selten (< 1/10.000), nicht bekannt (Häufigkeit auf Grundlage der verfügbaren Daten nicht abschätzbar). Innerhalb einer Organklasse sind die Nebenwirkungen aufgrund ihrer Häufigkeit geordnet, beginnend mit der häufigsten Nebenwirkung. Innerhalb einer Häufigkeitsgruppe sind die Nebenwirkungen nach abnehmendem Schweregrad geordnet.

Erkrankungen des Immunsystems
Nicht bekannt:Überempfindlichkeitsreaktionen, einschließlich Anaphylaxie, Angioödem und Urtikaria
Psychiatrische Erkrankungen
Häufig:Schlaflosigkeit, Schlafstörungen
Selten:Halluzinationen
Nicht bekannt:Verwirrtheitszustände, Angstzustände
Erkrankungen des Nervensystems
Sehr häufig:Somnolenz, Schwindel
Nicht bekannt:Kopfschmerzen, Dysarthrie
Augenerkrankungen
Nicht bekannt:Verschwommenes Sehen, Akkommodationsstörungen
Herzerkrankungen
Häufig:Bradykardie
Gefäßerkrankungen
Häufig:Hypotonie
Nicht bekannt:Synkopen
Erkrankungen des Gastrointestinaltrakts
Sehr häufig:Magen-Darm-Störungen (z. B. Appetitlosigkeit, Erbrechen), Mundtrockenheit
Häufig:Übelkeit
Nicht bekannt:Abdominalschmerzen, Erbrechen
Leber- und Gallenerkrankungen
Sehr selten:Hepatitis, Leberversagen
Erkrankungen der Haut und des Unterhautzellgewebes
Nicht bekannt:Ausschlag, Hautrötung, Pruritus, Dermatitis
Skelettmuskulatur-, Bindegewebs- und Knochenerkrankungen

Sehr häufig:

Nicht bekannt:

Muskelschwäche

Ataxie

Allgemeine Erkrankungen und Beschwerden am Verabreichungsort
Sehr häufig:Fatigue
Nicht bekannt:Asthenie, Absetzerscheinungen
Untersuchungen
Häufig:Geringfügiger Blutdruckabfall, vorübergehender Anstieg der Transaminasen

Bei niedrigeren Dosen, wie sie bei der Behandlung von peripher bedingten schmerzhaften Muskelverspannungen eingesetzt werden, wurde über Schläfrigkeit, Müdigkeit, Schwindel, Mundtrockenheit,

Blutdruckabfall, Übelkeit, Magen-Darm-Störungen und Anstieg der Transaminasen als Nebenwirkungen berichtet, die jedoch in der Regel mild und vorübergehend waren.

Bei höheren Dosen, wie sie bei der Behandlung der Spastizität eingesetzt werden, waren die für niedrigere Dosierungen berichteten Nebenwirkungen häufiger und schwerer, jedoch selten schwer genug, dass ein Abbruch der Behandlung erforderlich war. Zusätzlich können folgende Nebenwirkungen auftreten: Hypotonie, Bradykardie, Muskelschwäche, Schlaflosigkeit, Schlafstörungen, Halluzinationen, Hepatitis, Akkommodationsstörungen, Ataxie, Verwirrtheitszustände, Angstzustände.

Absetzerscheinungen

Als Rebound-Phänomen wurden Hypertonie und Tachykardie nach dem plötzlichen Absetzen von Tizanidin beobachtet, wenn dieses chronisch und/oder täglich hoch dosiert und/oder zusammen mit Antihypertensiva angewendet wurde. In Extremfällen kann diese Rebound-Hypertonie zu zerebrovaskulären Zwischenfällen führen (siehe Abschnitte 4.4 und 4.5).

Meldung des Verdachts auf Nebenwirkungen

Die Meldung des Verdachts auf Nebenwirkungen nach der Zulassung ist von großer Wichtigkeit. Sie ermöglicht eine kontinuierliche Überwachung des Nutzen-Risiko-Verhältnisses des Arzneimittels. Angehörige von Gesundheitsberufen sind aufgefordert, jeden Verdachtsfall einer Nebenwirkung dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte, Abt. Pharmakovigilanz, Kurt-Georg-Kiesinger-Allee 3, D-53175 Bonn, Website: www.bfarm.de, anzuzeigen.

4.9 Überdosierung

Über Überdosierung mit Sirdalud wurde bisher nur in Einzelfällen berichtet. Die Genesung erfolgte ohne Zwischenfall, auch die eines Patienten, der 400 mg Sirdalud einnahm.

Die tödliche Dosis von Sirdalud beim Menschen ist nicht bekannt. Nach einer in suizidaler Absicht eingenommenen Dosis von 100 Tabletten Sirdalud 4 mg (400 mg Tizanidin) traten respiratorische Insuffizienz mit Cheyne-Stokes-Atmung, Miosis und Koma auf.

Symptome akuter Überdosierung können sein

Übelkeit, Erbrechen, Blutdruckabfall, Verlängerung des QTC-Intervalls, Schwindel, Ruhelosigkeit, Miosis, Schläfrigkeit, respiratorische Insuffizienz, Koma.

Therapie von Intoxikationen

  1. 1. Elimination des Arzneimittels durch Magenspülung, wiederholte Gabe hoher Dosen von Aktivkohle und forcierte Diurese.
  2. 2. Symptomatische Behandlung.

Ein spezifisches Antidot ist nicht bekannt.

5. PHARMAKOLOGISCHE EIGENSCHAFTEN

5.1 Pharmakodynamische Eigenschaften

Pharmakotherapeutische Gruppe: Muskelrelaxanzien, andere zentral wirkende Mittel

ATC-Code: M03B X02

Tizanidin ist ein zentral wirksames Myotonolytikum/Antispastikum mit Hauptangriffspunkt im Rückenmark. Es hemmt vorwiegend die für den übermäßigen Muskeltonus verantwortlichen polysynaptischen Mechanismen. Das Medikament hat keinen Einfluss auf die neuromuskuläre Übertragung.

Tizanidin ist gut verträglich und wirksam, sowohl gegen akute schmerzhafte Muskelverspannungen als auch gegen chronische Spastizität spinaler und zerebraler Genese. Es reduziert den Widerstand gegen passive Bewegungen und lindert Spasmen und Klonus.

5.2 Pharmakokinetische Eigenschaften

Tizanidin wird rasch und nahezu vollständig resorbiert. Die Plasma-Spitzenkonzentration wird innerhalb von 1 bis 2 Stunden erreicht. Die Substanz wird vorwiegend in der Leber, nach In-vitro-Untersuchungen hauptsächlich über das Cytochrom P450 1A2, metabolisiert. Die Metaboliten sind praktisch inaktiv. Die unveränderte Substanz und die Metaboliten werden hauptsächlich über die Nieren ausgeschieden (Ausscheidungsquote ca. 70 %). Die Substanz wird mit einer Halbwertszeit von 3 bis 5 Stunden eliminiert. Die Plasmaproteinbindung ist gering (30 %). Die Bioverfügbarkeit beträgt ca. 20 %.

Bei Patienten mit Kreatinin-Clearance < 25 ml/min wurden doppelt so hohe maximale Plasmaspiegel beobachtet wie bei gesunden Freiwilligen; die terminale Halbwertszeit war auf etwa 10 Stunden verlängert.

Die pharmakokinetischen Daten lassen vermuten, dass die renale Clearance bei älteren Patienten herabgesetzt sein kann. In diesen Fällen ist Sirdalud vorsichtig zu dosieren.

5.3 Präklinische Daten zur Sicherheit

Basierend auf den konventionellen Studien zur Sicherheitspharmakologie, Toxizität bei wiederholter Gabe, Reproduktions- und Entwicklungstoxizität, Genotoxizität und zum kanzerogenen Potenzial lassen die präklinischen Daten keine besonderen Gefahren für den Menschen erkennen.

Akute Toxizität

Die LD50 von Tizanidin nach oraler Verabreichung wurde mit > 200 mg/kg (Maus und Ratte) bzw. > 90 mg/kg (Kaninchen) bestimmt.

Toxizität bei wiederholter Verabreichung

Chronische Toxizitätsuntersuchungen wurden beim Hund über ein Jahr und bei der Ratte über zwei Jahre durchgeführt. Es wurden Elektrokardiogramm (EKG)-Veränderungen (Verlängerung des QT-Intervalls) beim Hund und Retinadegeneration und Hornhauttrübung bei der Ratte beobachtet. Die „nicht-toxische“ Dosis liegt beim Hund unter 0,45 mg/kg/Tag p.o., bei der Ratte unter 1 mg/kg/Tag p.o.

Mutagenes und tumorerzeugendes Potenzial

Ältere Untersuchungen an Bakterien und in Mäusen erbrachten keine Hinweise auf eine mutagene Wirkung. Neuere Untersuchungen liegen nicht vor.

Außerdem liegen Resultate über Kanzerogenitätsprüfungen bei der Maus (18 Monate) und bei der Ratte (24 Monate) vor.

Reproduktionstoxikologie

Eine Beeinträchtigung der Fertilität wurde bei einer Dosis beobachtet, die dem 2- bzw. dem 7-Fachen der therapeutischen Dosis (basierend auf Körperoberfläche) bei weiblichen bzw. männlichen Ratten entspricht. Die Wirkung war nach Absetzen der Behandlung reversibel. Die Fertilität der F1-Generation war nicht beeinträchtigt.

Reproduktionsstudien bei Ratten mit einer Dosis von 3 mg/kg/Tag und bei Kaninchen von 30 mg/kg/Tag ergaben keinen Hinweis auf Teratogenität. Eine Dosis von 100 mg/kg war aufgrund schwerer maternaler Toxizität nicht auswertbar. Bei Dosen ab dem 2-Fachen der therapeutischen Dosierung (basierend auf Körperoberfläche) kam es zu Entwicklungsverzögerungen, die sich in verminderten Fetengewichten und geringfügigen skelettalen Retardierungen bemerkbar machten. Beim Kaninchen wurden in einer Embryotoxizitätsstudie keine entsprechenden Effekte gesehen.

In Prä-/Postnatalstudien an der Ratte wurden bei einer Verabreichung kurz vor der Geburt eine Verlängerung der Tragzeit und eine erhöhte Totgeburtsrate sowie eine erhöhte postnatale Sterblichkeit beobachtet (beim 2-Fachen der therapeutischen Dosis basierend auf Körperoberfläche). Dies ist auf die muskelrelaxierende und sedierende Wirkung zurückzuführen, die den Geburtsvorgang und die Pflege der Nachkommenschaft beeinträchtigt.

Der Übergang in die Muttermilch wurde bei Ratten nachgewiesen.

6. PHARMAZEUTISCHE ANGABEN

6.1 Liste der sonstigen Bestandteile

Sirdalud 2 mg Tabletten/ -4 mg Tabletten/ -6 mg Tabletten

Mikrokristalline Cellulose

Wasserfreie Lactose

Hochdisperses Siliciumdioxid

Stearinsäure

6.2 Inkompatibilitäten

Nicht zutreffend.

6.3 Dauer der Haltbarkeit

Sirdalud 2 mg Tabletten/ -4 mg Tabletten

5 Jahre

Sirdalud 6 mg Tabletten

3 Jahre

6.4 Besondere Vorsichtsmaßnahmen für die Aufbewahrung

Nicht über 25 °C lagern.

6.5 Art und Inhalt des Behältnisses

Blister aus PVC und Aluminiumfolie.

Sirdalud 2 mg Tabletten

Originalpackungen mit

20 Tabletten

50 Tabletten

100 Tabletten

Sirdalud 4 mg Tabletten

Originalpackungen mit

20 Tabletten

50 Tabletten

100 Tabletten

Sirdalud 6 mg Tabletten

Originalpackungen mit

20 Tabletten

100 Tabletten

Es werden möglicherweise nicht alle Packungsgrößen in den Verkehr gebracht.

6.6 Besondere Vorsichtsmaßnahmen für die Beseitigung

Keine besonderen Anforderungen für die Beseitigung.

7. INHABER DER ZULASSUNGEN

Hexal AG

Industriestraße 25

83607 Holzkirchen

Telefon: (08024) 908-0

Telefax: (08024) 908-1290

E-Mail: service@hexal.com

8. ZULASSUNGSNUMMERN

Sirdalud 2 mg Tabletten

4844.00.00

Sirdalud 4 mg Tabletten

4844.01.00

Sirdalud 6 mg Tabletten

4844.02.00

9. DATUM DER ERTEILUNG DER ZULASSUNGEN/VERLÄNGERUNG DER ZULASSUNGEN

Datum der Erteilung der Zulassungen: 05. Februar 1985

Datum der letzten Verlängerung der Zulassungen: 19. Dezember 2011

10. STAND DER INFORMATION

März 2023

11. VERKAUFSABGRENZUNG

Verschreibungspflichtig

Über dieses Dokument

Quelle: BfArM – Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (AMIce) · Zulassungsnummer: 4844.01.00 · ENR 2104845

Stand der Information laut Text: 03/2023

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Die Informationen auf dieser Website ersetzen nicht den Rat eines Arztes oder Apothekers.

Fakten zu Sirdalud 4mg

Rezeptpflicht
Verschreibungspflichtig?
  • Sie erhalten das Arzneimittel nur mit einem ärztlichen Rezept in der Apotheke.
  • Rechtsgrundlage laut BfArM: verschreibungspflichtig gemäß § 48(1),(2)2 AMG.
Wirkstoff Tizanidinhydrochlorid 4.576 mg
Darreichungsform Tablette
Art der Anwendung Zum Einnehmen
Sonstige Bestandteile Stearinsäure (Ph.Eur.), Mikrokristalline Cellulose, Hochdisperses Siliciumdioxid, Lactose
Packungsgrößen 20 Stück, 50 Stück, 100 Stück (außerdem Klinikpackungen: 500 Stück)
Haltbarkeit 5 Jahre (ungeöffnete Packung)
Fälschungsschutz Ja – die Packung trägt einen individuellen Code und einen Erstöffnungsschutz (securPharm), die Apotheke prüft die Echtheit
ATC-Klassifikation
  1. M Muskel- und Skelettsystem
    1. M03 Muskelrelaxanzien
      1. M03B Muskelrelaxanzien, zentral wirkende Mittel
        1. M03BX Andere zentral wirkende Mittel
          1. M03BX02 Tizanidin
Zulassung 4844.01.00, seit 05.02.1985, verlängert 21.12.2011; nationales Verfahren (Deutschland)
Pharmazeutischer Unternehmer H e x a l Aktiengesellschaft, 83607 Holzkirchen
Hersteller (Freigabe) Lek S.A. (BS 1), Novartis Pharma GmbH (BS 2), Lek farmacevtska druzba d.d. Beiname: Lek Pharmaceuticals d.d., Lek d.d., Sanofi-Synthelabo GmbH, Novartis Pharma Produktions GmbH, Novartis Farmaceutica, S.A., Novartis Pharma GmbH
Risikoverfahren
1 Verfahren zur Arzneimittelsicherheit+
  • AM mit Wirkstoff Tizanidin
PZN 03023504

Quelle: BfArM, Arzneimittel-Informationssystem AMIce (ENR 2104845), Datensatz vom 06.07.2026. Angaben ohne Gewähr – fragen Sie Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder Ihre Apotheke.