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Sulpirid STADA® 200 mg Tabletten – Fachinformation (SmPC) für Ärzte und Apotheker

Die Fachinformation richtet sich an Ärzte und Apotheker. Verständliche Hinweise für Patienten enthält der Beipackzettel: Einnahme, Nebenwirkungen, Andere Arzneimittel, Schwangerschaft und Stillzeit.

Aktualisiert:
Fakten
Status:
Verschreibungspflichtig
Stärke:
200 mg
Dieselbe Fachinformation gilt auch für:
Wirkstoff:
ATC-Gruppe:

Fachinformation - Sulpirid STADA 200 mg Tabletten

1. Bezeichnung des Arzneimittels

Sulpirid STADA® 50 mg Tabletten

Sulpirid STADA® 200 mg Tabletten

2. Qualitative und quantitative Zusammensetzung

Sulpirid STADA® 50 mg

1 Tablette enthält 50 mg Sulpirid.

Sulpirid STADA® 200 mg

1 Tablette enthält 200 mg Sulpirid.

Die vollständige

Auflistung der sonstigen Bestandteile siehe unter Pkt. 6.1

3. Darreichungsform

Tablette

Sulpirid STADA® 50 mg

Weiße, runde, bikonvexe Tablette mit einseitiger Bruchrille.

Sulpirid STADA® 200 mg

Weiße, runde, flache Tablette mit beidseitiger Kreuzbruchkerbe.

Die Tablette kann in gleiche Hälften geteilt werden.

4. Klinische Angaben

4.1 Anwendungsgebiete

Sulpirid STADA® 50 mg

  • Akute und chronische Schizophrenie im Erwachsenen- und Kindesalter
  • Depressive Erkrankungen, wenn die Behandlung mit einem anderen Antide-pressivum erfolglos war
  • Peripher-labyrintherer Schwindelzustand, z.B. Morbus Menière, peripherer Lage-, Dreh- und Schwankschwindel.

Sulpirid STADA® 200 mg

Akute und chronische Schizophrenie im Erwachsenen- und Kindesalter.

4.2 Dosierung, Art und Dauer der Anwendung

Dosierungsrichtlinien

Die Dosierung und Anwendungsdauer richten sich nach der individuellen Reak-tionslage des Patienten sowie Art und Schwere des Krankheitsbildes.

Sulpirid STADA® 200 mg

Behandlung von Schizophrenien

Die Behandlung wird einschleichend mit 3-mal ½ Tablette (entsprechend 300 mg Sulpirid/Tag) begonnen. In der Regel beträgt die Tagesdosis für Erwachse-ne 2-4 Tabletten, verteilt auf 2-4 Einzelgaben. Die Tagesdosis von 5 Tabletten (entsprechend 1000 mg Sulpirid/Tag), verteilt auf mehrere Gaben, darf im All-gemeinen nicht überschritten werden.

Bei therapieresistenten Schizophrenien darf die Maximaldosis von 8 Tabletten (entsprechend 1600 mg Sulpirid/Tag) im Einzelfall nur über die psychiatrische Verordnung erfolgen.

Akute Krankheitszustände können anfangs mit parenteralen Gaben (200-1000 mg Sulpirid i.m. täglich) über 2-9 Tage behandelt werden.

Sulpirid STADA® 50 mg

Behandlung von Schizophrenien

Die Behandlung wird bei Erwachsenen einschleichend mit 3-mal täglich 2 Tab-letten (entsprechend 300 mg Sulpirid/Tag) begonnen, bis die Behandlung mit einer höheren Erhaltungsdosis fortgesetzt wird. In der Regel beträgt diese für Erwachsene 400-800 mg Sulpirid, eine Tagesgesamtdosis von 1000 mg Sulpi-rid sollte nur bei besonderer psychiatrischer Begründung bis maximal 1600 mg Sulpirid überschritten werden. Für diese Fälle stehen geeignetere Darrei-chungsformen zur Verfügung.

Akute Krankheitszustände können anfangs mit parenteralen Gaben (200-1000 mg Sulpirid i.m. täglich) über 2-9 Tage behandelt werden.

Behandlung von depressiven Erkrankungen

Die Behandlung wird einschleichend mit 1-3 Tabletten (entsprechend 50-150 mg Sulpirid/Tag) begonnen. In der Regel beträgt die Erhaltungsdosis für Er-wachsene 3-mal täglich 1-2 Tabletten (entsprechend 150-300 mg Sulpirid/Tag).

Höhere Tagesdosen sind in der Regel nicht erforderlich und werden im Einzel-fall durch den Arzt festgelegt.

Akute depressive Krankheitsbilder können anfangs mit parenteralen Gaben (2-mal täglich 100 mg Sulpirid i.m.) behandelt werden.

Behandlung von Schwindelzuständen

Die Behandlung wird bei Erwachsenen einschleichend mit 1-3 Tabletten (ent-sprechend 50-150 mg Sulpirid/Tag) begonnen. In der Regel beträgt die Erhal-tungsdosis für Erwachsene 3-mal täglich 1-2 Tabletten (entsprechend 150-300 mg Sulpirid/Tag).

Akute Schwindelzustände können anfangs mit parenteralen Gaben (2-mal täg-lich 100 mg Sulpirid i.m.) behandelt werden.

Ältere Patienten erhalten die Hälfte der oben angegebenen Erwachsenendosis.

Patienten mit Niereninsuffizienz

Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion erhalten - abhängig vom Schwe-regrad der Einschränkung - niedrigere Tagesdosen. Folgende Richtwerte sind zu beachten:

  • Kreatinin-Clearance zwischen 30 und 60 ml/min: 50% der Tagesdosis
  • Kreatinin-Clearance zwischen 10 und 30 ml/min: 30% der Tagesdosis
  • Kreatinin-Clearance weniger als 10 ml/min: 20% der Tagesdosis

Behandlung von Schizophrenien bei Kindern

Bei Kindern ab 6 Jahren sowie bei Jugendlichen darf die Tagesdosis von 3-10 mg Sulpirid/kg Körpergewicht, verteilt auf 2-3 Einzelgaben, nicht überschritten werden. Als Anfangsdosis werden 1-2 mg/kg KG/Tag, als Erhaltungsdosis 5 mg/kg KG/Tag empfohlen.

Tabletten mit 200 mg sind wegen des zu hohen Wirkstoffgehaltes für Kinder un-ter 10 Jahren ungeeignet.

Art und Dauer der Anwendung

Die Tabletten werden unzerkaut mit etwas Flüssigkeit eingenommen. Die Ein-nahme kann unabhängig von den Mahlzeiten erfolgen.

Die Tabletten sind teilbar: Sulpirid STADA® 50 mg und 200 mg Tabletten besit-zen eine Bruchrille.

Der behandelnde Arzt bestimmt die Menge der täglichen Einnahme und die Dauer der Behandlung je nach dem Verlauf des Krankheitsbildes des Patienten.

Je nach Beschwerdebild kann vom Arzt die Tagesdosis nach etwa 1-3 Wochen verringert bzw. erhöht werden.

Bei einer Langzeittherapie sollte vom Arzt die Notwendigkeit der fortgesetzten Behandlung alle 3-6 Monate überprüft werden.

Wegen der zentral erregenden Wirkungen von Sulpirid STADA® empfiehlt es sich, die letzte Dosis in der Regel vor 16.00 Uhr einzunehmen, um Schlafstö-rungen zu vermeiden.

4.3 Gegenanzeigen

  • Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff, Benzamidderivate oder einen der sonstigen Bestandteile des Arzneimittels
  • akuter Alkohol-, Schlafmittel-, Analgetika (Opiate)- und Psychopharmaka-Intoxikationen
  • maniforme Psychosen
  • hirnorganische Erkrankungen, insbesondere des Alters, die mit Erregungs-zuständen einhergehen (organisches Psychosyndrom)
  • Krampfanfälle (z.B. Epilepsie)
  • Parkinson’sche Erkrankung
  • bestehende Hyperprolaktinämie
  • Tumore der Nebennieren (Phäochromozytome)
  • prolaktinabhängige Tumore sowie alle Mammatumore
  • Schwangerschaft und Stillzeit
  • Kinder unter 6 Jahren
  • Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren (außer bei Behandlung von Schizo-phrenien).

Sulpirid STADA® 200 mg zusätzlich

  • Kinder unter 10 Jahren.

4.4 Besondere Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwen-dung

Sulpirid STADA® darf nur unter besonderer Vorsicht angewendet werden bei

  • jüngeren Frauen mit Störungen der Monatsblutungen (Zyklusstörungen)
  • Patienten mit sehr niedrigem oder erhöhtem Blutdruck
  • schizophrenen Psychosen, die mit Erregungs- und Aggressivitätssympto-men einhergehen
  • Patienten mit Vorschäden der Gefäße, insbesondere Herzkranzgefäße (An-gina pectoris) und des Herzens (Herzinsuffizienz)
  • schweren Leber- und Nierenschäden
  • malignem neuroleptischem Syndrom in der Anamnese
  • Vorliegen kardialer Störungen, Bradykardie, Hypokaliämie, Hypomagnesiä-mie und bei kongenitaler oder erworbener QT-Verlängerung ist das Risiko von schweren ventrikulären Arrhythmien wie Torsade de pointes erhöht, da Sulpirid dosisabhängig eine Verlängerung des QT-Intervalls verursachen kann.

Erhöhte Mortalität bei älteren Menschen mit Demenz-Erkrankungen

Die Daten zweier großer Anwendungsstudien zeigten, dass ältere Menschen mit Demenz-Erkrankungen, die mit konventionellen (typischen) Antipsychotika behandelt wurden, einem leicht erhöhten Mortalitätsrisiko im Vergleich zu nicht mit Antipsychotika Behandelten ausgesetzt sind. Anhand der vorliegenden Stu-diendaten kann eine genaue Höhe dieses Risikos nicht angegeben werden und die Ursache für die Risikoerhöhung ist nicht bekannt.

Sulpirid STADA® ist nicht zur Behandlung von Verhaltensstörungen, die mit Demenz-Erkrankungen zusammenhängen, zugelassen.

Erhöhtes Risiko für das Auftreten von unerwünschten zerebrovaskulären Ereignissen

In randomisierten, Plazebo-kontrollierten klinischen Studien mit an Demenz er-krankten Patienten, die mit einigen atypischen Antipsychotika behandelt wur-den, wurde ein etwa um das Dreifache erhöhtes Risiko für unerwünschte zere-brovaskuläre Ereignisse beobachtet. Der Mechanismus, der zu dieser Risikoer-höhung führt, ist unbekannt. Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass diese Wirkung auch bei der Anwendung anderer Antipsychotika oder bei anderen Pa-tientengruppen auftritt.

Sulpirid STADA® sollte daher bei Patienten, die ein erhöhtes Schlaganfallrisiko haben, mit Vorsicht angewendet werden.

Thromboembolie-Risiko

Im Zusammenhang mit der Anwendung von Antipsychotika sind Fälle von ve-nösen Thromboembolien (VTE) berichtet worden. Da Patienten, die mit An-tipsychotika behandelt werden, häufig erworbene Risikofaktoren für VTE auf-weisen, sollten alle möglichen Risikofaktoren für VTE vor und während der Be-handlung mit Sulpirid STADA® identifiziert und Präventivmaßnahmen ergriffen werden.

Weitere Hinweise

Vor der Anwendung von Sulpirid und je nach klinischem Zustand des Patienten wird daher empfohlen, folgende Faktoren, die das Entstehen dieser Rhythmus-störung begünstigen können, auszuschließen. Bradykardie (< 55 bpm), Hypoka-liämie, kongenitale QT-Verlängerung sowie die gleichzeitige Anwendung von Arzneimitteln, die eine Bradykardie (< 55 bpm), Hypokaliämie, Verlangsamung der intrakardialen Erregungsleitung oder eine Verlängerung des QT-Intervalls verursachen können (siehe Pkt. 4.5).

Da Sulpirid überwiegend über die Nieren ausgeschieden wird, sollte bei einge-schränkter Nierenfunktion (Niereninsuffizienz) die Dosis vom Arzt vermindert, bei starker Einschränkung der Nierenfunktion sollte Sulpirid nach ärztlicher An-ordnung abgesetzt werden.

Besondere Vorsicht ist auch geboten bei Anwendung von Sulpirid bei Patienten mit Glaukom, Pylorusstenose, Harnverhalten oder Prostatahyperplasie in der Anamnese.

Regelmäßige Kontrollen des Blutbildes sowie der Nieren- und Kreislauffunktion werden empfohlen.

Patienten mit der seltenen hereditären Galaktose-Intoleranz, Laktase-Mangel oder Glukose-Galaktose-Malabsorption sollten Sulpirid STADA® nicht einneh-men.

4.5 Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln und sonstige Wechsel-wirkungen

Sulpirid verstärkt die sedierende Wirkung von zentraldämpfenden Arzneimitteln (Schlafmittel, Beruhigungsmittel, Tranquilizer u.a.).

Sulpirid kann in Verbindung mit Arzneimitteln, die stimulierend auf das Zentral-nervensystem wirken (z.B. Appetitzügler, Asthmamittel), verstärkte Unruhe, Nervosität, Angst und Erregung bewirken.

Sulpirid kann die Wirkung von Antihypertonika abschwächen oder zu krisenhaf-tem Blutdruckanstieg führen.

Die Kombination mit Arzneimitteln, die am Herzen die Erregungsleitung beein-flussen und zu schwerwiegenden Herzrhythmusstörungen (Torsade de pointes) führen können, wird nicht empfohlen:

  • Bradykardie-induzierende Arzneimittel wie Betablocker, bestimmte Calcium-kanalblocker (Diltiazem und Verapamil), Clonidin, Guanfacin, Digitalisglyko-side
  • Hypokaliämie-induzierende Arzneimittel wie Diuretika, Abführmittel, intrave-nöse Gabe von Amphotericin B, Glukokortikoide, Tetracosactide. Eine Hy-pokaliämie muss behandelt werden
  • Antiarrhythmika der Klasse Ia (Chinidin, Disopyramid) und der Klasse III (A-miodaron, Sotalol)
  • weitere Arzneimittel wie Pimozid, Sultoprid, Haloperidol, tricyclische Antide-pressiva, Lithium, Bepridil, Cisaprid, Thioridazin, intravenöse Gabe von: Erythromycin bzw. Vincamin, Halofantrin, Pentamidin oder Sparfloxacin.

Der gleichzeitige Genuss von Alkohol unter der Behandlung mit Sulpirid ist we-gen nicht vorhersehbarer Reaktionen zu vermeiden.

4.6 Schwangerschaft und Stillzeit

Schwangerschaft

Sulpirid ist in der Schwangerschaft kontraindiziert, da keine Erfahrungen mit ei-ner Anwendung an schwangeren Frauen vorliegen und der Wirkstoff im Tier-versuch unzureichend geprüft wurde (siehe Pkt. 5.3). Sulpirid passiert die Pla-zenta.

Neugeborene, die während des dritten Trimenons der Schwangerschaft gegen-über Antipsychotika (einschließlich Sulpirid) exponiert sind, sind durch Nebenwir-kungen einschließlich extrapyramidaler Symptome und/oder Entzugserscheinun-gen gefährdet, deren Schwere und Dauer nach der Entbindung variieren können.

Es gab Berichte über Agitiertheit, erhöhten oder erniedrigten Muskeltonus, Tre-mor, Somnolenz, Atemnot oder Störungen bei der Nahrungsaufnahme. Dement-sprechend sollten Neugeborene sorgfältig überwacht werden.

Stillzeit

Sulpirid ist in der Stillzeit kontraindiziert, da die durch die Muttermilch aufge-nommene Wirkstoffmenge ausreichen kann, um beim Säugling pharmakologi-sche Effekte zu induzieren.

4.7 Auswirkungen auf die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Be-dienen von Maschinen

Wegen des Auftretens zentralnervöser Symptome wie Schwindel, Müdigkeit oder Erregungszuständen kann der Wirkstoff auch bei bestimmungsgemäßem Gebrauch das Reaktionsvermögen so weit verändern, dass die Fähigkeit zur aktiven Teilnahme am Straßenverkehr oder zum Bedienen von Maschinen be-einträchtigt wird. Dies gilt in verstärktem Maße im Zusammenwirken mit Alko-hol.

4.8 Nebenwirkungen

Bei der Bewertung von Nebenwirkungen werden folgende Häufigkeiten zugrun-de gelegt: sehr häufig (> 1/10), häufig (> 1/100 bis < 1/10), gelegentlich (> 1/1.000 bis < 1/100), selten (> 1/10.000 bis < 1/1.000), sehr selten (< 1/10.000), Häufigkeit nicht bekannt (auf Grundlage der verfügbaren Daten nicht abschätz-bar).

Nervensystem/Psyche

Häufig: Übelkeit, Mundtrockenheit oder übermäßige Speichelsekretion, Transpi-ration, Kopfschmerzen, Schwindel, Müdigkeit, herabgesetzte körperliche Aktivi-tät (Hypokinesie).

Gelegentlich: Appetitsteigerung mit Gewichtszunahme.

Gelegentliche, aber schwerwiegende unerwünschte Wirkungen treten dosisab-hängig auf und äußern sich, insbesondere unter hohen Dosen, als extrapyrami-dal-motorische Störungen, wie z.B. medikamentöses Parkinson-Syndrom (Tre-mor, Rigor, Akinese) im Extremitäten- und Gesichtsbereich, Frühdyskinesien (z.B. Zungen-Schlund-, Blick-, Kiefermuskelkrämpfe, Schiefhals, Versteifung der Rückenmuskulatur, torsionsdystonische Bewegungsabläufe der oberen Ext-remitäten), Erregungszuständen mit innerer Unruhe und Unfähigkeit zum Sitzen (Akathisie), Nervosität, Schlaf- und Konzentrationsstörungen.

Bei längerer, zumeist hoch dosierter Therapie kann eine irreversible Spätdyski-nesie (extrapyramidal-motorische Störungen vornehmlich im Mund- und Ge-sichts- und Extremitätenbereich) auftreten. Frauen sowie ältere Menschen scheinen davon eher betroffen zu sein. Über Einzelfälle wurde berichtet. Der Patient muss regelmäßig auf sich entwickelnde Symptome, die manchmal erst nach Abschluss der Behandlung auftreten, untersucht werden.

Sinnesorgane

Gelegentlich: Sehstörungen.

Herz-Kreislauf-System

Häufig: Tachykardie, gelegentlich Blutdruckabfall oder - insbesondere bei er-höhtem Blutdruck - Blutdrucksteigerung. Ein orthostatischer Blutdruckabfall ist beschrieben worden.

Sehr selten: Einzelne Fälle einer QT-Verlängerung sowie von Torsade de poin-tes wurden berichtet.

Gefäßerkrankungen

Häufigkeit nicht bekannt (Häufigkeit auf Grundlage der verfügbaren Daten nicht abschätzbar): Fälle von Thromboembolien (einschließlich Fällen von Lungen-embolie und Fällen von tiefer Venenthrombose).

Hormonhaushalt

Sulpirid besitzt besonders ausgeprägte Wirkungen auf den Hormonhaushalt. Diese äußern sich in Form von Brustschmerzen, Spannungsgefühl in der Brust, Vergrößerung der Brustdrüse und Milchfluss (Mastopathie, Gynäkomastie, Ga-laktorrhö). Bei Frauen kommt es zu Störungen bzw. Ausbleiben der Monatsblu-tungen (Dysmenorrhö, Amenorrhö), bei Männern zu einer Abnahme der Libido und Potenz. Diese Störungen bilden sich nach Absetzen von Sulpirid in der Re-gel in kurzer Zeit wieder zurück.

Verdauungsorgane

Häufig: Obstipation, gastrointestinale Störungen mit Übelkeit und Erbrechen.

Harn- und Geschlechtsorgane

Gelegentlich: Miktionsstörungen.

Schwangerschaft, Wochenbett und perinatale Erkrankungen

Nicht bekannt: Arzneimittelentzugssyndrom des Neugeborenen (siehe Abschnitt 4.6.)

Haut

Sulpirid kann allergische Hautreaktionen in Form von Hautjucken und Hautaus-schlägen (Exanthem) hervorrufen.

Insbesondere bei Sehstörungen, Miktionsstörungen, Appetitsteigerung mit Ge-wichtszunahme, Blutdruckabfall oder - insbesondere bei erhöhtem Blutdruck - ist die Dosis zu reduzieren oder Sulpirid ganz abzusetzen. Als Gegenmittel kann z.B. Biperiden i.v. angewendet werden. Daher ist der Patient anzuweisen, beim Auftreten von solchen Nebenwirkungen den behandelnden Arzt aufzusu-chen.

Hinweise

Sehr selten: Unter der Behandlung mit Neuroleptika kann es zu einem malignen neuroleptischen Syndrom (lebensbedrohlicher Zustand mit hohem Fieber, Mus-kelsteifigkeit bis hin zu Bewusstseinsstörungen, etc.) kommen.

Ein Bericht über das Auftreten des Syndroms unter der Behandlung mit Sulpirid liegt in der Literatur vor. Daher sind die Patienten anzuweisen, beim Auftreten derartiger Symptome sofort Sulpirid abzusetzen und den Arzt aufzusuchen. Beim Auftreten dieser Erscheinungen sind sofort intensivmedizinische Maß-nahmen einzuleiten.

Über Blutbildschäden unter der Therapie mit Sulpirid wurde bislang nicht berich-tet.

Meldung des Verdachts auf Nebenwirkungen

Die Meldung des Verdachts auf Nebenwirkungen nach der Zulassung ist von großer Wichtigkeit. Sie ermöglicht eine kontinuierliche Überwachung des Nut-zen-Risiko-Verhältnisses des Arzneimittels. Angehörige von Gesundheitsberu-fen sind aufgefordert, jeden Verdachtsfall einer Nebenwirkung dem

Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte

Abt. Pharmakovigilanz

Kurt-Georg-Kiesinger-Allee 3

D-53175 Bonn

Website: www.bfarm.de

anzuzeigen.

4.9 Überdosierung

Bei jeder Beurteilung einer Überdosierung und Intoxikation sollte an das Vorlie-gen einer Mehrfachintoxikation, beispielsweise bei Einnahme mehrerer Arznei-mittel in suizidaler Absicht, gedacht werden.

Symptome einer Intoxikation

Angaben zu schwerwiegenden Komplikationen durch eine Überdosierung mit Sulpirid liegen bisher nicht vor. Der in der Literatur beschriebene toxische Do-sisbereich beim Menschen reicht von 1-16 g Sulpirid.

Über folgende dosisabhängige klinische Symptome einer Vergiftung wurde in der Literatur berichtet: Nach Einnahme einer Einzeldosis von 1-3 g Sulpirid tra-ten Unruhe, Bewusstseinstrübungen und extrapyramidale Störungen auf, Do-sen von 3-7 g Sulpirid können Erregung, Verwirrtheit und die extrapyramidalen Störungen verstärken. Dosen von mehr als 7 g Sulpirid können darüber hinaus Koma und Blutdruckabfall hervorrufen.

Therapie einer Intoxikation

Im akuten Fall oraler Überdosierung empfiehlt sich eine frühzeitige Magenspü-lung. Die Anwendung von Emetika wird in Literaturberichten nicht empfohlen.

Beim Auftreten ausgeprägter extrapyramidal-motorischer Störungen in Form ei-nes hyper- oder dyskinetischen Syndroms können Antiparkinson-Mittel einge-setzt werden (z.B. Biperiden). Intensivpflege und -überwachung des Patienten (Herz-Kreislauf-Atemfunktionen) ist erforderlich. Je nach Vergiftungsbild sind Leber- und Nierenfunktion zu kontrollieren. Eine forcierte Diurese mit alkalisie-renden Infusionslösungen kann sinnvoll sein. Spezielle Antidota sind nicht be-kannt.

5. Pharmakologische Eigenschaften

5.1 Pharmakodynamische Eigenschaften

Pharmakotherapeutische Gruppe: Psycholeptika

ATC-Code: N05 AL 01

Sulpirid ist ein schwaches bis mittelstarkes Neuroleptikum und gehört zur Grup-pe der substituierten Benzamide. Es wirkt über die Blockade der D2-Rezeptoren. Es reichert sich mehr im mesolimbischen als im nigrostriatären System an. Möglicherweise treten aufgrund dieser, von den klassischen Neuro-leptika abweichenden, lokalen Verteilung extrapyramidal-motorische Nebenwir-kungen seltener auf. In tierexperimentellen Untersuchungen zeigte Sulpirid fol-gende Eigenschaften:

  • keine kataleptogene Wirkung
  • keinen Einfluss auf die Dopamin-empfindlich reagierenden Adenylatcyclase-Systeme
  • keinen Einfluss auf den Umsatz von Norepinephrin und Serotonin
  • keine Bindung an die cholinergen muskarinergen und GABA-Rezeptoren.

Durch Sulpirid wird über eine Blockade von Dopaminrezeptoren im tuberoinfun-dibulären System die Prolaktinkonzentration relativ stark erhöht.

In niedriger Dosierung scheint Sulpirid eine antidepressive Wirkung zu haben, weil dann wahrscheinlich die durch Blockade präsynaptischer Dopaminrezepto-ren verursachte gesteigerte Neurotransmitterfreisetzung die Antagonisierung postsynaptischer Rezeptoren funktionell überwiegt. Erst ab höheren Dosen von 300-600 mg beeinflusst Sulpirid die schizophrene Symptomatik. Dies erklärt die dosisabhängig unterschiedlich zur Wirkung kommenden neuroleptischen und wahrscheinlich anti-depressiven wie antivertiginösen Effekte.

5.2 Pharmakokinetische Eigenschaften

Sulpirid ist eine hydrophile Substanz mit geringer Lipidlöslichkeit. Nach in-tramuskulärer Injektion wird Sulpirid eher resorbiert als nach oraler Gabe, ma-ximale Plasmaspiegel werden innerhalb 10-30 min erreicht. Im Steady state liegt die Plasmakonzentration bei oraler Verabreichung von 800 mg/Tag in der Größenordnung von 2 µg/ml. Sulpirid zeigt kaum Plasmaproteinbindung, das Verteilungsvolumen liegt bei ca. 1-2,7 l/kg. Studien zufolge werden nur ca. 5% der oral verabreichten Dosis beim Menschen metabolisiert.

Beim Menschen wurden bislang keine Metabolite bestimmt. Bei Hund und Ratte wurden zwar Metabolite identifiziert, jedoch deren pharmakologische Aktivität bislang nicht untersucht.

Sulpirid wird rasch und überwiegend renal eliminiert. Bis zu 95% des syste-misch verfügbaren Sulpirid wird unverändert über die Nieren eliminiert. Beim Gesunden betrug die totale wie renale Clearance etwa 7,5 l/h. Etwa 80% der im Urin ausgeschiedenen Substanz finden sich bereits in den ersten 24 Stunden nach Verabreichung des Präparates. In Kinetikstudien wurde beobachtet, dass die Harnausscheidung nach oraler Gabe langsamer verläuft als nach i.m. oder i.v. Gaben. 30-50% der verabreichten Dosis werden im Harn, der Rest im Stuhl ausgeschieden. Die Plasmahalbwertszeit beträgt durchschnittlich etwa 8 Stun-den (7,2-10 h, bei der Lösung 9,5-10,2 h).

Bei Patienten mit schwerer Niereninsuffizienz wie bei Älteren ist von einer ver-langsamten Elimination im Harn und Kumulationsgefahr auszugehen, obwohl bislang keine ausreichenden klinischen Berichte vorliegen. In einer Kinetikstu-die wurde nach Einmalgabe von 100 mg Sulpirid i.v. an 18 Patienten mit unter-schiedlicher Kreatinin-Clearance (weniger als 60 ml/min) versus 6 gesunden Probanden nach dem Kruskal-Wallis-Test statistisch signifikante Differenzen festgestellt: Gegenüber den Gesunden waren die Werte t½ (von 6 h auf 26 h), MRT (von 7,3 h auf 35 h), AUC (von 16 auf 56 mg/1 x h) erhöht und die totale Clearance (von 7,6 auf 2,2 l/h), renale Clearance (von 5,8 auf 0,5 l/h), unverän-derte Muttersubstanz (von 88 auf 26%) reduziert. Daraus schlossen die Auto-ren, dass die Sulpirid-Dosis sowohl nach parenteraler wie oraler Gabe bei Langzeitanwendung um 35-70% reduziert werden sollte.

5.3 Präklinische Daten zur Sicherheit

Präklinische Studien zur akuten und chronischen Toxizität sowie Untersuchun-gen zur Genotoxizität von Sulpirid lassen kein spezielles Risiko für den Men-schen erkennen.

Unter Sulpirid kommt es zu einer erhöhten Prolaktinausschüttung. Diese be-dingt das Auftreten von Mammatumoren in Kanzerogenitätsstudien am Ver-suchstier. Eine Hyperprolaktinämie kann beim Menschen eine schlechtere Prognose für einen bereits bestehenden Mammatumor darstellen. Die Relevanz der prolaktinbedingten Tumorentstehung beim Menschen ist unklar.

In Kanzerogenitätsversuchen an Wistar-Ratten kam es unter Sulpirid-Gabe do-sisabhängig zu vermehrtem Auftreten von Inselzelltumoren der Bauchspeichel-drüse. Eine direkte stimulierende Wirkung auf das Teilungswachstum der Insel-zellen konnte ausgeschlossen werden. Bei dem Tumorwachstum handelt es sich um ein speziesspezifisches und durch den Rattenstamm beeinflusstes Phänomen. In ähnlichen Versuchen an einem anderen Rattenstamm und an Mäusen wurden keine erhöhten Tumorraten der Bauchspeicheldrüse nachge-wiesen.

Nach dem gegenwärtigen Kenntnisstand ist die Bedeutung dieser Befunde für den Menschen als irrelevant anzusehen.

Sulpirid wurde unzureichend auf mögliche embryotoxische Wirkungen geprüft. Nach Sulpiridexposition im letzten Trächtigkeitsdrittel wurden bei Rattenfeten erhöhte Prolaktinkonzentrationen und ein erhöhtes Körpergewicht festgestellt.

6. Pharmazeutische Angaben

6.1 Liste der sonstigen Bestandteile

Mikrokristalline Cellulose, Lactose-Monohydrat, Magnesiumstearat (Ph.Eur.), Maisstärke, hochdisperses Siliciumdioxid.

6.2 Inkompatibilitäten

Nicht zutreffend.

6.3 Dauer der Haltbarkeit

5 Jahre.

6.4 Besondere Vorsichtsmaßnahmen für die Aufbewahrung

Keine.

6.5 Art und Inhalt des Behältnisses

PVC/Aluminium Blister.

Originalpackung mit 20, 50 und 100 Tabletten.

6.6 Besondere Vorsichtsmaßnahmen für die Beseitigung

Keine besonderen Anforderungen.

Nicht verwendetes Arzneimittel oder Abfallmaterial ist entsprechend den natio-nalen Anforderungen zu entsorgen.

7. Inhaber der Zulassung

STADApharm GmbH

Stadastraße 2–18

61118 Bad Vilbel

Telefon: 06101 603-0

Telefax: 06101 603-259

Internet: www.stada.de

8. Zulassungsnummern

36760.00.00

36760.01.00

9. Datum der Erteilung der Zulassung /Verlängerung der Zulassung

22.04.1996/23.02.2005

22.04.1996/23.02.2005

10. Stand der Information

Juli 2015

11. Verkaufsabgrenzung

Verschreibungspflichtig

Über dieses Dokument

Quelle: BfArM – Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (AMIce) · Zulassungsnummer: 36760.01.00 · ENR 2136761

Stand der Information laut Text: 07/2015

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Die Informationen auf dieser Website ersetzen nicht den Rat eines Arztes oder Apothekers.

Fakten zu Sulpirid STADA 200 mg Tabletten

Rezeptpflicht
Verschreibungspflichtig?
  • Sie erhalten das Arzneimittel nur mit einem ärztlichen Rezept in der Apotheke.
  • Rechtsgrundlage laut BfArM: verschreibungspflichtig gemäß § 48(1),(2)2 AMG.
Wirkstoff Sulpirid 200 mg
Darreichungsform Tablette
Art der Anwendung Zum Einnehmen
Sonstige Bestandteile Lactose-Monohydrat, Maisstärke, Mikrokristalline Cellulose, Magnesiumstearat (Ph.Eur.), Hochdisperses Siliciumdioxid
Packungsgrößen 20 Stück, 50 Stück, 100 Stück
Haltbarkeit 5 Jahre (ungeöffnete Packung)
Fälschungsschutz Ja – die Packung trägt einen individuellen Code und einen Erstöffnungsschutz (securPharm), die Apotheke prüft die Echtheit
ATC-Klassifikation
  1. N Nervensystem
    1. N05 Psycholeptika
      1. N05A Antipsychotika
        1. N05AL Benzamide
          1. N05AL01 Sulpirid
Zulassung 36760.01.00, seit 02.05.1996, verlängert 28.02.2005; nationales Verfahren (Deutschland)
Pharmazeutischer Unternehmer STADAPHARM GmbH, 61118 Bad Vilbel
Hersteller (Freigabe) STADA Arzneimittel Aktiengesellschaft
Risikoverfahren
2 Verfahren zur Arzneimittelsicherheit+
  • Antipsychotika - Erhöhte Mortalität, VTE, CVA: 1. Erhöhte Mortalität bei älteren Menschen mit Demenz-Erkrankungen (nur konventionelle -typische- Antipsychotika); 2. Venöse Thromboembolien (VTE) - typische und atypische Antipsychotika; 3. Unerwünschte cerebrovaskuläre Ereignisse - alle Antipsychotika (abgeschlossen 03.06.2015)
  • Antipsychotika - Absetzerscheinungen bei Neugeborenen: Nebenwirkungen bei Neugeborenen nach Anwendung im letzten Schwangerschaftsdrittel (Absetzerscheinungen) (abgeschlossen 03.06.2015)
Frühere Namen sulpirid 200 TA von ct (ab 22.04.1996), Sulpirid Stada 200mg (ab 23.09.1998), Sulpirid Stada 200 mg Tabletten (ab 04.04.2007), Sulpirid Billix 200 mg Tabletten (ab 16.07.2009)
PZN 00180657, 17848987

Quelle: BfArM, Arzneimittel-Informationssystem AMIce (ENR 2136761), Datensatz vom 19.03.2026. Angaben ohne Gewähr – fragen Sie Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder Ihre Apotheke.