Fachinformation - Tiaprid 100 - 1 A Pharma
1. BEZEICHNUNG DES ARZNEIMITTELS
Tiaprid 100 - 1 A Pharma, 100 mg Tabletten
2. QUALITATIVE UND QUANTITATIVE ZUSAMMENSETZUNG
1 Tablette enthält 111,1 mg Tiapridhydrochlorid, entsprechend 100 mg Tiaprid.
Vollständige Auflistung der sonstigen Bestandteile siehe Abschnitt 6.1.
3. DARREICHUNGSFORM
Tablette
Weiße, runde Tabletten mit einer Kreuzbruchrille auf beiden Seiten.
Die Tablette kann in gleiche Dosen geteilt oder geviertelt werden.
4. KLINISCHE ANGABEN
4.1 Anwendungsgebiete
Neuroleptika-induzierte Spätdyskinesien, vorwiegend oro-bucco-lingualer Art.
Klinische Beobachtungen und begrenzte Studiendaten geben Hinweise, dass Tiaprid Bewegungsstörungen bei Chorea Huntington verringern kann.
4.2 Dosierung und Art der Anwendung
Dosierung
Chorea Huntington
Bei Chorea Huntington ist die tägliche Gabe von 300-1.000 mg Tiaprid angezeigt; die Gesamtdosis wird, je nach Höhe der Dosis, auf 3-5 Einzelgaben verteilt.
Spätdyskinesien
Zur Behandlung von Spätdyskinesien nach Neuroleptika-Therapie, die besonders im Bereich der Mund- und Gesichtsmuskulatur (Zungen-Schlund-Syndrom), aber auch in der Muskulatur der Extremitäten auftreten können, empfiehlt sich die Gabe von täglich 300-600 mg Tiaprid, verteilt auf etwa 3 Einzelgaben. Der Therapieerfolg zeigt sich eventuell erst nach 4-6-wöchiger Behandlungsdauer.
Kinder und Jugendliche
Kinder werden mit 150-300 mg Tiaprid pro Tag, verteilt auf 3 Einzelgaben, behandelt.
Eingeschränkte Nierenfunktion
Kreatinin-Clearance
50-80 ml/min. = 75 % der normalen Tagesdosis
10-50 ml/min. = 50 % der normalen Tagesdosis
unter 10 ml/min. = 25 % der normalen Tagesdosis
Eingeschränkte Leberfunktion
Da das Arzneimittel in der Leber nur wenig verstoffwechselt wird, ist eine Dosisreduktion bei Leberinsuffizienz nicht erforderlich.
Art der Anwendung
Die Tabletten werden am besten nach einer Mahlzeit mit etwas Flüssigkeit eingenommen.
4.3 Gegenanzeigen
Tiaprid darf nicht angewendet werden bei
- Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der in Abschnitt 6.1 genannten sonstigen Bestandteile
- Prolaktinabhängigen Tumoren (z. B. Hypophysäres Prolaktinom und Brustkrebs)
- Phäochromozytom
- In Kombination mit Citalopram, Escitalopram, Domperidon, Hydroxyzin, Piperaquin oder dopaminergen Arzneimitteln, die nicht zur Behandlung der Parkinson‑Krankheit eingesetzt werden (Cabergolin, Quinagolid) (siehe Abschnitt 4.5).
4.4 Besondere Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung
Warnhinweise
Verlängerung des QT-Intervalls
Tiaprid kann dosisabhängig eine Verlängerung des QT-Intervalls hervorrufen. Es ist bekannt, dass dies das Risiko schwerwiegender ventrikulärer Arrhythmien, wie Torsade de pointes, durch das Vorhandensein von Bradykardie, Hypokaliämie, angeborenem oder erworbenem verlängertem QT (Kombination mit einem QT-Intervall-verlängerndem Medikament, erhöhen kann (siehe auch Abschnitt 4.8). Vor einer Behandlung mit Tiaprid und, wenn möglich, entsprechend dem klinischen Status des Patienten, sollten die Faktoren überwacht werden, die das Auftreten dieser Rhythmusstörungen begünstigen könnten wie z. B.
- Bradykardie mit einer Herzfrequenz unter 55 Schläge/Minute
- Störungen des Elektrolythaushaltes, insbesondere Hypokaliämie
- angeborene Verlängerung des QT-Intervalls
- gleichzeitige Behandlung mit Arzneimitteln, die eine ausgeprägte Bradykardie (Herzfrequenz unter 55 Schläge/Minute), Hypokaliämie, verminderte kardiale Erregungsleitung oder eine Verlängerung des QT-Intervalls hervorrufen können (siehe auch Abschnitte 4.3 und 4.5).
- Alkoholkonsum kann zu Elektrolytstörungen führen und daher das QT-Intervall verlängern (siehe Abschnitt 4.5).
Tiaprid sollte bei Patienten mit Risikofaktoren, die eine Verlängerung des QT-Intervalls begünstigen können, mit Vorsicht angewendet werden.
Außerhalb von Notfallsituationen wird empfohlen, im Rahmen der initialen klinischen Beurteilung ein Elektrokardiogramm (EKG) bei Patienten durchzuführen, bei denen eine längerfristige Behandlung mit einem Neuroleptikum indiziert ist.
Kombination mit anderen Neuroleptika
Die gleichzeitige Behandlung mit anderen Neuroleptika sollte vermieden werden (siehe Abschnitt 4.5).
Potenziell tödliches malignes neuroleptisches Syndrom (MNS)
Wie auch bei anderen Neuroleptika kann es unter der Behandlung mit Tiaprid zu einem malignen neuroleptischen Syndrom kommen. Dieser Zustand ist gekennzeichnet durch Blässe, hohes Fieber, Muskelrigidität, autonome Fehlfunktion, vegetative Störungen, Bewusstseinstrübung und einen erhöhten CPK-Wert und verläuft möglicherweise tödlich (siehe Abschnitt 4.8). Es wurden auch atypische Fälle beobachtet, die keine Muskelrigidität und erhöhten Muskeltonus zeigten und nur eine leicht erhöhte Körpertemperatur aufwiesen.
Anzeichen einer vegetativer Dysfunktion, wie Schwitzen und arterielle Instabilität, können dem Beginn einer Hyperthermie vorausgehen und stellen daher frühe Warnsignale dar.
Bei Verdacht auf MNS oder Hyperthermie nicht diagnostizierten Ursprungs, die entweder als frühes Anzeichen/Symptom eines MNS oder als atypisches MNS angesehen werden kann, sollte Tiaprid unverzüglich abgesetzt und der Patient unter ärztliche Aufsicht gestellt werden.
Aufgrund des bei jedem Neuroleptika beobachteten MNS-Risikos sollte Tiaprid bei Patienten, die gleichzeitig mit anderen Neuroleptika oder anderen Arzneimitteln behandelt werden, von denen bekannt ist, dass sie ein MNS verursachen, mit Vorsicht angewendet werden (siehe Abschnitt 4.5).
Obwohl diese Wirkung von Neuroleptika einen idiosynkratischen Ursprung haben kann, scheinen bestimmte Risikofaktoren dafür prädisponiert zu sein, wie z. B. Dehydration oder organische Hirnschäden.
Patienten mit Morbus Parkinson
Nur in begründeten Ausnahmefällen dürfen Patienten mit Morbus Parkinson Tiaprid erhalten.
Erhöhtes Risiko für das Auftreten von zerebrovaskulären Ereignissen (Schlaganfall)
In randomisierten, placebokontrollierten klinischen Studien mit an Demenz erkrankten Patienten, die mit einigen atypischen Antipsychotika behandelt wurden, wurde ein etwa um das 3-fache erhöhtes Risiko für unerwünschte zerebrovaskuläre Ereignisse im Vergleich zu Placebo beobachtet. Der Mechanismus, der zu dieser Risikoerhöhung führt, ist unbekannt. Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass diese Wirkung auch bei der Anwendung anderer Antipsychotika oder bei anderen Patientengruppen auftritt. Tiaprid sollte daher bei Patienten, die ein erhöhtes Schlaganfallrisiko haben, mit Vorsicht angewendet werden.
Erhöhte Mortalität bei älteren Patienten mit Demenz-Erkrankungen
Ältere Patienten mit Demenz-assoziierter Psychose, die mit Antipsychotika behandelt werden, haben ein erhöhtes Sterblichkeitsrisiko. Analysen von 17 placebokontrollierten Studien (durchschnittlicheDauer von 10 Wochen), überwiegend mit Patienten, die atypische Antipsychotika einnahmen, zeigten ein zwischen 1,6-1,7-fach erhöhtes Mortalitätsrisiko im Vergleich zur Placebogruppe. Im Verlauf einer typischen 10-wöchigen kontrollierten Studie betrug das Mortalitätsrisiko bei den mit Verum behandelten Patienten etwa 4,5 % im Vergleich zu etwa 2,6 % in der Placebogruppe. Obwohl die Todesursachen in den klinischen Studien mit atypischen Antipsychotika unterschiedlich waren, schienen die meisten Todesfälle entweder kardiovaskulärer Art (z. B. Herzversagen, plötzlicher Tod) oder infektionsbedingt (z. B. Pneumonie) zu sein.
Epidemiologische Studien weisen darauf hin, dass, ähnlich den atypischen Antipsychotika, auch die Behandlung mit konventionellen Antipsychotika die Mortalität erhöhen kann. In welchem Umfang die in den epidemioloische Studien beobachtete erhöhte Mortalität den Antipsychotika und nicht patientenbezogenen Eigenschaften zugeschrieben werden kann, ist unklar.
Thromboembolie-Risiko
Im Zusammenhang mit der Anwendung von Antipsychotika sind Fälle von venösen Thromboembolien (VTE) berichtet worden. Da Patienten, die mit Antipsychotika behandelt werden, häufig erworbene Risikofaktoren für VTE aufweisen, sollten alle möglichen Risikofaktoren für VTE vor und während der Behandlung mit Tiaprid identifiziert und Präventivmaßnahmen ergriffen werden (siehe auch Abschnitt 4.8).
Hyperprolaktinämie
Tiaprid kann die Prolaktinspiegel erhöhen (siehe Abschnitt 4.8). Daher ist bei der Anwendung von Tiaprid Vorsicht geboten und Patienten mit einer persönlichen oder familiären Vorgeschichte von Brustkrebs sollten, unabhängig vom Geschlecht, während der Therapie engmaschig überwacht werden (siehe auch Abschnitt 4.3).
Verminderte Peristaltik
Einige Antipsychotika sind mit einer verminderten Darmperistaltik verbunden, die von Verstopfung über Darmverschluss, Stuhlstau bis hin zu paralytischem Ileus reicht. Komplikationen mit einer hohen Mortalitätsrate, wie ischämische Kolitis und Darmnekrose, die zu einer raschen Verschlechterung des Zustands des Patienten bis hin zu einem septischen Schocks führen, wurden selten berichtet. Das Auftreten unspezifischer klinischer Symptome wie Bauchschmerzen im Zusammenhang mit Erbrechen und/oder Durchfall muss genau überwacht werden. Besondere Aufmerksamkeit ist erforderlich bei Patienten, die gleichzeitig mit Arzneimitteln behandelt werden, von denen bekannt ist, dass sie Verstopfung verursachen (insbesondere Arzneimittel mit anticholinergen Eigenschaften), und bei Patienten mit einer Vorgeschichte von Dickdarmerkrankungen oder einer Vorgeschichte von Unterbauchoperationen, da diese den Zustand verschlimmern können. Es ist zwingend erforderlich, dass Verstopfung erkannt und aktiv behandelt wird.
Dieses Medikament sollte nicht bei akutem Alkoholismus angewendet werden.
Die gleichzeitige Anwendung dieses Arzneimittels mit Alkohol, Levodopa, dopaminergen Antiparkinsonmitteln, Antiparasitika mit bekanntem Risiko für das Auftreten von Torsade-de-pointes, Neuroleptika sowie anderen Arzneimitteln mit bekanntem Risiko für Torsade-de-pointes oder mit Methadon wird nicht empfohlen.
Vorsichtsmaßnahmen
Tiaprid darf in folgenden Fällen nur unter besonderer Vorsicht angewendet werden:
- Tiaprid wird vorwiegend über die Nieren ausgeschieden. Bei eingeschränkter Nierenfunktion (Niereninsuffizienz) sollte die Dosis vermindert werden, da ansonsten aufgrund einer möglichen Überdosierung ein potentielles Risiko für das Auftreten eines Komas bestehen kann. (siehe auch Abschnitte 4.2 und 4.8).
Während der Behandlung mit Tiaprid sollte eine verstärkte Überwachung erfolgen:
- bei Patienten mit Epilepsie, aufgrund einer möglichen Absenkung der Krampfschwelle;
- bei älteren Patienten, aufgrund einer erhöhten Anfälligkeit für orthostatische Hypotonie, Bewusstseinsstörungen und Koma;
- bei Patienten mit schweren kardiovaskulären Erkrankungen, aufgrund hämodynamischer Veränderungen, insbesondere Hypotonie.
Leukopenie, Neutropenie und Agranulozytose wurden im Zusammenhang mit Antipsychotika, einschließlich Tiaprid, berichtet. Infektionen mit unklarer Genese oder Fieber können Anzeichen einer Blutdyskrasie sein (siehe Abschnitt 4.8) und erfordern unverzüglich eine hämatologische Untersuchung.
Kinder und Jugendliche
Kinder und Jugendliche dürfen nur nach fachärztlicher Nutzen-Risiko-Abwägung mit Tiaprid 100 - 1 A Pharma behandelt werden (siehe auch Abschnitt 4.2).
Ältere Patienten
Wie auch bei anderen Neuroleptika sollte Tiaprid bei älteren Patienten mit besonderer Vorsicht angewendet werden, da ein Risiko für das Auftreten eines verminderten Bewusstseinszustands und Komas besteht.
4.5 Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln und sonstige Wechselwirkungen
Arzneimittel, die orthostatische Hypotonie verursachen können
Neben Antihypertensiva können viele weitere Arzneimittel eine orthostatische Hypotonie verursachen. Dies trifft insbesondere auf Nitrate, Phosphodiesterase‑Typ‑5‑Hemmer, in der Urologie eingesetzte Alpha‑Blocker, trizyklische Antidepressiva, phenothiazinische Neuroleptika, Dopaminagonisten sowie Levodopa zu.
Die gleichzeitige Anwendung kann daher die Häufigkeit und den Schweregrad dieser unerwünschten Reaktion erhöhen. Es sind die für jede Arzneimittelklasse spezifischen Interaktionsprofile zu beachten sowie die entsprechenden Vorsichtsmaßnahmen zu treffen.
Sedativa
Es muss berücksichtigt werden, dass viele Medikamente oder Substanzen ihre dämpfende Wirkung auf das zentrale Nervensystem verstärken und die Wachsamkeit verringern können. Dazu gehören Morphinderivate (Analgetika, Hustenstiller und Substitutionsmedikamente), Neuroleptika, Barbiturate, Benzodiazepine, andere Anxiolytika als Benzodiazepine (z. B. Meprobamat), Hypnotika, sedierende Antidepressiva (Amitriptylin, Doxepin, Mianserin, Mirtazapin, Trimipramin), sedierende H1-Antihistaminika, zentral wirkende Antihypertensiva, Baclofen und Thalidomid.
Wegen des Risikos eines malignen neuroleptischen Syndroms (MNS) ist Vorsicht geboten, wenn Tiaprid gleichzeitig mit anderen Neuroleptika oder anderen Arzneimitteln angewendet wird, von denen bekannt ist, dass sie MNS auslösen (siehe Abschnitt 4.4)
Medikamente, die Torsades de Pointes verursachen können
Diese schwere Herzrhythmusstörung kann durch eine Reihe von Medikamenten verursacht werden, ob antiarrhythmisch oder nicht. Eine Hypokaliämie (siehe kaliumausscheidende Arzneimittel) stellt ebenso einen begünstigenden Faktor dar, wie eine Bradykardie (siehe herzfrequenzsenkende Arzneimittel), sowie eine angeborene oder erworbene vorbestehende QT-Intervallverlängerung.
Zu den Arzneimitteln, die diese Nebenwirkung verursachen, zählen Antiarrhythmika der Klassen Ia und III sowie einige Neuroleptika. Darüber hinaus kann sie auch durch andere Arzneimittel hervorgerufen werden, die nicht diesen Klassen angehören.
Für Erythromycin und Vincamin betrifft diese Wechselwirkung ausschließlich intravenös angewendete Darreichungs-formen.
Grundsätzlich ist die gleichzeitige Anwendung eines torsadogenen Arzneimittels mit einem weiteren torsadogenen Arzneimittel kontraindiziert.
Für bestimmte als unverzichtbar angesehene Wirkstoffe bestehen Ausnahmen; diese sind lediglich bei gleichzeitiger Anwendung mit anderen torsadogenen Arzneimitteln nicht empfohlen. Hierzu zählen Antiparasitika (Chloroquin, Halofantrin, Lumefantrin, Pentamidin), Arsenverbindungen, Hydroxychloroquin, Methadon, Crizotinib, Cotrimoxazol sowie Neuroleptika.
Citalopram, Escitalopram, Domperidon, Hydroxyzin und Piperaquin fallen nicht unter diese Ausnahmeregelung und sind gemäß einer europäischen regulatorischen Entscheidung in Kombination mit sämtlichen anderen torsadogenen Arzneimitteln kontraindiziert.
Kombinationen, die kontraindiziert sind (siehe Abschnitt 4.3)
Nicht-antiparkinsonische Dopaminagonisten (z. B. Cabergolin, Quinagolid)
Zwischen Dopaminagonisten und Neuroleptika besteht ein gegenseitiger Antagonismus. Dopaminerge Arzneimittel können psychotische Störungen auslösen oder verschlechtern.
Ist bei Patienten mit Parkinson‑Syndrom, die mit dopaminergen Arzneimitteln behandelt werden, eine neuroleptische Therapie erforderlich, sollte das dopaminerge Arzneimittel schrittweise bis zum Absetzen reduziert werden (ein plötzliches Absetzen ist mit dem Risiko eines malignen neuroleptischen Syndroms verbunden).
Citalopram, Escitalopram, Domperidon, Hydroxyzin, Piperaquin
Erhöhtes Risiko ventrikulärer Herzrhythmusstörungen, insbesondere von Torsade de Pointes.
Kombinationen, die nicht empfohlen sind (siehe Abschnitt 4.4)
Tiaprid sollte nicht mit Medikamenten kombiniert werden, die das QT-Intervall verlängern und schwerwiegende Herzrhythmusstörungen (Torsade de pointes) auslösen können. Daher wird die Einnahme zusammen mit folgenden Arzneimitteln nicht empfohlen.
Substanzen, die mit einem Risiko für Torsade de Pointes assoziiert sind:
Beispiele hierfür sind Antiarrhythmika der Klasse Ia (z. B. Quinidin, Hydrochinidin, Disopyramid) und Antiarrhythmika der Klasse III (z. B. Amiodaron, Dronedaron, Sotalol) sowie Arzneimittel wie Arsenverbindungen, Kokain, Crizotinib, intravenös verabreichtes Erythromycin, Hydroxychloroquin, Mequitazin, Methadon, Moxifloxacin, Spiramycin, Toremifen, Vandetanib und intravenös verabreichtes Vincamin
Erhöhtes Risiko ventrikulärer Herzrhythmusstörungen, insbesondere von Torsade de Pointes.
Kann die Kombination nicht vermieden werden, sind regelmäßige klinische und elektrokardiographische Kontrollen erforderlich.
Bestimmte Neuroleptika (wie Pimozid, Sultoprid, Pipothiazin, Sertindol, Veraliprid, Chlorpromazin, Levomepromazin, Trifluoperazin, Cyamemazin, Sulpirid, Haloperidol, Droperidol, Fluphenazin, Pipamperon, Zuclopenthixol, Flupentixol, Thioridazin, Amisulprid, Pipotiazin)
Erhöhtes Risiko ventrikulärer Herzrhythmusstörungen, insbesondere von Torsade de Pointes. Kann die Kombination nicht vermieden werden, sind regelmäßige klinische und elektrokardiographische Kontrollen erforderlich.
Einige Antiparasitika mit einem Risiko für Torsade do Pointes (z. B. Chloroquin, Halofantrin, Lumefantrin, Pentamidin)
Erhöhtes Risiko für ventrikuläre Rhythmusstörungen, insbesondere Torsade‑de‑pointes. Wenn möglich, eine der beiden Behandlungen abbrechen.Wenn eine gleichzeitige Behandlung nicht vermieden werden kann, sollte das QT-Intervall vor dem Beginn der Behandlung überprüft und die Herzfunktion (EKG) überwacht werden.
Alkohol (Getränk oder Hilfsstoff)
Die sedierende Wirkung von Tiaprid wird durch Alkohol verstärkt. Die Veränderung des Reaktionsvermögens kann die Fähigkeit zur Teilnahme am Straßenverkehr und zum Bedienen von Maschinen beeinträchtigen. Der Genuss von alkoholischen Getränken sowie die Einnahme von Alkohol enthaltenden Zubereitungen soll vermieden werden.
Dopaminerge Antiparkinson‑Arzneimittel
(z. B. Amantadin, Apomorphin, Bromocriptin, Entacapon, Lisurid, Pergolid, Piribedil, Pramipexol, Rasagilin, Ropinirol, Rotigotin, Selegilin, Tolcapon)
Gegenseitiger Antagonismus von dopaminergen Arzneimitteln und Antipsychotika.
Dopaminerge Arzneimittel können psychotische Störungen auslösen oder verstärken. Wenn eine antipsychotische Therapie bei Patienten mit Morbus Parkinson, die mit dopaminergen Arzneimitteln behandelt werden, nicht vermieden werden kann, müssen diese Arzneimittel ausschleichend reduziert und abgesetzt werden (ein plötzliches Absetzen birgt das Risiko eines malignen neuroleptischen Syndroms).
Delamanid
Erhöhtes Risiko für ventrikuläre Rhythmusstörungen, insbesondere Torsade-de-pointes. Wenn die Kombination nicht vermieden werden kann, sind regelmäßige klinische und elektrokardiographische Kontrollen erforderlich.
Levodopa
Gegenseitiger Antagonismus von Levodopa und Neuroleptika. Bei Patienten mit Parkinson sollten für jedes dieser Arzneimittel die minimal wirksamen Dosen angewendet werden.
Natriumoxybat
Verstärkte zentrale Dämpfung. Eine beeinträchtigte Wachsamkeit kann das Führen von Fahrzeugen und das Bedienen von Maschinen gefährlich machen.
Sulfamethoxazol + Trimethoprim
Rhythmusstörungen, insbesondere Torsade-de-pointes. Wenn die Kombination nicht vermieden werden kann, sind regelmäßige klinische und elektrokardiographische Kontrollen erforderlich.
Torsade-de-pointes-auslösende Arzneimittel (außer Arsenverbindungen, Antiparasitika, Neuroleptika)
Erhöhtes Risiko für ventrikuläre Rhythmusstörungen, insbesondere Torsade-de-pointes. Wenn die Kombination nicht vermieden werden kann, sind regelmäßige klinische und elektrokardiographische Kontrollen erforderlich.
Kombinationen, die Vorsichtsmaßnahmen bei der Anwendung erfordern
Betablockern, zur Anwendung bei Herzinsuffizienz
Zusammen mit Betablockern, die bei Herzinsuffizienz verabreicht werden (Bisoprolol, Carvedilol, Metoprolol, Nebivolol), erhöht sich das Risiko für ventrikuläre Arrhythmien, insbesondere Torsade de pointes, sodass eine klinische und elektrokardiographische Überwachung erforderlich sind.
Anagrelid
Erhöhtes Risiko für ventrikuläre Rhythmusstörungen, insbesondere Torsade-de-pointes. Klinische und elektrokardiographische Überwachung bei gleichzeitiger Anwendung.
Azithromycin, Clarithromycin, Roxithromycin
Erhöhtes Risiko für ventrikuläre Rhythmusstörungen, insbesondere Torsade-de-pointes. Klinische und elektrokardiographische Überwachung während der Kombination.
Herzfrequenzsenkende Arzneimittel (insbesondere Antiarrhythmika der Klasse Ia, Betablocker, bestimmte Antiarrhythmika der Klasse III, bestimmte Calciumkanalblocker [Diltiazem, Verapamil], Herzglykoside, Pasireotid, Pilocarpin, Anticholinesterasen, Clonidin, Guanfacin)
Erhöhtes Risiko für ventrikuläre Rhythmusstörungen, einschließlich Torsade-de-pointes. Klinische und elektrokardiographische Überwachung während der Kombination.
Ciprofloxacin, Levofloxacin, Norfloxacin
Erhöhtes Risiko für ventrikuläre Rhythmusstörungen, insbesondere Torsade-de-pointes. Klinische und elektrokardiographische Überwachung während der Kombination.
Glasdegib
Erhöhtes Risiko für ventrikuläre Rhythmusstörungen, insbesondere Torsade-de-pointes. Klinische und elektrokardiographische Überwachung bei gleichzeitiger Anwendung.
Kaliumausscheindende Arzneimittel (kaliumausscheidende Diuretika, allein oder in Kombination, stimulierende Laxanzien, Glukokortikoide, Tetracosactid sowie intravenöses Amphotericin B)
Erhöhtes Risiko für ventrikuläre Rhythmusstörungen, insbesondere Torsade-de-pointes. Eine bestehende Hypokaliämie ist vor Anwendung des Arzneimittels zu korrigieren; darüber hinaus sind eine klinische Überwachung sowie Kontrollen der Elektrolyte und des Elektrokardiogramms erforderlich.
Lithium
Risiko des Auftretens neuropsychiatrischer Symptome, die auf ein malignes neuroleptisches Syndrom oder eine Lithiumintoxikation hindeuten. Regelmäßige klinische und laborchemische Überwachung, insbesondere zu Beginn der Kombination.
Arzneimittel, die einen männlichen Hypogonadismus verursachen können
Erhöhtes Risiko für ventrikuläre Rhythmusstörungen, insbesondere Torsade-de-pointes. Klinische und elektrokardiographische Überwachung bei gleichzeitiger Anwendung.
Ondansetron
Erhöhtes Risiko für ventrikuläre Rhythmusstörungen, insbesondere Torsade-de-pointes. Klinische und elektrokardiographische Überwachung während der Kombination.
Weitere Kombinationen die berücksichtigt werden müssen
Antihypertonika (alle)
Bei gleichzeitiger Verabreichung mit Antihypertensiva besteht aufgrund der blutdrucksenkenden Wirkung das erhöhte Risiko einer orthostatischen Hypotonie (Wirkungsverstärkung).
Aripiprazol
Risiko einer verminderten Wirksamkeit, insbesondere von Aripiprazol, aufgrund eines durch das Neuroleptikum verursachten Dopaminrezeptor-Antagonismus.
Andere ZNS-dämpfende Arzneimittel
Bei gleichzeitiger Anwendung von Tiaprid mit anderen zentraldämpfenden Arzneimitteln kommt es zu einer Wirkungsverstärkung. Hierzu gehören Narkotika (Analgetika, Antitussiva und Opioide zur Substitutionstherapie), Barbiturate, Benzodiazepine, andere nicht benzodiazepinhaltige Anxiolytika, Hypnotika, Neuroleptika, sedative Antidepressiva (Amitriptylin, Doxepin, Mianserin, Mirtazapin, Trimipramin), sedative H1-Antihistaminika, zentral wirksame antihypertensive Arzneimittel (wie Clonidin und analoge Substanzen) sowie weitere Arzneimittel (Baclofen, Thalidomid, Pizotifen). Die dadurch verminderte Aufmerksamkeit kann die Fähigkeit zur Teilnahme am Straßenverkehr und zum Bedienen von Maschinen beeinträchtigen.
Betablocker bei Patienten mit Herzinsuffizienz (z. B. Bisoprolol, Carvedilol, Metoprolol, Nebivolol) (für Betablocker, die zur Behandlung der Herzinsuffizienz eingesetzt werden, siehe Abschnitt „Kombinationen, die Vorsichtsmaßnahmen bei der Anwendung erfordern“).
Vasodilatatorischen Effekt und erhöhtes Risiko einer Hypotonie, insbesondere einer orthostatischen Hypotonie (additiver Effekt).
Dapoxetin
Risiko einer Zunahme unerwünschter Wirkungen, insbesondere Schwindel oder Ohnmacht.
Orlistat
Risiko eines Behandlungsversagens bei gleichzeitiger Behandlung mit Orlistat.
Anticholinergika
Anticholinergika, wie z. B. Biperiden, können die Wirkung von Tiaprid abschwächen.
4.6 Fertilität, Schwangerschaft und Stillzeit
Schwangerschaft
Es liegen keine oder nur begrenzt hinreichende Daten für die Verwendung von Tiaprid bei Schwangeren vor. Tiaprid ist plazentagängig. Tierexperimentelle Studien haben eine Reproduktionstoxizität gezeigt (siehe Abschnitt 5.3).
Die Anwendung von Tiaprid wird während der Schwangerschaft und bei Frauen im gebärfähigen Alter, die keine wirksame Verhütung anwenden, nicht empfohlen.
Neugeborene, die während des 3. Trimenons der Schwangerschaft gegenüber Antipsychotika (einschließlich Tiaprid) exponiert sind, sind durch Nebenwirkungen einschließlich extrapyramidaler Symptome und/oder Entzugserscheinungen gefährdet, deren Schwere und Dauer nach der Entbindung variieren können (siehe Abschnitt 4.8). Es gab Berichte über Agitiertheit, erhöhten oder erniedrigten Muskeltonus, Tremor, Somnolenz, Atemnot oder Störungen bei der Nahrungsaufnahme. Dementsprechend sollten Neugeborene sorgfältig überwacht werden.
Stillzeit
Tierversuche haben gezeigt, dass Tiaprid in die Muttermilch übergeht. Es ist nicht bekannt, ob Tiaprid in die menschliche Muttermilch übergeht. Ein Risiko für das zu stillende Kind kann nicht ausgeschlossen werden. Es muss entschieden werden, ob das Stillen eingestellt oder auf die Tiaprid-Therapie verzichtet wird, wobei der Nutzen des Stillens für das Kind und der Nutzen der Therapie für die Frau zu berücksichtigen sind.
Fertilität
Eine Abnahme der Fertilität wurde bei Tieren beobachtet, die mit den pharmakologischen Wirkungen der Substanz auf die Prolaktinsekretion in Zusammenhang steht (siehe Abschnitt 5.3). Tiaprid kann in ähnlicher Weise die menschliche Fertilität beeinträchtigen (siehe Abschnitt 4.8).
Beim Menschen kann Tiaprid aufgrund der Wechselwirkung mit Dopaminrezeptoren eine Hyperprolaktinämie auslösen, die mit einer Amenorrhö, einer fehlenden Ovulation und einer beeinträchtigten Fertilität verbunden sein kann (siehe unter Abschnitt 4.8 „Endokrine Erkrankungen“).
4.7 Auswirkungen auf die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen
Tiaprid kann auch bei bestimmungsgemäßem Gebrauch das Reaktionsvermögen (z. B. durch Sedierung) so weit verändern, dass die Fähigkeit zur aktiven Teilnahme am Straßenverkehr oder zum Bedienen von Maschinen beeinträchtigt wird (siehe auch Abschnitt 4.8). Dies gilt in verstärktem Maße im Zusammenwirken mit Alkohol.
4.8 Nebenwirkungen
Bei den Häufigkeitsangaben zu Nebenwirkungen werden folgende Kategorien zugrunde gelegt:
Sehr häufig (≥ 1/10)
Häufig (≥ 1/100 bis < 1/10)
Gelegentlich (≥ 1/1.000 bis < 1/100)
Selten (≥ 1/10.000 bis < 1/1.000)
Sehr selten (< 1/10.000)
Nicht bekannt (Häufigkeit auf Grundlage der verfügbaren Daten nicht abschätzbar)
Erkrankungen des Blutes und des Lymphsystems
Selten: Leukopenie, Neutropenie, Agranulozytose (siehe Abschnitt 4.4)
Endokrine Erkrankungen
Häufig: Erhöhung des Prolaktinspiegels im Blut, die die Ursache für Amenorrhö, Orgasmusstörungen, Vergrößerung der Brust, Brustschmerzen, Galaktorrhö, Gynäkomastie, Potenzstörungen sein kann und nach Absetzen reversibel ist.
Stoffwechsel- und Ernährungsstörungen
Selten: Hyponatriämie, Syndrom der inadäquaten ADH-Sekretion (SIADH)
Psychiatrische Erkrankungen
Häufig: Benommenheit und Stupor, Agitiertheit, Indifferenz und Schlaflosigkeit
Gelegentlich: Verwirrtheit, Halluzinationen
Erkrankungen des Nervensystems
Häufig: Schwindel/Vertigo, Kopfschmerzen
Extrapyramidale Symptome wie beim Parkinson-Syndrom (Tremor, Rigidität, erhöhter Muskeltonus, Hypokinesie und vermehrter Speichelfluss). Diese Symptome bilden sich in der Regel nach Gabe eines Anticholinergikums (z. B. Biperiden) zurück.
Gelegentlich: Dystonien (Spasmen, Torticollis spasmodicus, Blickkrämpfe, Kiefersperre) und Akathisie. Diese Symptome bilden sich in der Regel nach Absetzen der Behandlung oder nach Gabe eines Anticholinergikums (z. B. Biperiden) zurück. Synkope, Krampfanfall
Selten: Frühdyskinesien. Dieses Symptom bildet sich in der Regel nach Gabe eines Anticholinergikums (z. B. Biperiden) zurück. Nach einer längeren Behandlungsdauer (mehr als 3 Monate) wurde, wie bei allen Neuroleptika, über das Auftreten von Spätdyskinesien, die durch rhythmische, unwillkürliche Bewegungen vornehmlich der Zunge und/oder der Gesichtsmuskulatur gekennzeichnet sind, berichtet. Als Gegenmittel sollen Antiparkinsonmittel nicht eingesetzt werden, da sie unwirksam sind oder die Symptome verstärken können. Wie bei allen Neuroleptika kann ein malignes neuroleptisches Syndrom auftreten, welches eine Komplikation darstellt, die möglicherweise tödlich ist (siehe auch Abschnitt 4.4).
Bewusstseinsverlust
Herzerkrankungen
Selten: Fälle von QT-Verlängerungen sowie von ventrikulären Arrhythmien wie Torsade de pointes und ventrikulären Tachykardien, die zu Kammerflimmern oder Herzstillstand und plötzlichem Tod führen können, wurden berichtet (siehe auch Abschnitt 4.4).
Gefäßerkrankungen
Gelegentlich: Hypotonie, im Allgemeinen orthostatisch, tiefe Venenthrombose (siehe auch Abschnitt 4.4).
Selten: Lungenembolie. Tödliche Verläufe können vorkommen.
Erkrankungen der Atemwege, des Brustraums und Mediastinums
Selten: Aspirationspneumonie, Atemdepression im Rahmen der Anwendung zusammen mit einem anderen ZNS-Sedativ.
Erkrankungen des Gastrointestinaltrakts
Gelegentlich: Obstipation
Selten: Darmobstruktion, Ileus
Leber- und Gallenerkrankungen
Selten: erhöhte Leberenzymwerte
Erkrankungen der Haut und des Unterhautzellgewebes
Gelegentlich: Hautausschlag, einschließlich erythematösen und makulopapulösen Hautausschlags
Selten: Urtikaria
Skelettmuskulatur-, Bindegewebs- und Knochenerkrankungen
Selten: erhöhte Kreatinphosphokinase-Werte im Blut, Rhabdomyolyse
Schwangerschaft, Wochenbett und perinatale Erkrankungen
Nicht bekannt: extrapyramidale Symptome des Neugeborenen, Arzneimittelentzugssyndrom des Neugeborenen (siehe Abschnitt 4.6)
Erkrankungen der Geschlechtsorgane und der Brustdrüse
Gelegentlich: Zyklusstörungen (Dysmenorrhö, Amenorrhö) bei der Frau, Orgasmusstörungen beim Mann
Selten: Vergrößerung der Brust, Brustschmerzen, Galaktorrhö, Gynäktomastie, Potenzstörungen beim Mann
Allgemeine Erkrankungen und Beschwerden am Verabreichungsort
Häufig: Asthenie (schnelle Ermüdbarkeit/Schwäche), Müdigkeit
Gelegentlich: Gewichtszunahme
Verletzung, Vergiftung und durch Eingriffe bedingte Komplikationen
Nicht bekannt: Sturz, besonders bei älteren Patienten
Meldung des Verdachts auf Nebenwirkungen
Die Meldung des Verdachts auf Nebenwirkungen nach der Zulassung ist von großer Wichtigkeit. Sie ermöglicht eine kontinuierliche Überwachung des Nutzen-Risiko-Verhältnisses des Arzneimittels. Angehörige von Gesundheitsberufen sind aufgefordert, jeden Verdachtsfall einer Nebenwirkung dem
Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte
Abt. Pharmakovigilanz
Kurt-Georg-Kiesinger-Allee 3
D-53175 Bonn
Website: www.bfarm.de
anzuzeigen.
4.9 Überdosierung
Symptome bei Überdosierung
Die Erfahrungen mit Überdosierungen von Tiaprid sind begrenzt. Beobachtet wurden Benommenheit, Sedierung, Koma, Hypotonie und extrapyramidale Symptome.
Über Todesfälle wurde hauptsächlich bei Kombination mit anderen psychotropen Arzneimitteln berichtet.
Maßnahmen bei Überdosierung
Im Falle einer akuten Überdosierung sollte an das Vorliegen einer Mehrfachintoxikation gedacht werden.
Da Tiaprid nur geringfügig dialysierbar ist, soll eine Hämodialyse zur Beseitigung des Wirkstoffs nicht durchgeführt werden. Ein spezifisches Antidot ist nicht bekannt. Unterstützende Maßnahmen und Überwachung der Vital- und Herzfunktionen (Atmung und Herz/Kreislauf; Risiko der QT-Verlängerung und anschließender ventrikulärer Arrhythmie) sollen eingesetzt werden, bis der Patient sich erholt hat.
Im Falle von schwerwiegenden extrapyramidalen Symptomen sollten Anticholinergika verabreicht werden.
Zur Therapie der Dyskinesien empfiehlt sich die Gabe eines Antiparkinsonmittels. In der Praxis kommt es allerdings nach Absetzen der Medikation innerhalb von wenigen Stunden zur Normalisierung.
5. PHARMAKOLOGISCHE EIGENSCHAFTEN
5.1 Pharmakodynamische Eigenschaften
Pharmakotherapeutische Gruppe: Psycholeptika, Antipsychotika, Benzamide
ATC-Code: N05AL03
Neurochemische Studien zeigen, dass Tiaprid in vitro selektiv an D2- und D3-Dopaminrezeptoren bindet. Verhaltensstudien bestätigen, dass Tiaprid diese dopaminantagonistischen Eigenschaften besitzt, ohne dabei Sedierung, kognitive Beeinflussung und Katalepsien zu induzieren. Tiaprid ist besonders aktiv an Rezeptoren, die zuvor für Dopamin sensibilisiert wurden; dieser Effekt wird für die antidyskinetischen Eigenschaften von Tiaprid verantwortlich gemacht.
5.2 Pharmakokinetische Eigenschaften
Resorption
Tiaprid wird rasch resorbiert. Maximale Plasmaspiegel des Wirkstoffs werden schon innerhalb 1 Stunde sowohl nach oraler als auch nach i. m.-Gabe erreicht.
Bioverfügbarkeit
Die absolute Bioverfügbarkeit der Tabletten beträgt 75-78 %. Bei Einnahme unmittelbar nach einer Mahlzeit erhöht sich die Bioverfügbarkeit um etwa 20 %, und die maximale Plasmakonzentration steigt um etwa 40 %. Bei älteren Patienten erfolgt die Resorption verzögert.
Verteilung
Tiaprid wird rasch im gesamten Körper verteilt (innerhalb von weniger als 1 Stunde). Tiaprid passiert die Blut-Hirn-Schranke sowie die Plazentaschranke, ohne sich anzureichern.
In tierexperimentellen Studien wurde eine Ausscheidung in die Milch beobachtet; das Milch/Blut-Verhältnis beträgt 1:2. Tiaprid bindet nicht an Plasmaproteine und weist nur eine sehr geringe Bindung an Erythrozyten auf.
Biotransformation und Elimination
Die Ausscheidung von Tiaprid erfolgt weitgehend im ersten 24-Stunden-Harn. Die Substanz wird hauptsächlich unverändert ausgeschieden. Daneben konnten noch 2 Metaboliten identifiziert werden: Es handelt sich dabei um das N-Oxid und das N-monodesethylierte Derivat der Substanz. Die Eliminationshalbwertszeit beträgt etwa 3 Stunden.Es wird überwiegend über den Urin ausgeschieden; seine renale Clearance beträgt 330 ml/min.
5.3 Präklinische Daten zur Sicherheit
Die akute und subchronische Toxizität von Tiaprid ist gering, die Intoxikationssymptome (siehe auch Abschnitt 4.9) sind überwiegend vom zentralen dopaminantagonistischen Wirkmechanismus und von den hormonalen Veränderungen im Organismus (Hyperprolaktinämie) abzuleiten. Hinweise auf Mutagenität liegen nicht vor. Embryofetalentwicklungsstudien zeigten keine direkten oder indirekten schädlichen Effekte im Hinblick auf Teratogenität und Embryofetotoxizität bei Nagetieren. Studien an Kaninchen haben jedoch embryotoxische Effekte bei den höchsten getesteten Dosen (80 und 160 mg/kg/Tag) gezeigt. Tierexperimentelle Studien an Welpen sind im Hinblick auf neurologische Entwicklungsstörungen unzureichend. In einer Peri-/Postnatalstudie an der Ratte kam es bei hoher Dosierung zu toxischen Effekten bei den Nachkommen. Bei chronischer Applikation am Versuchstier traten Veränderungen an den Geschlechtsorganen (Hoden, Prostata, Uterus, Ovar) und Fertilitätsstörungen auf. An Brustdrüse, Hypophyse und dem endokrinen Pankreas- und Nebennierengewebe nahm die Anzahl an Hyperplasien und Neoplasien zu. Alle genannten Effekte werden ursächlich auf die chronisch erhöhte Prolaktinkonzentration im Blut zurückgeführt.
6. PHARMAZEUTISCHE ANGABEN
6.1 Liste der sonstigen Bestandteile
- Mannitol (Ph.Eur.)
- mikrokristalline Cellulose
- Magnesiumstearat (Ph.Eur.)
- Povidon K30
- hochdisperses Siliciumdioxid
6.2 Inkompatibilitäten
Nicht zutreffend
6.3 Dauer der Haltbarkeit
3 Jahre
6.4 Besondere Vorsichtsmaßnahmen für die Aufbewahrung
Für dieses Arzneimittel sind keine besonderen Lagerungsbedingungen erforderlich.
6.5 Art und Inhalt des Behältnisses
Die Tabletten sind in PVC/Aluminium-Blisterpackungen und einem Umkarton verpackt.
Packungen mit 10, 20, 50, 100 und 120 Tabletten
Es werden möglicherweise nicht alle Packungsgrößen in den Verkehr gebracht.
6.6 Besondere Vorsichtsmaßnahmen für die Beseitigung
Keine besonderen Anforderungen
7. INHABER DER ZULASSUNG
1 A Pharma GmbH
Industriestraße 18
83607 Holzkirchen
Telefon: (08024) 908-3030
E-Mail: medwiss@1apharma.com
8. ZULASSUNGSNUMMER
57039.00.00
9. DATUM DER ERTEILUNG DER ZULASSUNG/VERLÄNGERUNG DER ZULASSUNG
Datum der Erteilung der Zulassung: 28. September 2006
Datum der letzten Verlängerung der Zulassung: 15. August 2012
10. STAND DER INFORMATION
[Monat JJJJ]
11. VERKAUFSABGRENZUNG
Verschreibungspflichtig
