Fachinformation - Bupivacain Aguettant 5 mg/ml Injektionslösung
1. BEZEICHNUNG DES ARZNEIMITTELS
Bupivacain Aguettant 5 mg/ml Injektionslösung
2. QUALITATIVE UND QUANTITATIVE ZUSAMMENSETZUNG
Jeder ml der Injektionslösung enthält Bupivacainhydrochlorid-Monohydrat, entsprechend 5 mg Bupivacainhydrochlorid.
Jede Ampulle mit 4 ml enthält Bupivacainhydrochlorid-Monohydrat, entsprechend 20 mg Bupivacainhydrochlorid.
Vollständige Auflistung der sonstigen Bestandteile, siehe Abschnitt 6.1.
3. DARREICHUNGSFORM
Injektionslösung (Injektion)
Klare und farblose Lösung
pH = 4,0 bis 6,0
Osmolalität: 420 – 520 mOsm/kg
4. KLINISCHE ANGABEN
4.1 Anwendungsgebiete
Bupivacain Aguettant ist indiziert zur Anwendung bei Erwachsenen und Kindern aller Altersgruppen.
- Spinalanästhesie bei chirurgischen Eingriffen in der Geburtshilfe, z. B. Urologische Operationen und Operationen an den unteren Extremitäten mit einer Dauer von 1,5 bis 3 Stunden
- Operationen im Unterbauchbereich mit einer Dauer von 1,5 bis 3 Stunden.
4.2 Dosierung und Art der Anwendung
Dieses Arzneimittel darf nur von einem Arzt mit Erfahrung in der Regionalanästhesie oder unter dessen Aufsicht angewendet werden. Es sollte die niedrigste Dosisangewendet werden, die für eine ausreichende Anästhesie erforderlich ist.
Dosierung
Erwachsene und Kinder bzw. Jugendliche über 40 kg
Die in Tabelle 1 angegebenen Dosierungen dienen als Richtwerte für den durchschnittlichen Erwachsenen. Individuelle Unterschiede in Bezug auf Eintritt und Dauer der Wirkung sind möglich.
Tabelle 1 Dosierungsempfehlungen
| Indikation | Dosis ml | Dosis mg | Eintrittszeit Min. (ca.) | Dauer Stunden (ca.) |
|---|---|---|---|---|
| Urologische Operationen | 1,5-3 ml | 7,5-15 mg | 5-8 Min. | 1,5-3 Stunden |
| Operationen an den unteren Extremitäten, einschließlich Hüftoperationen | 2-4 ml | 10-20 mg | 5-8 Min. | 1,5-3 Stunden |
| Unterbauchoperationen (einschließlich Kaiserschnitt) | 2-4 ml | 10-20 mg | 5-8 Min. | 1,5-3 Stunden |
Es liegen keine klinischen Erfahrungen mit Dosen über 20 mg derzeit vor.
Die Spinalinjektion darf nur durchgeführt werden, nachdem der Subarachnoidalraum eindeutig durch eine Lumbalpunktion identifiziert wurde (klare Liquorflüssigkeit tritt durch die Spinalnadel aus oder ist bei der Aspiration sichtbar). Falls die Anästhesie fehlschlägt, darf nur ein neuer Versuch auf einer anderen Ebene des Rückenmarks mit einer geringeren Menge des Arzneimittels unternommen werden. Ein möglicher Grund für unzureichende Wirkung kann eine ungenügende Verteilung des Arzneimittels im intrathekalen Raum sein. Wenn die Anästhesie nicht ausreichend wirkt, kann eine Änderung der Patientenposition die Verteilung des Arzneimittels verbessern.
Spezielle Patientengruppen
Ältere Patienten
Die Dosis sollte bei älteren Patienten reduziert werden (siehe Abschnitt 4.4).
Andere spezielle Patientengruppen
Es besteht ein potenzielles Risiko einer zu weit verbreiteten Spinalblockade bei Situationen mit erhöhtem intraabdominalem Druck (Endstadium der Schwangerschaft, Aszites, Adipositas).
In diesen Patientengruppen muss die Dosis um bis zu 20-30 % reduziert werden, insbesondere bei Patientinnen im späten Stadium der Schwangerschaft (siehe Abschnitte 4.4 und 4.6).
Kinder und Jugendliche
Neugeborene, Säuglinge und Kinder bis 40 kg
Dieses Arzneimittel kann bei Kindern angewendet werden.
Ein wesentlicher Unterschied zwischen kleinen Kindern und Erwachsenen ist das relativ hohe Volumen des Liquors bei Säuglingen und Neugeborenen, was eine relativ höhere Dosis pro kg erfordert, um das gleiche Blockadeniveau wie bei einem Erwachsenen zu erreichen.
Regionalanästhesievérfahren bei Kindern müssen von qualifizierten Fachkräften durchgeführt werden, die mit dieser Patientengruppe und den Techniken vertraut sind.
Die Dosen in der folgenden Tabelle sind als Richtlinien für pädiatrische Patienten zu verstehen. Individuelle Abweichungen sind möglich. Standardlehrbücher sind zu Rate zu ziehen, um die für die spezifische Blockadetechnik relevanten Faktoren und individuellen Patientenanforderungen zu berücksichtigen. Es ist die niedrigste Dosis anzuwenden, die für eine ausreichende Anästhesie erforderlich ist.
Tabelle 2 Dosierungsempfehlungen bei Neugeborenen, Säuglingen und Kindern
| Körpergewicht (kg) | Dosis (mg/kg) |
|---|---|
| < 5 | 0,40-0,50 mg/kg |
| 5-15 | 0,30-0,40 mg/kg |
| 15-40 | 0,25-0,30 mg/kg |
Art der Anwendung
Nur zur intrathekalen Anwendung. Darf nicht intravaskulär injiziert werden.
Die empfohlene Injektionsstelle befindet sich unterhalb von L3.
4.3 Gegenanzeigen
- Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff, gegen Lokalanästhetika vom Amid-Typ oder gegen einen der in Abschnitt 6.1 genannten sonstigen Bestandteile.
Allgemeine Kontraindikationen im Zusammenhang mit der intrathekalen Anästhesie sind zu berücksichtigen:
- Akute aktive Erkrankungen des zentralen Nervensystems wie Meningitis, Tumore, Poliomyelitis, intrakranielle Blutung.
- Pyogene Infektionen der Haut an der Punktionsstelle oder in deren Nähe.
- Spinale Stenose und aktive Erkrankungen (z. B. Spondylitis, Tumore, Tuberkulose) oder kürzliches Trauma (z. B. Fraktur der Wirbelsäule).
- Sepsis.
- Perniziöse Anämie mit subakuter kombinierter Degeneration des Rückenmarks.
- Kardiogener oder hypovolämischer Schock.
- Gerinnungsstörungen oder eine laufende Behandlung mit Antikoagulanzien.
4.4 Besondere Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung
Die intrathekale Anästhesie darf nur von Klinikern mit der erforderlichen Fachkenntnis und Erfahrung durchgeführt werden.
Regionale oder lokale Anästhesieverfahren müssen immer in einer gut ausgestatteten und personell besetzten Umgebung durchgeführt werden. Wiederbelebungsgeräte und Notfallarzneimittel müssen sofort verfügbar sein, und der Anästhesist muss ständig anwesend sein.
Es ist zu beachten, dass es durch eine Spinalanästhesie insbesondere bei Schwangeren teilweise zu massiven Blockaden mit Lähmungen der Zwischenrippenmuskulatur und des Zwerchfells kommen kann.
Bei Patienten mit AV-Block II oder III ist Vorsicht geboten, da Lokalanästhetika die Leitfähigkeit des Myokards verringern können.
Patienten in einem aufgrund des Alters oder anderer beeinträchtigender Faktoren wie beispielsweise einer fortgeschrittenen Leber- oder Nierenfunktionsstörung schlechten Allgemeinzustand benötigen besondere Aufmerksamkeit.
Patienten, die mit Antiarrhythmika der Klasse III (z. B. Amiodaron) behandelt werden, sind sorgfältig zu überwachen und eine EKG-Überwachung muss in Betracht gezogen werden, da sich die kardialen Effekte addieren können.
Intrathekale Anästhesie kann zu Hypotonie und Bradykardie führen. Das Risiko solcher Effekte kann beispielsweise durch die Injektion eines Vasopressors verringert werden. Hypotonie ist sofort intravenös mit einem Sympathomimetikum zu behandelt werden und bei Bedarf zu wiederholen. Besondere Vorsicht ist bei Patienten mit prälastabhängigen kardialen Läsionen (z. B. Aortenstenose) geboten.
Bupivacain kann, wie alle Lokalanästhetika, akute toxische Wirkungen auf das zentrale Nerven- und Herz-Kreislauf-System haben und bei der Anwendung zu hohen Konzentrationen im Blut führen. Dies ist insbesondere nach einer unbeabsichtigten intravaskulären Anwendung oder einer Injektion in stark durchblutete Bereiche der Fall.
Es wurde über Ventrikuläre Arrhythmien, Kammerflimmern, plötzlichen kardiovaskulären Kollaps und Tod in Verbindung mit hohen systemischen Bupivacain-Konzentrationen berichtet. Hohe systemische Konzentrationen sind bei normalen Dosen zur intrathekalen Anästhesie nicht zu erwarten.
Eine seltene, aber schwerwiegende Nebenwirkung bei der Spinalanästhesie ist eine verlängerte oder vollständige Spinalblockade, die zu einer Herz-Kreislauf-Depression und einer Atemdepression führt. Die kardiovaskuläre Depression wird durch eine ausgedehnte sympathische Blockade verursacht, die zu Hypotonie und Bradykardie oder sogar zu Herzversagen führen kann.
Eine Atemdepression kann durch die Blockade der Innervation der Atemmuskulatur, einschließlich des Zwerchfells, verursacht werden.
Bei älteren Patienten und Patientinnen im Spätstadium einer Schwangerschaft besteht ein erhöhtes Risiko einer hohen oder vollständigen Spinalblockade, die zu Herz-Kreislauf- und Atemdepressionen führt. Daher ist die Dosis bei diesen Patienten zu reduziert.
In seltenen Fällen kann eine Spinalanästhesie neurologische Schäden hervorrufen, die zu Missempfindungen, Narkose, motorischer Schwäche und Lähmungen führen können. Gelegentlich sind diese Verletzungen dauerhaft. Bei neurologischen Erkrankungen wie Multipler Sklerose, Hemiplegie, Paraplegie und neuromuskulären Verletzungen ist von einer intrathekalen Anästhesie vermutlich keine negative Wirkung zu erwarten, dennoch ist Vorsicht geboten. Vor Beginn der Behandlung sollte das Nutzen-Risiko-Verhältnis abgewogen werden.
In den folgenden Fällen ist Vorsicht geboten und vor einer Lokalanästhesie ist eine sorgfältige Beurteilung erforderlich, abhängig von der Einschätzung des Arztes und seiner Fähigkeit, mit potenziellen Komplikationen umzugehen:
- Patienten mit chronischen Rückenschmerzen: Vor einer Lokalanästhesie wird eine sorgfältige Untersuchung empfohlen, um mögliche Kontraindikationen für den Einsatz einer Lokalanästhesie (z. B. Spinalkanalstenose) zu erkennen.
- Patienten mit bestehenden Kopfschmerzen: Eine sorgfältige Bewertung wird empfohlen, um mögliche Kontraindikationen für den Einsatz von Lokalanästhetika zu erkennen (z. B. erhöhter intrakranieller Druck)
- Patienten mit Hypotonie: Da Bupivacain die Hypotonie verschlimmern kann, sind eine engmaschige Überwachung und entsprechende Maßnahmen erforderlich. In Fällen von bereits bestehender, signifikanter Hypotonie sind alternative Anästhesieverfahren in Betracht zu ziehen. Bupivacain darf nicht bei schwerer Hypotonie infolge eines kardiogenen oder hypovolämischen Schocks angewendet werden (siehe Abschnitt 4.3).
- Anhaltende Parästhesien: Vor der Anwendung einer Spinalanästhesie muss das medizinische Fachpersonal den allgemeinen neurologischen Zustand des Patienten beurteilen und bei anhaltenden Parästhesien alternative Vorgehensweisen in Betracht ziehen.
Natrium
Dieses Arzneimittel enthält weniger als 1 mmol Natrium (23 mg) pro Dosis, d. h. es ist nahezu “natriumfrei”.
4.5 Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln und sonstige Wechselwirkungen
Bupivacain ist bei Patienten, die andere Lokalanästhetika oder Arzneimittel erhalten, die strukturell den Lokalanästhetika vom Amid-Typ ähnlich sind (z. B. Antiarrhythmika der Klasse IB), mit Vorsicht anzuwenden, da die toxischen Wirkungen additiv sind.
Spezifische Wechselwirkungsstudien zwischen Lokalanästhetika und Antiarrhythmika der Klasse III (z. B. Amiodaron) wurden nicht durchgeführt, weshalb Vorsicht geboten ist. (Siehe auch Abschnitt 4.4).
4.6 Fertilität, Schwangerschaft und Stillzeit
Schwangerschaft
Bupivacain passiert die Plazenta. Obwohl die Bupivacain-Konzentrationen im Nabelschnurblut niedriger sind als im Serum der Mutter, bleiben die Konzentrationen des freien Bupivacains gleich.
Es ist anzunehmen, dass Bupivacain bei einer großen Anzahl von schwangerens Frauen und Frauen im gebärfähigen Alter angewendet wurde.
Es wurden bisher keine spezifischen Störungen der Fortpflanzungsprozesse berichtet, z. B. keine erhöhte Inzidenz von Missbildungen (siehe auch Abschnitt 5.3).
Es ist zu beachten, dass die Dosis bei Patientinnen im Spätstadium der Schwangerschaft aufgrund des Risikos einer neonatalen Atemdepression, Hypotonie und Bradykardie um 20 – 30 % zu reduzieren ist. (Siehe auch Abschnitt 4.4).
Bupivacain kann während der Schwangerschaft angewendet werden, wenn dies aus klinischer Sicht notwendig ist.
Stillzeit
Bupivacain wird in geringen Mengen in die Muttermilch ausgeschieden und wird bei oraler Verabreichung nur schlecht resorbiert. Daher sind keine Auswirkungen auf gestillte Neugeborene/Kinder von behandelten Müttern zu erwarten. Das Stillen ist daher nach einer Anästhesie mit Bupivacain möglich.
Fertilität
Es liegen keine Daten zu den Auswirkungen von Bupivacain auf die Fertilität bei Menschen und Tieren vor.
4.7 Auswirkungen auf die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen
Neben der direkten anästhetischen Wirkung können Lokalanästhetika auch ohne offensichtliche ZNS-Toxizität einen sehr geringen Einfluss auf die geistigen Funktionen und die Koordination haben und vorübergehend die motorischen Fähigkeiten und die Aufmerksamkeit beeinträchtigen.
4.8 Nebenwirkungen
Zusammenfassung des Sicherheitsprofils
Nebenwirkungen, die durch das Arzneimittel selbst verursacht werden, sind schwer von den physiologischen Effekten der Nervenblockade (z. B. Blutdruckabfall, Bradykardie, vorübergehender Harnverhalt) zu unterscheiden, ebenso wie von Ereignissen, die direkt (z. B. spinales Hämatom) oder indirekt (z. B. Meningitis, Epiduralabszess) durch die Nadelpunktion oder durch Liquorverlust (z. B. postpunktioneller Kopfschmerz) ausgelöst werden.
Für Informationen zu Symptomen und zur Behandlung einer akuten systemischen Toxizität siehe Abschnitt 4.9 Überdosierung.
Tabelle 3 Liste der Nebenwirkungen
| Systemorgan-klasse | Sehr häufig (≥1/10) | Häufig (≥1/100 , <1/10) | Gelegen-tlich (≥1/1.000, <1/100) | Selten (≥1/10.000, <1/1.000) | Sehr selten (≥1/10.000) | Nicht bekannt (Häufigkeit auf Grundlage der verfügbaren Daten nicht abschätzbar) |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Erkrankungen des Immunsystems | Allergische Reaktionen, Anaphylaktisch er Schock | |||||
| Erkrankungen des Nervensystems | Postpu nktione ller Kopfsc hmerz | Parästhesie, Parese, Dysästhesie | Totale Spinal-blockade (unbeabsichtigt) , Paraplegie, Lähmung, Neuropathie, Arachnoiditis | |||
| Herzer-krankungen | Brady-kardie | Herzstillstand | ||||
| Gefäßer-krankungen | Hypo-tension | |||||
| Erkrankungen der Atemwege, des Brustraums und Mediastinums | Atem-depression | |||||
| Erkrankungen des Gastrointestinaltra kts | Übelkeit | Er-brechen | ||||
| Skelettmuskulatur -, Bindegewebs- und Knochener-krankungen | Muskel-schwäche, Rücken-schmerzen | |||||
| Erkrankungen der Nieren und Harnwege | Harnve rhalt, Harnin-kontine nz |
Kinder und Jugendliche
Bei Kindern treten ähnliche Nebenwirkungen auf wie bei Erwachsenen. Bei Kindern können jedoch frühe Anzeichen einer Lokalanästhesie-Toxizität schwer zu erkennen sein, wenn die Blockade unter Sedierung oder Allgemeinanästhesie angewendet wird.
Meldung des Verdachts auf Nebenwirkungen
Die Meldung des Verdachts auf Nebenwirkungen nach der Zulassung ist von großer Wichtigkeit. Sie ermöglicht eine kontinuierliche Überwachung des Nutzen-Risiko-Verhältnisses des Arzneimittels.
Angehörige von Gesundheitsberufen sind aufgefordert, jeden Verdachtsfall einer Nebenwirkung dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte, Abt. Pharmakovigilanz, Kurt-Georg-Kiesinger-Allee 3, D-53175 Bonn, Website: www.bfarm.de anzuzeigen.
4.9 Überdosierung
Akute systemische Toxizität
Bei hohen Dosen kann Bupivacain, insbesondere bei intravaskulärer Anwendung, akute toxische Wirkungen zentralnervöser und kardiovaskulärer Natur hervorrufen. Wenn das Arzneimittel wie empfohlen angewendet wird, sind keine Blutspiegel zu erwarten, die eine systemische Toxizität verursachen könnten. Wenn jedoch gleichzeitig andere Lokalanästhetika angewendet werden, können sich toxische Effekte addieren und systemische toxische Reaktionen auslösen. Systemische Nebenwirkungen äußern sich durch Taubheit der Zunge, Schwindel, Benommenheit und Zittern, gefolgt von Krampfanfällen und Herz-Kreislauf-Störungen.
Behandlung der akuten systemischen Toxizität
Sollten Anzeichen einer akuten systemischen Toxizität oder einer totalen Spinalblockade auftreten, ist die Injektion des Lokalanästhetikums sofort zu stoppen.
ZNS-Symptome (Krämpfe, ZNS-Depression) müssen umgehend mit einer entsprechenden Atemwegs-/Atemunterstützung und der Gabe von Antiepileptika (Barbiturate oder Benzodiazepine) behandelt werden.
Sollte ein Kreislaufstillstand eintreten, muss sofort eine kardiopulmonale Reanimation eingeleitet werden. Optimale Sauerstoffversorgung, Beatmung und Kreislaufunterstützung sowie die Behandlung einer metabolischen Azidose sind von entscheidender Bedeutung. Im Falle eines Herzstillstands sind für eine erfolgreiche Behandlung möglicherweise langwierige Wiederbelebungsmaßnahmen erforderlich, und es muss eine angemessene Behandlung gemäß den erweiterten Reanimationsrichtlinien/-protokollen erfolgen. Die intravenöse Anwendung einer20%igen Lipidemulsion sollte kurz nach der Atemwegssicherung ist in Betracht zu ziehen.
Wenn eine kardiovaskuläre Depression (Hypotonie, Bradykardie) auftritt, sollte eine entsprechende Behandlung mit intravenösen Flüssigkeiten, einem Vasopressor und/oder inotropen Mitteln ist in Betracht zu ziehen. Kindern müssen alters- und gewichtsgerechte Dosen erhalten.
5. PHARMAKOLOGISCHE EIGENSCHAFTEN
5.1 Pharmakodynamische Eigenschaften
Pharmakotherapeutische Gruppe: Lokalanästhetika, ATC-Code: N01B B01
Dieses Arzneimittel enthält Bupivacain, ein langwirkendes Lokalanästhetikum vom Amid-Typ. Bupivacain blockiert reversibel die Impulsleitung in den Nerven, indem es den Natriumionentransport durch die Nervenmembran hemmt. Ähnliche Effekte können auch an erregbaren Membranen im Gehirn und Herzmuskel beobachtet werden.
Dieses Arzneimittel ist für die hyperbare spinale Anästhesie vorgesehen. Die relative Dichte der Injektionslösung beträgt 1,026 bei 20 °C (entspricht 1,021 bei 37 °C) und die anfängliche Ausbreitung im Subarachnoidalraum wird stark durch die Schwerkraft beeinflusst.
Bei der spinalen Anwendung wird eine kleine Dosis gegeben, was zu einer relativ geringen Konzentration und kurzen Wirkungsdauer führt.
5.2 Pharmakokinetische Eigenschaften
Bupivacain weist eine hohe Lipidlöslichkeit auf. Der Öl/Wasser-Verteilungskoeffizient beträgt 27,5.
Bupivacain zeigt eine vollständige und zweiphasige Resorption aus dem Subarachnoidalraum mit Halbwertszeiten für beide Phasen von etwa 50 und etwa 400 Minuten, mit großen Schwankungen. Die langsame Resorption ist ein geschwindigkeitsbestimmender Faktor bei der Elimination von Bupivacain, was erklärt, warum die scheinbare Halbwertszeit länger ist als nach intravenöser Anwendung.
Die Resorption aus dem Subarachnoidalraum erfolgt relativ langsam, was in Kombination mit der für die Spinalanästhesie erforderlichen niedrigen Dosis zu einer relativ niedrigen maximalen Plasmakonzentration (ungefähr 0,4 mg/l pro 100 mg injiziert) führt.
Nach intravenöser Anwendung beträgt die gesamte Plasmaclearance etwa 0,58 l/min, das Steady-State-Verteilungsvolumen etwa 73 l, die Eliminationshalbwertszeit 2,7 Stunden und das hepatische Extraktionsverhältnis etwa 0,40. Bupivacain wird fast vollständig in der Leber metabolisiert, hauptsächlich durch aromatische Hydroxylierung zu 4-Hydroxybupivacain und N-Dealkylierung zu PPX, die durch Cytochrom P450 3A4 vermittelt werden. Daher hängt die Clearance vom Leberblutfluss und der Aktivität des metabolischen Enzyms ab.
Bupivacain passiert die Plazenta, und die Konzentration des ungebundenen Bupivacains bleibt bei der Mutter und dem Fötus gleich. Allerdings ist die Gesamtplasmakonzentration beim Fötus aufgrund der geringeren Proteinbindung niedriger.
Die Pharmakokinetik bei Kindern ähnelt der bei Erwachsenen.
5.3 Präklinische Daten zur Sicherheit
Basierend auf konventionellen Studien zur Sicherheitspharmakologie sowie akuter und subchronischer Toxizität lassen die nichtklinischen Daten keine besonderen Gefahren erkennen außer denen, die bereits an anderer Stelle in diesem Dokument berichtet wurden.
Das mutagene und karzinogene Potenzial von Bupivacain wurde nicht untersucht.
Bupivacain passiert die Plazenta. In Studien zur Reproduktionstoxizität wurde bei Bupivacaindosen, die um ein Vielfaches höher waren als die für Menschen empfohlene maximale Tagesdosis, eine verringerte Überlebensrate der Nachkommen von Ratten und Embryoletalität bei Kaninchen beobachtet.
6. PHARMAZEUTISCHE ANGABEN
6.1 Liste der sonstigen Bestandteile
Glucose-Monohydrat (Ph.Eur.)
Natriumhydroxid (zur pH-Wert-Einstellung)
Wasser für Injektionszwecke
6.2 Inkompatibilitäten
Nicht zutreffend.
6.3 Dauer der Haltbarkeit
3 Jahre.
Dieses Arzneimittel muss nach dem Öffnen sofort verwendet werden.
6.4 Besondere Vorsichtsmaßnahmen für die Aufbewahrung
Für dieses Arzneimittel sind keine besonderen Lagerungsbedingungen erforderlich.
6.5 Art und Inhalt des Behältnisses
Glasampulle mit 4 ml Inhalt. Jede Ampulle ist einzeln in einer versiegelten Blisterpackung mit abziehbarer Verschlusskappe verpackt. Die Außenseite der Ampullen ist steril. Packung mit 5 Ampullen.
6.6 Besondere Vorsichtsmaßnahmen für die Beseitigung und sonstige Hinweise zur Handhabung
Gebrauchsanweisung:
Vor der Anwendung ist das Produkt visuell auf Partikel und Verfärbungen zu überprüfen. Es darf nur eine klare und farblose Lösung ohne Partikel oder Ablagerungen verwendet werden.
Nicht verwendetes Arzneimittel oder Abfallmaterial ist entsprechend den nationalen Anforderungen zu beseitigen.
7. INHABER DER ZULASSUNG
Laboratoire Aguettant
1 rue Alexander Fleming
69007 Lyon
Frankreich
8. ZULASSUNGSNUMMER
7015258.00.00
9. DATUM DER ERTEILUNG DER ZULASSUNG
Datum der Erteilung der Zulassung: 04. September 2025
STAND DER INFORMATION
09/2025
