Fachinformation - Glibenclamid TAD 1,75 mg
1. Bezeichnung der Arzneimittel
Glibenclamid TAD® 1,75 mg
2. Qualitative und quantitative Zusam-mensetzung
Wirkstoff: Glibenclamid
Glibenclamid TAD 1,75 mg:
1 Tablette enthält 1,75 mg Gliben-clamid
Die vollständige Auflistung der sonsti-gen Bestandteile siehe Abschnitt 6.1.
3. Darreichungsform
Tabletten
Glibenclamid TAD 1,75 mg:
Glibenclamid TAD 1,75 mg ist eine weiße, runde, gewölbte Tablette.
4. Klinische Angaben
4.1 Anwendungsgebiete
- Nicht-insulinabhängiger Diabetes mellitus bei Erwachsenen (NIDDM, Typ 2), wenn andere Maßnahmen wie konsequente Ein-haltung der Diabetes-Diät, Gewichtsre-duktion bei Übergewicht, ausreichende körperliche Betätigung nicht zu einer be-friedigenden Einstellung des Blutglucose-spiegels geführt haben.
- Glibenclamid TAD 1,75 mg kann als Mo-notherapie oder in Kombination mit Met-formin verwendet werden.
4.2 Dosierung, Art und Dauer der An-wendung
Ersteinstellung
Die Einstellung des Patienten auf Gliben-clamid TAD 1,75 mg darf nur durch den Arzt vorgenommen werden und muss zu-sammen mit der Diäteinstellung erfolgen. Die Dosierung richtet sich nach dem Ergeb-nis der Stoffwechseluntersuchung (Blut- und Harnzucker).
Es wird empfohlen, die Therapie mit einer möglichst niedrigen Dosierung zu begin-nen. Dies gilt vor allem bei Patienten mit besonderer Neigung zu Hypoglykämien oder einem Körpergewicht unter 50 kg.
Glibenclamid TAD 1,75 mg:
Die Therapie sollte einschleichend eingelei-tet werden, beginnend mit einer möglichst niedrigen Dosierung:
- 1 (bis 2) Tabletten Glibenclamid TAD 1,75 mg (entsprechend 1,75 bis 3,5 mg Glibenclamid) täglich.
Bei unzureichender Stoffwechsellage soll die Dosis schrittweise - im Abstand von ei-nigen Tagen bis etwa eine Woche - auf die therapeutisch erforderliche tägliche Dosis erhöht werden bis
maximal 6 Tabletten Glibenclamid TAD 1,75 mg (entsprechend 10,5 mg Gliben-clamid) täglich.
Umstellung von anderen Arzneimitteln zur Senkung des Blutzuckers:
Die Umstellung von einem anderen oralen Antidiabetikum auf Glibenclamid TAD® 1,75 mg sollte vorsichtig erfolgen, begin-nend mit:
- 1 (bis 2) Tabletten Glibenclamid TAD 1,75 mg (entsprechend 1,75 bis 3,5 mg Glibenclamid) täglich.
Übersteigt die Dosierung 3 Tabletten Gli-benclamid TAD 1,75 mg täglich, wird die Dosisstärke 3,5 mg Glibenclamid pro Tab-lette empfohlen.
Dosisanpassung:
Bei älteren Patienten, geschwächten oder unterernährten Patienten sowie bei Patien-ten mit gestörter Nieren- oder Leberfunkti-on ist die Initial- und Erhaltungsdosis auf-grund der Gefahr einer Hypoglykämie zu reduzieren. Eine Dosiskorrektur ist ferner zu erwägen bei Änderungen des Körperge-wichts oder des Lebensstils des Patienten.
Kombination mit anderen blutzuckersen-kenden Arzneimitteln:
In begründeten Fällen kann die zusätzliche Gabe von Glitazonen (Rosiglitazon, Piogli-tazon) bei Patienten mit Metformin-Unver-träglichkeit angezeigt sein.
Glibenclamid TAD 1,75 mg kann auch mit nicht-insulinfreisetzenden oralen Antidia-betika (Guarmehl oder Acarbose) kombi-niert werden.
Bei beginnendem Sekundärversagen kann eine Kombinationsbehandlung mit Insulin versucht werden. Kommt die körpereigene Insulinausschüttung vollständig zum Ver-siegen, ist eine Insulinmonotherapie ange-zeigt.
Art und Dauer der Anwendung
Die Tabletten sind unzerkaut mit ausrei-chend Flüssigkeit (vorzugsweise ein Glas Wasser) vor der Mahlzeit einzunehmen.
Bei einer Tagesdosis von mehr als 2 Tablet-ten Glibenclamid TAD 1,75 mg empfiehlt es sich, die Gesamtmenge im Verhältnis 2:1 auf eine Morgen- und Abendgabe aufzutei-len.
Die Einnahme zum jeweils gleichen Zeit-punkt ist wichtig. Einnahmefehler, wenn z. B. vergessen wurde, die Tabletten einzu-nehmen, dürfen niemals durch eine erhöhte Tabletteneinnahme ausgeglichen werden.
Die Dauer der Anwendung richtet sich nach dem Verlauf der Erkrankung. Stoffwechsel-kontrollen sollen in den empfohlenen regel-mäßigen Abständen durchgeführt werden. Insbesondere sind Blut- und Harnzucker regelmäßig zu kontrollieren; zusätzlich werden Kontrollen von HbA1c und/oder
Fruktosamin sowie von weiteren Parame-tern (z.B. Blutfettwerten) empfohlen.
4.3 Gegenanzeigen
Glibenclamid TAD 1,75 mg darf nicht an-gewandt werden:
- bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Be-standteile von Glibenclamid TAD 1,75 mg
- bei Überempfindlichkeit gegenüber ande-ren Sulfonylharnstoffen, Sulfonamiden, Sulfonamid-Diuretika und Probenecid, da Kreuzreaktionen möglich sind
- in folgenden Fällen des Diabetes mellitus, in denen Insulin erforderlich ist: insulin-abhängiger Diabetes mellitus Typ 1, bei komplettem Sekundärversagen der Gli-benclamid-Therapie bei Diabetes mellitus Typ 2, bei azidotischer Stoffwechsellage, bei Präcoma oder Coma diabeticum, Pan-kreasresektion
- bei schweren Leberfunktionsstörungen
- bei schwerer Einschränkung der Nieren-funktion
- hereditärer Galaktose-Intoleranz, Lactase-Mangel oder Glukose-Galaktose-Malab-sorption.
4.4 Besondere Warnhinweise und Vor-sichtsmaßnahmen für die Anwendung
- bei Patienten mit eingeschränkter Leber- oder Nierenfunktion oder mit einer Unter-funktion der Schilddrüse, der Hypophyse oder der Nebennierenrinde ist besondere Vorsicht geboten
- bei Patienten im höheren Lebensalter be-steht die Gefahr einer prolongierten Hy-poglykämie. Deshalb müssen die Pati-enten dieser Altersgruppe besonders sorg-fältig auf das Arzneimittel eingestellt und während der initialen Phase der Behand-lung engmaschig überwacht werden. Ge-gebenenfalls ist in dieser Altersgruppe zunächst ein Sulfonylharnstoff mit einer geringeren Wirkungsdauer vorzuziehen.
- Patienten mit deutlichen Zeichen einer Zerebralsklerose und nicht kooperative Patienten sind generell stärker hypoglykä-miegefährdet
- längere Nahrungskarenz, unzureichende Kohlenhydratzufuhr, ungewohnte physi-sche Belastung, Diarrhoe oder Erbrechen, sind Umstände, die ein hohes Risiko für das Auftreten einer Unterzuckerung dar-stellen (siehe auch 4.8 'Nebenwirkungen')
- zentral wirkende Arzneimittel und Beta-Rezeptorenblocker sowie autonome Neu-ropathien können die Warnsymptome der Hypoglykämie verschleiern
- Alkohol kann bei akuter und chronischer Zufuhr die blutglukosesenkende Wirkung von Glibenclamid TAD 1,75 mg in un-vorhersehbarer Weise verstärken oder ab-schwächen
- chronischer Missbrauch von Abführmit-teln kann zu einer Verschlechterung der
Stoffwechsellage führen
- bei Nichteinhaltung des Behandlungs-plans, noch nicht ausreichender blutzu-ckersenkender Wirkung von Glibenclamid TAD 1,75 mg oder in besonderen Stress-situationen kann der Blutzucker ansteigen. Symptome der Hyperglykämie können sein: starkes Durstgefühl, Mundtrocken-heit, häufiges Wasserlassen, juckende und/oder trockene Haut, Pilzerkrankungen oder Infektionen der Haut sowie vermin-derte Leistungsfähigkeit
- in außergewöhnlichen Stresssituationen (z.B. bei Verletzungen, Operationen, fie-berhaften Infekten) kann es zu einer Ver-schlechterung der Stoffwechsellage mit der Folge einer Hyperglykämie kommen, sodass eine vorübergehende Insulin-behandlung erforderlich sein kann
- der Patient ist anzuweisen, bei Auftreten anderer Erkrankungen während der The-rapie mit Glibenclamid TAD 1,75 mg un-verzüglich den behandelnden Arzt zurate zu ziehen und bei Arztwechsel (z.B. im Rahmen eines Krankenhausaufenthalts, nach einem Unfall, bei Erkrankung im Ur-laub) den behandelnden Arzt auf die be-stehende Zuckerkrankheit hinzuweisen.
Patienten mit der seltenen hereditären Ga-lactose-Intoleranz, Lactase-Mangel oder Glucose-Galactose-Malabsorption sollten Glibenclamid TAD 1,75 mg nicht ein-nehmen.
4.5 Wechselwirkungen mit anderen Arz-neimitteln und sonstige Wechselwirkun-gen
Die gleichzeitige Einnahme anderer Arz-neimittel kann die Wirkung von Gliben-clamid TAD 1,75 mg verstärken oder ver-mindern. Andere Arzneimittel dürfen daher nur mit Einverständnis des behandelnden Arztes eingenommen werden.
Hypoglykämische Reaktionen als Aus-druck einer Wirkungsverstärkung des Arz-neimittels können auftreten bei gleichzeiti-ger Behandlung mit:
- oralen Antidiabetika und Insulin
- ACE-Hemmern
- anabolen Steroiden und männlichen Sexu-alhormonen
- Antidepressiva (wie z. B. Fluoxetin, MAO-Hemmer)
- Betarezeptorenblockern
- Chinolon-Derivaten
- Chloramphenicol
- Clofibrat und Analoga
- Cumarin-Derivaten
- Disopyramid
- Fenfluramin
- Miconazol
- Paraaminosalicylsäure
- Pentoxifyllin, parenteral hochdosiert
- Perhexilin
Pyrazolonderivaten
- Probenecid
- Salicylaten
- Sulfonamiden
- Tetracyclinen
- Tritoqualin
- Zytostatika vom Cyclophosphamidtyp.
Unter Betarezeptorenblockern, Clonidin, Guanethidin und Reserpin kann die Wahr-nehmung der Warnzeichen einer Unter-zuckerung beeinträchtigt werden.
Hyperglykämische Reaktionen als Aus-druck einer Wirkungsabschwächung des Arzneimittels können auftreten bei gleich-zeitiger Behandlung mit:
- Acetazolamid
- Betarezeptorenblockern
- Barbituraten
- Diazoxid
- Diuretika
- Glucagon
- Isoniazid
- Kortikoiden
- Nicotinaten
- Phenothiazin-Derivaten
- Phenytoin
- Rifampizin
- Schilddrüsenhormonen
- weiblichen Sexualhormonen (Gestagene, Östrogene)
- Sympathomimetika.
H2-Rezeptor-Antagonisten, Clonidin und Reserpin können sowohl eine Abschwä-chung als auch eine Verstärkung der blut-zuckersenkenden Wirkung verursachen. Pentamidin kann in Einzelfällen zu schwe-rer Hypoglykämie oder Hyperglykämie führen.
Die Wirkung von Cumarinderivaten kann verstärkt oder abgeschwächt werden.
4.6 Schwangerschaft und Stillzeit
Schwangerschaft:
Glibenclamid TAD 1,75 mg darf während der Schwangerschaft nicht eingenommen werden. Da orale Antidiabetika den Blut-zucker nicht so zuverlässig regulieren wie Insulin, sind sie für die Behandlung eines Diabetes in der Schwangerschaft grund-sätzlich ungeeignet.
In der Schwangerschaft ist die Diabetesein-stellung mit Insulin die Therapie der Wahl. Nach Möglichkeit sollten orale Antidiabe-tika schon vor einer geplanten Schwanger-schaft abgesetzt und durch Insulin ersetzt werden.
Stillzeit:
Da nicht bekannt ist, ob Glibenclamid TAD 1,75 mg in die Muttermilch übergeht, darf Glibenclamid TAD 1,75 mg während der Stillzeit nicht eingenommen werden. Stillende Patientinnen sollten zur Diabetes-
einstellung mit Insulin behandelt werden oder abstillen.
4.7 Auswirkungen auf die Verkehrstüch-tigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen
Eine Hypoglykämie kann die Konzentrati-ons- und Reaktionsfähigkeit eines Patien-ten herabsetzen. Dies kann in Situationen, in denen diese Fähigkeiten von besonderer Bedeutung sind (z.B. beim Fahren eines Autos oder beim Bedienen von Maschinen) ein Risiko darstellen. Dem Patienten sollte geraten werden, Vorsichtsmaßnahmen zur Vermeidung von Hypoglykämien beim Führen von Kraftfahrzeugen zu treffen. Dies ist bei Patienten mit häufigen Hy-poglykämie-Episoden oder verringerter o-der fehlender Wahrnehmung von Hypogly-kämie-Warnsymptomen besonders wichtig. In diesen Fällen sollte überdacht werden, ob das Führen eines Kraftfahrzeuges rat-sam ist.
4.8 Nebenwirkungen
Bei den Häufigkeitsangaben zu Neben-wirkungen werden folgende Kategorien zugrunde gelegt:
Sehr häufig (≥ 1/10)
Häufig (≥ 1/100 bis < 1/10)
Gelegentlich (≥ 1/1.000 bis < 1/100) Selten (≥ 1/10.000 bis < 1/1.000)
Sehr selten (<1/10.000)
Nicht bekannt (Häufigkeit auf Grundlage der verfügbaren Daten nicht abschätzbar).
Stoffwechsel- und Ernährungsstörungen Häufig
- Hypoglykämie ist die häufigste uner-wünschte Wirkung einer Therapie mit Glibenclamid.
Diese kann bei Glibenclamid protrahiert verlaufen und zu schwerer Hypoglykämie mit lebensbedrohlichem Koma führen. Bei sehr schleichendem Verlauf einer Hypogly-kämie, bei einer autonomen Neuropathie oder bei einer sympatholytischen Begleit-therapie (siehe Abschnitt 4.5 Wechselwir-kungen) können die typischen Warn-symptome abgeschwächt sein oder fehlen.
Mögliche Ursachen einer Hypoglykämie sind beschrieben im Abschnitt 4.4 'Warn-hinweise und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung'.
Die Hypoglykämie ist definiert als ein Blutzuckerabfall unter etwa 50 mg/dl. Fol-gende Warnsymptome können den Patien-ten oder seine Umwelt auf einen zu starken Blutzuckerabfall aufmerksam machen: plötzliches Schwitzen, Herzklopfen, Zittern, Hungergefühl, Unruhe, Kribbeln im Mund-bereich, Blässe, Kopfschmerzen, Schläfrig-keit, Schlafstörungen, Ängstlichkeit, Unsi-cherheit der Bewegungen, vorübergehende neurologische Ausfallerscheinungen (z. B.
Sprech- und Sehstörungen, Lähmungser-scheinungen oder Empfindungsstörungen). Bei fortschreitender Hypoglykämie kann der Patient die Selbstkontrolle verlieren und bewusstlos werden. Er hat dann meist eine feuchte kühle Haut und neigt zu Krämpfen.
Eine leichte Hypoglykämie kann der Diabe-tiker durch Aufnahme von Zucker oder stark zuckerhaltiger Nahrung oder Geträn-ken beheben. Deshalb sollte er immer 20 Gramm Traubenzucker bei sich haben. Kann die Hypoglykämie nicht sofort beho-ben werden, muss sofort ein Arzt gerufen werden.
Weitere Stoffwechsel- und Ernährungsstö-rungen
Häufig
- Gewichtszunahme
-
Augenleiden
Sehr selten
- insbesondere zu Beginn der Behandlung können vorübergehend Seh- und Ak-komodationsstörungen durch die Ände-rung des Blutzuckerspiegels auftreten.
Gastrointestinale Beschwerden
Gelegentlich
- Übelkeit
- Magendruck
- Völlegefühl
- Erbrechen
- Bauchschmerzen
- Durchfall
- Aufstoßen
- metallischer Geschmack
Diese Beschwerden sind oft vorübergehend und erfordern im Allgemeinen kein Abset-zen der Medikation.
Funktionsstörungen der Leber und der Galle
Sehr selten vorübergehende Erhöhung von SGOT, SGPT, alkalische Phospha-tase, arzneimittelinduzierte Hepatitis, intrahepatische Cholestase, evtl. verur-sacht durch eine allergisch-hyperergische Reaktion des Leberge-webes.
Diese Leberfunktionsstörungen sind nach Absetzen von Glibenclamid TAD 1,75 mg rückbildungsfähig, können aber auch zum lebensbedrohlichen Leberversagen führen.
Funktionsstörungen der Haut und des Unterhautzellgewebes
Gelegentlich
- Pruritus
- Urtikaria
- Erythema nodosum
- morbilliforme oder makulopapulöse Exantheme
- erhöhte Photosensibilität
- Purpura
Diese Beschwerden sind vorübergehende
Überempfindlichkeitsreaktionen, können sich jedoch sehr selten zu lebensbedrohli-chen Situationen mit Atemnot und Blut-druckabfall bis hin zum lebensbedrohli-chen Schock entwickeln.
Sehr selten
- generalisierte Überempfindlichkeitsreak-tionen mit Hautausschlag, Arthralgie, Fieber, Proteinurie und Ikterus.
Sehr selten
- lebensbedrohliche allergische Vaskulitis. Beim Auftreten von Hautreaktionen sollte umgehend der Arzt verständigt werden.
Störungen des Blut- und Lymphsystems Selten
- Thrombozytopenie
Sehr selten
- Leukozytopenie, Erythrozytopenie, Gra-nulozytopenie bis hin zu Agranulozytose
In Einzelfällen
- Panzytopenie, hämolytische Anämie Die genannten Blutbildveränderungen sind nach Absetzen im Allgemeinen reversibel, können sehr selten aber auch lebensbedroh-lich sein.
Sonstige Nebenwirkungen
Sehr selten
- schwach diuretische Wirkung
- vorübergehende Proteinurie
- Hyponatriämie
- Disulfiram-ähnliche Reaktion
- Kreuzallergie zu Sulfonamiden, Sulfon-amidderivaten und Probenecid ist mög-lich.
Meldung des Verdachts auf Nebenwirkungen
Die Meldung des Verdachts auf Nebenwirkungen nach der Zulassung ist von großer Wichtigkeit. Sie ermöglicht eine kontinuierliche Überwachung des Nutzen-Risiko-Verhältnisses des Arzneimittels. Angehörige von Gesundheitsberufen sind aufgefordert, jeden Verdachtsfall einer Nebenwirkung dem Bundesinstitut für Arz-neimittel und Medizinprodukte, Abt. Phar-makovigilanz, Kurt-Georg-Kiesinger Allee 3, D-53175 Bonn, Website: www.bfarm.de anzuzeigen.
4.9 Überdosierung
Eine akute deutliche Überdosierung von Glibenclamid TAD 1,75 mg kann ebenso wie eine über längere Zeit erfolgte Ein-nahme gering überhöhter Dosen zu schwe-ren, prolongierten und lebensbedrohlichen Hypoglykämien führen.
Symptome einer Überdosierung Bei Überdosierung in missbräuchlicher
Absicht ist mit protrahierten Hypoglykä-mien zu rechnen, die nach erfolgreicher Initialtherapie über Tage zu Rezidiven nei-gen. Bei bewusstseinsgetrübten Patienten kann sich rasch ein hypoglykämischer Schock entwickeln, der gekennzeichnet ist durch Bewusstlosigkeit, Tachykardie, feuchte Haut, Hyperthermie, motorische Unruhe, Hyperreflexie, Paresen mit positi-vem Babinski-Reflex.
- Therapiemaßnahmen bei Überdosierung Zur Therapie einer leichten Hypoglykämie siehe Abschnitt 4.8 'Nebenwirkungen'.
Bei akzidentellen Vergiftungen sollte neben der i. v. Zufuhr von Glucose bei ansprech-baren Patienten ohne Krampfneigung zu-nächst Erbrechen ausgelöst werden oder ei-ne Magenspülung vorgenommen werden.
Bei bewusstlosen Patienten sollte sofort ei-ne intravenöse Glucosezufuhr erfolgen (In-jektion von 40 bis 80 ml einer 40%igen Glucoselösung und anschließend Infusion von 5 - 10%iger Glucoselösung). Weiterhin kann zusätzlich 1 mg Glukagon i. m. oder i. v. verabreicht werden. Tritt da-runter keine Änderung der Bewusstlosig-keit auf, kann diese Maßnahme wiederholt werden, eine weitere intensivmedizinische Behandlung kann erforderlich sein.
Bei protrahierter Hypoglykämie ist eine mehrtägige Überwachung des Patienten mit regelmäßigen Blutzuckerkontrollen und gegebenenfalls eine Infusionstherapie er-forderlich.
5. Pharmakologische Eigenschaften
5.1 Pharmakodynamische Eigenschaf-ten
Pharmakotherapeutische Gruppe: Orale An-tidiabetika, Sulfonylharnstoff-Derivate ATC-Code: A10B B01
Glibenclamid TAD 1,75 mg wirkt sowohl bei Stoffwechselgesunden als auch bei Pa-tienten mit einem nicht-insulinabhängigen Diabetes mellitus (Typ 2, NIDDM) blutzu-ckersenkend, indem es die Insulinsekretion aus den B-Zellen der Pankreasinseln stei-gert. Diese Wirkung ist von der Glucose-konzentration in der Umgebung der B-Zel-leninseln abhängig.
Bei sehr hohen Blutzuckerkonzentrationen, unter denen die Sekretionsstimulierung der Glucose maximal ist, ist nicht mehr mit ei-ner starken zusätzlichen Insulinfreisetzung durch Glibenclamid zu rechnen. Eine klini-sche Relevanz dieser Beobachtung an ge-sunden Testpersonen für Patienten mit Dia-beteserkrankung, die Glibenclamid ein-nehmen, ist nicht geklärt.
Eine Hemmung der Glucagon-Freisetzung aus den A-Zellen des Pankreas und extra-pankreatische Wirkungen sind beschrieben
(Vermehrung der Insulinrezeptoren, Zu-nahme der Insulinempfindlichkeit periphe-rer Gewebe); ihre klinische Relevanz ist je-doch nicht geklärt.
5.2 Pharmakokinetische Eigenschaften
Glibenclamid TAD 1,75 mg wird nach ora-ler Gabe rasch und nahezu vollständig re-sorbiert. Die Resorption von Glibenclamid wird durch gleichzeitige Nahrungs-aufnahme nicht wesentlich beeinflusst.
Die Bindung von Glibenclamid TAD 1,75 mg an Plasmaalbumin beträgt mehr als 98 %.
Maximale Serumkonzentrationen werden nach 1 - 2 Stunden erreicht und betragen nach Einnahme von 1,75 mg Glibenclamid etwa 100 ng/ml. Nach 8 - 10 Stunden fällt die Serumkonzentration je nach verabreichter Dosis auf 5 - 10 ng/ml ab. Die Serumhalbwertszeit nach intravenöser Gabe beträgt etwa 2 Stunden, nach oraler Gabe beträgt sie 2 - 5 Stunden. Einige Studien deuten jedoch darauf hin, dass sie bei Diabetikern auf 8 - 10 Stunden verlängert sein kann.
Glibenclamid wird vollständig in der Leber metabolisiert. Hauptmetabolit ist das 4-trans-Hydroxyglibenclamid, ein weiterer Metabolit das 3-cis-Hydroxyglibenclamid. Die Metaboliten tragen nicht wesentlich zur blutzuckersenkenden Wirkung von Gliben-clamid bei. Die Ausscheidung der Metabo-liten erfolgt zu etwa gleichen Teilen über Urin und Galle und ist nach 45–72Stunden abgeschlossen.
Bei Patienten mit eingeschränkter Leber-funktion ist die Elimination des Wirkstoffs aus dem Plasma verzögert.
Bei niereninsuffizienten Patienten steigt in Abhängigkeit vom Grad der Funktionsstö-rung kompensatorisch die biliäre Ausschei-dung der Metaboliten an. Bei mäßiger Nie-reninsuffizienz (Kreatinin-Clearance ≥ 30ml/min) ist die Gesamtelimination nicht verändert; bei schwerer Niereninsuffizienz ist eine Kumulation möglich.
5.3 Präklinische Daten zur Sicherheit
Aus den Untersuchungen zur chronischen Toxizität liegen keine Erkenntnisse vor, die zu dem Verdacht führen, dass beim Men-schen bisher unbekannte Nebenwirkungen auftreten könnten.
Außerdem zeigte sich in In-vitro-Studien kein Hinweis auf ein mutagenes Potenzial. Reguläre Langzeitstudien zur Kanzerogeni-tät wurden nicht durchgeführt.
Untersuchungen an Ratten, Mäusen und Kaninchen haben keine Anhaltspunkte auf eine teratogene Wirkung ergeben.
6. Pharmazeutische Angaben
6.1 Liste der sonstigen Bestandteile
Macrogolstearat 2500, Crospovidon, Microcellac 100 (bestehend aus 25% mik-
rokristalliner Cellulose und 75% Lactose-Monohydrat), Talkum, hochdisperses Sili-ciumdioxid, Magnesiumstearat (Ph. Eur.).
6.2 Inkompatibilitäten
Nicht zutreffend.
6.3 Dauer der Haltbarkeit
Glibenclamid TAD 1,75 mg:
Die Dauer der Haltbarkeit von Gliben-clamid TAD 1,75 mg beträgt 5 Jahre.
6.4 Besondere Vorsichtsmaßnahmen für die Aufbewahrung
Nicht über 25° C lagern!
6.5 Art und Inhalt des Behältnisses
PVC/PVDC-Alu-Blister oder Verbundfo-lienbeutel.
Packung zu 30 (N1) und 120 (N2) Tablet-ten.
Anstaltspackung mit 5000 Tabletten.
6.6 Besondere Vorsichtsmaßnahmen für die Beseitigung und sonstige Hinweise zur Handhabung
Keine besonderen Anforderungen.
7. Inhaber der Zulassung
TAD Pharma GmbH
Heinz-Lohmann-Straße 5
27472 Cuxhaven
Tel.: 04721/606-0
Fax: 04721/606-333
E-Mail: info@tad.de
Internet: www.tad.de
8. Zulassungsnummern:
Glibenclamid TAD 1,75 mg:
41140.01.00
9. Datum der Erteilung der Zulas-sung/Verlängerung der Zulassung
25.11.1997/07.11.2003
10. Stand der Information
August 2015
11. Verkaufsabgrenzung
Verschreibungspflichtig.
