Fachinformation - Rapibloc 20 mg/2 ml Konzentrat zur Herstellung einer Injektionslösung
1. BEZEICHNUNG DES ARZNEIMITTELS
Rapibloc 20 mg/2 ml Konzentrat zur Herstellung einer Injektionslösung
2. QUALITATIVE UND QUANTITATIVE ZUSAMMENSETZUNG
1 ml Konzentrat enthält 10 mg Landiololhydrochlorid, entsprechend 9,35 mg Landiolol.
Eine Durchstechflasche mit 2 ml Konzentrat zur Herstellung einer Injektionslösung enthält 20 mg Landiololhydrochlorid entsprechend 18,7 mg Landiolol.
Nach Verdünnung (siehe Abschnitt 6.6) beträgt die Konzentration der Lösung 2 mg/ml Landiololhydrochlorid.
Sonstige Bestandteile mit bekannter Wirkung
Rapibloc Konzentrat enthält 672 mg Ethanol (96 %) pro maximaler Einzeldosis (berechnet für einen 70 kg schweren Patienten). Siehe Abschnitt 4.4.
Vollständige Auflistung der sonstigen Bestandteile, siehe Abschnitt 6.1.
3. DARREICHUNGSFORM
Konzentrat zur Herstellung einer Injektionslösung.
Klare und farblose bis gelbliche Lösung frei von sichtbaren Partikeln.
Rapibloc Konzentrat hat einen pH-Wert von 6,9 und eine Osmolalität von 8,13 Osm/l.
4. KLINISCHE ANGABEN
4.1 Anwendungsgebiete
Landiolol wird angewendet bei:
Supraventrikulärer Tachykardie und wenn eine schnelle Kontrolle der Kammerfrequenz bei
Patienten mit Vorhofflimmern oder Vorhofflattern perioperativ, postoperativ oder unter anderen Bedingungen erwünscht ist und eine kurzdauernde Kontrolle der Kammerfrequenz mit einer kurzwirksamen Substanz angebracht ist.
Nicht-kompensatorischer Sinustachykardie wenn nach dem Urteil des Arztes die hohe
Herzfrequenz eine besondere Intervention erfordert.
Landiolol eignet sich nicht zur Behandlung von chronischen Erkrankungen.
4.2 Dosierung und Art der Anwendung
Dosierung
Landiolol ist für die intravenöse Verabreichung in einer überwachten Umgebung bestimmt. Nur gut qualifiziertes medizinisches Fachpersonal darf Landiolol verabreichen. Die Dosierung von Landiolol muss individuell eingestellt werden.
Verabreichen Sie eine intravenöse Bolusinjektion von 0,1 - 0,3 mg/kg Körpergewicht (KG). Als Anfangsdosis werden 0,1 - 0,2 mg/kg KG empfohlen. Der bradykarde Effekt kann zwischen 5 und
20 Minuten anhalten. Im Fall einer unzureichenden Wirksamkeit erhöhen Sie die Dosis auf 0,2 oder 0,3 mg/kg KG.
Die Bolusverabreichung kann bei Bedarf bis zu einer maximalen Tagesdosis von 100 mg/Patient/Tag wiederholt werden. Diese Dosis kann in 5 - 15 Dosen pro Tag aufgeteilt werden (5 × 20 mg/Patient/Dosis entsprechend 5 × 0,3 mg/kg KG bis 15 × 7 mg/Patient/Dosis entsprechend 15 × 0,1 mg/kg KG).
Für eine längere Verabreichung verwenden Sie eine Landiolol Infusion aus Rapibloc Pulver zur Herstellung einer Infusionslösung zubereitet.
Wenn Nebenwirkungen auftreten (siehe Abschnitt 4.8), müssen zusätzliche Rapibloc Konzentrat Dosen reduziert oder vermieden werden und die Patienten müssen bei Bedarf entsprechend medizinisch behandelt werden. Bei Patienten mit einem niedrigen systolischen Blutdruck ist besondere Vorsicht beim Anpassen der Dosis geboten.
Spezielle Patientengruppen
Ältere Patienten (≥ 65 Jahre)
Es ist keine Dosisanpassung erforderlich.
Nierenfunktionsstörung
Es ist keine Dosisanpassung erforderlich (siehe Abschnitte 4.4 und 5.2).
Leberfunktionsstörung
Daten über die Behandlung von Patienten mit Leberfunktionsstörungen sind begrenzt vorhanden (siehe Abschnitt 5.2). Eine vorsichtige Dosierung beginnend mit einer niedrigeren Dosis wird bei Patienten mit allen Ausprägungen einer Leberfunktionsstörung empfohlen.
Rapibloc Konzentrat enthält Alkohol (siehe Abschnitte 2 und 4.4).
Kinder und Jugendliche
Die Sicherheit und Wirksamkeit von Landiolol bei Kindern im Alter von 0 bis 18 Jahren sind bisher noch nicht erwiesen. Rapibloc Konzentrat enthält Ethanol und wird daher zur Anwendung bei Kindern und Jugendlichen nicht empfohlen (siehe Abschnitt 4.4). Eine andere Darreichungsform (d. h. Rapibloc Pulver zur Herstellung einer Infusionslösung) ist zur Anwendung in dieser Patientengruppe möglicherweise besser geeignet. Zurzeit vorliegende Daten für diese Formulierung werden in Abschnitt 5.2 beschrieben; eine Dosierungsempfehlung kann jedoch nicht gegeben werden.
Art der Anwendung
Die Durchstechflaschen mit Rapibloc-Konzentrat sind nur für den Einmalgebrauch bestimmt. Das Arzneimittel muss vor der Verabreichung verdünnt werden (Anweisungen siehe Abschnitt 6.6).
Landiolol darf, außer mit den unter Abschnitt 6.6 aufgeführten, nicht mit anderen Arzneimitteln gemischt werden.
Landiolol muss intravenös verabreicht werden. Eine subkutane oder venöse perivaskuläre oder intraarterielle Verabreichung muss vermieden werden. Um das Risiko einer lokalen Toxizität zu vermeiden, muss intravenös verabreichtes Landiolol direkt in eine größere zentrale oder periphere Vene durch eine große Nadel oder einen intravenösen Katheter injiziert werden. Landiolol darf nicht durch den gleichen intravenösen Zugang wie andere Arzneimittel verabreicht werden (siehe Abschnitt 6.6).
4.3 Gegenanzeigen
Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der in Abschnitt 6.1 genannten sonstigen
Bestandteile
- Schwere Bradykardie (weniger als 50 Schläge pro Minute)
- Sinusknotensyndrom
Schwere Störungen der atrioventrikulär (AV) - Knotenleitung (ohne Herzschrittmacher): AV-
Block 2. oder 3. Grades
- Kardiogener Schock
- Schwere Hypotonie
- Dekompensierte Herzinsuffizienz
- Pulmonale Hypertonie
- Unbehandeltes Phäochromozytom
- Akuter Asthmaanfall
- Schwere, unkorrigierbare metabolische Azidose
4.4 Besondere Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung
Rapibloc Konzentrat muss vor der Anwendung verdünnt werden (siehe Abschnitt 6).
Die am häufigsten beobachtete Nebenwirkung ist Hypotonie, die durch eine Reduktion der Dosierung oder das Absetzen des Arzneimittels schnell reversibel ist.
Überwachung
Rapibloc Konzentrat ist hyperosmolar und birgt das Risiko einer Thrombophlebitis, die Injektionsstelle muss überwacht werden. Extravasation muss vermieden und bei Erkennung entsprechend behandelt werden. Im Falle einer unbeabsichtigten extravaskulären Injektion muss eine andere Injektionsstelle gewählt werden.
Es wird empfohlen, bei allen Patienten, die mit Landiolol behandelt werden, den Blutdruck und das EKG kontinuierlich zu überwachen.
Vorzeitiges Erregungssyndrom
Betablocker müssen bei Patienten mit vorzeitigem Erregungssyndrom in Kombination mit Vorhofflimmern vermieden werden. Bei diesen Patienten kann eine Betablockade des atrioventrikulären Knotens die Leitung über die akzessorische Bahn verstärken und eine ventrikuläre Fibrillation herbeiführen.
Kardialer Block ersten Grades
Wegen der negativen Auswirkungen auf die atrioventrikuläre Überleitungszeit dürfen Betablocker bei Patienten mit kardialem Block ersten Grades nur mit Vorsicht eingesetzt werden (siehe auch Abschnitt 4.3).
Prinzmetal-Angina
Betablocker können bei Patienten mit Prinzmetal-Angina (vasospastische Angina) die Anzahl und Dauer von anginösen Anfällen aufgrund einer ungehinderten alpha-Rezeptoren-vermittelten Vasokonstriktion der Koronararterien erhöhen. Nicht-selektive Betablocker dürfen bei diesen Patienten überhaupt nicht und Beta-1-selektive Blocker nur mit äußerster Vorsicht angewendet werden.
Bei Herzinsuffizienz birgt eine Beta-Blockade das potenzielle Risiko, die myokardiale Kontraktilität weiter herabzusetzen und eine noch schwerere Herzinsuffizienz auszulösen. Beim ersten Anzeichen oder Symptom eines bevorstehenden Herzversagens muss die Therapie mit Landiolol abgebrochen werden und die Patienten müssen entsprechende medizinische Betreuung erhalten.
Herzinsuffizienz und hämodynamisch instabile Patienten
Bei Patienten mit supraventrikulären Arrhythmien darf Landiolol zur Kontrolle der ventrikulären Funktion nur mit Sorgfalt angewendet werden, wenn der Patient hämodynamisch instabil ist oder andere Arzneimittel einnimmt, die einen oder alle der folgenden Parameter herabsetzen: peripherer Widerstand, Myokardfüllung, myokardiale Kontraktilität oder elektrische Reizübertragung im Myokard.
Gleichzeitige Anwendung
Die gleichzeitige Anwendung von Landiolol mit Verapamil oder Diltiazem wird bei Patienten mit atrioventrikulären Leitungsabnormalitäten nicht empfohlen (siehe auch Abschnitt 4.5).
Diabetiker
Landiolol muss bei Diabetikern oder bei Hypoglykämie mit Vorsicht angewendet werden. Eine Hypoglykämie ist bei weniger kardioselektiven Betablockern schwerwiegender. Betablocker können die Prodromalsymptome einer Hypoglykämie wie z. B. Tachykardie maskieren. Schwindelgefühl und Schweißausbrüche können hingegen unbeeinträchtigt bleiben.
Nierenfunktionsbeeinträchtigung
Der Hauptmetabolit von Landiolol (M1) wird durch die Nieren ausgeschieden und sammelt sich bei Patienten mit einer Nierenfunktionsbeeinträchtigung wahrscheinlich an. Auch wenn dieser Metabolit (M1) sogar bei Dosen, die 200 Mal höher sind als die des Ausgangsarzneimittels, keine Betablocker-Aktivität aufweist, muss Landiolol bei Patienten mit Nierenfunktionsbeeinträchtigung mit Vorsicht verwendet werden.
Die Ergebnisse einer klinischen Studie zeigen, dass bei der Anwendung von Landiolol bei Patienten, die sich einer Nierenersatztherapie unterziehen, keine besonderen Vorsichtsmaßnahmen erforderlich sind.
Phäochromozytome
Landiolol muss bei Patienten mit Phäochromozytom mit Vorsicht und nur nach Vorbehandlung mit Alpha-Rezeptor-Blockern verwendet werden (siehe auch Abschnitt 4.3).
Bronchospastische Erkrankungen
Patienten mit bronchospastischen Erkrankungen sollten im Allgemeinen keine Betablocker erhalten. Wegen seiner hohen relativen Beta-1-Selektivität und Titrierbarkeit kann Landiolol bei diesen Patienten mit Vorsicht angewendet werden. Landiolol muss sorgfältig eingestellt werden, um die niedrigste wirksame Dosis zu erhalten. Bei Bronchospasmen die Verabreichung sofort abbrechen und ggf. einen Beta-2-Agonisten verabreichen. Wenn der Patient bereits ein Beta-2-Sympathomimetikum anwendet, muss dieses ggf. neu dosiert werden.
Periphere Durchblutungsstörungen
Bei Patienten mit peripheren Durchblutungsstörungen (Raynaud-Krankheit oder -Syndrom, Claudicatio intermittens) dürfen Betablocker nur mit äußerster Vorsicht eingesetzt werden, da eine Verschlechterung auftreten kann.
Betablocker können die Empfindlichkeit gegenüber Allergenen sowie den Schweregrad anaphylaktischer Reaktionen erhöhen. Patienten, die Betablocker anwenden, reagieren möglicherweise nicht auf die üblichen Dosen Epinephrin, die zur Behandlung anaphylaktischer Reaktionen eingesetzt werden (siehe auch Abschnitt 4.5).
Rapibloc Konzentrat enthält 672 mg Ethanol (96 %) pro maximaler Einzeldosis (berechnet für einen 70 kg schweren Patienten), entsprechend weniger als 17 ml Bier oder 7 ml Wein pro Dosis.
Dieses Arzneimittel enthält weniger als 1 mmol Natrium (23 mg) und weniger als 1 mmol Kalium (39 mg) pro Durchstechflasche, d. h. es ist nahezu „natriumfrei und kaliumfrei“.
4.5 Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln und sonstige Wechselwirkungen
Calciumantagonisten
Calciumantagonisten wie z. B. Dihydropyridin Derivate (z. B. Nifedipin) können das Risiko einer Hypotonie erhöhen. Bei Patienten mit Herzinsuffizienz kann eine gleichzeitige Behandlung mit Betablockern zu Herzversagen führen. Es wird empfohlen Landiolol vorsichtig einzustellen und die Hämodynamik sorgfältig zu überwachen.
Antiarrhythmika
Die Verabreichung von Landiolol muss mit Vorsicht angepasst werden, wenn es gleichzeitig mit Verapamil, Diltiazem, Antiarrhythmika der Klasse I, Amiodaron oder Digitalispräparaten verwendet wird, da es bei der gleichzeitigen Verabreichung zu einer übermäßigen Suppression der Herzfunktion und/oder atrioventrikulären Leitungsabnormalitäten kommen kann.
Landiolol darf nicht gleichzeitig mit Verapamil oder Diltiazem bei Patienten mit atrioventrikulären Leitungsabnormalitäten verabreicht werden (siehe Abschnitt 4.4).
Antidiabetika
Die gleichzeitige Gabe von Landiolol und Insulin oder oralen Antidiabetika kann die blutzuckersenkende Wirkung beeinflussen. Es ist auf die Blutzuckerwerte zu achten, wenn diese Arzneimittel gleichzeitig verabreicht werden, da eine beta-adrenerge Blockade Anzeichen einer Hypoglykämie wie zum Beispiel eine Tachykardie verschleiern kann.
Während einer Anästhesie verwendete Arzneimittel
Eine fortgesetzte Anwendung des Betablockers während der Induktion einer Narkose, der Intubation und Beendigung einer Narkose verringert das Risiko einer Arrhythmie.
Wenn der intravaskuläre Volumenstatus des Patienten unsicher ist oder wenn antihypertensive Arzneimittel (einschließlich anderer Betablocker) gleichzeitig mit Landiolol verabreicht werden, kann eine Reflextachykardie abgemildert werden und das Risiko einer Hypotonie steigen.
Die blutdrucksenkende Wirkung von Inhalationsanästhetika kann durch Landiolol verstärkt werden. Die Dosierung der Arzneimittel muss entsprechend angepasst werden, um die gewünschte Hämodynamik aufrechtzuerhalten.
Die Verabreichung von Landiolol muss mit Vorsicht titriert werden, wenn es zusammen mit Anästhetika mit bradykarder Wirkung, Esterasesubstraten (z. B. Suxamethoniumchlorid) oder Cholinesterasehemmern (z. B. Neostigmin) verwendet wird, da es durch die gleichzeitige Verabreichung zu einer Verstärkung der bradykarden Wirkung oder einer Verlängerung der Wirkungsdauer von Landiolol kommen kann.
Bei einer in vitro Studie an menschlichem Plasma wurde herausgefunden, dass es durch die gleichzeitige Verabreichung von Suxamethonium zu einer Erhöhung der maximalen Blutkonzentration von Landiololhydrochlorid um circa 20 % kommen könnte. Die antagonistische Hemmung kann auch zu einer Verlängerung der Dauer einer durch Suxamethoniumchlorid induzierten neuromuskulären Blockade führen.
Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAIDs)
NSAIDs können die blutdrucksenkenden Wirkungen von Betablockern verringern.
Bei gleichzeitiger Anwendung von Floctafenin und Betablockern ist besondere Vorsicht erforderlich.
Arzneimittel mit blutdrucksenkender Wirkung (einschließlich Antidepressiva, Antipsychotika usw.) Die gleichzeitige Gabe von Landiolol mit trizyklischen Antidepressiva, Barbituraten, Phenothiazinen sowie Antihypertensiva kann die blutdrucksenkende Wirkung verstärken. Die Verabreichung von Landiolol muss vorsichtig eingestellt werden, um eine unerwartete Hypotonie zu verhindern. Bei der Anwendung von Amisulprid ist besondere Vorsicht geboten.
Die Kombination von Landiolol mit Ganglienblockern kann die blutdrucksenkende Wirkung verstärken.
Sympathomimetika
Den Auswirkungen von Landiolol kann entgegengewirkt werden, wenn es gleichzeitig mit Sympathomimetika mit beta-adrenerger Agonistenaktivität verabreicht wird. Die Dosis jedes Wirkstoffs muss möglicherweise je nach Reaktion des Patienten angepasst werden oder die Verwendung alternativer Therapeutika muss in Betracht gezogen werden.
Wirkstoffe, die zu einer Katecholamindepletion führen
Wirkstoffe, die zu einer Katecholamindepletion führen, oder Antisympathotonika (z. B. Reserpin, Clonidin, Dexmedetomidin) haben möglicherweise eine additive Wirkung, wenn sie gleichzeitig mit Landiolol verabreicht werden. Patienten, die gleichzeitig mit diesen Wirkstoffen behandelt werden, sind engmaschig auf Anzeichen von Hypotonie oder ausgeprägter Bradykardie zu überwachen.
Bei gleichzeitiger Anwendung von Clonidin und Betablockern ist das Risiko einer Rebound-Hypertonie erhöht. Nach der Verabreichung von Landiolol wurde zwar über 24 Stunden kein Rebound-Hypertonie-Effekt beobachtet, doch kann ein derartiger Effekt nicht ausgeschlossen werden, wenn Landiolol in Kombination mit Clonidin verwendet wird.
Heparin
Wenn Heparin während einer Landiolol-Infusion bei Patienten, die sich einer Herzkranzgefäßoperation unterzogen, intravenös verabreicht wurde, kam es zu einem Absinken des Landiolol-Plasmaspiegels um 50 % in Verbindung mit einer durch Heparin induzierten Senkung des Blutdrucks und einer Verlängerung der Landiolol-Zirkulationszeit. Die Herzfrequenz änderte sich in dieser Situation nicht.
Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln
Durch andere Arzneimittel verursachte anaphylaktische Reaktionen können bei Patienten, die Betablocker nehmen, stärker ausgeprägt sein. Es kann sein, dass diese Patienten gegen die Behandlung mit Epinephrin in der normalen Dosis resistent sind, aber eine intravenöse Injektion von Glucagon ist wirkungsvoll (siehe auch Abschnitt 4.4).
Das Wechselwirkungspotential der Landiolol-Metaboliten M1 und M2 mit gleichzeitig verwendeten Arzneimitteln ist nicht bekannt. Die pharmakodynamischen Auswirkungen der Abbauprodukte werden als nicht klinisch relevant eingestuft (siehe Abschnitt 5.2).
4.6 Fertilität, Schwangerschaft und Stillzeit
Schwangerschaft
Es liegen nur sehr begrenzte Daten zur Anwendung von Rapibloc Konzentrat bei Schwangeren vor. In der einzigen Placebo-kontrollierten klinischen Studie, die mit 32 Patientinnen bei denen ein Kaiserschnitt geplant war durchgeführt wurde, verringerte die Gabe von 200 Mikrogramm/kg Landiolol zum Zeitpunkt der Einleitung der Anästhesie die durch die Trachealintubation verursachte hämodynamische Antwort. Es wurden keine unerwünschten Ereignisse berichtet. Es wurden keine Unterschiede in den Apgar-Werten nach 1 Minute und 5 Minuten zwischen mit Landiolol behandelten und unbehandelten Patientinnen festgestellt. Aufgrund seiner hohen Beta-1-Selektivität hatte Landiolol keinen Einfluss auf die Uteruskontraktionen. Tierexperimentelle Studien weisen nicht auf klinisch relevante Effekte in Hinblick auf eine Reproduktionstoxizität hin (siehe Abschnitt 5.3).
Als Vorsichtsmaßnahme ist die Verwendung von Landiolol in der Schwangerschaft besser zu vermeiden.
Aufgrund der pharmakologischen Wirkung von Betablockern sind in einer späten Phase der Schwangerschaft Nebenwirkungen auf den Fötus oder das Neugeborene (insbesondere Hypoglykämie, Hypotonie und Bradykardie) zu berücksichtigen.
Falls eine Behandlung mit Landiolol als notwendig erachtet wird, muss der uteroplazentare Blutfluss und das fetale Wachstum überwacht werden. Das Neugeborene muss engmaschig überwacht werden.
Rapibloc Konzentrat enthält Alkohol (siehe Abschnitte 2 und 4.4).
Stillzeit
Es ist nicht bekannt, ob Landiolol / Metabolite in die Muttermilch übergehen. Verfügbare pharmakokinetische Daten bei Tieren haben eine Exkretion von Landiolol in die Milch gezeigt. Ein Risiko für Neugeborene/Säuglinge kann nicht ausgeschlossen werden. Es muss eine Entscheidung getroffen werden, ob mit dem Stillen aufgehört werden oder die Landiololtherapie abgebrochen/unterlassen werden soll, wobei der Nutzen des Stillens für das Kind und der Nutzen der Therapie für die Frau berücksichtigt werden müssen.
Rapibloc Konzentrat enthält Alkohol (siehe Abschnitte 2 und 4.4).
Fertilität
Es wurde bei Landiolol bei Tierstudien keine Veränderung bei der Fertilität festgestellt (siehe Abschnitt 5.3).
4.7 Auswirkungen auf die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von
Maschinen
Nicht zutreffend.
4.8 Nebenwirkungen
a. Zusammenfassung des Sicherheitsprofils
Die am häufigsten beobachteten unerwünschten Arzneimittelwirkungen (UAW) in der veröffentlichten Literatur für klinische Studien (2 382 Patienten) und Postmarketing-Behandlungsergebnisstudien/Anwendungsbefragungen (1 257 Patienten) für Landiolol waren Hypotonie und Bradykardie (≥ 1 bis < 10 %).
Nebenwirkungen werden untenstehend nach Systemorganklassen und Häufigkeit gelistet: Sehr häufig (≥ 1/10), häufig (≥ 1/100, < 1/10), gelegentlich (≥ 1/1 000, < 1/100), selten (≥ 1/10 000, < 1/1 000), sehr selten (< 1/10 000), nicht bekannt (Häufigkeit aufgrund der verfügbaren Daten nicht abschätzbar)
b. Zusammenfassung der Nebenwirkungen in Tabellenform
| Infektionen und parasitäre Erkrankungen | gelegentlich: Pneumonie* selten: Mediastinitis* |
| Erkrankungen des Blutes und des Lymphsystems | gelegentlich: Thrombozytopenie* |
| Stoffwechsel- und Ernährungsstörungen | gelegentlich: Hyponatriämie* selten: Hyperglykämie |
| Erkrankungen des Nervensystems | gelegentlich: Zerebrale Ischämie*, Kopfschmerzen selten: Hirninfarkt, apoplektischer Insult, Krampfanfall |
| Herzerkrankungen | häufig: Bradykardie gelegentlich: Vorhofflimmern, Herzstillstand*, Sinusknotenstillstand, Tachykardie* selten: Myokardinfarkt*, ventrikuläre Tachykardie*, Low-cardiac-output-Syndrom*, atrioventrikulärer Block*, Rechtsschenkelblock*, supraventrikuläre Extrasystolen, ventrikuläre Extrasystolen |
| Gefäßerkrankungen | häufig: Hypotonie gelegentlich: Hypertonie* selten: Schock*, Hitzewallung* |
Erkrankungen der Atemwege, des Brustraums und Mediastinums | gelegentlich: Lungenödem selten: Asthma*, Atemstörung*, Atemerkrankung*, Bronchospasmus, Dyspnoe*, Hypoxie* |
| Erkrankungen des Gastrointestinaltrakts | gelegentlich: Erbrechen, Übelkeit selten: Abdominale Beschwerden, orale Absonderung, Mundgeruch |
| Leber- und Gallenerkrankungen | gelegentlich: Lebererkrankung*, Hyperbilirubinämie* |
| Erkrankungen der Haut und des Unterhautgewebes | selten: Erythem, kalter Schweiß* |
| Skelettmuskulatur-, Bindegewebs- und Knochenerkrankungen | selten: Muskelspasmen |
| Erkrankungen der Nieren und Harnwege | selten: Nierenversagen*, akute Nierenschädigung, Oligurie |
Allgemeine Erkrankungen und Beschwerden am Verabreichungsort | selten: Fieber*, Schüttelfrost*, Brustkorbbeschwerden*, Schmerzen an der Verabreichungsstelle nicht bekannt: Schmerzen an der Applikationssstelle, Reaktion an der Injektionsstelle, Druckgefühl |
| Untersuchungen | häufig: Blutdruck erniedrigt gelegentlich: Alanin-Aminotransferase (ALT /GPT) anomal*, Aspartat-Aminotransferase (AST /GOT) anomal*, Transferase erhöht, Erythrozytenzahl anomal*, Hämoglobin anomal*, Hämatokrit anomal*, Thrombozytenzahl anomal, Laktatdehydrogenase im Blut anomal, Blutharnstoff anomal*, Kreatinin im Blut erhöht*, Kreatinphosphokinase im Blut anomal*, Gesamtprotein anomal*, Albumin im Blut anomal*, Kalium im Blut anomal*, Cholesterin im Blut anomal*, weißes Blutbild anomal* selten: Elektrokardiogramm ST-Streckensenkung, Elektrokardiogramm Umkehrung der T-Welle*, Elektrokardiogramm Verlängerung des QRS-Komplexes, Pulmonalarteriendruck erhöht*, PO2 erniedrigt*, Harnstoff im Urin erhöht*, Neutrophilenzahl anomal, alkalische Phosphatase im Blut anomal*, alkalische Leukozytenphosphatase anomal, freie Fettsäuren anomal, Chlorid im Blut anomal, Glukose im Urin*, Triglyzeride im Blut anomal*, Protein im Urin nachweisbar* |
* Die Häufigkeit basiert auf einer gepoolten Analyse der Ergebnisse aus 42 Studien (d. h. Placebo-, Wirkstoff-, nicht behandlungs-kontrollierte sowie nicht kontrollierte Studien), in denen 2 264 Patienten mit Landiolol behandelt wurden.
c. Beschreibung ausgewählter Nebenwirkungen
Bei Postmarketing-Behandlungsergebnisstudien/Anwendungsbefragungen mit Landiolol betrugt die Häufigkeit unerwünschter Ereignisse bei Hypotonie und Bradykardie 0,8 % bzw. 0,7 % (von 1 257 Patienten). Alle Hypotonie- und Bradykardie-Fälle im Zusammenhang mit der Landiolol-Behandlung bei den beschriebenen Studien verschwanden oder verbesserten sich ohne jegliche Maßnahme oder innerhalb von Minuten nach dem Beenden der Behandlung mit Landiolol und/oder zusätzlicher Behandlung.
Schwerwiegende Nebenwirkungen gestützt auf klinische Studien/Postmarketing-Anwendungsuntersuchungen: Schock aufgrund zu starker Hypotonie wurde bei einem Patienten mit starken Blutungen in einer klinischen Studie perioperativ beobachtet (das Problem verschwand 10 Minuten nach dem Stoppen der Behandlung mit Landiolol, Prostaglandin und Isofluran). Herzstillstand, kompletter AV-Block, Sinusarrest und schwere Bradykardie traten hauptsächlich bei älteren Patienten oder Patienten mit Hypertonie oder Herzerkrankungen als Komplikationen auf.
Maßnahmen, die beim Auftreten dieser speziellen unerwünschten Wirkungen zu ergreifen sind, sind in Abschnitt 4.2 beschrieben.
d. Andere spezielle Patientengruppen
In der LANDI-SEP-Studie bei Patienten mit Sepsis traten unter Landiolol unter anderem folgende unerwünschte Ereignisse auf: Hypotonie (5 Ereignisse bei 98 [5,1 %] Patienten), Bradykardie (3 Ereignisse bei 98 [2 %] Patienten) oder erniedrigte Herzfrequenz (1 Ereignis bei 98 [1 %] Patienten), kardiale Dysfunktion (1 Ereignis bei 98 [1 %] Patienten), Low-cardiac-output-Syndrom (1 Ereignis bei 98 [1 %] Patienten), Leberenzyme erhöht (1 Ereignis bei 98 [1 %] Patienten), Milchsäure im Blut erhöht (1 Ereignis bei 98 [1 %] Patienten) und Polyurie (1 Ereignis bei 98 [1 %] Patienten).
Es gibt nur begrenzt sicherheitsbezogene Daten über die Verwendung von Landiolol bei älteren Personen. Unsicherheiten bezüglich des Sicherheitsprofils von Landiolol sind zu berücksichtigen, da unerwünschte Ereignisse auch die Folge einer gleichzeitigen Verabreichung anderer Arzneimittel oder der Anästhesie sein könnten.
Meldung des Verdachts auf Nebenwirkungen
Die Meldung des Verdachts auf Nebenwirkungen nach der Zulassung ist von großer Wichtigkeit. Sie ermöglicht eine kontinuierliche Überwachung des Nutzen-Risiko-Verhältnisses des Arzneimittels. Angehörige von Gesundheitsberufen sind aufgefordert, jeden Verdachtsfall einer Nebenwirkung dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte, Abt. Pharmakovigilanz, Kurt-Georg-Kiesinger Allee 3, D-53175 Bonn, Website: www.bfarm.de anzuzeigen.
4.9 Überdosierung
Bei einer Überdosierung können folgende Symptome auftreten: Schwere Hypotonie, schwere Bradykardie, AV Block, Herzinsuffizienz, kardiogener Schock, Herzstillstand, Bronchospasmus, respiratorische Insuffizienz, Bewusstseinsverlust bis hin zum Koma, Krämpfe, Übelkeit, Erbrechen, Hypoglykämie und Hyperkaliämie.
Im Falle einer Überdosierung darf kein weiteres Landiolol verabreicht werden.
Wie lange es dauert, bis die Symptome einer Überdosierung abklingen, hängt von der verabreichten Landiolol Menge ab. Auch wenn die die Herzfrequenz senkende Wirkung von Landiolol nach dem Ende der Verabreichung rasch abnimmt, kann es länger als die bei Absetzung mit therapeutischen Dosen beobachteten 30 Minuten dauern. Auf der Grundlage der beobachteten klinischen Effekte sind die folgenden allgemeinen Maßnahmen in Betracht zu ziehen:
Bradykardie: Atropin oder ein anderes Anticholinergikum i.v. verabreichen und dann ein Beta-
1-Stimulans (Dobutamin, etc.). Wenn die Bradykardie nicht ausreichend behandelt werden kann, ist möglicherweise ein Herzschrittmacher erforderlich.
- Bronchospasmus: Vernebelte Beta-2-Sympathomimetika verabreichen. Falls dies nicht ausreicht, können intravenöse Beta-2-Sympathomimetika oder Aminophyllin in Erwägung gezogen werden.
- Symptomatische Hypotonie: Flüssigkeiten und/oder blutdrucksteigernde Arzneimittel intravenös verabreichen.
Herz-Kreislauf-Depression oder kardiogener Schock: Diuretika (im Falle eines Lungenödems)
oder Sympathomimetika können verabreicht werden. Die Dosis der Sympathomimetika (in Abhängigkeit von der Symptomatik: Dobutamin, Dopamin, Noradrenalin, Adrenalin etc.) richtet sich nach dem Therapieeffekt. Sollte eine weitere Behandlung notwendig sein, können folgende Arzneimittel intravenös verabreicht werden: Atropin, positiv inotrop wirkende Arzneimittel, Kalziumionen.
5. PHARMAKOLOGISCHE EIGENSCHAFTEN
5.1 Pharmakodynamische Eigenschaften
Pharmakotherapeutische Gruppe: Beta-Adrenorezeptorantagonisten, selektiv ATC-Code: C07AB14
Wirkmechanismus/ Pharmakodynamische Wirkungen
Landiolol ist ein äußerst selektiver Beta-1-Adrenorezeptor-Antagonist (die Selektivität für die Beta-1-Rezeptorblockade ist 255-mal höher als für die Beta-2-Rezeptorblockade), der die positiv chronotropen Wirkungen der Katecholamine Adrenalin und Noradrenalin auf das Herz hemmt, wobei überwiegend Beta-1-Rezeptoren lokalisiert werden. Man geht davon aus, dass Landiolol wie andere Betablocker die Sympathikuswirkung reduziert, was zu einer Verringerung der Herzfrequenz, einer Verringerung der spontanen Stimulation durch ektopische Schrittmacher, einer Verlangsamung der Leitung und einer Verlängerung der Refraktärphase des AV-Knotens führt. In klinischen Studien wurde eine Tachykardie mit Landiolol mit ultraschneller Wirkung, mit einem schnell einsetzenden Eintreten und Abklingen der Wirkung, beherrscht und es zeigte außerdem eine antiischämische und kardioprotektive Wirkung.
Klinische Wirksamkeit
Auf Grundlage der Daten aus 21 veröffentlichten klinischen Studien wurden 1 369 Patienten mit perioperativer oder paroxysmaler supraventrikulärer Tachyarrhythmie (SVT) mit Landiolol behandelt. Der Wirksamkeitsendpunkt wurde als Verringerung der Herzfrequenz und/oder Umkehr zum Sinusrhythmus bei der Behandlung einer Sinustachykardie oder SVT bestimmt. Für die Prävention eines perioperativen Vorhofflimmerns und für die Behandlung oder Prävention nachteiliger hämodynamischer und anderer Reaktionen auf bestimmte Stimuli im Zusammenhang mit invasiven Eingriffen wurden 3 039 Patienten mit Landiolol behandelt. Die Kontrolle von Herzfrequenz und Blutdruck waren die wichtigsten Wirksamkeitsparameter bei diesen Studien. Bei mit Landiolol behandelten Patienten wurde eine signifikante Verringerung der Herzfrequenz oder eine Prävention eines plötzlichen Anstiegs der Herzfrequenz beobachtet.
Kinder und Jugendliche
Die Verwendung von Rapibloc Konzentrat wird für Kinder und Jugendliche nicht empfohlen (siehe Abschnitt 4.2).
Daten über die Behandlung einer supraventrikulären Tachyarrhythmie mit einer anderen Landiolol-Formulierung (d. h. Rapibloc Pulver zur Herstellung einer Infusionslösung) bei Kindern sind nur begrenzt vorhanden und sie beruhen auf der veröffentlichten Literatur. Eine kontinuierliche Infusion von 4 Mikrogramm/kg KG/min. von Landiolol senkte bei einem 3 Monate alten Kind mit postoperativer junktionaler ektoper Tachykardie (JET) die Herzfrequenz und sorgte für die Rückkehr zum normalen Sinusrhythmus.
Vier Patienten im Alter zwischen 14 Tagen und 2 Jahren, die eine perioperative JET entwickelten, wurden mit Landiolol behandelt. Bei allen Patienten wurde bei einer Landiolol-Verabreichung in Dosen von 1,0 bis 10,0 Mikrogramm/kg KG/min. eine erfolgreiche Kontrolle der Herzfrequenz erzielt. Es traten keine Nebenwirkungen wie Bradykardie, Hypotonie oder Hypoglykämie auf. Bei einer retrospektiven Analyse wurden 12 Patienten im Alter zwischen 4 Tagen und 9 Jahren mit diagnostizierter postoperativer Tachyarrhythmie mit Landiolol behandelt (die mittlere Erhaltungsdosis betrug 6,8 ± 0,9 Mikrogramm/kg KG/min.), um die Herzfrequenz zu senken oder die Umkehr zum Sinusrhythmus zu bewirken. Tachyarrhythmien wurden in 70,0 % der Fälle zum Sinusrhythmus zurückgeführt und die durchschnittliche Zeit zum Erreichen einer Senkung der Herzfrequenz betrug 2,3 ± 0,5 Stunden. Eine Bradykardie wurde bei einem mit einer Dosis von 10 Mikrogramm/kg KG/min. mit Landiolol behandelten Patienten beobachtet.
5.2 Pharmakokinetische Eigenschaften
Resorption
Die mittlere Spitzenplasmakonzentration von Landiolol betrug 316 ng/ml, 847 ng/ml bzw. 1 269 ng/ml nach einer einzelnen Bolusverabreichung von 0,1 mg/kg, 0,2 mg/kg oder 0,3 mg/kg bei gesunden Probanden über 15, 30 und 45 Sekunden. Aufgrund der molekularen Eigenschaften von Landiolol (geringes Molekulargewicht von circa 0,5 kDa und geringe Proteinbindungskapazität) ist keine signifikante Reabsorption durch aktiven Transport durch Nieren-Aufnahmetransporter OAT1, OAT3 oder OCT2 zu erwarten.
Verteilung
Das Verteilungsvolumen von Landiolol betrug 0,3 l/kg - 0,4 l/kg nach einer einzelnen Bolusverabreichung von 100 - 300 Mikrogramm/kg oder während einer Landiolol-Infusion von 20 - 80 Mikrogramm/kg/min. im Gleichgewichtszustand.
Die Proteinbindung von Landiolol ist gering (< 10 %) und von der Dosis abhängig.
Biotransformation
Landiolol wird per Hydrolyse des Esterrests von Landiolol verstoffwechselt. In vitro und in vivo Daten deuten darauf hin, dass Landiolol hauptsächlich im Plasma durch Pseudocholinesterasen und Carboxylesterasen verstoffwechselt wird. Bei der Hydrolyse wird ein Ketal (die alkoholische Komponente) frei, das weiter in Glycerol und Aceton und die Carbonsäurekomponente (Metabolit M1) aufgespalten wird, die danach eine Beta-Oxidation durchläuft und Metabolit M2 (eine substituierte Benzoesäure) bildet. Die Beta-1-Adrenorezeptor-blockierende Aktivität der Landiolol-Metaboliten M1 und M2 beträgt 1/200 oder weniger der Ausgangsverbindung, was unter Berücksichtigung der maximal empfohlenen Landiolol-Dosis auf einen vernachlässigbaren Effekt auf die Pharmakodynamik hinweist.
Weder die Ausgangsverbindung Landiolol noch die Metaboliten M1 und M2 zeigten in vitro einen hemmenden Effekt auf die Stoffwechselaktivität verschiedener Zytochrom-P450 molekularer Spezies (CYP1A2, 2C9, 2C19, 2D6 und 3A4). Der Zytochrom-P450 Gehalt war bei Ratten nach wiederholter intravenöser Verabreichung von Landiolol nicht beeinflusst. Es gibt keine Daten zu einer möglichen Wirkung von Landiolol oder seiner Metaboliten auf die CYP P450 Induktion oder zeitabhängige Hemmung.
Elimination
Beim Menschen ist der Hauptausscheidungsweg für Landiolol über den Urin. Nach einer intravenösen Verabreichung werden innerhalb von 4 Stunden circa 75 % der verabreichten Dosis (54,4 % als Metabolit M1 und 11,5 % als Metabolit M2) ausgeschieden. Der Hauptexkretions-/Ausscheidungsweg für Landiolol ist über den Urin, mit einer Urinausscheidungsgeschwindigkeit für Landiolol und seine Hauptmetaboliten M1 und M2 von > 99 % innerhalb von 24 Stunden.
Die Gesamtkörper-Clearance von Landiolol beträgt 66,1 ml/kg/min., 57,3 ml/kg/min. und 54,1 ml/kg/min. nach einer einzelnen Bolusverabreichung von 0,1 mg/kg, 0,2 mg/kg oder 0,3 mg/kg bei gesunden Probanden.
Die Eliminationshalbwertszeit von Landiolol betrug 3,20 – 3,63 Minuten nach einer einzelnen Bolusverabreichung von 0,1 mg/kg, 0,2 mg/kg oder 0,3 mg/kg.
Linearität/Nicht-Linearität
Landiolol zeigte über die Bandbreite der empfohlenen Dosen eine lineare Dosis-Plasma-Konzentration.
Besondere Patientengruppen
Beeinträchtigung der Leber
Die Auswirkungen der Leberfunktion auf die Pharmakokinetik von Landiolol wurden bei sechs Patienten mit leichter bis mittelschwerer Beeinträchtigung der Leber (5 Patienten Child-Pugh-Klasse A, ein Patient Child-Pugh-Klasse B, mittlere Plasmacholinesterasewerte -62 %) und sechs gesunden Probanden untersucht. Patienten mit einer Leberfunktionsstörung zeigten eine Verringerung vom
Verteilungsvolumen von Landiolol und eine Erhöhung der Landiolol-Plasmawerte um 40 %. Die Halbwertszeit und die Elimination von Landiolol unterscheiden sich nicht von denen gesunder Erwachsener.
Nierenfunktionsbeeinträchtigung
Die Pharmakokinetik bei Patienten mit einer leichten bis mäßigen Nierenfunktionsbeeinträchtigung wurde nicht untersucht.
Die pharmakokinetischen Eigenschaften von Landiolol wurden bei Patienten (n = 7) mit septischem Schock untersucht, die eine Nierenersatztherapie erhielten. Der Beitrag der Dialyse-Clearance zur Gesamt-Clearance von Landiolol betrug etwa 2 % und wurde als vernachlässigbar eingestuft. Für den Landiolol-Metaboliten M1 betrug der Beitrag der Dialyse-Clearance zur Gesamt-Clearance etwa 30 %. Während des Untersuchungszeitraums von 8 Stunden wurde keine Akkumulation von Landiolol und seinem Metaboliten M1 beobachtet. Die Ergebnisse der klinischen Studie zeigen, dass bei der Anwendung von Landiolol bei Patienten, die sich einer Nierenersatztherapie unterziehen, keine besonderen Vorsichtsmaßnahmen erforderlich sind.
Kaukasische und asiatische Bevölkerung
Es wurden keine wesentlichen Unterschiede bei der Pharmakokinetik von Landiolol zwischen der kaukasischen und japanischen Bevölkerung beobachtet.
5.3 Präklinische Daten zur Sicherheit
Basierend auf den konventionellen Studien zur Sicherheitspharmakologie, Toxizität bei einmaliger und wiederholter Gabe und Genotoxizität, lassen die präklinischen Daten keine besonderen Gefahren für den Menschen erkennen.
Landiolol zeigte bei klinisch relevanten Infusionsraten und Expositionskonzentrationen keine Reproduktions- oder Entwicklungstoxizität. Der niedrigste identifizierte NOAEL-Wert lag in einer Embryo-Fötus-Studie bei Ratten bei 25 mg/kg/min, was dem 100-Fachen der maximalen klinischen Infusionsrate entspricht.
Nach i.v. Bolusgabe von 1 mg/kg Landiolol an säugende Ratten wurde eine Ausscheidung von Landiolol in die Milch beobachtet, wobei die Konzentrationen in der Milch die Plasmakonzentrationen des Muttertiers überstiegen.
6. PHARMAZEUTISCHE ANGABEN
6.1 Liste der sonstigen Bestandteile
Hydroxypropylbetadex
Macrogol 300
Ethanol 96 %
Natriumchlorid
Kaliumchlorid
Natriummonohydrogenphosphat-Dihydrat (Ph.Eur.)
Kaliumdihydrogenphosphat
Wasser für Injektionszwecke
6.2 Inkompatibilitäten
Das Arzneimittel darf, außer mit den unter Abschnitt 6.6 aufgeführten, nicht mit anderen Arzneimitteln gemischt werden.
6.3 Dauer der Haltbarkeit
18 Monate
Nach der Verdünnung wurde eine chemische und physikalische Haltbarkeit von 24 Stunden bei 25 °C nachgewiesen. Mikrobiologische Erwägungen sprechen für eine sofortige Anwendung des Produkts. Findet die Anwendung nicht unmittelbar statt, unterliegt es dem Anwender, für eine geeignete Aufbewahrungsdauer und geeignete Bedingungen zu sorgen. Nicht einfrieren.
6.4 Besondere Vorsichtsmaßnahmen für die Aufbewahrung
Im Kühlschrank lagern (2 °C – 8 °C). Aufbewahrungsbedingungen nach Verdünnung des Arzneimittels, siehe Abschnitt 6.3.
6.5 Art und Inhalt des Behältnisses
3 ml Durchstechflasche aus farblosem Glas (Typ 1), die 2 ml Konzentrat zur Herstellung einer Injektionslösung enthält.
Die Durchstechflaschen sind mit Brombutylkautschuk-Stopfen verschlossen und mit Aluminium-Flip-Off-Kappen versiegelt.
Packungsgröße: 5 Durchstechflaschen pro Umkarton.
6.6 Besondere Vorsichtsmaßnahmen für die Beseitigung und sonstige Hinweise zur
Handhabung
Rapibloc Konzentrat darf nicht unverdünnt verabreicht werden.
Nur zum einmaligen Gebrauch.
Gebrauchsanweisung
Zur Herstellung einer 2 mg/ml Lösung werden 2 ml des Konzentrats mit 8 ml von einer der folgenden Lösungen verdünnt:
- NaCl 9 mg/ml (0,9 %) Lösung
- Glucose 50 mg/ml (5 %) Lösung
- Ringerlösung
- Laktathaltige Ringerlösung
Information zu pH-Wert und Osmolalität der gebrauchsfertigen Landiolol-Lösung:
| Landiololhydrochlorid 20 mg/2 ml Konzentrat verdünnt mit | pH | Osmolalität [Osm/kg] |
| Verdünnte Lösung (frei von sichtbaren Partikeln) | ||
| NaCl 9 mg/ml (0,9 %) Lösung | 6,3 | 1,896 |
| Glucose 50 mg/ml (5 %) Lösung | 6,4 | 1,918 |
| Ringerlösung | 6,3 | 1,799 |
| Laktathaltige Ringerlösung | 6,4 | 1,802 |
Verdünnte Lösungen müssen visuell auf sichtbare Partikel und Verfärbungen überprüft werden. Nur klare und farblose Lösungen verwenden.
Nicht verwendetes Arzneimittel oder Abfallmaterial ist entsprechend den nationalen Anforderungen zu beseitigen.
7. INHABER DER ZULASSUNG
Amomed Pharma GmbH
Leopold-Ungar-Platz 2
1190 Wien
Österreich
8. ZULASSUNGSNUMMER
Z. Nr.: 94096.00.00
9. DATUM DER ERTEILUNG DER ZULASSUNG/VERLÄNGERUNG DER
ZULASSUNG
Datum der Erteilung der Zulassung: 25. November 2016 Datum der letzten Verlängerung der Zulassung: 07. Juli 2021
10. STAND DER INFORMATION
August 2026
11. VERKAUFSABGRENZUNG
Verschreibungspflichtig
