Fachinformation - selen-Loges 300 µg
1. BEZEICHNUNG DES ARZNEIMITTELS
selen-Loges® 300 µg
Tabletten
2. QUALITATIVE UND QUANTITATIVE ZUSAMMENSETZUNG
1 Tablette enthält den Wirkstoff:
Natriumselenit 5H2O 0,999 mg (entsprechend 300 µg Selen)
Sonstige Bestandteile mit bekannter Wirkung
Enthält Saccharose (Sucrose)
Vollständige Auflistung der sonstigen Bestandteile, siehe Abschnitt 6.1.
3. DARREICHUNGSFORM
Tablette
selen-Loges® 300 µg sind weiße Tabletten.
4. KLINISCHE ANGABEN
4.1 Anwendungsgebiete
Nachgewiesener Selenmangel, der ernährungsmäßig nicht behoben werden kann.
Ein Selenmangel kann auftreten bei:
- Maldigestions- und Malabsorptionszuständen
- Fehl- und Mangelernährung
selen-Loges® 300 µg wird angewendet bei Erwachsenen.
4.2. Dosierung und Art der Anwendung
Dosierung
Soweit nicht anders verordnet, beträgt die tägliche Dosis 1 Tablette (entsprechend 300 µg Selen).
Art der Anwendung
Zum Einnehmen mit reichlich Flüssigkeit (z.B. 1 Glas Wasser) zu den Mahlzeiten.
Dauer der Anwendung
Über die Dauer der Behandlung entscheidet der behandelnde Arzt. Die Behandlung sollte bis zur Normalisierung des Selenstatus fortgesetzt werden.
4.3 Gegenanzeigen
Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der in Abschnitt 6.1 ge-nannten sonstigen Bestandteile von selen-Loges® 300 µg, Selenintoxikationen
4.4 Besondere Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung
Patienten mit der seltenen hereditären Fructose-Intoleranz, Glucose-Galactose-Malabsorption oder Saccharase-Isomaltase-Mangel sollten dieses Arzneimittel nicht einnehmen.
Kinder und Heranwachsende
Zur Anwendung dieses Arzneimittels bei Kindern und Heranwachsenden liegen keine ausreichenden Untersuchungen vor. Es soll deshalb bei Kindern und Her-anwachsenden unter 18 Jahren nicht angewendet werden.
4.5 Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln und sonstige Wechselwirkun-
gen
Keine bekannt.
4.6 Fertilität, Schwangerschaft und Stillzeit
Bei bestimmungsgemäßer Anwendung keine Einschränkungen.
4.7 Auswirkungen auf die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen
von Maschinen
Nicht zutreffend.
4.8 Nebenwirkungen
Bei bestimmungsgemäßer Anwendung sind keine Nebenwirkungen bekannt.
Meldung des Verdachts auf Nebenwirkungen
Die Meldung des Verdachts auf Nebenwirkungen nach der Zulassung ist von gro-ßer Wichtigkeit. Sie ermöglicht eine kontinuierliche Überwachung des Nutzen-Risiko-Verhältnisses des Arzneimittels. Angehörige von Gesundheitsberufen sind aufgefordert, jeden Verdachtsfall einer Nebenwirkung über das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte, Abt. Pharmakovigilanz, Kurt-Georg-Kiesinger-Allee 3, D-53175 Bonn, Website: http://www.bfarm.de anzuzeigen.
4.9. Überdosierung
Symptome der Intoxikation
Anzeichen einer akuten Überdosierung sind knoblauchartiger Atemgeruch, Müdigkeit, Übelkeit, Diarrhoe und abdominelle Beschwerden. Bei chronischer Überdosierung wurden Veränderungen des Nagel- und Haar-wachstums sowie periphere Polyneuropathien beobachtet.
Als Gegenmaßnahme kommt Magenspülung oder erzwungene Diurese in Frage. Bei extremer Überdosierung (1.000-10.000fach) kann versucht werden, das Se-lenit durch Dialyse zu eliminieren. Von der Verwendung von Dimercaprol ist abzuraten, da es die Toxizität von Selen steigert.
5. PHARMAKOLOGISCHE EIGENSCHAFTEN
5.1 Pharmakodynamische Eigenschaften
Pharmakotherapeutische Gruppe: Spurenelement-Präparat
ATC-Code: A 12 CE 02
Selen ist ein essentielles Spurenelement. In Nagetieren sind bisher 20 Selenpro-teine identifiziert worden. Beim Menschen nachgewiesen bzw. gereinigt sind Glutathionperoxidase und ein im Plasma gefundenes, Selenprotein P genanntes, Selenbindungsprotein. In beiden Proteinen liegt Selen proteingebunden in Form der Aminosäure Selenocystein vor. Im Tier wurde kürzlich die 5’-Deiodase als
Selenenzym charakterisiert, das die Konversion vom Tetraiodthyronin (T4) zum aktiven Schilddrüsenhormon Triiodthyronin (T3) katalysiert.
Die selenhaltige Glutathionperoxidase ist Bestandteil des antioxidativen Schutzsys-tems der Säugetierzelle. In Gegenwart ausreichender Mengen an Substrat, d.h. re-duziertem Glutathion, konvertiert die Glutathionperoxidase eine Vielzahl verschie-dener Hydroperoxide zu entsprechenden Alkoholen. In zellulären bzw. subzellulä-ren Modellsystemen wurde in vitro gezeigt, dass die Integrität zellulärer und sub-zellulärer Membranen entscheidend von der Intaktheit des Glutathionperoxidase-Systems abhängt. Synergistisches Wirken mit Vitamin E in verschiedenen Zellfrak-tionen wird postuliert, ist aber nicht schlüssig nachgewiesen. Selen als Bestandteil der Glutathionperoxidase kann die Lipidperoxidationsrate und daraus resultierende Membranschäden senken. Nicht alle Wirkungen von Selen lassen sich ausschließ-lich mit der Aktivität der Glutathionperoxidase erklären.
Die pathophysiologische Relevanz der selenabhängigen Reaktionen ist nach Beobachtungen im Selenmangel bei Mensch und Tier belegt: Die selenhaltige Glutathionperoxidase beeinflusst den Leukotrien-, Thromboxan- und Prostazyk-linstoffwechsel. Selenmangel aktiviert und inhibiert Reaktionen der Immunab-wehr, insbesondere die unspezifischen, zellgebundenen und humoralen Reakti-onen. Selenmangel beeinflusst die Aktivität einiger Leberenzyme. Selenmangel potenziert oxidativ oder chemisch induzierte Leberschäden sowie die Toxizität von Schwermetallen wie Quecksilber und Cadmium.
Vorkommen und Bedarf / Mangelerscheinungen:
Der Gehalt der Böden und des Aufwuchses an Selen liegt in Deutschland ver-gleichsweise niedrig. In Pflanzen liegt Selen überwiegend proteingebunden als Selenomethionin und Selenocystein bzw. - Cystin vor. Tierische Nahrung ent-hält Selenoproteine, die Selenocystein bzw.
- Cystin enthalten, aber auch noch nicht isolierte niedermolekulare Selenver-bindungen. Selenreiche Nahrungsmittel sind Eigelb, Fisch und Fleisch, insbe-sondere von Huhn und Schwein, sowie Innereien. Die minimal notwendige Se-lenzufuhr des Menschen hängt ab von der chemischen Form des aufgenomme-nen Elements und von der Zusammensetzung der Diät, in der es vorliegt. In China wurde experimentell eine Menge von 15-20 µg Selen pro Tag als ausrei-chend ermittelt, um vor endemischen Selenmangelkrankheiten zu schützen. Der National Research Council (NRC) der USA empfiehlt für Männer eine tägliche Zufuhr von 70 µg Selen, für Frauen von 55 µg Selen. Der NCR stufte früher (bis 1989) Tagesmengen von 50-200 µg Selen als angemessen ein. Die Deut-sche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt bis zu 100 µg Selen täglich.
Die tägliche durchschnittliche Selenzufuhr, gedeckt durch die Zufuhr von tieri-schem Eiweiß, liegt in den alten Bundesländern Deutschlands bei 28 µg für Frauen und 47 µg für Männer. Im Gebiet der neuen Bundesländer wurden hin-gegen nur Werte von 20-25 µg Selen ermittelt. In Einzelfällen besteht das Risi-ko einer unzureichenden Versorgung mit Selen in Situationen mit erhöhtem Be-darf (z.B. Schwangerschaft und Stillzeit), bei Personen unter Schwermetall- und Oxidanzienbelastung, bei Patienten mit gastrointestinalen Komplikationen (z.B. chronisch entzündliche Darmerkrankungen) und parenteral oder mit besonderen Diäten (z.B. Phenylketonurie)) ernährten Personen.
Mangelerscheinungen:
Beim Menschen wurden als Selenmangelerkrankungen die Keshan-Krankheit, eine endemisch auftretende Kardiomyopathie und die sogenannte Kaschin-Beck-Krankheit, eine ebenfalls endemisch auftretende Osteoarthropathie mit starker Verformung der Gelenke, beschrieben. Klinisch manifestierter Selen-mangel wurde auch als Folge von lang dauernder parenteraler Ernährung und
bilanzierten Diäten beobachtet. Dabei traten vor allem Kardiomyopathien und Myopathien der Skelettmuskulatur auf.
Epidemiologische Untersuchungen deuten auf eine inverse Korrelation zwi-schen Blut-Selenspiegeln und der Inzidenz von Herz-Kreislauf-Erkrankungen (Kardiomyopathien, Arteriosklerose, Myokardinfarkt) sowie von Tumorerkran-kungen (besonders des Verdauungstraktes, der Brust und der Leber) hin. Er-niedrigte Plasma-Selenspiegel können vorliegen bei Patienten mit Niereninsuf-fizienz sowie bei gastrointestinalen Erkrankungen. Eine suboptimale Selenzu-fuhr führt bei Mensch und Tier zwar zu einer verminderten Aktivität der Gluta-thionperoxidase, jedoch zu keiner klinisch fassbaren Symptomatik.
Ein Selenmangel kann durch einen erniedrigten Vollblut- oder Plasma-Selenspiegel und durch erniedrigte Glutathionperoxidase-Aktivitäten in Vollblut, Plasma oder Thrombozyten nachgewiesen werden.
5.2 Pharmakokinetische Eigenschaften
Natriumselenit wird nicht direkt in Proteine eingebaut. Im Blut wird Selenit haupt-sächlich von den Erythrozyten aufgenommen und enzymatisch zu Selenwasserstoff reduziert. Selenwasserstoff dient als zentraler Selenpool für die Ausscheidung und für den gezielten Einbau in Selenproteine. In dieser reduzierten Form wird Selen an Plasmaproteine gebunden, die in die Leber und andere Organe wandern. Der von der Leber ausgehende plasmatische Sekundärtransport in die Glutathionperoxidase-synthetisierenden Zielgewebe geschieht wahrscheinlich in Form eines selenocys-teinhaltigen P-Selenoproteins. Der weitere metabolische Verlauf der Selenoprotein-Biosynthese ist bisher nur in Prokaryonten bekannt. Selenocystein wird dann im Verlauf der Translation spezifisch in die Peptidketten der Glutathionperoxidase eingebaut.
Überschüssiger Selenwasserstoff wird über Methylselenol und Dimethylselenid zum Trimethylselenonium-Ion, dem hauptsächlichen Ausscheidungsprodukt, me-tabolisiert.
Selenit wird nach oraler Applikation vorwiegend aus dem Dünndarm absorbiert. Die intestinale Absorption von Natriumselenit ist nicht homöostatisch reguliert. Sie beträgt in Abhängigkeit von der Konzentration und von Begleitsubstanzen zwi-schen 44% und 89%, gelegentlich über 90%.
Die Gesamtmenge an Selen im menschlichen Körper liegt zwischen 4 und 20 mg. Die Ausscheidung von Selen erfolgt beim Menschen je nach applizierter Dosis über die Fäzes, über den Urin oder über die Lunge. In erster Linie wird Selen in Form des Trimethylselenonium-Ions und anderen Metaboliten über Harn und Stuhl ausgeschieden. Die Exkretion hängt vom Selenstatus selbst ab.
Die Selenausscheidung nach intravenöser oder oraler Gabe läuft in drei Phasen ab. Bei oraler Gabe von 10 µg in Form von [75Se] Selenit wurden in den ersten zwei Wochen 14-20% der absorbierten Dosis an Selen über den Urin ausgeschieden, während praktisch keine Ausscheidung über die Lunge oder die Haut festgestellt werden konnte. Die Gesamtkörperretention von Selen nahm triphasisch ab mit ei-ner Halbwertszeit von 0,7-1,2 Tagen in der 1. Phase, 7-11 Tagen in der 2. Phase und 96-144 Tagen in der 3. Phase. Die Selenkonzentration nahm in Leber, Herz und Plasma schneller ab als im Skelettmuskel oder in den Knochen. Von einer in-travenös verabreichten Dosis von [75Se] Natriumselenit wurden innerhalb der ers-ten 24 Stunden 12% ausgeschieden.
Weitere 40% wurden mit einer biologischen Halbwertszeit von 20 Tagen elimi-niert. Die Halbwertszeit der dritten Phase wurde mit 115 Tagen bestimmt. Bei ei-nem direkten Vergleich zwischen oraler und intravenöser Verabreichung einer
physiologischen Dosis an [74Se] Natriumselenit wurden nach intravenöser Gabe von 82 µg Selen in Form von Natriumselenit in den ersten 24 Stunden 18% der Dosis, nach peroraler Gabe 12% der absorbierten Dosis zusammen mit metabolisch ausgetauschtem Körper-Selen über den Harn ausgeschieden. Danach verläuft die Ausscheidung für beide Applikationsarten gleichartig. Oral und parenteral appli-ziertes Natriumselenit ist bei gesunden Probanden vergleichbar.
5.3 Präklinische Daten zur Sicherheit
Die akute toxische Dosis von Natriumselenit in verschiedenen Tierspezies beträgt 4-5 mg/kg Körpergewicht. Beim Menschen sind akute Selenintoxikationen selten beschrieben.
Anzeichen einer akuten Überdosierung sind knoblauchartiger Atemgeruch, Müdig-keit, Übelkeit, Diarrhö und abdominelle Schmerzen. Aus Beobachtungen zur chro-nischen Toxizität von Selen beim Menschen wurde eine maximale sichere tägliche Aufnahme von Selen von 820 µg abgeleitet, während eine Dosierung von bis zu 550 µg pro Tag auch bei empfindlichen Personen als unbedenklich angesehen wird.
Als klinische Anzeichen der endemisch auftretenden Selenose wurden in China nach täglicher Zufuhr von 3200-6700 µg Selen Haarausfall, Brüchigkeit der Fin-gernägel, Hautveränderungen und Störungen des Nervensystems beobachtet. Bei verschiedenen Spezies wurde als Symptom der Selenose eine Einschränkung der Reproduktionsfähigkeit aufgrund verringerter Motilität der Spermatozoen be-schrieben.
In einer Vielzahl unterschiedlicher in-vitro-Untersuchungen wurden für Natri-umselenit sowohl mutagene als auch antimutagene Wirkungen nachgewiesen. In vivo lässt sich in sehr hohen Dosierungen ein mutagenes und kanzerogenes Potential nachweisen, wohingegen dieses für therapeutische Dosen nicht be-steht.
6. PHARMAZEUTISCHE ANGABEN
6.1 Liste der sonstigen Bestandteile
Gelatine, Magnesiumstearat, Maisstärke, Sucrose (Saccharose), Talkum
6.2 Inkompatibilitäten
Keine bekannt.
6.3 Dauer der Haltbarkeit
3 Jahre
6.4 Besondere Vorsichtsmaßnahmen für die Aufbewahrung
Nicht über 25 °C aufbewahren.
6.5 Art und Inhalt des Behältnisses
Originalpackungen mit 20, 50, 100 und 200 Tabletten
Unverkäufliches Muster mit 10 Tabletten
Es werden möglicherweise nicht alle Packungsgrößen in den Verkehr gebracht.
6.6 Besondere Vorsichtsmaßnahmen für die Beseitigung und sonstige Hinweise
zur Handhabung
Nicht verwendetes Arzneimittel ist entsprechend den nationalen Anforderungen zu entsorgen.
7. INHABER DER ZULASSUNG
Dr. Loges + Co. GmbH
Schützenstr. 5
21423 Winsen (Luhe)
Telefon: 04171/707-0
Telefax: 04171/707-125
E-Mail: info@loges.de
8. ZULASSUNGSNUMMER
32332.01.00
9. DATUM DER ERTEILUNG DER ZULASSUNG/VERLÄNGERUNG DER
ZULASSUNG
Datum der Erteilung der Zulassung: 24. April 1995 Datum der letzten Verlängerung der Zulassung: 06. Dezember 2012
10. STAND DER INFORMATION
Januar 2025
11. VERKAUFSABGRENZUNG
Verschreibungspflichtig
