Fachinformation - Diphenhydramin-Hevert
1. Bezeichnung des Arzneimittels
Diphenhydramin-Hevert
Injektionslösung
Wirkstoff: Diphenhydraminhydrochlorid 20 mg
2. Qualitative und quantitative Zusam-mensetzung
1 Ampulle zu 2 ml enthält Diphenhydraminhydrochlorid 20 mg
Vollständige Auflistung der sonstigen Bestandteile: siehe Abschnitt 6.1
3. Darreichungsform
Injektionslösung
4. Klinische Angaben
4.1 Anwendungsgebiete
Schwindel, Übelkeit, Erbrechen, Kineto-sen (z. B. Reisekrankheit) wenn eine orale Behandlung nicht möglich ist.
4.2. Dosierung, Art und Dauer der Anwen-dung
Soweit nicht anders verordnet werden je Lebensalter als Einzeldosis bis zu 2 Am-pullen Diphenhydramin-Hevert (entspre-chend 40 mg Diphenhydraminhydrochlo-rid) intramuskulär oder langsam intrave-nös (max. 25 mg/min) injiziert:
Die Tageshöchstdosis von 3-mal 2 Am-pullen (entsprechend 120 mg Diphen-hydraminhydrochlorid) sollte nicht über-schritten werden.
Kinder ab 2 Jahren
Von 2 bis 7 Jahren:
½ Ampulle (entsprechend 10 mg Diphenhydraminhydrochlorid).
Ab 8 Jahren:
½ bis 1 Ampulle (entsprechend 10-20 mg Diphenhydraminhydrochlorid).
1,25 mg/kg Körpergewicht als maximale Einzeldosis sollte nicht überschritten werden.
Hinweis: Der gegebenenfalls nicht verwendete Ampulleninhalt ist zu verwerfen.
Art und Dauer der Anwendung
Zur intravenösen und intramuskulären Injektion.
Eine mehr als 2 Wochen andauernde Anwendung von Diphenhydramin-Hevert sollte nicht ohne medizinischen Rat er-folgen.
4.3 Gegenanzeigen
- Überempfindlichkeit gegenüber Di-phenhydramin, gegenüber anderen Antihistaminika oder einem der sons-tigen Bestandteile des Arzneimittels
- akutes Asthma bronchiale
- Engwinkelglaukom
Phäochromozytom
- Prostatahyperplasie mit Restharnbil-dung
- Epilepsie
- Hypomagnesiämie, Hypokaliämie
- Bradykardie
- angeborenes langes QT-Syndrom o-der andere klinisch signifikante kar-diale Störungen (insbesondere koro-nare Herzkrankheit, Erregungslei-tungsstörungen, Arrhythmien)
- die gleichzeitige Anwendung von Arz-neimitteln, die ebenfalls das QT-Intervall verlängern können (z. B. An-tiarrhythmika der Klassen Ia oder III, Antibiotika, Malaria-Mittel, Antihista-minika, Neuroleptika) oder zu einer Hypokaliämie führen
- die gleichzeitige Einnahme von Alko-hol oder Monoaminoxidase-Hemmern
- Schwangerschaft und Stillzeit
4.4 Besondere Warnhinweise und Vor-sichtsmaßnahmen für die Anwendung
Diphenhydramin-Hevert darf nur mit Vorsicht angewendet werden bei Patien-ten mit
- eingeschränkter Leberfunktion,
- chronisch obstruktiver Lungen-erkrankung oder Asthma bronchiale,
- Pylorusstenose oder Achalasie der Kardia.
Kinder und Jugendliche
Zur Wirksamkeit und Verträglichkeit von Diphenhydramin-Hevert bei Kindern und Jugendlichen liegen keine ausreichen-den Studien vor. Deshalb sollte Diphen-hydramin-Hevert bei Kindern und Ju-gendlichen unter 18 Jahren nur unter besonderer Berücksichtigung des Nut-zen-Risiko-Verhältnisses verordnet wer-den.
Toleranzentwicklung
Nach wiederholter Einnahme von Seda-tiva/Hypnotika kann es zu einem Verlust an Wirksamkeit (Toleranz) kommen.
Abhängigkeit
Wie auch bei anderen Sedativa/Hyp-notika kann die Einnahme von Diphen-hydramin zur Entwicklung von physi-scher und psychischer Abhängigkeit füh-ren. Das Risiko einer Abhängigkeit steigt mit der Dosis und der Dauer der Be-handlung und ist bei Patienten mit Alko-hol-, Arzneimittel- oder Drogenabhängig-keit in der Anamnese zusätzlich erhöht.
Rebound-Schlaflosigkeit
Beim Beenden einer Behandlung mit Diphenhydramin können durch plötzli-ches Absetzen Schlafstörungen vo-rübergehend wieder auftreten. Deshalb wird empfohlen, die Behandlung ggf. durch schrittweise Reduktion der Dosis zu beenden.
4.5 Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln und sonstige Wechselwirkungen
Diphenhydramin darf nicht zusammen mit Monoaminoxidase-Hemmern gege-ben werden.
Die Kombination mit anderen zentral dämpfenden Arzneimitteln (Hypnotika, Anxiolytika/Sedativa, opioidhaltige Anal-getika, Narkotika, Antidepressiva oder Antiepileptika) kann zu einer gegenseiti-gen Verstärkung der zentraldämpfenden Wirkung führen und sollte daher kritisch erwogen werden.
Die gleichzeitige Anwendung von Diphenhydramin-Hevert mit anderen Medikamenten, die ebenfalls Diphenhyd-ramin enthalten, einschließlich derer, die lokal angewendet werden, ist zu vermei-den.
Die anticholinerge Wirkung von Diphen-hydramin kann durch andere anticholi-nerge Wirkstoffe wie Atropin, Biperiden, trizyklische Antidepressiva oder Mono-aminoxidase-Hemmer verstärkt werden. Es können eine Erhöhung des Augenin-nendrucks, Harnverhalt oder eine u. U. lebensbedrohliche Darmlähmung auftre-ten.
Die Anwendung von Diphenhydramin zusammen mit blutdrucksenkenden Arz-neimitteln kann zu verstärkter Müdigkeit führen.
Die gleichzeitige Anwendung von Arz-neimitteln, die ebenfalls das QT-Intervall verlängern (z. B. Antiarrhythmika Klasse Ia oder III, Antibiotika, Cisaprid, Malaria-Mittel, Antihistaminika, Neuroleptika) o-der zu einer Hypokaliämie führen (z. B. bestimmte Diuretika) ist zu vermeiden (siehe Kapitel 4.3, 4.9 und 5.3).
Diphenhydramin kann bei Allergie-Tests möglicherweise zu falsch-negativen Test-Ergebnissen führen und sollte da-her mindestens 3 Tage vorher abgesetzt werden.
Während der Behandlung mit Diphen-hydramin darf kein Alkohol getrunken werden, da hierdurch die Wirkung von Diphenhydramin in nicht vorhersehbarer Weise verändert und verstärkt wird.
4.6 Schwangerschaft und Stillzeit
Diphenhydramin-Hevert ist während Schwangerschaft und Stillzeit kontraindi-ziert.
Frauen im gebährfähigen Alter sollten darauf hingewiesen werden, das Präpa-rat abzusetzen, wenn sie schwanger werden möchten oder vermuten schwanger zu sein.
In einer Fall-Kontroll-Studie wurden 599 Mutter-Kind-Paare untersucht. Es wurde eine positive Assoziation zwischen der Einnahme von Diphenhydramin und der Inzidenz von Gaumenspalten festge-stellt. Bei 599 Schwangerschaften, in denen die Mütter während der ersten vier Monate Diphenhydramin einnahmen, wurden 49 Kinder mit Missbildungen ge-boren. Die Zahl der schweren Missbil-dungen (25) war gegenüber dem Erwar-tungswert (18,7) leicht erhöht, sodass sich ein standardisiertes relatives Risiko von 1,33 ergab. Es liegen Hinweise da-rauf vor, dass die gleichzeitige Einnahme von Diphenhydramin und Benzodiazepi-nen (Temazepam) fetoletal sein kann.
Nach einer längerfristigen Einnahme von Diphenhydramin während der Schwan-gerschaft wurden bei Neugeborenen 2 bis 8 Tage nach der Geburt Entzugs-symptome beobachtet.
Diphenhydramin geht in die Muttermilch über und hemmt die Laktation.
4.7 Auswirkungen auf die Verkehrstüch-tigkeit und die Fähigkeit zum Bedie-nen von Maschinen
Nach Anwendung von Diphenhydramin-Hevert dürfen keine Fahrzeuge geführt oder gefährliche Maschinen bedient wer-den. Auch am Folgetag können sich Se-dierung und beeinträchtigtes Reaktions-vermögen noch nachteilig auf die Fahr-tüchtigkeit oder die Fähigkeit zum Arbei-ten mit Maschinen auswirken. Dies gilt in besonderem Maße nach unzureichender Schlafdauer sowie im Zusammenwirken mit Alkohol (siehe auch Kapitel 4.5).
4.8 Nebenwirkungen
Bei der Bewertung von Nebenwirkungen werden folgende Häufigkeiten zugrunde gelegt:
Sehr häufig (≥ 1/10) Häufig (≥ 1/100 bis < 1/10) Gelegentlich (≥ 1/1.000 bis < 1/100) Selten (≥ 1/10.000 bis < 1/1.000) Sehr selten (< 1/10.000)
Die am häufigsten berichteten Neben-wirkungen beinhalten Somnolenz, Be-nommenheit und Konzentrationsstörun-gen während des Folgetages, insbeson-dere nach unzureichender Schlafdauer, sowie Schwindel und Muskelschwäche.
Weitere häufiger auftretende Nebenwir-kungen sind Kopfschmerzen, Magen-Darm-Beschwerden (Übelkeit, Erbre-chen, Durchfall) und anticholinerge Ef-fekte wie Mundtrockenheit, Opstipation, gastro-ösophagealer Reflux, Sehstörun-gen oder Miktionsstörungen
Wie auch andere H1-Rezeptor-Antago-nisten kann Diphenhydramin das QT-Intervall im EKG verlängern (siehe auch Kapitel 4.3 und 5.3).
Außerdem ist im Zusammenhang mit der Therapie mit Antihistminka über Über-empfindlichkeitsreaktionen, erhöhte Lichtempfindlichkeit der Haut, Änderun-gen des Blutbildes, Erhöhung des Au-geninnendrucks, cholestatischen Ikterus und paradoxe Reaktionen (Ruhelosig-keit, Nervosität, Erregung, Angstzustän-de, Zittern, Schlafstörungen) berichtet worden.
4.9 Überdosierung
Im Falle einer Überdosierung oder Ver-giftung mit Diphenhydramin-Hevert ist in jedem Fall unverzüglich eine Arzt zu konsultieren.
Eine Überdosierungen mit Diphenhyd-ramin-Hevert ist in erster Linie – abhän-gig von der aufgenommenen Dosis – durch die verschiedenen Stadien einer Bewusstseinstrübung gekennzeichnet, die von starker Schläfrigkeit bis zu Be-wusstlosigkeit reichen kann. Daneben werden Zeichen des anticholinergen Syndroms beobachtet, bei dem die zent-ralen Symptome häufig im Vordergrund stehen: Psychosen (Halluzinationen), Angst- und Erregungszustände, außer-dem Mydriasis, Sehstörungen, Ta-chykardie, Hyperthermie, heiße, gerötete Haut und trockene Schleimhäute, Obsti-pation und gesteigerte Krämpfe, Rhab-domyolyse (CPK-Anstieg) und Atemde-pression, die nach hohen Dosen bis hin zu Atemlähmung und Herz-Kreislauf-Stillstand führen kann.
Die Therapie einer Überdosierung orien-tiert sich an den jeweils vorliegenden Symptomen: Bei Spasmen Diazepam, erforderlichenfalls temperatursenkende Maßnamen, künstliche Beatmung bei drohender Atemlähmung. Als Gegenmit-tel bei anticholinergen Erscheinungen wird Physostigminsalicylat (nach Phy-sostigmintest) empfohlen.
Aufgrund der hohen Plasma-Eiweiß-Bindung und des großen Verteilungsvo-lumens dürften forcierte Diurese oder Hämodialyse bei reinen Diphenhydra-min-Vergiftungen nur von geringem Nut-zen sein; über den Einsatz der Häm-operfusion ist aber berichtet worden.
Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass Diphenhydramin bei Überdosierung Torsade de Pointes (TdP)-Arrhythmien auslösen kann. Allerdings wurden in ei-ner retrospektiven Studie, in der 126 do-kumentierte Fälle von Patienten mit Diphenhydramin-Überdosierung unter-sucht wurden, keine Patienten mit Tor-sade de Pointes-Arrhythmien gefunden (siehe auch unter 5.3).
5. Pharmakologische Eigenschaften
5.1. Pharmakodynamische Eigenschaften
Pharmakotherapeutische Gruppe: H1-Antihistaminikum
ATC-Code: R06AA02
Diphenhydramin ist ein Ethanolamin-Derivat mit H1-antihistaminischen, anti-cholinergen und ausgeprägt zentral se-dierenden Eigenschaften. Darüber hin-aus wirkt Diphenhydramin antiemetisch und lokalanästhetisch.
5.2 Pharmakokinetische Eigenschaften
Diphenhydramin wird nach oraler Gabe gut resorbiert und unterliegt einem aus-geprägten first-pass-Metabolismus in der Leber (ca. 50%). Die sedative Wirkung setzt nach 15 bis 30 Minuten ein.
Diphenhydramin wird im Organismus – einschließlich dem ZNS – gut verteilt. Maximale Plasmaspiegel werden bei oraler Gabe nach 1 bis 4 Stunden er-reicht. Das relative Verteilungsvolumen beträgt 3 bis 4 l/kg. Diphenhydramin wird stark an Plasmaeiweiße gebunden, überwindet die Plazenta-Schranke und tritt in die Muttermilch über.
Diphenhydramin wird in der Leber abge-baut und über die Nieren, zum größten Teil in metabolisierter Form, ausge-schieden. Die Ausscheidung ist meist innerhalb von 24 Stunden abgeschlos-sen.
5.3 Präklinische Daten zur Sicherheit
Letale Dosen werden in der Literatur mit 10 mg/kg Körpergewicht bei Kindern und 40 mg/kg Körpergewicht bei Erwachse-nen angegeben.
In elektrophysiologischen In-vitro-Unter-suchungen bei Konzentrationen, die ca. um den Faktor 40 über den therapeu-tisch wirksamen Konzentrationen lagen, hat Diphenhydramin den rapid delayed rectifier K+-Kanal blockiert und die Akti-onspotenzialdauer verlängert. Daher kann Diphenhydramin bei Vorliegen von weiteren begünstigenden Faktoren po-tenziell Torsade de Pointes-Arrhythmien auslösen. Diese Vorstellung wird durch Einzelfallberichte mit Diphenhydramin gestützt.
Diphenhydramin wurde in vitro auf muta-genes Potenzial untersucht. Die Tests ergaben keine relevanten mutagenen Ef-fekte.
Langzeituntersuchungen an Ratten und Mäusen ergaben keinen Hinweis auf ein tumorerzeugendes Potenzial.
Embryotoxische Effekte wurden bei Ka-ninchen und Mäusen in Dosierungen von mehr als 15-50 mg/kg Körpergewicht am Tag beobachtet.
6. Pharmazeutische Angaben
6.1 Liste der sonstigen Bestandteile
Natriumchlorid, Natriumhydroxidlösung, Wasser für Injektionszwecke
6.2 Inkompatibilitäten
Keine bekannt.
6.3. Dauer der Haltbarkeit
40 Monate
Dieses Arzneimittel soll nach Ablauf des Verfallsdatums nicht mehr angewendet werden.
6.4 Besondere Vorsichtsmaßnahmen für die Aufbewahrung
Die Ampullen im Umkarton aufbewah-ren, um den Inhalt vor Licht zu schützen.
6.5 Art und Inhalt des Behältnisses
Originalpackungen zu
10 Ampullen N 2
50 Ampullen
100 Ampullen
200 Ampullen
300 Ampullen
6.6 Besondere Vorsichtsmaßnahmen für die Beseitigung
Keine besonderen Anforderungen.
7. Inhaber der Zulassung
Hevert-Arzneimittel GmbH & Co. KG In der Weiherweise 1 D-55569 Nussbaum Telefon: (06751) 910-0 Telefax: (06751) 910-150 www.hevert.de
8. Zulassungsnummer
6345845.00.00
9. Datum der Erteilung der Zulas-sung/Verlängerung der Zulassung
19.11.2009
10. Stand der Information
November 2012
11. Verkaufsabgrenzung
Verschreibungspflichtig
