Fachinformation - Vitamin B12 Glenmark 10 Mikrogramm Filmtabletten
1. BEZEICHNUNG DES ARZNEIMITTELS
Vitamin B12 Glenmark 10 Mikrogramm Filmtabletten
2. QUALITATIVE UND QUANTITATIVE ZUSAMMENSETZUNG
Jede Filmtablette enthält 10 Mikrogramm Cyanocobalamin (Vitamin B12).
Sonstiger Bestandteil mit bekannter Wirkung:
Jede Filmtablette enthält 58,5 mg Lactose-Monohydrat.
Vollständige Auflistung der sonstigen Bestandteile, siehe Abschnitt 6.1.
3. DARREICHUNGSFORM
Filmtablette
Weiße, runde, bikonvexe Filmtabletten mit Einprägung „34“ auf der einen und „G“ auf der anderen Seite.
4. KLINISCHE ANGABEN
4.1 Anwendungsgebiete
Prävention eines Vitamin-B12-Mangels bei jahrelanger Mangel- und Fehlernährung (z. B. durch streng vegetarische Kost).
4.2 Dosierung und Art der Anwendung
Dosierung
Erwachsene und Senioren nehmen täglich 1 Filmtablette ein (entsprechend 10 μg Cyanocobalamin).
Die maximale Tagesdosis sollte nicht überschritten werden.
Bei guter Verträglichkeit ist die Dauer der Anwendung nicht begrenzt.
Kinder und Jugendliche
Zur Anwendung dieses Arzneimittels bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren liegen keine ausreichenden Daten vor. Es soll deshalb bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren nicht angewendet werden.
Für konkrete Dosisempfehlungen bei eingeschränkter Nieren-/Leberfunktion gibt es keine hinreichenden Daten.
Art der Anwendung
Die Einnahme erfolgt mit ausreichend Flüssigkeit.
4.3 Gegenanzeigen
Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der in Abschnitt 6.1 genannten sonstigen Bestandteile.
4.4 Besondere Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung
Auf ausreichende Zufuhr von Folsäure sollte (insbesondere in Schwangerschaft und Stillzeit) geachtet werden.
Dieses Arzneimittel enthält Lactose. Patienten mit der seltenen hereditären Galactose-Intoleranz, völligem Lactase-Mangel oder Glucose-Galactose-Malabsorption sollten Vitamin B12 Glenmark nicht einnehmen.
Vitamin B12 Glenmark enthält weniger als 1 mmol (23 mg) Natrium pro Filmtablette, d. h., es ist nahezu natriumfrei
4.5 Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln und sonstige Wechselwirkungen
Die Absorption kann durch Para-Aminosalicylsäure, Colchinin, Biguanide, Neomycin, Cholestyramin, Kaliumchlorid, Methyldopa und Cimetidin verringert werden.
Patienten, die mit Chloramphenicol behandelt werden, können schlechter auf dieses Arzneimittel ansprechen.
Die Serumspiegel dieses Medikaments können durch orale Kontrazeptiva gesenkt werden. Es ist unwahrscheinlich, dass diese Wechselwirkungen von klinischer Bedeutung sind.
Anti-Metaboliten und die meisten Antibiotika machen mikrobiologische Vitamin-B12-Bestimmungen ungültig.
4.6 Fertilität, Schwangerschaft und Stillzeit
Schwangerschaft
Studiendaten an Schwangeren, die mit hohen/höheren Dosen Vitamin B12 behandelt wurden liegen nicht vor. Tierexperimentelle Studien ergaben keine Hinweise auf direkte oder indirekte gesundheitsschädliche Wirkungen in Bezug auf eine Reproduktionstoxizität (siehe Abschnitt 5.3).
Studiendaten an Frauen die während der Schwangerschaft einen Vitamin B12 Mangel aufwiesen zeigten einen Zusammenhang mit erhöhten Raten bei Neuralrohrdefekten, Gaumenspalten, Frühgeburten, Aborten und Präeklampsie.
Tierexperimentelle Studien an Ratten mit Vitamin B12 Mangel zeigten eine Reproduktionstoxizität (siehe Abschnitt 5.3).
Die empfohlene tägliche Vitamin B12-Zufuhr in der Schwangerschaft und Stillzeit beträgt 4,5 μg/d und 5 μg/d.
Falls notwendig kann eine Anwendung von Vitamin B12 Glenmark während der Schwangerschaft in Betracht gezogen werden.
Vitamin B12 Glenmark darf nicht zur Behandlung einer megaloblastischen Anämie in der Schwangerschaft angewendet werden, die ausschließlich durch einen Folat-Mangel verursacht wird.
Stillzeit
Vitamin B12 wird in die Muttermilch ausgeschieden. Es sind keine nachteiligen Auswirkungen auf gestillte Neugeborene/Kinder zu erwarten. Vitamin B12 Glenmark kann während der Stillzeit angewendet werden.
Fertilität
Vitamin B12 ist notwendig zur Aufrechterhaltung der männlichen Fertilität. Tierexperimentelle Daten an männlichen Ratten zeigten bei Vitamin B12 Mangel in unterschiedlichen Entwicklungsstadien einen negativen Einfluss auf die Fertilität (siehe Abschnitt 5.3).
Bei normalen endogenen Vitamin B12 Plasmakonzentrationen sind keine nachteiligen Auswirkungen auf die Fertilität zu erwarten.
4.7 Auswirkungen auf die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen
Keine bekannt. Hierzu liegen jedoch keine Studiendaten vor.
4.8 Nebenwirkungen
Bei den Häufigkeitsangaben zu Nebenwirkungen werden folgende Kategorien zugrunde gelegt:
Sehr häufig (≥ 1/10); Häufig (≥ 1/100 bis < 1/10); Gelegentlich (≥ 1/1 000 bis < 1/100); Selten (≥ 1/10 000, < 1/1 000); Sehr selten (< 1/10 000); Nicht bekannt (Häufigkeit auf Grundlage der verfügbaren Daten nicht abschätzbar).
| Systemorganklassen | Häufigkeit | Nebenwirkung |
| Erkrankungen des Immunsystems | Selten | Anaphylaxie, Fieber |
| Erkrankungen der Haut und des Unterhautgewebes | Selten | Urtikaria, Exantheme, akne-ähnliche Hautausschläge, Ekzeme, allergische Reaktionen einschließlich Hautreaktionen und Angioödemen |
Meldung des Verdachts auf Nebenwirkungen
Die Meldung des Verdachts auf Nebenwirkungen nach der Zulassung ist von großer Wichtigkeit. Sie ermöglicht eine kontinuierliche Überwachung des Nutzen-Risiko-Verhältnisses des Arzneimittels.
Angehörige von Gesundheitsberufen sind aufgefordert, jeden Verdachtsfall einer Nebenwirkung dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte, Abt. Pharmakovigilanz, Kurt-Georg-Kiesinger-Allee 3, D-53175 Bonn, Website: www.bfarm.de anzuzeigen.
4.9 Überdosierung
Vitamin B12 hat eine große therapeutische Breite. Vergiftungen oder Überdosierungserscheinungen sind nicht bekannt.
5. PHARMAKOLOGISCHE EIGENSCHAFTEN
5.1 Pharmakodynamische Eigenschaften
Pharmakotherapeutische Gruppe: Vitamin B12 (Cyanocobalamin)
ATC-Code: B03BA01
Vitamin B12 ist als Bestandteil der prosthetischen Gruppen der Methylmalonyl-CoA-Isomerase für die Umwandlung der Propionsäure in Bernsteinsäure notwendig. Weiterhin ist Vitamin B12 neben Folsäure an der Neubildung labiler Methylgruppen beteiligt, die durch Transmethylierungsprozesse auf andere Methylakzeptoren übertragen werden. Das Vitamin nimmt dabei auf die Nukleinsäuresynthese Einfluss, insbesondere bei der Hämatopoese und anderen Zellreifungsvorgängen im Körper.
Vorkommen und Bedarfsdeckung:
Cyanocobalamin gehört zur Gruppe der Stoffe, die zusammenfassend als „Vitamin B12” bezeichnet werden.
Zu therapeutischen Zwecken wird Vitamin B12 in Form von Cyanocobalamin, Hydroxocobalamin und Hydroxocobalaminacetat angewendet. Diese Formen stellen ”Prodrugs” dar, die im Organismus in die wirksamen Formen Methyl- und 5-Adenosylcobalamin überführt werden.
Der Mensch ist nicht in der Lage, Vitamin B12 selbst zu synthetisieren, und muss sich das Vitamin mit der Nahrung zuführen. Als Vitamin-B12-haltige Produkte sind Leber, Niere, Herz, Fisch, Austern, Milch, Eigelb und Muskelfleisch bekannt.
Die Resorption von Vitamin B12 erfolgt überwiegend im Dünndarm, jedoch nur, wenn das Vitamin zuvor mit dem im Magen gebildeten Intrinsic-Faktor, einem Glykoprotein, eine Verbindung eingegangen ist. Nur die Vitamin-B12-Menge wird im Körper retiniert, die zur täglichen Bedarfsdeckung notwendig ist und etwa 1 μg beträgt.
Mangelerscheinungen:
Eine jahrelang dauernde verminderte oder fehlende Vitamin-B12-Resorption führt zu Mangelerscheinungen, wenn der Plasmaspiegel unterhalb 200 pg/ml fällt. Hämatologisch finden sich Blutbildveränderungen in Form einer megaloblastären Anämie. Neurologisch manifestieren sich Ausfälle am peripheren und zentralen Nervensystem. Zeichen der Polyneuropathie können mit Läsionen der langen Rückenmarksbahnen und psychischen Störungen kombiniert sein. Bei Mangelerscheinungen treten meist uncharakteristische Symptome auf, z. B. Müdigkeit und Blässe, Kribbeln in Händen und Füßen, Gangunsicherheit und verminderte körperliche Belastbarkeit.
5.2 Pharmakokinetische Eigenschaften
Die Vitamin-B12-Resorption erfolgt über 2 Wege:
- 1. Vitamin B12 wird im Dünndarm aktiv in der an den Intrinsic-Faktor gebundenen Form resorbiert. Der Transport von Vitamin B12 zum Gewebe erfolgt durch Anlagerung an Transcobalamine, Substanzen aus der Reihe der Plasma-β-Globuline.
- 2. Unabhängig vom Intrinsic-Faktor kann Vitamin B12 auch durch passive Diffusion über den Magen-Darm-Trakt oder Schleimhäute in den Blutstrom gelangen. Von oral angebotenen Mengen gelangen jedoch nicht mehr als 1- 3 % ins Blut.
Untersuchungen an Gesunden ergaben, dass von oralen Dosen (mehr als 5 μg) über den Intrinsic-Faktor im Durchschnitt maximal 1,5 μg Vitamin B12 resorbiert werden. Bei Patienten mit perniziöser Anämie wurden nach oralen Dosen von 100 μg Vitamin B12 und mehr Resorptionsraten von maximal 1 % gefunden.
Das im Körper enthaltene Vitamin B12 ist in Depots gespeichert, von denen die Leber das wichtigste ist. Der durch den täglichen Bedarf verbrauchte Vitamin-B12-Anteil ist sehr gering und liegt bei etwa
1 μg, die Turn-over-Rate bei 2,5 μg. Die biologische Halbwertszeit beträgt ca. 1 Jahr. Dabei werden 2,55 μg Vitamin B12 pro Tag oder 0,051 % der Gesamtbestände des Körpers umgesetzt.
Vitamin B12 wird überwiegend über die Galle ausgeschieden und bis auf 1 μg wieder über den enterohepatischen Kreislauf rückresorbiert. Wird die Speicherkapazität des Körpers durch hochdosierte, insbesondere parenterale Gabe überschritten, so wird der nicht retinierte Anteil im Urin ausgeschieden.
Die Blutplasma-Spiegel geben über die Höhe des Vitamin-B12-Depots im Körper Auskunft. Wird einem gesunden Organismus jegliche Vitamin-B12-Zufuhr entzogen, braucht es einen Zeitraum von 3 bis 5 Jahren, bis kritische Werte erreicht werden, die einen Vitaminmangelzustand anzeigen.
5.3 Präklinische Daten zur Sicherheit
Auf der Grundlage der verfügbaren, wenn auch begrenzten Studien zur Sicherheitspharmakologie, Toxizität bei wiederholter Verabreichung, Genotoxizität oder zum karzinogenen Potenzial lassen die nichtklinischen Daten aus der veröffentlichten Literatur keine besondere Gefahr für den Menschen in der empfohlenen Tagesdosis erkennen.
Reproduktionstoxikologie
Tierexperimentelle Daten zeigten bei Vitamin-B12-Zufuhr keine Reproduktionstoxizität. Bei neugeborenen Ratten mit Vitamin-B12-Mangel wurde eine erhöhte Rate an Hydrocephalus und Gaumenspalten festgestellt. Vitamin B12, das trächtigen Ratten vor dem zwölften Trächtigkeitstag verabreicht wurde, schien die Entwicklung von Hydrocephalus zu verhindern. Prä- und postnatale Entwicklungsstudien mit Vitamin B12 liegen nicht vor.
Männliche Ratten mit defizitären Vitamin-B12-Plasmaspiegeln zeigten geringere Hodengewichte, Spermienzahlen und Spermienbeweglichkeit. Die Anzahl entarteter Spermien war erhöht, Nebenhoden und Prostata waren verkleinert. Apoptose der Samenleiter sowie Aplasien der Spermatiden konnten in neugeborenen männlichen Ratten beobachtet werden deren Mütter während der Schwangerschaft unter defizitären Vitamin-B12-Plasmakonzentrationen gehalten wurden.
6. PHARMAZEUTISCHE ANGABEN
6.1 Liste der sonstigen Bestandteile
Tablettenkern
Lactose-Monohydrat
Mikrokristalline Cellulose
Croscarmellose-Natrium
Magnesiumstearat (Ph. Eur.) [pflanzlich]
Filmüberzug
Hypromellose
Macrogol 6000
Titandioxid (E171)
6.2 Inkompatibilitäten
Nicht zutreffend.
6.3 Dauer der Haltbarkeit
HDPE-Flasche: 2 Jahre
Alu/Alu-Blisterpackung: 9 Monate
6.4 Besondere Vorsichtsmaßnahmen für die Aufbewahrung
HDPE-Flasche
Für dieses Arzneimittel sind keine besonderen Lagerungsbedingungen erforderlich.
Haltbarkeit nach dem ersten Öffnen der Flasche: 100 Tage
Alu/Alu-Blisterpackung
Nicht über 25 °C lagern.
In der Originalverpackung aufbewahren, um den Inhalt vor Feuchtigkeit zu schützen.
6.5 Art und Inhalt des Behältnisses
Vitamin B12 Glenmark ist in HDPE-Flaschen mit kindersicherem Verschluss erhältlich, die 100 Filmtabletten und zusätzlich einen Beutel mit Silicagel-Trockenmittel enthalten. Das Trockenmittel in diesem Beutel darf nicht geschluckt werden.
Vitamin B12 Glenmark ist auch in Alu/Alu-Blisterpackungen zu 15 oder 100 Filmtabletten erhältlich.
Es werden möglicherweise nicht alle Packungsgrößen in den Verkehr gebracht.
6.6 Besondere Vorsichtsmaßnahmen für die Beseitigung
Keine besonderen Anforderungen.
7. INHABER DER ZULASSUNG
Glenmark Arzneimittel GmbH
Industriestr. 31
82194 Gröbenzell
8. ZULASSUNGSNUMMER
7004101.00.00
9. DATUM DER ERTEILUNG DER ZULASSUNG
21.November 2023
10. STAND DER INFORMATION
Oktober 2024
11. VERKAUFSABGRENZUNG
Freiverkäuflich
