Fachinformation - Paracetalgin 500 mg Filmtabletten
1. BEZEICHNUNG DES ARZNEIMITTELS
Paracetalgin 500 mg Filmtabletten
2. QUALITATIVE UND QUANTITATIVE ZUSAMMENSETZUNG
Jede Filmtablette enthält 500 mg Paracetamol.
Sonstige Bestandteile mit bekannter Wirkung:
Jede Filmtablette enthält 12 µg Glucose und Sorbitol.
Vollständige Auflistung der sonstigen Bestandteile, siehe Abschnitt 6.1.
3. DARREICHUNGSFORM
Filmtablette
Weiße bis cremefarbene, ovale, bikonvexe Tablette mit Bruchkerbe auf der einen Seite und glatt auf der anderen Seite. Die Filmtablette ist etwa 7,9 x 17,1 mm groß und etwa 5,0-6,5 mm hoch.
Die Tablette kann in gleiche Dosen geteilt werden.
4. KLINISCHE ANGABEN
4.1 Anwendungsgebiete
Symptomatische Behandlung von leichten bis mäßig starken Schmerzen und/oder Fieber.
Paracetalgin wird angewendet bei Erwachsenen, Jugendlichen und Kindern ab 6 Jahren.
4.2 Dosierung und Art der Anwendung
Dosierung
Die Dosierung ist entsprechend den Angaben in der folgenden Tabelle zu wählen. Die Dosis ist abhängig vom Alter und Körpergewicht und beträgt in der Regel 10 bis 15 mg/kg Körpergewicht als Einzeldosis, bis maximal 60 mg/kg Körpergewicht als Tagesgesamtdosis.
In jedem Fall richtet sich das Dosierungsintervall nach den Symptomen und der maximalen Tagesgesamtdosis. Es sollte nicht unter 4 Stunden betragen.
Für Kinder unter 6 Jahren sind besser geeignete Formulierungen verfügbar.
Wenn die Symptome länger als 3 Tage anhalten, sollte ein Arzt aufgesucht werden.
| Körpergewicht (Alter) | Einzeldosis (entsprechende Paracetamol-Dosis) (Anzahl Tabletten) | Max. Tagesdosis | Mindestabstand zwischen zwei Dosen | ||
| (24 Stunden) | |||||
| (entsprechende | |||||
| Paracetamol-Dosis) | |||||
| (Anzahl | |||||
| Tabletten/Dosen) | |||||
22 kg-30 kg (Kinder ca. 6-9 Jahre) | 250 mg (½ Tablette) | 1.000-1.500 mg (höchstens 2-3 Tabletten/4-6 Dosen) | 4-6 Stunden | ||
30 kg-40 kg (Kinder ca. 9-12 Jahre) | 500 mg (1 Tablette) | 1.500-2.000 mg (höchstens 3- 4 Tabletten/Dosen) | 4-6 Stunden | ||
40 kg-55 kg (Kinder ca. 12-15 Jahre) | 500 mg (1 Tablette) | 2.000-3.000 mg (höchstens 4-6 Tabletten/Dosen) | 4-6 Stunden | ||
> 55 kg (Erwachsene und Jugendliche ab 15 Jahren) | 500-1.000 mg (1-2 Tabletten) | 3.000 mg (höchstens 6 Tabletten/3-6 Dosen) | 4-6 Stunden | ||
Die in der Tabelle angegebene Tageshöchstdosis (24 Stunden) darf auf keinen Fall überschritten werden.
Es sollte die niedrigste zum Erreichen der Wirksamkeit benötigte Dosis verwendet werden. Maximaldauer bei kontinuierlicher Anwendung ohne medizinischen Rat: 3 Tage.
Ältere Patienten
Bei älteren Patienten ist keine Dosisanpassung erforderlich. Es ist jedoch zu beachten, dass Nieren- und/oder Leberinsuffizienz bei älteren Patienten häufiger sind (siehe Abschnitt 4.4).
Niereninsuffizienz
Bei Niereninsuffizienz sollte Paracetamol mit Vorsicht angewendet werden. Bei schwerer Niereninsuffizienz wird ein verlängertes Dosisintervall empfohlen. Bei einer Kreatinin-Clearance von 10-50 ml/min muss ein Dosisintervall von mindestens 6 Stunden eingehalten werden. Bei einer Kreatinin-Clearance von weniger als 10 ml/min muss ein Dosisintervall von mindestens 8 Stunden eingehalten werden.
Leberinsuffizienz
Bei Leberinsuffizienz oder Gilbert-Syndrom sollte Paracetamol mit Vorsicht angewendet werden. Die Dosis muss vermindert bzw. das Dosisintervall verlängert werden.
Ohne ärztliche Anweisung darf bei Erwachsenen eine Tagesdosis von 2.000 mg nicht überschritten werden.
Ohne ärztliche Anweisung darf eine Tageshöchstdosis von 60 mg/kg Körpergewicht (bis zu einem Maximum von 2.000 mg/Tag) nicht überschritten werden bei:
- einem Körpergewicht unter 50 kg
- Leberfunktionsstörung
- Gilbert-Syndrom (familiäre nicht-hämolytische Gelbsucht)
- chronischem Alkoholmissbrauch
- Dehydratation
- chronischer Mangelernährung.
Chronischer Alkoholkonsum kann die Schwelle für eine Paracetamolvergiftung herabsetzen. Bei diesen Patienten muss der Abstand zwischen zwei Dosisgaben mindestens 8 Stunden betragen.
Art der Anwendung
Zum Einnehmen. Die Tabletten werden mit einem Glas Wasser eingenommen.
4.3 Gegenanzeigen
Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der in Abschnitt 6.1 genannten sonstigen Bestandteile.
4.4 Besondere Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung
Um das Risiko einer Überdosierung zu vermeiden, ist sicherzustellen, dass gleichzeitig angewendete Arzneimittel kein Paracetamol enthalten.
In den folgenden Fällen sollte Paracetamol mit besonderer Vorsicht, d. h. mit einem verlängerten Dosierungsintervall oder einer verringerten Dosis (siehe Abschnitt 4.2) und unter ärztlicher Beobachtung angewendet werden:
- Hepatozelluläre Insuffizienz (Child-Pugh-Score < 9)
- Chronischer Alkoholmissbrauch
- Niereninsuffizienz (Kreatinin-Clearance < 10 ml/min)
- Gilbert-Syndrom (Morbus Meulengracht)
Bei einer schweren Infektion, da dies das Risiko einer metabolischen Azidose erhöhen kann.
Anzeichen einer metabolischen Azidose sind etwa:
- tiefes, schnelles Atmen, Schwierigkeiten beim Atmen
- Übelkeit, Erbrechen
- Appetitverlust
- Akute Hepatitis
- Gleichzeitige Behandlung mit Arzneimitteln, die die Leberfunktion beeinträchtigen
- Glucose-6-Phosphat-Dehydrogenase-Mangel
- Glutathion-Mangel
- Hämolytische Anämie
- Dehydratation
- Chronische Mangelernährung
- Ältere Patienten
Zusätzliche Vorsichtsmaßnahmen (siehe Abschnitt 4.2).
Von längerer oder häufiger Anwendung wird abgeraten. Die Patienten sind anzuweisen, keine anderen Paracetamol-haltigen Arzneimittel gleichzeitig anzuwenden. Die gleichzeitige Einnahme mehrerer Tagesdosen kann schwere Leberschäden verursachen; in solchen Fällen tritt keine Bewusstlosigkeit auf.
Bei einer Überdosierung ist jedoch unverzüglich medizinische Hilfe aufzusuchen, auch wenn sich der Patient wohl fühlt, da das Risiko einer irreversiblen Leberschädigung besteht (siehe Abschnitt 4.9). Die längere Anwendung ohne ärztliche Überwachung kann gesundheitsschädlich sein. Bei Kindern und Jugendlichen, die mit 60 mg/kg Paracetamol täglich behandelt werden, ist die Kombination mit einem anderen Antipyretikum nur bei mangelnder Wirksamkeit gerechtfertigt.
Während der Anwendung von Paracetamol sollte auf den Konsum von Alkohol verzichtet werden.
Das Risiko einer Überdosierung ist bei Patienten mit nicht-zirrhotischer alkoholbedingter Lebererkrankung erhöht. In Fällen von chronischem Alkoholismus ist Vorsicht geboten. Bei Patienten mit Alkoholmissbrauch muss die Dosis reduziert werden (siehe Abschnitt 4.2). Die Tagesdosis darf in diesen Fällen 2 Gramm nicht überschreiten.
Von Patienten, die Paracetamol in therapeutischen Dosierungen einnahmen, wurden Fälle von Paracetamol-bedingter Hepatotoxizität berichtet, auch mit tödlichem Ausgang. Diese Fälle wurden von Patienten berichtet, die einen oder mehrere Risikofaktoren für Hepatotoxizität aufwiesen, darunter geringes Körpergewicht (< 50 kg), Nieren- und Leberfunktionsstörungen, chronischer Alkoholismus, gleichzeitige Einnahme hepatotoxischer Arzneimittel, und bei akuter und chronischer Mangelernährung (niedrige Glutathion-Reserven in der Leber). Paracetamol ist bei Patienten mit diesen Risikofaktoren mit Vorsicht zu verabreichen. Vorsicht ist außerdem geboten, wenn Patienten gleichzeitig mit Arzneimitteln behandelt werden, die Leberenzyme induzieren, sowie unter Bedingungen, die einen Glutathion-Mangel begünstigen (siehe Abschnitte 4.2 und 4.9). Die Paracetamol-Dosen sind in klinisch geeigneten Abständen zu überprüfen, und die Patienten sollten auf das Auftreten neuer Risikofaktoren für Hepatotoxizität überwacht werden, die eine Dosisanpassung erforderlich machen können.
Bei Patienten mit schlechtem Ernährungszustand, der auf Alkoholmissbrauch, Anorexie oder falsche Ernährung zurückzuführen ist, wird aufgrund des Risikos von toxischen Leberreaktionen von einer längeren Anwendung und Höchstdosen abgeraten.
Bei hohem Fieber, Anzeichen einer Sekundärinfektion oder bei Symptomen, die länger als 3 Tage anhalten, muss ein Arzt hinzugezogen werden.
Im Allgemeinen sollten Paracetamol-haltige Arzneimittel ohne ärztlichen oder zahnärztlichen Rat nur wenige Tage und nicht in hohen Dosen angewendet werden.
Bei längerer, nicht bestimmungsgemäßer Anwendung von Schmerzmitteln in hohen Dosen können Kopfschmerzen auftreten, die nicht durch erhöhte Dosen des Arzneimittels behandelt werden dürfen.
Im Allgemeinen kann die regelmäßige Einnahme von Schmerzmitteln, insbesondere bei Kombination mehrerer schmerzstillender Substanzen, zu dauerhafter Nierenschädigung mit dem Risiko eines Nierenversagens (Analgetika-Nephropathie) führen.
Bei abruptem Absetzen nach längerer, nicht bestimmungsgemäßer Anwendung von Schmerzmitteln in hohen Dosen können Kopfschmerzen sowie Ermüdung, Muskelschmerzen, Nervosität und autonome Symptome auftreten. Die Entzugssymptome klingen innerhalb weniger Tage ab. Bis dahin muss die weitere Einnahme von Analgetika vermieden werden und die erneute Einnahme darf nicht ohne ärztlichen Rat erfolgen.
Fälle von metabolischer Azidose mit vergrößerter Anionenlücke (HAGMA) aufgrund von Pyroglutaminsäure-(5-Oxoprolin-)Azidose wurden bei Patienten mit schweren Erkrankungen, wie schwerer Nierenfunktionsstörung und Sepsis, oder bei Patienten mit Mangelernährung oder anderen Ursachen für Glutathionmangel (z. B. chronischer Alkoholismus) berichtet, die mit einer therapeutischen Dosis von Paracetamol über einen längeren Zeitraum oder mit einer Kombination von Paracetamol und Flucloxacillin behandelt wurden.
Bei Verdacht auf HAGMA aufgrund einer Pyroglutaminsäure-Azidose wird ein sofortiges Absetzen von Paracetamol und eine engmaschige Überwachung empfohlen. Die Messung von Pyroglutaminsäure (5-Oxoprolin) im Urin kann nützlich sein, um Pyroglutaminsäure-Azidose als zugrunde liegende Ursache von HAGMA bei Patienten mit mehreren Risikofaktoren zu erkennen.
Paracetalgin enthält Glucose
Patienten mit der seltenen Glucose-Galactose-Malabsorption sollten Paracetalgin nicht einnehmen.
Paracetalgin enthält Sorbitol
Die additive Wirkung gleichzeitig angewendeter Sorbitol (oder Fructose)-haltiger Arzneimittel und die Einnahme von Sorbitol (oder Fructose) über die Nahrung ist zu berücksichtigen. Der Sorbitolgehalt oral angewendeter Arzneimittel kann die Bioverfügbarkeit von anderen gleichzeitig oral angewendeten Arzneimitteln beeinflussen.
4.5 Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln und sonstige Wechselwirkungen
- Die Einnahme von Probenecid hemmt die Bindung von Paracetamol an Glucuronsäure, was zu einer Verringerung der Paracetamol-Clearance um ungefähr den Faktor 2 führt. Bei gleichzeitiger Einnahme von Probenecid sollte die Paracetamol-Dosis verringert werden.
Besondere Vorsicht ist bei der gleichzeitigen Einnahme von Arzneimitteln geboten, die zu einer
Enzyminduktion führen, sowie bei potenziell hepatotoxischen Substanzen (siehe Abschnitt 4.9). Der Metabolismus von Paracetamol ist erhöht bei Patienten, die enzyminduzierende Arzneimittel wie z. B. Phenytoin, Carbamazepin, Phenobarbital, Primidon und Rifampicin einnehmen. In Einzelfällen wurde von unerwarteter Hepatotoxizität bei Patienten berichtet, die enzyminduzierende Arzneimittel einnahmen.
Bei gleichzeitiger Anwendung von Paracetamol und AZT (Zidovudin) wird die Neigung zur
Ausbildung einer Neutropenie und Hepatotoxizität erhöht. Die chronische Anwendung und die Anwendung mehrerer Dosen von Paracetamol bei Patienten unter Therapie mit Zidovudin ist zu vermeiden und darf nur auf ärztliche Anordnung erfolgen. Ist eine chronische Anwendung von Paracetamol und Zidovudin erforderlich, sind besonders bei mangelernährten Patienten die Leukozytenzahlen und die Leberwerte zu überwachen.
- Bei gleichzeitiger Einnahme von Arzneimitteln, die zu einer Verlangsamung der Magenentleerung führen, können die Resorption und der Wirkeintritt von Paracetamol verzögert sein.
- Die gleichzeitige Einnahme von Arzneimitteln, die zu einer Beschleunigung der Magenentleerung führen, wie z. B. Metoclopramid und Domperidon, beschleunigt die Resorption und den Wirkeintritt von Paracetamol.
Colestyramin verringert die Resorption von Paracetamol. Wenn die gleichzeitige Anwendung von
Paracetamol und Colestyramin erforderlich ist, sollte Paracetamol mindestens 1 Stunde vor oder 4 Stunden nach der Gabe von Colestyramin eingenommen werden.
Eine langfristige und regelmäßige Anwendung von Paracetamol kann die antikoagulatorische
Wirkung von Warfarin und anderen Cumarinen erhöhen und zu einem erhöhten Blutungsrisiko führen, während eine gelegentliche Einnahme keine signifikante Auswirkung hat.
- Vorsicht ist geboten, wenn Paracetamol gleichzeitig mit Flucloxacillin angewendet wird, da die gleichzeitige Anwendung mit einer metabolischen Azidose mit vergrößerter Anionenlücke aufgrund einer Pyroglutaminsäure-(5-Oxoprolin-)Azidose in Zusammenhang gebracht wurde, insbesondere bei Patienten mit Risikofaktoren (siehe Abschnitt 4.4).
Vitamin-K-Antagonisten: Es kann zu einer Verstärkung der Wirkung von Vitamin-K-
Antagonisten kommen, insbesondere bei regelmäßiger Einnahme hoher Dosen von Paracetamol. In diesem Fall wird eine regelmäßige Kontrolle der INR (International Normalized Ratio) empfohlen.
- Lamotrigin: Paracetamol kann den Abbau von Lamotrigin in der Leber induzieren und dadurch dessen Bioverfügbarkeit herabsetzen, was mit einer verminderten Wirkung von Lamotrigin verbunden sein kann.
Auswirkungen auf Laborwerte
Die Einnahme von Paracetamol kann die Harnsäurebestimmung mittels Phosphorwolframsäure sowie die Blutzuckerbestimmung mittels Glucose-Oxidase-Peroxidase beeinflussen.
4.6 Fertilität, Schwangerschaft und Stillzeit
Schwangerschaft
Zahlreiche Daten über schwangere Frauen deuten nicht auf ein Fehlbildungsrisiko oder eine fetale/neonatale Toxizität hin.
Epidemiologische Studien zur neuronalen Entwicklung bei Kindern, die im Uterus Paracetamol ausgesetzt waren, weisen keine eindeutigen Ergebnisse auf. Falls klinisch erforderlich, kann Paracetamol während der Schwangerschaft angewendet werden. Es sollte jedoch mit der geringsten wirksamen Dosis für den kürzest möglichen Zeitraum und mit der geringstmöglichen Häufigkeit angewendet werden.
Stillzeit
Paracetamol wird in die Muttermilch ausgeschieden, allerdings bei den empfohlenen Dosen in keinen klinisch relevanten Mengen. Verfügbare veröffentlichte Daten weisen nicht auf eine Kontraindikation während der Stillzeit hin.
Fertilität
Es liegen keine hinreichenden klinischen Daten zur männlichen oder weiblichen Fertilität vor.
4.7 Auswirkungen auf die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von
Maschinen
Paracetalgin hat keinen oder einen zu vernachlässigenden Einfluss auf die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen.
4.8 Nebenwirkungen
Die Nebenwirkungen werden nachfolgend nach Systemorganklasse und Häufigkeit aufgelistet. Die Häufigkeiten werden wie folgt definiert:
Sehr häufig (≥ 1/10); Häufig (≥ 1/100, < 1/10); Gelegentlich (≥ 1/1.000, < 1/100); Selten (≥ 1/10.000, < 1/1.000); Sehr selten (< 1/10.000); Nicht bekannt (Häufigkeit auf Grundlage der verfügbaren Daten nicht abschätzbar).
| Systemorganklassen | Nebenwirkungen und Häufigkeit |
| Erkrankungen des Blutes und des Lymphsystems | Sehr selten: Thrombozytopenie, Leukopenie, Panzytopenie, Neutropenie, hämolytische Anämie, Agranulozytose Nicht bekannt: Anämie |
| Erkrankungen des Immunsystems | Sehr selten: Anaphylaxie (die ein Absetzen der Behandlung erfordert), Überempfindlichkeitsreaktionen der Haut, darunter Hautausschläge Sehr selten wurden Fälle von schwerwiegenden Hautreaktionen gemeldet (arzneimittelbedingtes Stevens-Johnson-Syndrom [SJS], toxisch epidermale Nekrolyse [TEN] und akut generalisierendes pustulöses Exanthem [AGEP]). |
| Stoffwechsel- und Ernährungsstörungen | Nicht bekannt: Metabolische Azidose mit vergrößerter Anionenlücke |
| Erkrankungen der Atemwege, des Brustraums und Mediastinums | Sehr selten: Bronchospasmus bei Patienten, die empfindlich auf Acetylsalicylsäure und andere NSAR reagieren |
| Leber- und Gallenerkrankungen | Sehr selten: Hepatotoxizität Selten: Anstieg der Lebertransaminase-Werte, hepatische Dysfunktion, Leberversagen, Lebernekrose, Ikterus Nicht bekannt: Hepatitis |
| Erkrankungen der Haut und des Unterhautgewebes | Selten: Pruritus, Ausschläge, Schwitzen, Angioödem, Urtikaria Nicht bekannt: Exanthem |
| Erkrankungen des Nervensystems | Selten: Kopfschmerzen |
| Erkrankungen des Gastrointestinaltrakts | Selten: Abdominalschmerzen, Diarrhö, Übelkeit, Erbrechen und Obstipation |
| Erkrankungen der Nieren und Harnwege | Sehr selten: Sterile Pyurie (trüber Urin) Nicht bekannt: Nephropathien (interstitielle Nephritis, Tubulusnekrose) nach längerer Anwendung hoher Dosen |
| Allgemeine Erkrankungen | Selten: Schwindel, Unwohlsein |
| Verletzung, Vergiftung und Komplikationen | Selten: Überdosierung und Intoxikation |
Beschreibung ausgewählter Nebenwirkungen
Metabolische Azidose mit vergrößerter Anionenlücke
Bei Patienten mit Risikofaktoren, die Paracetamol einnahmen, wurden Fälle von metabolischer Azidose mit vergrößerter Anionenlücke aufgrund von Pyroglutaminsäure-(5 Oxoprolin-)Azidose beobachtet (siehe Abschnitt 4.4). Eine Pyroglutaminsäure-Azidose kann bei diesen Patienten infolge eines niedrigen Glutathionspiegels auftreten.
Meldung des Verdachts auf Nebenwirkungen
Die Meldung des Verdachts auf Nebenwirkungen nach der Zulassung ist von großer Wichtigkeit. Sie ermöglicht eine kontinuierliche Überwachung des Nutzen-Risiko-Verhältnisses des Arzneimittels. Angehörige von Gesundheitsberufen sind aufgefordert, jeden Verdachtsfall einer Nebenwirkung dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte, Abt. Pharmakovigilanz, Kurt-Georg-Kiesinger-Allee 3, D-53175 Bonn, Website: www.bfarm.de anzuzeigen.
4.9 Überdosierung
Eine Überdosierung mit Paracetamol kann zu Leberversagen führen, was eine Lebertransplantation erforderlich machen oder zum Tod führen kann.
Bei Paracetamol besteht insbesondere bei älteren Patienten, Kleinkindern, Patienten mit Lebererkrankung, chronischem Alkoholismus, chronischer Mangelernährung, bei Patienten, die enzyminduzierende Wirkstoffe anwenden, und bei Erwachsenen mit einem Gewicht von weniger als 50 kg ein Intoxikationsrisiko. In diesen Fällen kann eine Überdosierung zum Tod führen.
Im Allgemeinen treten innerhalb der ersten 24 Stunden unter anderem folgende Symptome auf: Übelkeit, Erbrechen, Anorexie, Blässe sowie Abdominalschmerzen. Patienten können jedoch auch asymptomatisch sein.
Durch eine Überdosierung einer Einzeldosis Paracetamol kann es bei Erwachsenen oder Kindern zu Leberzellnekrosen kommen, die eine totale und irreversible Nekrose induzieren können. Dies kann zu hepatozellulärer Insuffizienz, metabolischer Azidose und Enzephalopathie und dadurch zu Koma und zum Tod führen. Gleichzeitig wurden erhöhte Spiegel der Lebertransaminasen (AST, ALT), der Laktatdehydrogenase und von Bilirubin zusammen mit erhöhten Prothrombinspiegeln beobachtet, die 12 bis 48 Stunden nach der Anwendung auftreten können. Bei Erwachsenen, die mehr als die empfohlene Menge an Paracetamol eingenommen haben, kann es zu Leberschäden kommen. Es wird davon ausgegangen, dass übermäßige Mengen toxischer Metabolite (üblicherweise werden normale Paracetamol-Dosen nach deren Einnahme durch Glutathion adäquat entgiftet) irreversibel im Lebergewebe gebunden werden.
Bei einigen Patienten besteht ein erhöhtes Risiko für Leberschäden durch Paracetamol-Toxizität.
Akutes Nierenversagen mit akuter Tubulusnekrose sind ebenfalls möglich.
Es wurde auch von Herzrhythmusstörungen und Pankreatitis berichtet.
Zu den Risikofaktoren gehören: der Patient
wird langfristig mit Carbamazepin, Phenobarbital, Phenytoin, Primidon, Rifampicin,
Johanniskraut oder anderen Arzneimitteln, die Leberenzyme induzieren, behandelt
- konsumiert regelmäßig Ethanol in Mengen, die weit über den empfohlenen liegen
leidet an einem Glutathion-Mangel, z. B. aufgrund von Essstörungen, Mukoviszidose, HIV-
Infektion, Hunger, Kachexie.
Die oben erwähnten Risikofaktoren können die Schwelle für Hepatotoxizität herabsetzen.
Notfallmaßnahmen
Die sofortige Behandlung einer Paracetamol-Überdosierung ist unerlässlich. Die Patienten müssen zur unverzüglichen medizinischen Behandlung in ein Krankenhaus überführt werden.
Wenn die Einnahme von > 150 mg/kg Paracetamol weniger als 1 Stunde zurückliegt, sollte eine Behandlung mit Aktivkohle in Erwägung gezogen werden.
Liegt eine einzige akute Überdosierung vor, sollte die Paracetamol-Plasmakonzentration 4 Stunden oder später nach der Einnahme gemessen werden. Zur Bestimmung der initialen Paracetamol-Plasmakonzentration sollten Blutproben entnommen werden.
Das Antidot N-Acetylcystein sollte so schnell wie möglich in Übereinstimmung mit den nationalen Therapieleitlinien gegeben werden.
Eine symptomatische Behandlung ist vorzunehmen.
5. PHARMAKOLOGISCHE EIGENSCHAFTEN
5.1 Pharmakodynamische Eigenschaften
Pharmakotherapeutische Gruppe: Analgetika; Andere Analgetika und Antipyretika; Anilide ATC-Code: N02B E01
Paracetamol hat analgetische und antipyretische Wirkungen. Der analgetische und antipyretische Wirkmechanismus von Paracetamol ist nicht eindeutig geklärt. Eine zentrale und periphere Wirkung ist wahrscheinlich. Nachgewiesen ist eine ausgeprägte Hemmung der zerebralen Prostaglandinsynthese, während die periphere Prostaglandinsynthese nur schwach gehemmt wird. Außerdem hemmt Paracetamol die Wirkung endogener Pyrogene auf das hypothalamische Temperaturregulationszentrum.
5.2 Pharmakokinetische Eigenschaften
Paracetamol wird rasch und fast vollständig aus dem Magen-Darm-Trakt resorbiert.
Pharmakokinetische Daten beim Menschen zeigen, dass die frühe Resorption von Paracetamol (Dosisfraktion in den ersten 60 Minuten) bei Paracetalgin um 32 % höher ausfällt als bei normalen Paracetamol-Tabletten (p < 0,0001) und die Variabilität bei der frühen Resorption von Paracetamol sowohl zwischen Patienten als auch intraindividuell bei Paracetalgin niedriger ist als bei normalen Paracetamol-Tabletten (p < 0,0001).
Pharmakokinetische Daten beim Menschen zeigen, dass die maximale Plasmakonzentration von Paracetamol sowohl im Nüchternzustand als auch nach Nahrungsaufnahme bei Paracetalgin mindestens 25 % schneller erreicht wird als bei normalen Paracetamol-Tabletten (p < 0,01). Die maximale Plasmakonzentration wird nach 25 Minuten erreicht.
Das Gesamtausmaß der Resorption von Paracetamol bei Paracetalgin entspricht dem bei normalen Paracetamol-Tabletten.
In einer Studie zur Bioäquivalenz wurden im Vergleich zum Referenzprodukt Panadol, Filmtabletten folgende Ergebnisse erzielt (Studiennummer: BE-1967-19)
| Referenzprodukt (R) | Prüfpräparat (P) |
Pharmakokinetischer Parameter | Arithmetischer Mittelwert | Standard-abweichung | VK (%) | Arithmetischer Mittelwert | Standard-abweichung | VK (%) |
| *Tmax (h) | 0.68 | 0.25-2.25 | 0.42 | 0.22-1.33 | ||
* Median und berichtete Spanne
Szintigrafische Untersuchungen beim Menschen zeigen, dass Paracetalgin im Allgemeinen 5 Minuten nach Dosisgabe zersetzt wird. Pharmakokinetische Daten beim Menschen zeigen, dass Paracetamol üblicherweise nach 10 Minuten im Plasma nachweisbar ist.
Die Plasmaproteinbindung ist variabel. Die Plasmahalbwertszeit beträgt 1-4 Stunden. Die maximale Plasmakonzentration von Paracetamol wird sowohl im Nüchternzustand als auch nach Nahrungsaufnahme bei Paracetalgin schneller erreicht als bei normalen Paracetamol-Tabletten (p < 0,01).
Paracetamol verteilt sich in den meisten Körperflüssigkeiten verhältnismäßig gleichmäßig.
Die Ausscheidung erfolgt nahezu ausschließlich über die Nieren in Form von konjugierten Metaboliten.
5.3 Präklinische Daten zur Sicherheit
Umfangreiche Studien ergaben keine Hinweise auf ein relevantes genotoxisches Risiko von Paracetamol im therapeutischen, d. h. nicht-toxischen, Dosisbereich.
Langzeitstudien an Ratten und Mäusen weisen nicht auf relevante tumorigene Wirkungen von nicht-hepatotoxischen Dosen von Paracetamol hin.
Es sind keine konventionellen Studien verfügbar, in denen die aktuell akzeptierten Standards für die Bewertung der Reproduktions- und Entwicklungstoxizität verwendet werden.
6. PHARMAZEUTISCHE ANGABEN
6.1 Liste der sonstigen Bestandteile
Tablettenkern
Vorverkleisterte Stärke (Mais)
Calciumcarbonat
Povidon K25
Crospovidon (Typ B)
Alginsäure
Hochdisperses Siliciumdioxid
Magnesiumstearat (Ph.Eur.) [pflanzlich]
Filmüberzug
Hypromellose
Polydextrose (enthält Sorbitol und Glucose)
Mittelkettige Triglyceride
Macrogol 3350
Calciumcarbonat
(3-sn-Phosphatidyl)cholin (aus Sonnenblumen) [entölt] (E 322)
Macrogol 400
6.2 Inkompatibilitäten
Nicht zutreffend.
6.3 Dauer der Haltbarkeit
30 Monate
6.4 Besondere Vorsichtsmaßnahmen für die Aufbewahrung
Für dieses Arzneimittel sind keine besonderen Lagerungsbedingungen erforderlich.
6.5 Art und Inhalt des Behältnisses
PVC/PVdC-Aluminium-Blisterpackungen und OPA/Alu/PVC-Aluminium-Blisterpackungen. Packungsgrößen: 10 und 20 Filmtabletten.
Es werden möglicherweise nicht alle Packungsgrößen in den Verkehr gebracht.
6.6 Besondere Vorsichtsmaßnahmen für die Beseitigung
Nicht verwendetes Arzneimittel oder Abfallmaterial ist entsprechend den nationalen Anforderungen zu beseitigen.
7. INHABER DER ZULASSUNG
ratiopharm GmbH
Graf-Arco-Str. 3
89079 Ulm
Deutschland
8. ZULASSUNGSNUMMER
2205114.00.00
9. DATUM DER ERTEILUNG DER ZULASSUNG/VERLÄNGERUNG DER
ZULASSUNG
Datum der Erteilung der Zulassung: 18. Mai 2022
10. STAND DER INFORMATION
Dezember 2024
11. VERKAUFSABGRENZUNG
Apothekenpflichtig
