Fachinformation - Digestopret (Bionorica SE)
1. BEZEICHNUNG DES ARZNEIMITTELS
Digestopret
182 mg
magensaftresistente Weichkapseln
2. QUALITATIVE UND QUANTITATIVE ZUSAMMENSETZUNG
1 magensaftresistente Weichkapsel enthält 182 mg (0,2 ml) Pfefferminzöl (Mentha piperita L., aetheroleum).
Vollständige Auflistung der sonstigen Bestandteile, siehe Abschnitt 6.1.
3. DARREICHUNGSFORM
Magensaftresistente Weichkapseln (als Kapseln bezeichnet).
Ovale, transparent-opake Kapseln, die eine transparente, leicht viskose Flüssigkeit enthalten. Die Kapsel ist etwa 10 mm lang und etwa 7 mm breit.
4. KLINISCHE ANGABEN
4.1 Anwendungsgebiete
Pflanzliches Arzneimittel zur symptomatischen Linderung von leichten Krämpfen des Magen-Darm-Trakts, Blähungen und Bauchschmerzen, insbesondere bei Patienten mit Reizdarmsyndrom.
Digestopret wird angewendet bei Erwachsenen, Jugendlichen und Kindern ab 8 Jahren.
4.2 Dosierung und Art der Anwendung
Dosierung
| Patienten | Einzeldosis (Einnahme 3 mal täglich) | Tagesdosis | Maximale Tagesdosis |
|---|---|---|---|
| Ältere Menschen, Erwachsene und Jugendliche ab 14 Jahren | 1 – 2 Kapseln | 3 – 6 Kapseln | 6 Kapseln |
| Kinder und Jugendliche im Alter von 8 bis 13 Jahren (mit einem Körpergewicht ≥ 19 kg) | 1 Kapsel | 3 Kapseln | 3 Kapseln |
Kinder
Digestopret ist kontraindiziert bei Kindern unter 8 Jahren und Kindern mit einem Körpergewicht unter 19 kg, siehe Abschnitt 4.3.
Beeinträchtigung der Nierenfunktion
Daten für eine Dosierungsempfehlung bei eingeschränkter Nierenfunktion liegen nicht vor.
Zum Gehalt an Pulegon und Menthofuran siehe Abschnitt 5.3.
Anwendungsdauer:
Digestopret sollte bis zum Abklingen der Symptome eingenommen werden, in der Regel ein bis zwei Wochen. Bei anhaltenden Symptomen kann die Einnahme dieses Arzneimittels über einen Zeitraum von bis zu 3 Monaten pro Behandlung fortgesetzt werden.
Art der Anwendung
Zum Einnehmen. Digestopret muss 30 Minuten vor den Mahlzeiten unzerkaut mit ausreichend kalter Flüssigkeit (vorzugsweise ein Glas kaltes Wasser) eingenommen werden, siehe Abschnitt 4.4.
Die Kapseln sollten im Ganzen geschluckt werden, d. h. nicht zerbrochen oder gekaut werden (siehe Abschnitt 4.4).
4.3 Gegenanzeigen
Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff (Pfefferminzöl oder Menthol) oder einen der in Abschnitt 6.1 genannten sonstigen Bestandteile.
Patienten mit Lebererkrankungen, Cholangitis, Achlorhydrie, Gallensteinen und anderen Gallenstörungen.
Kinder unter 8 Jahren und Kinder mit einem Körpergewicht unter 19 kg aufgrund des Vorhandenseins von Pulegon und Menthofuran in Pfefferminzöl und des Mangels an klinischen Daten in dieser Altersgruppe.
4.4 Besondere Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen für die Anwendung
Digestopret sollte im Ganzen geschluckt, d. h. nicht zerbrochen oder gekaut werden, da dies zu einer vorzeitigen Freisetzung des Pfefferminzöls führen würde, was lokale Reizungen im Mund und in der Speiseröhre verursachen könnte.
Bei Patienten, die bereits unter Sodbrennen oder Zwerchfellbruch leiden, kommt es nach der Einnahme von Pfefferminzöl manchmal zu einer Verschlimmerung dieser Symptome. Bei solchen Patienten sollte die Behandlung abgebrochen werden.
Während der Anwendung dieses Arzneimittels sind andere Arzneimittel, die Pfefferminzöl enthalten, zu meiden.
Dieses Arzneimittel enthält weniger als 1 mmol (23 mg) Natrium pro Kapsel, d. h. es ist nahezu ‚natriumfrei‘.
4.5 Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln und sonstige Wechselwirkungen
Die gleichzeitige Einnahme von Nahrungsmitteln oder Antazida kann zu vorzeitiger Freisetzung des Kapselinhalts führen.
Andere Arzneimittel zur Verringerung der Magensäure, wie z. B. Histamin-2-Blocker und Protonenpumpenhemmer, können zu vorzeitiger Auflösung des magensaftresistenten Überzugs führen und sollten vermieden werden.
Es wurden keine Studien zur Erfassung von Wechselwirkungen durchgeführt.
4.6 Fertilität, Schwangerschaft und Stillzeit
Schwangerschaft
Es liegen keine oder nur begrenzte Daten zur Anwendung von Pfefferminzöl bei schwangeren Frauen vor. Tierstudien sind hinsichtlich der Reproduktionstoxizität unzureichend (siehe Abschnitt 5.3). Digestopret wird während der Schwangerschaft und bei Frauen im gebärfähigen Alter, die keine Verhütungsmittel anwenden, nicht empfohlen.
Stillzeit
Daten weisen darauf hin, dass Pfefferminzölbestandteile oder deren Metaboliten in die Muttermilch übergehen. Ein Risiko für das gestillte Neugeborene/Kleinkind kann nicht ausgeschlossen werden. Digestopret sollte daher während der Stillzeit nicht angewendet werden.
Fertilität
Es liegen keine klinischen Daten zu möglichen Auswirkungen auf die Fertilität vor.
4.7 Auswirkungen auf die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit zum Bedienen von Maschinen
Studien über die Auswirkungen auf die Verkehrstüchtigkeit und die Fähigkeit, Maschinen zu bedienen, wurden nicht durchgeführt.
4.8 Nebenwirkungen
Nebenwirkungen werden nachfolgend nach MedDRA-Systemorganklasse und bevorzugtem Begriff dargestellt, unter Verwendung der folgenden Häufigkeitskonvention: sehr häufig (≥ 1/10); häufig (≥ 1/100, < 1/10); gelegentlich (≥ 1/1.000, < 1/100); selten (1/10.000 bis < 1/1.000); sehr selten (< 1/10.000); nicht bekannt (anhand der verfügbaren Daten nicht abzuschätzen).
Tabellarische Auflistung von Nebenwirkungen
| MedDRA Systemorganklasse | Nebenwirkungen | Häufigkeit |
|---|---|---|
| Erkrankungen des Immunsystems | Überempfindlichkeit, anaphylaktischer Schock | Häufigkeit nicht bekannt |
| Erkrankungen des Nervensystems | Kopfschmerzen, Muskeltremor, Ataxie | Häufigkeit nicht bekannt |
| Augenerkrankungen | Verschwommenes Sehen | Häufig |
| Herzerkrankungen | Bradykardie | Häufigkeit nicht bekannt |
| Erkrankungen des Gastrointestinaltrakts | Sodbrennen, perianales Brennen, Mundtrockenheit, Übelkeit, Erbrechen | Häufig |
| Stuhlgeruch anomal (mit Mentholgeruch) | Häufigkeit nicht bekannt | |
| Erkrankungen der Haut und des Unterhautgewebes | Erythematöser Hautausschlag | Häufigkeit nicht bekannt |
| Erkrankungen der Nieren und Harnwege | Uringeruch anormal (mit Mentholgeruch), Dysurie | Häufigkeit nicht bekannt |
| Erkrankungen der Geschlechtsorgane und der Brustdrüse | Entzündung der Eichel des Penis | Häufigkeit nicht bekannt |
Beim Auftreten anderer, oben nicht genannter Nebenwirkungen ist ein Arzt oder Apotheker zu konsultieren.
Meldung des Verdachts auf Nebenwirkungen
Die Meldung des Verdachts auf Nebenwirkungen nach der Zulassung ist von großer Wichtigkeit. Sie ermöglicht eine kontinuierliche Überwachung des Nutzen-Risiko-Verhältnisses des Arzneimittels.
Angehörige von Gesundheitsberufen sind aufgefordert, jeden Verdachtsfall einer Nebenwirkung dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte, Abt. Pharmakovigilanz, Kurt-Georg-Kiesinger-Allee 3, D-53175 Bonn, Website: www.bfarm.de anzuzeigen.
4.9 Überdosierung
Eine Überdosierung kann schwere gastrointestinale Symptome, Durchfall, rektale Ulzerationen, epileptische Anfälle, Bewusstlosigkeit, Atemstillstand, Übelkeit und Herzrhythmusstörungen, Ataxie und andere Probleme des ZNS, die wahrscheinlich auf das Vorhandensein von Menthol zurückzuführen sind, auslösen.
Bei einer Überdosierung sollte der Magen durch eine Magenspülung entleert werden. Der Patient sollte beobachtet werden und bei Bedarf ist eine symptomatische Behandlung einzuleiten.
5. PHARMAKOLOGISCHE EIGENSCHAFTEN
5.1 Pharmakodynamische Eigenschaften
Pharmakotherapeutische Gruppe: Andere Mittel bei funktionellen gastrointestinalen Störungen
ATC-Code: A03AX15
Der Wirkmechanismus ist nicht im Detail bekannt.
Mehrere Studien an gesunden Probanden oder Patienten zeigen, dass intraluminal (Magen oder Dickdarm) oder oral verabreichtes Pfefferminzöl eine spasmolytische Wirkung auf die glatte Muskulatur des Magen-Darm-Trakts ausübt.
In systematischen Übersichtsarbeiten und Metaanalysen zeigen placebokontrollierte Studien für Pfefferminzöl eine Verbesserung von Bauchschmerzen und allgemeinen Reizdarm-Symptomen.
5.2 Pharmakokinetische Eigenschaften
Resorption
Menthol und andere terpenhaltige Bestandteile von Pfefferminzöl sind fettlöslich und werden im proximalen Dünndarm schnell absorbiert.
Elimination
Menthol und andere Terpenbestandteile von Pfefferminzöl werden zu einem gewissen Grad in Form von Glucuroniden ausgeschieden.
In einer klinischen Studie mit Pfefferminzöl und einer klinischen Studie mit Menthol wurde eine gewisse Hemmung der CYP3A4-Aktivität beschrieben.
5.3 Präklinische Daten zur Sicherheit
Die präklinischen Daten zur Toxizität bei wiederholter Gabe sind unvollständig. Aufgrund der langjährigen klinischen Anwendung besteht eine hinreichend nachgewiesene Sicherheit der Anwendung von Pfefferminzöl in der angegebenen Dosierung (bis zu 1,2 ml täglich) beim Menschen.
Eine Standardbatterie von Genotoxizitätsstudien (In-vitro-Rückmutationstest an Bakterien, Ames-Test; In-vitro-Maus-Lymphom-Test; kombinierter In-vivo-Knochenmark-Mikronukleus-/Comet-Test) zeigte, dass Pfefferminzöl kein genotoxisches Potenzial besitzt.
Tests zur Reproduktionstoxizität und Karzinogenität wurden nicht durchgeführt.
Pulegon und Menthofuran (≤ 2,5 % des ätherischen Öls):
Pulegon und seine Metaboliten zeigten bei Ratten und Mäusen einen karzinogenen Effekt auf Leber und Harnwege. Basierend auf den Ergebnissen mehrerer in-vitro und in-vivo Genotoxizitätsstudien gelten Pulegon und Menthofuran als nicht-genotoxische Karzinogene. Der zugrundeliegende Mechanismus wird in der anhaltenden Zytotoxizität aufgrund hoher Dosen vermutet, welche zu regenerativer Zellproliferation führt.
Gehalt an Pulegon und Menthofuran
Eine Kapsel Digestopret enthält in Summe höchstens 4,55 mg Pulegon und Menthofuran. Mit der für Digestopret definierten Dosierung wird der in dem „Public statement on the use of herbal medicinal products containing pulegone and menthofuran“ (EMA/HMPC/138386/2005 Rev1) festgelegte Grenzwert für eine akzeptable Exposition gegenüber Pulegon und Menthofuran (0,75 mg Pulegon und Menthofuran pro kg Körpergewicht pro Tag bei lebenslanger Exposition) eingehalten. Die höchste empfohlene Tagesdosis (6 Kapseln) beträgt 1,2 ml Pfefferminzöl, d. h. 1092 mg Pfefferminzöl, das maximal 27,3 mg Pulegon und Menthofuran enthält, was unter dem zulässigen Expositionsgrenzwert von 37,5 mg Pulegon und Menthofuran pro Tag für eine 50 kg schwere Person liegt. Bei dieser Dosierung wurden keine Fälle von durch Pfefferminzöl verursachten Leberschäden gemeldet.
6. PHARMAZEUTISCHE ANGABEN
6.1 Liste der sonstigen Bestandteile
Kapselhülle
Gelatine
Glycerol (E 422)
Gereinigtes Wasser
Magensaftresistenter Kapselüberzug
Natriumalginat
Stearinsäure (Ph. Eur.) [pflanzlich]
Ethylcellulose
Mittelkettige Triglyceride
Ölsäure
6.2 Inkompatibilitäten
Nicht zutreffend.
6.3 Dauer der Haltbarkeit
3 Jahre
6.4 Besondere Vorsichtsmaßnahmen für die Aufbewahrung
Nicht über 30 °C lagern.
6.5 Art und Inhalt des Behältnisses
Die Kapseln sind in PVC/PVDC/Aluminium-Blister in Faltschachteln aus Karton verpackt.
Folgende Packungsgrößen sind erhältlich:
Packung mit 15 magensaftresistenten Weichkapseln
Packung mit 45 magensaftresistenten Weichkapseln
Es werden möglicherweise nicht alle Packungsgrößen in den Verkehr gebracht.
6.6 Besondere Vorsichtsmaßnahmen für die Beseitigung
Nicht verwendetes Arzneimittel oder Abfallmaterial ist entsprechend den nationalen Anforderungen zu beseitigen.
7. INHABER DER ZULASSUNG
BIONORICA SE
Kerschensteinerstrasse 11-15
92318 Neumarkt
Deutschland
Tel.: +49 (0)9181 231-90
Fax: +49 (0)9181 231-265
E-Mail: info@bionorica.de
Mitvertrieb:
PLANTAMED Arzneimittel GmbH
Kerschensteinerstrasse 11-15
92318 Neumarkt
Tel: +49 (0)9181 231-0
Fax: +49 (0)9181 21850
8. ZULASSUNGSNUMMER
7013618.00.00
9. DATUM DER ERTEILUNG DER ZULASSUNG
Erteilung der Zulassung: 09.01.2025
10. STAND DER INFORMATION
01.2025
11. VERKAUFSABGRENZUNG
Apothekenpflichtig
